Zertifizierte BIO-Gehölze im eigenen Garten! So geht's.

  • Moin Imkers,


    es hat mir keine rechte Ruhe gelassen, wieso meine Streuobstwiesenbäume (Gehölze!) BIO-zertifiziert sein können, obwohl meine Bienen und Schafe und Kürbise und Bohnen und Gurken darunter das nicht sind, und Sabi(e)ne offensichtlich Recht hat, denn wohl alle BIO-Verbände schreiben einen Gesamtbetrieb mit einem ÖKO-Betriebsleiter vor und ich bzw. meine unzertifizierten Schafe und konventionellen Bienen, würden dazu führen, daß ich weder in Teilen noch als Ganzes BIO sein kann.


    :u_idea_bulb02: Aber, und da kommt der lustige Dreisprung, ich kann ja Mitglied einer zertifizierten Naturschutzorganisation sein. (Und genauso ist es auch) Und ab da wird es lustig. Ich, also der eine, der hier jetzt an der Tastatur sitzt (also Dir lieber Leser direkt gegenüber) ich behandele meine Streuobstwiese gar nicht mehr, sondern erlaube die Pflege durch eine Naturschutzorganisation. Ich mache da als ich also nichts mehr. Genau wie früher. Ich (also irgendwie mein Redundanz- oder Backup-Ich - immernoch Dir gegenüber - ) betreibe aber als Naturschutzorganisationsmitglied Streuobstwiesenpflege nach ÖKO-Richtlinien eines ÖKO-Verbandes in dessen Auftrag und das habe ich mir vorher erlaubt. Ich bin zwar immernoch ich und meine Bäume stehen auch noch am selben Fleck, bei den Schafen und Bienen, aber jetzt etwas verschwommener und der Eigentümer macht ja nichts mehr an den Bäumen - hat er versprochen. Die Naturschutzorganisation sammelt nun mit ihren Mitgliedern, also mit mir hier, die Äpfel ein und gibt sie zum Safter und zahlt dann den Grundeigentümern, nicht den Mitgliedern, den Erlös aus, damit die merken, daß Streuobstwiesen sich lohnen. Also irgendwie doch mir!


    So einfach ist das.


    Und weil ich gedacht hab' das wär ein schlechter Witz und blanke Bürokratie, von hinten durch die Brust, hab ich mir gestern bei meiner Naturschutzorganisation, das Verfahren bis ins Kleinste erläutern und den fast 30-Seiten-Erstantrags-Ordner für meine Wiese zeigen lassen. Ich weiß jetzt auch wer wann und wie prüft und wie die Jahre dafür zählen und warum die Flächenkarenzzeiten in der Hand der Naturschutzorganisation liegen. (Sofort habe ich das selbe Verfahren für meine Schafe beantragt. Ist aber OT - sind keine Gehölze :wink:) Weil ich den Antrag noch vor dem 31.12. gestellt hab' zählt 2007 voll. Ich hätte den Antrag auch Weihnachten stellen können. Es zählt das Wirtschaftsjahr, der Naturschutzorganisation - nicht das des Landwirtschaftsbetriebes.


    Der Aufwand lohnt auf alle Fälle. Die Mitgliedsgebühr in der Naturschutzorganisation ist meine ganze finanzielle Zusatzbelastung und ohnehin bezahlt. Den Papierkram erledigt deren zentrales Büro (bis auf die Flächenskizze). Mein Äbbelpreis hat sich verdreifacht. :cool:


    Gut, daß ich mir nach harten Verhandlungen gestattet habe auf der Wiese nichts zu tun. Dafür bin ich mir ehrlich dankbar. Ich war aber auch ein fairer Verhandlungspartner. Und sehr diskret. Von den geheimen Absprachen zwischen mir und mir über die Aufgabenteilung ist nichts nach Außen gedrungen. Nur soviel, zum Bäumeschneiden erlaube ich mir mein Werkzeug kostenfrei zu nutzen, wenn ich aber vom Baume falle bin ich natürlich als Naturschützer versichert, war ja im Auftrag auf fremdem Grund. Klasse!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Peter,


    Die Flächenskizzen gehört ins
    Reich der Dokumente,
    Stamm: Antragsanhänge,
    Klasse: Papiere,
    Ordnung: Handschriftliche (veraltet: "Formlose")
    Familie der Zeichnungen,
    Gattung: Skizzen
    Art: Flächenskizzen,
    Unterart: Baumkartierungsplan


    ... die ich ohne BIO-Zertifizierung für 7,50 Euro beim Safter abgeben kann und für die ich jetzt mit Zertifizierung 22,35 Euro kriege

    Dieses Jahr und pro Doppelzentner - versteht sich.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    wenn dir dein Moster dieses Jahr 7,50 / 100kg zahlen wollte hätte er dich richtig gut über den Tisch gezogen - die 22 € / 100kg sind der aktuelle Marktpreis für konventionelle Ware !


    Der Preis lag 2004 - 7 - 9 ct/kg
    2005 - 8 -10 ct/kg
    2006 - 11 -13 ct/kg
    2007 - 20 - 22 ct / kg
    Dieses Jahr deswegen so hoch, weil die Hauptproduktionsländer der EU (Polen, Ungarn ...) wegen Frost ausfallen.
    Bio-Ware wird normalerweise mit 5-10ct höher bezahlt je nach Mosterei.
    Wir haben bis dato mehr als 1000 t vermarktet ...


    Schöne Grüße
    Björn

    >> Jungimker, Tor zum Thür. Wald, etwas Raps, sonst alles mögliche, Belegstelle Gehlberg, Carnica, Zander modifiziert, Brutraum ZaDant, Magazin kompatibel, Selbstbau, Futterzargen, AS-Liebigdispenser und Nassenheider, Oxalsäure und Milchsäure, keine DIB-Gläser <<


    "ex oriente lux"

  • Hallo Zusammen, hallo Björn,

    Björn schrieb:

    Bio-Ware wird normalerweise mit 5-10ct höher bezahlt je nach Mosterei.

    Kann ich genau so bestätigen.
    In unserer Gegend lagen die Preise in diesem Jahr bei 15 bis 17 ct/kg konventionell und 22 bis 25 ct/kg für Bio-zertifizierte Ware.
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Moin zusammen,


    die Preise von denen ich spreche sind Marktpreise und fast deutschlandweit gleich !


    Bei kleineren Mengen wird leider weniger bezahlt ...


    guckst du hier:


    http://www.zmp.de/agrarmarkt/gartenbau.asp


    ciaoi


    Björn

    >> Jungimker, Tor zum Thür. Wald, etwas Raps, sonst alles mögliche, Belegstelle Gehlberg, Carnica, Zander modifiziert, Brutraum ZaDant, Magazin kompatibel, Selbstbau, Futterzargen, AS-Liebigdispenser und Nassenheider, Oxalsäure und Milchsäure, keine DIB-Gläser <<


    "ex oriente lux"

  • Moin,


    bei uns in der Region liegt der Ankaufspreis der großen Obstaufkäufer in diesem Jahr bei 7 cent. Die Durchschnittspreise sind bei uns noch nicht angekommen.


    Dennoch, bin als kleines Moster :wink: immer auf der Suche nach größeren Mengen sortenreiner Äpfel mit Geschichte zu guten Preisen.


    Gruesse


    seb

  • Moin Windmüller,

    bei uns in der Region liegt der Ankaufspreis der großen Obstaufkäufer in diesem Jahr bei 7 cent.

    Bei uns ist das genauso. Den höheren Preis zahlt der BIO-Safter. Lohnsaftung aus eigener Anlieferung geht in Kartons ab 95 Cent pro Liter Natursaft, lohnt sich also weder hinten noch vorn. Schließlich muß ich auch noch anliefern und da ich reife Früchte aufsammel also auch mehrfach. Da macht's der Diesel extrateuer.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Seb,


    kommen zu den 60 Cent dann noch die Preise für den Bag dazu? Oder ist das wirklich alles?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hier bei uns gibt es für 2 kg Äpfel einen Liter Saft bei 60 ct Zuzahlung/Liter. Den Saft kann man während der "Tauschtermine" direkt in Standard-Saftflaschen mitnehmen (natürlich nicht den aus den eigenen Äpfeln). Und auch nicht als "Bio" zertifiziert, meiner Meinung nach aber nicht weit davon weg.
    Die Aktion läuft schon ein paar Jahre und ist recht erfolgreich. Vorletzten Samstag wurden 14 to Äpfel angeliefert!


    Klaus

  • Hallo Henry,


    mich wundert das Dein schöner Bericht zur Apfelmost Preis Diskussion geführt hat.:roll:
    Viel interessanter wäre es mal zu erfahren um welchen Verband es sich da handelt.
    Ich frage aus folgendem Grund:
    Wir (meine Frau & Ich) haben vor kurzem ein ca. 3 Ha großes Grundstück gekauft das bis dato verpachtet, als Weideland für Pferde genutzt wurde.
    Das Grundstück ist wunderbar gelegen und von breiten Waldstreifen rundum eingegrenzt.
    Auch schlängelt sich ein Bach am Rande es Grundstücks vorbei.


    Der ehemalige Pächter hat allerdings bei der Grundstückspflege einiges schleifen lassen.


    Natürlich spiele ich mit dem Gedanken die Bienen die ich bald haben werde,
    da hinzustellen.
    Allerdings könnte man dort noch einiges tun.
    Das Weideland ist einheitlich grün ohne nennenswerte Vorkommen an Wildblumen.
    Mit der von Bernhard beschriebenen Methode "Seedballs" könnte man versuchen, der Wiese wieder etwas Leben einzuhauchen.
    An den Waldrändern stehen zwar einige Wildsträucher und Weiden,
    aber auch das könnte man weiter verbessern.
    Und aus der Wiese selber vielleicht eine Streuobstwiese anlegen ?


    Wird so etwas gefördert ? Eigentlich wollte ich nach und nach alles selber machen und auch bezahlen.


    Wie könnte ich sowas am besten angehen ?


    Gruß Ralf :Biene: