Honig aus der Region als Verkaufsargument

  • Liebe Leute,
    ich würde gern mal die vielen vorteilhaften Aspekte von Honig aus der Region zusammentragen.
    Bestäubungsleistung: Ich hab gelesen, ev. sogar hier im Forum, dass die Imkerei in Europa an 3.Stelle der bei der Tierhaltung steht. Hinter Rind- und Schweine-Haltung und noch vor Geflügel. Ich glaube, das war volkswirtschaftlich gerechnet unter Einbeziehung der Bestäubungsleistung, die die Honigleistung bei weitem überstieg. (Da frag ich mich nur: warum kommen wir nicht mit den Bauern ins Geschäft.). Den KäuferInnen können wir jedenfalls sagen, dass sie mit dem Honigkauf bei uns auch was für die heimische Landwirtschaft tun.
    Wie sieht es eigentlich bei Wildpflanzen aus? Was wäre ohne Bienen? Artenverarmung? Gibt es dazu Studien?
    Allergien: Ich hab mal gelesen, dass die geringen Pollenmengen im Honig desensibilisierend für Pollen-AllergikerInnen wirken. Kann das hier jemand bestätigen?

    Vielleicht hab ihr ja Antworten und weitere Ideen für die regionale Vermarktung.

    Ich bin neu hier, lese aber schon seit Jahren mit großem Gewinn mit.

    Gruß vom Harry

  • IMHO:
    Das beste Verkaufsargument ist ein gutes Produkt. Bestäubungsleistung, etc. ist zwar richtig und wichtig, aber das sieht der Kunde nicht und es betrifft ihn nicht primär. Die Leute kommen (wieder), weil "Ihr Honig der beste ist" - da wird auch nur auf den zweiten Blick auf den Preis geschaut.


    lg, Stefan

  • Also, ich schließ mich Stefan an... wenn der Honig gut ist und der Preis realistisch (womit ich nicht billig meine), bin ich bestimmt auch bereit, mich darüber zu freuen, dass ich GLEICHZEITIG was Gutes für meine Heimat tu.


    Aber nicht andersrum....


    Grüße von Lisa

    Die Menschen sind wunderliche Säugetiere

  • Es gibt da doch noch paar zusätzliche Gründe:


    - Pollen aus der Region hilft gegen Allergien in der Region.
    - Honig von hier wird hier überwacht.
    - In der Bienenhaltung hier ist alles geregelt was erlaubt ist, anderswo wird verboten, was man gefunden und gefährlich befunden hat.
    - Honig von hier wird nicht per irgendwas von irgendwo her geholt.
    - Honig von hier gibt's nur hier, im Supermarkt gibts nur Honig von irgendwo.
    - Bio ist nur in Deutschland so Bio wie Deutsche denken, daß Bio sein muß.
    - Honig von mir hier erhält die Freundschaft zu mir hier.
    - Imker können mehr als Honig, Schön wenner dann um's Eck wohnt und nicht in Dien und der Honig nicht etwa aus Tralien kommt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Das gute Produkt „Honig“ – klar, das ist die Grundlage des Verkaufs. Mir fällt es allerdings schwer, zu behaupten, mein Honig sei der beste. Das kommt dann manchmal von den KundInnen. Denen ich dann aber auch nach der nächsten Ernte erklären muss, warum der Honig nun wieder ganz anders aussieht und schmeckt. Letztes Jahr war bei mir viel Blatthonig in der Sommerernte, dies Jahr nicht. Da hab ich aber kein Problem mit.


    Andererseits: Warum sollen nicht auch die Kanadier guten Honig herstellen können?


    Hier wird doch viel über Honigpreise diskutiert. Da möchte ich schon ein paar Vorteile benennen können, die nur der vor Ort produzierte Honig bietet. Ganz im Sinne von Henry.


    Henry
    Das mit den Allergien ist ja unmittelbar einleuchtend. Trotzdem, kann man diesen Zusammenhang irgendwo nachlesen?


    @alle
    Das ökologische Gleichgewicht zwischen Bestäubern und Bestäubten. welche Rolle spielen die Bienen?
    Ich hab die Vorstellung, dass im Naturzustand eine gewissen natürliche Bienendichte in hohlen Bäumen residierte, dass in den vergangenen Jahrhunderten eine „natürliche“ Imkerdichte die wilden Völker ersetzte. Und dass in 20 Jahren große weiße Flecken auf der deutschen Bienenlandkarte erscheinen werden. Da brauch ich mir nur das Durchschnittsalter in meinem Imkerverein anzuschauen.
    Vielleicht retten uns ja die Hummeln. Aber vielleicht weiß das ja hier auch wer genauer?


    Gruß vom Harry

  • Das mit den Allergien ist ja unmittelbar einleuchtend. ... kann man diesen Zusammenhang irgendwo nachlesen?

    Ja, sogar hier im Internet: www.dt-allerg-kongress.de/Honig/Pollendesensibilisierung.html

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hi Harry3,


    Punkt 1) hat Henry Dir aufgezeigt. Zu Punkt 2 ) empfehle ich Dir oben rechts den Button "Bücherecke".
    Fang beim Ersten an und höre hinten auf.
    Überall kannst Du etwas über den Bestäubungswert der Bienen nachlesen.
    Außerdem zählt das Argument Bestäubung sehr wohl etwas, zumal bei mir auf dem Land. Mich sprechen Leute an und fragen, warum denn ihr Kirschbaum im Garten keine oder nurmehr schrumpelige Kirschen trägt....
    Und natürlich können kanadische Imkerkollegen einen guten Honig liefern, Chinesen auch. Nur hat dieser Honig, wenn er hier für wenig Geld im Regal steht, schon zigtausende Kilometer Schiffreise hinter sich. Kein Argument ? Okay, dann warte halt, bis der Liter Sprit 2,50 € kostet. Dauert nicht mehr lange.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo,
     
    die Argumente müssen kundenbezogen sein. Wer den Spitzenhonig möchte und den Preis bezahlt, dem sind Nachbars Apfelbäume egal. Wer Apfelbäume besitzt ist der Auffassung, dass der Imker von ihm massenhaft Nektar bezieht. Hier das richtige Verkaufsargument zu haben ist nicht einfach. Den Letzteren watsche ich gerne ab. Er darf bei mir im Herbst alle Äpfel abholen, welche ich von denkbaren Apfelbaumbesitzern bekomme. Er muss nicht läuten, er muss nicht bitten, nur das holen was sich im Hofe auftürmt.
     
    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Also echt... bei einem Honigverkäufer, der mich sofort mit Argumenten überschüttet, würd ich gleich weiterziehn! Lässt er mich probieren, find ich ihn sympathisch, würd ich den Ratschfuß ausklappen und dann könnten wir plaudern. DA hätte ich aber eh schon ein paar Honigtöpfe gekauft.


    Natürlich sind Produkte aus der Region für uns besonders gut geeignet, weil die Pflanzen, der Boden, alles Lebende denselben Belastungen ausgesetzt ist wie wir selbst und somit auch - hm - Abwehrmöglichkeiten entwickeln hilft. Wobei das auch noch nicht wissenschaftlich erwiesen ist, im Bereich von Metaphysik und Philosophie anzusiedeln, aber ... das ist Weltanschauung, Weltsicht... egal, welches Wort ich benutz... In Österreich läuft zwar grad ein Forschungsprojekt, aber das ist noch im Universitätsstadium, da dürfen sich grad die Studies Sporen verdienen.


    Selbstverständlich kaufe ich lieber bei heimischen Produzenten, soweit das Verhältnis stimmt. Ich kaufe Milch beim Bauern (wenn er nicht grad einen katholischen Bekehrungsversuch bei mir macht), Eier vom Nachbarn, dessen Hühner ich fast persönlich kenne. Ich kaufe Honig und Getreide aus der Region, abgesehen von irgendwelchen Theorien einfach aus dem Grund, weil ich für die Produkte, die ich kauf, keine Transportschäden quer durch die Welt mitverantworten möchte. Aber nur, wenn es stimmig ist. Hätte meine Nachbarin angefangen, mir ein Loblied über ihre Eier zu singen und mir eine moralische Verpflichtung aufgelegt... wär ich geflüchtet. Aber: die Eier sind einfach gut, wie die Hühner leben auch... und der Preis ist angemessen.


    Aber das ist vielleicht auch Geschmackssache... in der Türkei halt ich anpreisende Händler aus, dort IST es einfach so und nach zwei Kannen Pfefferminztee werden die Preise realistisch und schlechte Ware ist verschwunden und man hat Freunde gefunden... aber in Deutschland glaub ich, fühlen sich die meisten Kunden von allzuviel Marktgeschrei eher abgestoßen


    Aber ein nettes Infoblatt drucken, für jeden, auch die Scheuen, dazulegen... warum nicht. Und halt warten, ob der evtl. Käufer mehr hören möchte...


    Grüße von Lisa

    Die Menschen sind wunderliche Säugetiere

  • Moin Lisa,


    ich verkaufe nicht nur an Heileweltsverbesserer mit hintergründiger Nachhaltigkeitsgesinnung. Ich verkaufe an ganz normale Eltern, mit und ohne Heuschnupfen, Neurodermitiskind, Migränenacken, Rheumaknie, Reizmagen ect. an Leckermäuler, Süchtige, Gesundheitbewußte und Verschenker. Vor mir machen sich eher die Ökos lächerlich, weil sie zwar viel über Ökologie und naturverbundene Lebensweise reden können, aber ich - ich hab' meine Bienen und meine Schafe, meinem Kirschberg, meine Äpfel und wer mich dort besucht, weiß wo ich glücklich bin. Ganz nachhaltig. Und manche kommen dahin und kaufen meinen Honig nur damit sie mal da sein dürfen und sich anschließend daran erinnern. (Und dann kommen natürlich noch welche zum Kräuter- und Biertrinken :wink: doch das gehört hier nicht her.)


    Regionales Honigmarketing lebt von der Präsenz und dem Wissen des Imkers und natürlich von seiner Kommunikationsfähigkeit. Irgendjemand muß dem Kunden sagen, was Fakt und Phase ist. Und das bin ich!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Ja, Henry, dann glaub ich aber auch, dass bei Dir das gesamte Feld stimmt...


    Du überzeugst, weil Du überzeugt bist von dem, was Du vermittelst. Du vermittelst nicht nur, um Kunden zu fangen (natürlich auch, klar, aber DEN Unterschied spüren sogar Leut, deren feine Nasen durch Heuschnupfen verstopft sind). Laberst Du jeden gleich voll mit allen tollen Vorteilen Deines Honigs oder stellst Du Dich auf die Kunden ein? Ich zumindest weiß von mir, dass ich Menschen zu Wildkräuterbroten vor allem deshalb "verlocken" kann, weil ich sie gerne esse und weil ich wirklich dahinter steh. Obwohl ich mit den Broten nicht wirklich was verdiene...


    Grüße von Lisa

    Die Menschen sind wunderliche Säugetiere

  • Laberst Du jeden gleich voll mit allen tollen Vorteilen Deines Honigs ...

    Ja, mir kommt keiner aus. Manchmal reiche ich Taschentücher für das Blut aus dem Ohr. Und wenn einer was fragt, dann hat er gleich verloren, dann kann der erst wieder weg, wenn ich mal atmen muß. (PS: ich bin Taucher, da trainiert man das)

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder