2000 Völker ohne Schwarmverhinderung

  • hallo,
    (erstmal blutdruck wieder sinken lassen - ich habe keine 2000 völker- jetzt weiter lesen)


    in der adiz 7/1967 sind 2 französische großimkereien beschrieben worden, deren betriebsweise "für deutsche verhältnisse fast zu einfach ist".


    betrieb borneck:
    2000 völker auf ständen zu 30 bis 40 völkern - schwarmverhinderung gibt es nicht, aber schwarmlocker (jährlicher schwarmverlust 10 %) - königinnenverjüngung auf natürliche weise durch stille umweiselung und schwärmen - gewandert wird sehr selten


    betrieb robin:
    2200 völker in dadant auf ca. 110 aussenstände verteilt - nach honigraumfreigabe keine weiteren eingriffe - landbiene mit einkreuzungen - keine königinnenzucht - keine schwarmverhinderung - schwarmlocker mit gutem erfolg (schwarmlocker sind leere magazine mit rähmchen und anfangsstreifen) - 4-5 schwarmlocker auf aussenstand mit 20-25 völkern



    es ging bis vor kurzem gar nicht so weit weg also auch anders (und wirtschaftlich erfolgreich).


    bis bald mollinski

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • :lol: Yo, das ist das, was man "extensive" Imkerei nennt.
    Funzt auch in anderen Ländern gut, wo mehr Platz ist als in D.
    Würdest du das hier machen, wird dir entweder die Hälfte geklaut und/oder du kriegst ne Anzeige von den übereifrigen ans Bein wegen Vernachlässigung & Verstoß gegen Seuchenschutz...:evil:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Molle hat die Konsistenz dieser Idee verstanden. Man kann dies auch auf kleinem Raum
    schaffen, nämlich vermehren am Stand durch stille Umweiselung bezw. Schwarmvor-
    wegnahme. -ist auch demetergemäß -
    So, nur so schaffen wir widerstandsfähige und vitale BIEN-Organismen.


    Gruß bienudo

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • :roll: Ich kollidiere mit den Demetern nur noch am ungeteilten Brutraum; das wäre eine Investion, die ich mir die nächsten zehn Jahre nicht leisten könnte, alles umzubauen.
    Außerdem halte ich breite und tiefe BR mittlerweile auch für einen Irrtum, hoch und schmaler wird schwarmmäßig besser angenommen...:wink:


    edit: und 30-40 Vöker an einem Stand ist m.M. nach viel zuviel, da hat Bernhard schon recht mit dem central place foraging. Meine interne Grenze liegt mittlerweile bei 5-8, was wahrscheinlich immer noch zuviel ist.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)be,
     
    ein Jungimker, mittleren Alters, hat in meiner Gemeinde mit zwei Völkern je 40 kg Honig dieses Jahr gerntet. Jetzt will er 10 Völker. Ich habe schon mehrere Jahre einen guten Stand, dort 10-16 stehen Völker. Jetzt hat ein Jungimker 100m Luftlinie noch einmal so viel. Meine guten Völker bringen meist keine 30 kg bis zu 10. Mai mehr. Einzelaufstellung wäre vom Ertrag her optimal.
     
    Liebe Grüße
    Herbert

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Hallo Herbert,
    was hast du für eine Haupttracht? Und wann?
    Wie viele Bienenvölker gibt es sonst noch im Umkreis von 3 km?
    Welche Abstände von Bienenständen zueinander fändest du gut?
    Als Anfänger wird einem ja immer gesagt, im Dorf hätte es früher schließlich auch 4-5 Imker gegeben...
    Deshalb meine Fragen.
    Gruß
    Ralph

  • Moin Imkers,


    bitte seht Euch die ganze Betriebsweise der Franzosen an. Ob Ihr dann daran noch was gut findet?


    Hier war eine Französin auf Praktikum, die entsetzt war von den vielen Eingriffen der deutschen Imker, weil sie alleine mit einer Studentischen Hilfskraft zusammen so 1.000 Völker hat. So ganz genau weiß sie das nicht, weil ja auch mal welche eingehen. Eigentlich werden die Bienen von ihr nur beerntet, gefüttert und behandelt. Viele Eingriffe macht sie mit einem Male. Zum Beispiel: Teilen und Behandeln oder Teilen und Füttern oder Ernten und Füttern und Behandeln. Oder gleich Ernten, Teilen, Behandeln und Füttern. Sie sieht einen Stand 4 mal im Jahr oder seltener. Auf Zucht oder so legt sie keinen Wert, aber auf stichfeste Kleidung. Einzelvölker betrachtet sie nicht. Ob ein Volk weisellos wird, wenn sie es teilt, ist ein Problem des Volkes, nicht ihres. Wenn ein Volk ausstirbt merkt sie das oft nicht, weil in die Kiste bereits wieder ein Schwarm eingezogen ist. Unsere gelben Waben hielt sie für komplatt künstlich. ... Geschleudert wird nicht direkt trachtabhängig, sondern nach Kapazität des Schleuderraumes. Gefüttert wird mit Zuckersirup aus der Produktion für Bäcker oder was eben gerade billig ist. Die Stände werden im Frühjahr so nach und nach in Ordnung gebracht nicht im Herbst. Vernachlässigte Stände sind dann schon geschwärmt und wieder vollzählig ... Leere, ausgestorbene Beuten sind fest eingeplant. Die werden gebraucht weil da die Völkerteilung ja rein muß. MW verbraucht sie etwa 100kg pro Jahr. Ist ein Stand im Frühjahr zusammengebrochen bis auf ein, zwei Völker, dann nimmt sie Schwarmzellen und teilt diese paar Völker radikal auf alle leeren Beuten am Stand auf, die ja oft noch Futter enthalten. Sie fährt dann erst zum Jahresende wieder hin und zwar um zu sehen ob da was zu ernten ist und um erneut zu teilen, füttern, behandeln.


    Mein Leben wär das nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • danke henry für die genauere beschreibung der abläufe.
    welche teile der betriebsweise für deutsche verhältnisse interessant sind und wie sie eingebaut werden können, entscheidet dann jeder für sich.


    mir ging es hier um den punkt des schwärmens oder eher schwärmenlassens, da es so zügig zur regionalen anpassung und vitalitätssteigerung direkt durch die bienen kommen kann. ohne viele eingriffe durch den imker, halt extensiv - wie sabi(e)ne schon schrieb.


    bis gleich

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Ralph : nicht alles, was ich jemand mit einer Segeberger empfehle, praktiziere ich auch noch selbst :wink: Bloß, Schaumstoffstreifen hab ich immer in der Tasche, und wenn ich Räuberei aufkommen sehe, wird zugemacht, bis ich umsetzen kann; ich fahr ja nicht ständig mit Anhänger & Tragegehilfen..*g*


    herbert : bei mir ist der Groschen letztes Jahr gefallen; ein Stand mit nur 5 Völkern in einer eigentlich ärmeren Gegend ohne andere Stände brachte mehr pro Volk als einer mit 15 in einer besseren Gegend, wo der nächste Kollege mit 30 1,8km entfernt stand.
    Ich wollte das dieses Jahr nochmal genauer kontrollieren, aber wettermäßig war es so besch****, daß da keine wirklich klare Aussage bei rauskam.
    Auf ein Neues in 2008.....:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sabi(e)ne,

    ein Stand mit nur 5 Völkern in einer eigentlich ärmeren Gegend ohne andere Stände brachte mehr pro Volk als einer mit 15 in einer besseren Gegend, wo der nächste Kollege mit 30 1,8km entfernt stand.

    jetzt läutest Du die selben Glocken wie die Standimker im Freudenstein Hinterbehandler denen die fiesen Wanderimker mit ihren ausgehungerten und radikal ausgebeuteten Riesenvölkern alles wegsammeln. :lol: Guck ma rein, in Deinen Gerstung. Der hat die Völkermassierung damals ganz gut erklärt. Und auch die Wirtschaftlichkeit. Nimm' einfach dessen Zahlen und rechne mit halbsovielen aber doppeltsogroßen Völkern. Da ist immernoch genug Luft. Ob nun 5 oder 15 wegen mir auch 20 Völker an einem Orte stehen, kannst Du an den einzelnen Völkern nicht erkennen. Da spielen zu viel Faktoren eine Rolle. Orte, an denen 15 Völker hungern, an denen hungern auch fünfe. Und da wo man aus 20 Völkern je 20 Kilo ernten kann, kriegt man aus 10 keine 40.


    Wenn es weniger Honig gibt als erwartet und das gleich bei mehreren Imkern am selben Fleck, dann suchen die nach Ursachen und weil sie nur die Gemeinsamkeit, daß sie alle zusammenstehen kennen, glauben sie, es läge daran. Dabei haben alle das selbe Wetter da, der Raps ist vom selben Saatgut, die Hochspannungsleitung unter der sie stehen ist besonders belastet und auf der selben Wasserader stehn sie sowieso. Wenn im Jahr drauf nur noch einer der Imker da aufwandert und eine riesige Ernte einfährt, dann ist sonnenklar, es lag an der Völkermassierung. Dabei ist das Wetter besser, das Saatgut ist anderes, die Hochspannungsleitung ist in Wartung und die Wasserader ist ausgetrocknet. :wink: Aber wenn man das Argument der Völkermassierung in dieser Dimmension eben glauben will, dann macht man das eben auch. Fragt mal alte Wanderobleute, wie da früher die Fetzen flogen, wenn da in Meck-Pomm an 380ha Raps schon ein anderer Bienenwagen mit 24 Völkern stand. Gehungert haben die Bienen da. Zugefüttert mußten die werden und dem Wanderwart schob man's in die Schuhe. Man kommt extra aus Sachsen da hochgekullert und da steht da schon jemand. Tss-Tss-Tss - so eine Gemeinheit. :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo, Henry,
    es geht aber nicht um Massentracht, sondern um Dauerstände.
    Ich will ja gern glauben, daß bei Massentrachten alle satt werden, bzw. ich weiß es :wink:, aber hier geht es eher darum, wie viele Völker pro Quadratkilometer ernährt ein Buchenwald mit guter Kraut- und Strauchschicht, und wie viele 200ha naturgeschützte Wiese mit einer Lindenallee von etwa 150 ausgewachsenen Bäumen nebendran, wenn der Rest nur Pferdewiese und kleine Wäldchen im Umkreis sind?:wink:
    Der Kollege ist mittlerweile umgezogen, und ich hab meinen Bestand dort auf 8 reduziert.
    Ich bin der Meinung, außerhalb von Massentrachten kann die Bienendichte sehr wohl zu groß für eine Gegend werden, und ich messe das nicht nur am Ertrag, sondern auch an der Volksentwicklung.
    Eiweiß ist immer der limitierende Faktor, und wenn sich die Mädels wegen Dürre/Regen um Frischpollen schon fast prügeln müssen, dann gibt es zu viele Bienen dort.
    Oder siehst du das anders?:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen