• Hallo Zusammen,
    in mehreren Foren wird immer wieder der Begriff URERZEUGER verwendet.
    Trotz Suchfunktion und "googeln" konnte ich den Begriff und seine Bedeutung nicht wirklich rechtsfest machen.
    Ich fasse einmal mein Problem mit Beispielen (a und b) aus dem Forum zusammen.


    a.) Verkaufe ich meinen Honig an der Haustür an den Endverbraucher, bin ich Urerzeuger und brauche nicht einmal ein Etikett auf den Glas.


    b.) Nehme ich das selbe Glas und stelle mich auf den Markt muss ich die Lebensmittelverpackungsverordung voll ausschöpfen. Etikett mit allem was darauf muss.


    c.)Was ist wenn ich, Verbraucher freundlich wie ich bin, dem Kunden das selbe Glas weil er gerade nicht vorbei kommen kann, an seine Haustüre liefere?


    Wo finde ich die genaue Erklärung wann bin ich Urerzeuger und was bedeutet das und ab wann bin Händler/Verkäufer.


    Damit kein Missverständnis entsteht: Alle meine Gläser haben immer ein vollständiges Etikett. Aber es wird Winter und der Imkerstammtisch braucht Themen.
    Gruß an alle Imkerinnen und Imker

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo, Norbert,
    du bist als Imker, der nur und ausschließlich seinen eigenen Honig erzeugt und vermarktet, landwirtschaftlicher Urproduzent, brauchst kein Gewerbe anmelden, sondern nur dem Finanzamt und der Lebensmittelüberwachung mitteilen, daß du die Produktion aufgenommen hast.
    Das ist steuerlich.
    Sobald du Honig offiziell *in Verkehr* bringst, hast du erstens die volle Produkthaftung am Bobbes, und zweitens gelten ab dem Moment sämtliche Vorschriften wie Eichgesetz, Verpackungsverordnung, etc., egal, ob du ein Glas im Jahr verschenkst oder zehn Tonnen verkaufst.
    Das hat mit der steuerlichen Definition nichts zu tun, sondern gilt für alle Lebensmittelerzeuger; im Moment des InVerkehrbringens bist du offiziell ein Verkäufer mit allen Konsequenzen. Hintergrund ist die Produkthaftung.
    Ein Händler bist du (und damit gewerblich, böse Falle, steuerlich und rechtlich), sobald du mehr als 30% deines Umsatzes (nicht deines Gewinns!) mit zugekauften Produkten machst. Sprich, verkauft sich Lindesa Handcreme besser als dein Honig, und deren Ein- und Verkaufswert macht mehr als 30% deines Umsatzes aus, bist du steuerlich automatisch gewerblich, und mußt eigentlich ein Gewerbe anmelden, als Imkereiprodukte-Produzent und ~Händler.
    Das wird in den meisten Fällen dann trotzdem noch als Kleingewerbe laufen, du kannst also steuerlich optierend bleiben, und mußt dich nicht mit den Vorsteuer- und MwSt-Gedöns rumschlagen; das kommt erst ab größeren Umsätzen in Betracht.
    (Deshalb verkauft Henry auch nur Honig und keine Bienen oder gar Königinnen, sondern nur Honig...:cool:).
    Bietest du einen Lieferservice, kommt es drauf an, ob du dafür was extra berechnest, oder sowas wie eine *Eiertour* fährst.
    Bei einer Eiertour bedarf es einer Reisegewerbekarte (fliegender Handel), bei einem Lieferservice nicht. Wobei bei einem Honigmobil schon wieder an die Anforderungen des Lebensmittelrechts zu beachten sind....:roll:
    Das ist aber steuerlich nicht relevant, sondern auch wieder das Bier der Lebensmittelüberwachung.


    Insgesamt sind bei deiner Frage drei völlig verschiedene Bereiche involviert: Finanzamt, Lebensmittelaufsicht, und kommunale Bestimmungen (Markt/Reisegewerbe), die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, und leider ist es der Job des Imkers, das alles unter einen Hut zu kriegen.
    Zumal die Bestimmungen auch noch von Bundesland zu Bundesland und von Kreis/Stadt verschieden sind, gruseligerweise.
    Deshalb sollte man sich immer vor jeder Aktivität mit den zuständigen Stellen ins Benehmen setzen.


    Ich hoffe, das hilft.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • HI Eisvogel
     

    Zitat

    a.) Verkaufe ich meinen Honig an der Haustür an den Endverbraucher, bin ich Urerzeuger und brauche nicht einmal ein Etikett auf den Glas.
     
    b.) Nehme ich das selbe Glas und stelle mich auf den Markt muss ich die Lebensmittelverpackungsverordung voll ausschöpfen. Etikett mit allem was darauf muss.
     
    c.)Was ist wenn ich, Verbraucher freundlich wie ich bin, dem Kunden das selbe Glas weil er gerade nicht vorbei kommen kann, an seine Haustüre liefere?


     
    a = reiner privater Verkauf.
     
    b und c ist ein gewerblicher Verkauf und unterliegt deren Gesetzen.
     
    versuche es mal mit Urerzeuger bedingungen bei Google.
    Gruß Pitju

    Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume.

  • Moin, Pitju,
    er *HAT* gegoogelt.:wink:
    Und der Begriff "Landwirtschaftliche Urproduktion" bringt ein bißchen mehr, aber Imker sind halt eine Ausnahmegattung, das ist kompliziert.


    Und Honig fällt nicht unter "private Verkäufe", auch nicht bei ebay, als Erzeuger bist du bei Lebensmitteln voll in der Haftung.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sabi(e)ne,

    (Deshalb verkauft Henry auch nur Honig und keine Bienen oder gar Königinnen, sondern nur Honig...:cool:).

    Sonst wär ich ja plötzlich ein Tierzuchtbetrieb und könnte dann ja auch gleich Schafe verkaufen oder Apfelsaft im 10l-Bag-in-Box. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hi alle,
    so isse unsere Sabi(e)ne, fleißig und unschlagbar.
    Wo sie Recht hat hat sie Recht.
    Es sollte jeder prüfen, was er zukauft mit dem Zwecke des Weiterverkaufs.
    Auch Honig vom Fremdimker!!!!! Es ist kein Eigenprodukt. Bei uns hats einen getatzt, 25 Völker aber für 50 den Honig ins Volk gebracht (unter eigenem Namen! Also doppelt gemogelt), jetzt die Frage wo kam der Rest her?? Keine Quittung nix. Angeschmiert!
    Gruß aus der kalten Lausitz
    Knäcke

  • Moin Knaecke,

    ... jetzt die Frage wo kam der Rest her?? Keine Quittung nix. Angeschmiert!

    Da muß man nicht um Ausreden verlegen sein. MHD gilt ab in Verkehr bringen. Früher hatte man halt mal mehr Völker und schlechteren Absatz und daher eben das Lager voll. Wer sich wegen sowas dran kriegen läßt ist der Hellste nicht. Oft ist der eigentlich Grund ein anderes Problem.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • a.) Verkaufe ich meinen Honig an der Haustür an den Endverbraucher, bin ich Urerzeuger und brauche nicht einmal ein Etikett auf den Glas.
    a = reiner privater Verkauf.
     

    Da könnt Ihr lange googeln, Ihr werdet keinen Gesetzestext finden, der Euch das erlaubt.
    Nach deutschem Lebensmittelrecht braucht's auf jeden Fall ein Etikett und sämtliche verpflichtende Kennzeichnungen!
    Egal, ob das Honigglas dem Nachbarn oder Bruder geschenkt oder sonstwo verkauft oder verschenkt wird.
    Es wird zwar oft nicht so gehandhabt, insbesondere, wenn der Nachbar schnell mal vorbeikommt um sich seinen Honig abzuholen, aber Vorschrift bleibt Vorschrift.
    <img>

  • Da könnt Ihr lange googeln, Ihr werdet keinen Gesetzestext finden, der Euch das erlaubt.
    Nach deutschem Lebensmittelrecht braucht's auf jeden Fall ein Etikett und sämtliche verpflichtende Kennzeichnungen!
    Egal, ob das Honigglas dem Nachbarn oder Bruder geschenkt oder sonstwo verkauft oder verschenkt wird.
    Es wird zwar oft nicht so gehandhabt, insbesondere, wenn der Nachbar schnell mal vorbeikommt um sich seinen Honig abzuholen, aber Vorschrift bleibt Vorschrift.
    <img>


     
    Falsch!!
    Les' einfach mal die Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung.

  • Was steht da drin?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Was steht da drin?


     
    "Diese Verordnung gilt nicht für die Kennzeichnung von Lebensmitteln in Fertigpackungen, die in der Verkaufsstätte zur alsbaldigen Abgabe an den Verbraucher hergestellt und dort, jedoch nicht zur Selbstbedienung, abgegeben werden."
     
    Das heißt, wenn ich den Honig in meinem Haus (=Verkaufsstätte) abfülle, um die Fertigpackung (=500g-Glas) alsbald an den Verbraucher (= Kunde) abzugeben, muss ich kein Etikett draufkleben.

  • Kommt kein Kunde und Du stellst Deine Gläser in den Schrank ist "alsbald" kalter Kaffee. Dann füllst Du auf Vorrat ab und hälst bereit.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder