Kaltgeschleuderter Honig

  • Liebe Freunde!


    Immer wieder gibt es Zweifler ob es tatsächlich frischen und kaltgeschleuderten Bienenhonig geben kann. Hier bitte der Beweis dafür! Der Beitrag stammt aus meiner Feder, wurde jedoch aus gegebenen Gründen in einen anderen Bienenforum geschrieben.


    Verfasst am: 19.02.2007, Titel: Frischer und kalt geschleuderter Bienenhonig.


    Gestern am späten Nachmittag war es endlich soweit, zum ersten mal in diesem Jahr zeigte das Außenthermometer einige minus Grade an und der Wettergott hatte endlich mit uns geplagten Imkern sein Erbarmen. Der Grund für diese rasche Honigschleuderaktion war die ständig steigenden und besorgten Nachfragen unserer Kunden, ob wir auch tatsächlich kalt geschleuderten Bienenhonig in unserem Lieferprogramm haben.
     
    Um nun diese günstige Gelegenheit keinesfalls zu versäumen, wurde sofort unsere Honigschleuder einsatzbereit gemacht. Natürlich wurde auch die Entdeckelungswanne und das Entdeckelungsmesser zum ersten mal in diesem Jahr aus dem Magazin hervorgeholt. Auch das Honigsieb und die Edelstahlkübel waren im Nu zur Hand.
     
    Also, nichts wie rein in den warmen Thermoanzug, eine dicke Haube und warmes Schuhwerk war natürlich auch bald angezogen und nun sofort raus zu unseren fleißigen Sammlerinnen. Mein Geselle kümmerte sich mittlerweile um den Rauchapparat, während ich als Imkermeister und Betreuer unserer zahlreichen Flieger den etwa 30 cm hohen Schnee von den Abdeckplanen herunter kehrte.
     
    Der Deckel von den ersten Bienenstöcken wurde nun ganz vorsichtig geöffnet, dies war notwendig, um etwas würzigen Rauch durch das fleißige Bienenvolk durchströmen zu lassen. Rauch beruhigt bekanntlich nicht nur uns Menschen, sondern natürlich auch Insekten. Die Bienen selbst waren vollkommen ruhig und kuschelten sich zu einer etwa sechs Waben großen Bienentraube zusammen. Da im Winter zehn Waben in den Völkern drinnen sind, konnten wir somit pro Volk vier vollkommen verdeckelte Honigwaben zu a 2,5 kg Honig entnehmen. Natürlich musste mein Geselle beim Abtransport ganz besonders gut aufpassen, denn die vollen Honigwaben zerbrechen bei Minusgraden beinahe so leicht wie Glas.
     
    Im Schleuderraum warteten bereits meine Damen ungeduldig mit dem Entdeckelungsmesser in der Hand auf die übervollen Waben. Diese Waben mussten nun ganz schnell und schonend entdeckelt werden, da Bienen bekanntlich die Zellen der vollen Honigwaben immer fest und sicher mit Wachs verschließen. Diesmal waren die Damen beim arbeiten aber relativ arm dran, denn der Schleuderraum durfte natürlich keinesfalls beheizt werden, kalt geschleuderter Honig soll ja so erhalten bleiben wie er aus dem Volk entnommen wird.
     
    Bereits unmittelbar nach den Schleudern wurde der ganz frische und immer noch sehr kalte Honig in unsere wunderschönen Honiggläser abgefüllt. Dieses anfüllen der Gläser war natürlich sehr mühsam und zeitaufwendig, denn bekanntlich ist kalter Honig doch sehr zähflüssig. Natürlich kam die komplette Charge sofort in unserem Magazin in die Kühlbox, wo sie für unsere zahlreichen Kunden, die diesen kalt geschleuderten Honig bevorzugen, aufbewahrt werden.
     
    Wir Imker ernten also nicht nur im Sommer herrlich duftenden Blüten- und Waldhonig, sondern auch im Winter und bei Minusgraden den überaus begehrten und kalt geschleuderten Bienenhonig.
     
    LG vom Imkermeister
    Josef



    Nun meine lieben zweifler, insbesonders Remsi, was sagt Ihr nun dazu?

  • Genau, Josef,


    das hörte ich auch schon einmal, als über den bekannten
    Imkermeister A.Pril berichtet wurde, der der 1. Imker
    in seinem Ort ist. Ihn zeichnet mit der dabei gehaltenen
    Biene eine weitere Besonderheit aus. Nach jahrelangen
    Fehlschlägen war es ihm endlich gelungen, eine stachellose
    mellifera zu züchten, die sich in seiner Umgebung inzwischen
    allgemeiner Beliebtheit erfreut.
    Sein kalt-geschleuderter Honig erfreut sich auch deshalb
    ausgesprochenen Zuspruchs, seit die Kunden durch die Pflege
    der Eisblumen auf dem örtlichen Friedhof zur Sicherung der
    Grundlagen für den Eisblumenhonig beitragen. Inzwischen bietet
    Imkermeister A. Pril nicht nur den schlichten kalt-geschleuderten
    Eisblumen-Honig an. Zum Renner scheint derzeit der neue
    Eis-Honig zu werden; ja es stehen noch viele Türen offen!


    Gruß
    Manne

  • Hallo Josef,
    bisher dachte ich, Imkermeister würden sich auch einigermaßen in der Geschichte der Imkerei auskennen.
    (siehe Beitrag #48 bei "Biohonig- langsam stinkt mir das")
    Na, wenn Du diese Nummer mit jeden Auszubildenen bei Dir auch abziehst...
    So als Anektote für eine gemütliche Imkerrunde aber recht brauchbar.
    Henry harkt bestimmt noch nach, ob denn ein Thermoanzug mit der EU-hygieneverordnung konform ist und ob genügend Papiertücher vorhanden waren.
    Übrigens sehr "Bio" und den Lebensgrundlagen der Völker sehr dienlich, die Winterruhe (unnötig) zu stören und deren Vorräte zu plündern.
    Bisher dachte ich, die Richtlinien zur Haltung der Tiere bei den Bioverbänden dient der Förderung und Rücksichtnahme derer Bedürfnisse...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Wie wird nicht kaltgeschleuderter Honig gewonnen? Ich habe noch nie etwas von warmgeschleudertem Honig gehört.
    Gruss Jon


     
    Ganz einfach , 2 Waben Tischschleuder mit Handbetrieb und die Ernte von mindestens 20 Zargen. Wetten, Dir wird warm beim schleudern :wink: .
    Das Ergebnis ist dann aber immer noch nicht der berühmte Imkerhonig. Egal wie warm/ kalt Du Deinen Honig schleuderst : Es wird immer nur Bienenhonig.
    Die Krönung der Produktion in den Augen vieler Kunden ist jedoch der sagenumwobene : Kalt geschleuderte Imkerhonig.
     
    Auf gutes Gelingen
     
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Hallo Honiginteressierte !
    Hallo Jon Godley !
     
    Was hälst Du von pressen ? = Presshonig !
     
    Guckst Du:
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=8417
     
    http://www2.gsu.edu/~biojdsx/press.htm
     
    http://217.160.60.235/BGBL/bgbl1f/bgbl104s0092.pdf (Abschnitt II Honigarten)
     
    Bitteschön !
     
    Gruß
    Alexander Bienenpresser

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Hallo,
    bei uns im Winter ist kälter als in Deutschland. Können wir lettischen Honig in deutschen Markt vermakten mit Bezeichnung "extra-kaltgeschleudert"?
    mfg
    Ainars


    Nein bitte nicht, sonst machst Du mir noch den Markt für den finnischen Eishonig kaputt (hab ich mir von den Winzern abgeguckt). In Finnland fliegen die finnischen Fjordbienen im hohen Norden - mit Nachtsichtgeräten - und sammeln den extrem seltenen Nektar der Eisblumen ....

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Hallo Jofl,
    das ist der Vorteil der Bioimker. Sie füttern Biozucker ein und können deshalb auch im Winter schleudern. Achtung Anfänger! Durch das gelobte V2A-Sieb geht auch kältester Honig.


    Gruß
    Remstalimker, bößartigerweise Remsi genannt

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:


  • das ist der Vorteil der Bioimker. Sie füttern Biozucker ein und können deshalb auch im Winter schleudern.


    Stimmt nicht, denn Bio Imker fahren nach der Ernte meist in die Goldrute oder nützen die Grünbrachen aus. Auch Buchweizen & Co sind lohnende Ziele für uns. Zusätzlich wären -sind- die sehr nahen Donauauen eine willkommene Abwechslung.:daumen:

  • Hallo Josef,
    das passt aber überhaupt nicht zu meinen Vorstellungen einer Bio-Imkerei -Wanderung.
    Hallo Christian,
    hat Finnland wieder einen Anteil an der Fjordenküste?
    Dachte bislang,den hätten sie als Folge des Finnisch-Russischen Krieges verloren...
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Jofl,
    ich nehme meine bösartige Unterstellung zurück.


    So schauts schon wesentlich besser, denn ich beleidige -hoffentlich- auch niemand, schon gar nicht öffentlich und in einem Fachforum.


    Ich stelle dringend fest, bei mir wird im Winter keine Zuckerfütterung herausgeschleudert!

  • .
     
    Ich stelle dringend fest, bei mir wird im Winter keine Zuckerfütterung herausgeschleudert!


    Hallo Zusammen,
    dann können die meisten von uns "konventionellen" auch dringend feststellen, das wir überhaupt keine Winterschleuderung machen .
    Wir beschränken uns auf ein oder zwei Winterbehandlungen, weil wir das als "notendiges Übel" ansehen und lassen ansonsten die Bienen in Ruhe.
    Wir betrachten die Rücksichtnahme auf das Bedürfnis des Biens nach Winterruhe als ein hohes Gebot der Imkerei.
    Bisher dachte ich, die Haltung von Tieren nach Richtlinien der Bioverbände schließe das mit ein; Rücksichtnahme auf deren Bedürfnisse.
    Oder habe ich überlesen, das dies für Demonstrationszwecke im Dienste der Kundenwerbung oder -bindung (ausnahmsweise) erlaubt ist?
    Die Erwähnung, das ja kein Futterzucker geschleudert wurde, sondern man belässt ja Honig als Futter, führt bei mir zu der Erkenntnis, es geht in erster Linie um das Produkt, nicht um die Bienen.
    Schade, ich dachte wirklich, die Betriebsweisen der Imker in den Bioverbänden sehen die Biene im Vordergrund, nicht deren Produkte.
    Kann aber auch gut sein, ich verwechsle "naturnahe Bienenhaltung" mit Bio-Imkerei.
    Hat am Ende Henry doch recht; und es geht nur um Verkauf und höhere Preise?
    Viele Grüße
    Lothar

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