Beobachteter Wirtswechsel der Varroa destructor

  • Moin Imkers,


    jetzt ist es so weit. Der erste Wirtswechsel der Varroa konnte beobachtet werden. Noch ist nicht bekannt, ob die Milbe den neuen Wirt genauso schädigen kann, wie sie es auf Apis meli. carnika tut, aber es gibt Befürchtungen in der Richtung. Zumal sie auf einen erwachsenen Wirt und nicht auf dessen Nachkommen wechselte. Obwohl bislang nicht nachgewiesen werden konnte, daß die Milbe auf dem Wirt Nahrung an einem selbst angelegten Saugloch aufnimmt, scheint sie den neuen Wirt so stark zu schädigen, daß dieser flugunfähig wird oder bleibt. Dennoch verbreitet er die Milbe offensichtlich über weite Strecken. Die Milbe wurde jedenfalls weitab bekannter Bienenvölker festgestellt.


    Hoffung gibt es allerdings, da ich selbst beobachten konnte wie andere Individuen der neuen Wirtstierpopulation reagieren, wenn sie den Parasiten auf einem Tier in ihrer Nähe bemerken. Erstaunlicherweise ziehen die sich erst unter auffälligen Lautäußerungen zurück, ehe sie dann doch den Lästling vom parasitierten Tier entfernen. Leider tun das jedoch nicht alle. Besonders die Wirtsweibchen neigen offensichtlich auch dazu, den Kontakt zu mehrfachinfizierten Männchen vorrübergende oder auch länger abzubrechen und leisten dann auch keine Hilfe bei der Beseitigung der Milbe. Beide Fälle und Übergangsverhalten konnten bereits beobachtet werden. Zu Fortpflanzung kommt es dann verständlicherweise auch nicht mehr. Erstaunlicherweise lehnen die Weibchen den Kontakt zu infizierten Männchen nur solange ab, bis diese den Parasiten selbstätig oder auf andere Weise los geworden sind oder sie selbst eine Infektion an sich vermuten und auf die Hilfe des Männchens angewiesen sind. Ob diese Weibchen tollerant darauf reagieren und es dulden, wenn die Entmilbung (notgedrungen) durch andere Weibchen der selben Art vorgenommen wird, werde ich demnächst untersuchen.


    Aber erschreckend ist das schon. Oder?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Moin Emil,


    da sieht man's wieder: Da entdeckt mal einer ein Tolles Phänomen und weil es nicht von einem Institut kommt oder direkt von Herrn Tautz, darf das nu wieder nicht stimmen und wird unterschwellig als Kokolorus dargestellt. Dabei kann man über den Wirtswechsel sogar im Internet nachlesen. Zum Beispiel hier: www.kirchhain.bieneninstitut.de/secret.htm

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,


    Wichtig für den weiteren Behandlungserfolg sollte auch in Deinem Fall die Anregung des Putztriebes sein:


    Als besonders wirksam empfehle ich Dir die Träufelmethode:


    Mindestens 250 g Honig werden auf Stocktemperatur erwärmt und auf das befallene Wirtstier geträufelt.
    Durch den dadurch ausgelösten Putztrieb des Weibchens sollten alle Parasiten entfernt werden.
    Erfahrene Imker erhöhen die Dosis, wenn mehr als ein Weibchen zum Putzen vorhanden ist.
    Die Ergebnisse können noch erhöht werden, wenn zusätzlich zum geträufelten Honig den Weibchen im Bauchnabel des Wirtstieres warmer Met angeboten wird. Dies kann auch mehrmals geschehen.
    Meistens wird von den weiblichen Tieren spätestens am Tag nach der Behandlung auch eine Bauerneuerung vorgenommen.


    Als mögliche Nebenwirkungen wird von einigen Imkern über Erschöpfungszustände spekuliert.
    Diese sollten jedoch vom Alter des Wirtstieres, der Dauer der Behandlung und der Zahl der Weibchen beeinflußt werden.


    Ich empfehle Dir, Dich vorsichtig an die Dosis heranzutasten.


    Es wird auch erwartet, das die Weibchen nach dieser Behandlung stark in Brut gehen könnten.


    Du siehst also, da ist noch ein weites Forschungsfeld.


    Ich sehe den Berichten Deiner heroischen Selbstversuche gespannt entgegen.


    Eventuell wären ja auch einige Forumsteilnehmer bereit, Dich durch eigene Versuchsreihen zu unterstützen.


    Damit die Versuche vergleichbar bleiben, wäre es dann natürlich nötig, das sie mit Parasiten der gleichen Herkunft durchgeführt werden.
    Ich schlage vor, den Handel mit Varroa destructor Henryis über den hier angeschlossenen Imkermarkt abzuwickeln.


    Gruß Hubert

  • Hallo,
     
    könnte mich an der Versuchsreihe beteiligen, bräuchte dazu aber noch mehrere Weibchen, altersgerecht und ausreichend Met dazu. Erschöpfungszustände kann ich ausschliessen.
     
    Grüsse
    Gerhard

    Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind sich so sicher und die Klugen zweifeln so sehr.

  • Also Gerd,


    da ist noch kaum was bekannt und da rufen die Anfänger schon dasse nich erschöpfen. Nee nee nee. Das ist genau das was ich immer mit unwissentlicher Selbstüberschätzung meine. Seit ma Bißchen vorsichtig, Kinners! Gerade mit Met und mehreren Weibchen ist das bekanntemaßen so 'ne Sache. Da geht schnell ma was schief von wegen Dosierung und ich weiß nicht ob, das von Anfang an auch gleich ohne Handschuhe geht?


    Also ich beobachte die Population lieber, Bißchen aus der Ferne und würde nur im Notfalle helfend eingreifen. Da bin ich ganz Wissenschaftler.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry,


    es ist jetzt an der Zeit, dass du die von dir geplante Nebelkerze zündest. Sieh zu, dass du nicht zu nah dran bist; es könnte ein Rohrkrepierer werden, in landschaftlich schöner Lage, gleich neben dem Eingangstor zu deinem Buckfaststand in Devon!


    Gruß
    Manne

  • Hallo Henry!


    In Anbetracht des unerwarteten Wirtswechsels und der vielen interessierten Weibchen würde ich mit aller mir zur Verfügung stehenden "HÄRTE" durchgreifen! Es könnte ja "ANSTECKEND" sein!


    Und ich würd's auf jeden Fall mit einer für diesen neuen Wirt zugelassene Säure versuchen:


    Meine Behandlungsempfehlung:


    Zur Sommerbehandlung einfach aufs Schwammtuch träufeln und ab ins Loch damit. Aber mindestens 3 x im Abstand von einer Woche - es empfiehlt sich Sonnabends. Damit's auch wirklich wirkt und nicht schon gleich zu Resistenzbildung kommt!


    Was haltet Ihr von 60 %-igen Blutzwurz, oder vielleicht auch gleich ohne Schwammtuch ein paar Sprüher mit Pfefferspray und direkt ab ins Loch damit?


    :lol: :lol: :lol:


    Den Met würde ich zur Zeit auf gar keinen Fall einsetzen! Es empfiehlt sich aus meiner Sicht eher eine Winterbehandlung damit. So um Weihnachten herum. Den Met könnte man mit 100 mg Cialis (oder so ähnlich) anreichern, damit auch die Weibchen was davon haben, von dem Kleinen...


    :u_idea_bulb02: :u_idea_bulb02: :u_idea_bulb02:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)