Kosten pro Volk und Jahr ?

  • Hallo,


    Ich habe mir in der letzten Woche gedanken gemacht zu den Kosten, die ein Bienenvolk "verursacht" :


    -Beute 20€ / Jahr (100€ Beute, 5 Jahre haltbarkeit, ist vermutlich zu hoch angesetzt)
    -Futter 20€ / Jahr (Sollte hinkommen, es sei denn man nimmt Stärkesirup oder importiert Zucker/Sirup)
    -Rähmchen 10€ / Jahr
    -Wachs 10€ / Jahr


    Die oberen Posten machen pro Volk und Jahr 60€ - d.h., daß man bei 10kg Durchschnitt (nicht lachen, mehr habe ich nur, wenn zufälligerweiße der Wald gleich nebenan honigt, wie z.B. letztes Jahr) 6€ / kg reine Erzeugungskosten hat.
    Vielleicht habe ich manche Posten zu hoch angesetzt (Beute), aber auch nicht alles eingerechnet (Werkzeug, Schleuder, Waage, Benzin etc.pp.)
    Viele weitere Punkte wurden vergessen :
    -Jungvölker kosten, bringen aber im ersten Jahr nichts,
    -Völkerverluste im Winter
    -...
    Das heißt, das man bei 4€ pro Glas (und das ist hier in der Gegend leider die Regel für Blütenhonig) gerade mal 70Cent pro Glas "Gewinn" hat !


    Mit welchen Kosten rechnet Ihr ?


    Gruß
    qwerty
    (der noch ca. 1000 Jahre Imkern muß, um seine Investitionen wieder reinzubekommen ;) )

  • Die Rechnerei fange ich garnicht erst an. Bis sich meine Investitionen als Neuimker amortisiert haben, bin ich vermutlich alt und grau. Das interessiert mich aber nur am Rande. Ich habe ein schönes Hobby, bei dem Aussicht besteht, dass es sich in absehbarerzeit kostenmäßig trägt. Mehr will ich nicht und mehr kann man als Hobbyimker wohl auch nicht erwarten.

  • Ja, sicher - ich würde meine Bienis auch nicht mehr missen wollen, aber Rechnen sollte man schon, ansonsten verkauft man seinen Honig unter den Produktionskosten, und das kann's ja wohl nicht sein !

  • Hallo,


    einiges ist vieleicht bischen zu hoch gegriffen - und eine wichtige Größe fehlt noch: Lohnkosten. Denn auch die sollte man wenigstens ganz grob einrechnen.


    Eine gute Beute hält doch etwas länger als 5 Jahre - mit 10 Jahren kann man gut rechnen, wenn man Glück hat, hält sie sogar 15 Jahre.
    Futter: Auch mit Sirup komme ich fast auf 20 EUR, das ist auch meist der größte Posten in der Abrechnung... Tip: Mal im Imkerverein eine Sammelbestellung von Futtersirup organisieren - da kommt man dann ohne das leidige Rühren auf gute Preise...
    Rähmchen würde ich nicht so hoch ansetzen - die gehen ja so schnell nicht kaput, ab in den Schmelzer und wiederverwenden.
    Vieleicht aber mal 5 EUR für Verschleissteile allgemeiner Natur einplanen...
    Auch noch fehlender Punkt: Varroabehandlung und sonstige Behandlungen (Wachsmotte...)
    Letztendlich kommt man doch auf eine ähnliche Größe wie Du, wobei ich mit mindestens 15kg-20kg Ernte (primär Frühtracht) bei einem Wirtschaftsvolk einrechne, der Gewinn kommt dann darüber.
    Mit allen Ablegern muss ich also rund 5 EUR/kg Erzeugerkosten rechnen, daher gibts bei mir das Glas auch nicht unter 4 EUR... Sonst wirds eindeutig nicht rentabel, auch wenn das bei einem Hobby nicht der einzige Grund bleiben sollte...


    Mirthran

    Wer Linksschreibfehler findet, darf sie behalten...

  • Moin, querty,
    deine Rechnung zeigt, warum ein Kostenrechnungs-Vortrag auf dem Forumstreffen echt nötig ist.:wink::liebe002:


    Kosten pro Volk:
    Beute Selbstbau 35€ - auf 5 Jahre kalkuliert = 7€
    Rähmchen in Teilen BR 18€ - 6 Jahre = 3€
    MWs 3kg 25,50€ - 3 Jahre = 8,50€
    Futter 25kg aus Großabnahme = 16€
    Arbeitsaufwand 3h x 20€ = 60€
    Nebenkosten Auto/Sprit, etc 2€
    sonstige fixe NK wie Schleuder, Versicherung, etc = 2,50€
    Kosten für Gläser, etc = 60€
    Summe: 159€ ohne Bienen


    Ertrag pro Volk:
    Honig 25kg a 12€ = 300€
    Wachs, neu und aus MW = 500g a 6€/kg = 3€
    1 Ableger, 5 W, 65€
    1 KS nach Ernte, 2kg, 85€
    Summe: 453€


    453 minus 159 = 294€ Gesamtgewinn pro Volk.
    Dazu kommt noch alles mögliche wie Königinnenzucht, Honigveredlung, etc.


    Läßt du die Ableger und KS raus, liegst du bei 144€ bei 25kg Honigverkauf = 5,76€/kg Gewinn.
    Bei 10kg wird es schwierig, das gebe ich zu, aber mit einer höheren Völkerzahl kann sich das trotzdem noch rechnen.


    Das ist jetzt Spielerei hier, eine Schleuder rechnet sich bei 300 Völkern anders als bei 20, und viele Kosten sinken pro Volk dramatisch bei großen Völkerzahlen, im Prinzip mußt du ja auch noch Gebäude, Abschreibung für Auto, Telefonanteil, und allen möglichen Kleinkram mitrechnen, und vor allem deine Zeiten stoppen.
    Wenn du den Gewinn pro Kilo Honig haben willst, mußt du deine Zeit vorher als Kosten mitrechnen, du arbeitest ja nicht umsonst.
    Und vor allem ist der Honig ja nicht das einzige, was rauskommt, du mußt die Jungvölker nicht als Kosten sehen, sondern als Gewinn, den du nicht hättest, wenn du neue Bienen dazukaufen müßtest, um die alten zu ersetzen.:wink:
    In etwa verstanden?:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Die Jungvölker habe ich nicht als Extrakosten gemeint, sondern eher, daß ein Volk in seinem ersten Jahr keinen Honig abwirft.
    Bienen verkaufen schön und gut - könnte ich natürlich ohne Probleme - Völker vermehren ist einfach, aber wer kauft bei mir Bienen ?
    (Hab's noch nicht versucht, aber ich denke meine Chancen stehen eher schlecht ;) )

  • Hallo, querty,
    lös dich mal von deinem "nur Honig bringt Gewinn"Denken.:wink:
    Die Ableger sind ein PRODUKT des Muttervolkes, und als solches ebenfalls ein Gewinn, ob du sie jetzt behältst oder verkaufst.
    Und nicht denken, die bringen ja im ersten Jahr keinen Honig, sondern da sind sie ja noch keine eigenständigen Völker, das sind sie erst nach Auswinterung.
    Und der Posten Ersatzbeschaffung/ Remontierung ist kostenmäßig nicht zu unterschätzen.
    Du mußt ja auch bei einem Auto bei den echten Kosten pro Kilometer Rücklagen für die Ersatzbeschaffung mitrechnen, damit du ein neues kaufen kannst, wenn das alte hinüber ist.
    Außerdem bist du ja nicht nur auf Honig beschränkt, du kannst noch Met, Likör, und tausend andere Sachen damit machen, die alle mehr Geld bringen als Honig im Glas.
    Und Wachs als Kerze sollte nicht unter 30€/kg verkauft werden.
    Ich arbeite ja auch nicht wirklich 100% gewinnmaximierend, dann müßte ich zu brutal mit den Mädels umgehen, aber es ist ziemlich nützlich, mal den Deckungsbeitrag pro Volk auszurechnen.
    Und dann zu rechnen, ob man nicht besser fährt, sich Dinge wie Schleuder, MW-Walzwerk, Abfüllung, etc. mit anderen zu teilen.
    Und wo der Punkt liegt, wo man mit mehr Völkern die Kosten wirklich drücken kann.
    Vor ein paar Jahren wußte ich auch noch nicht, wie man sowas rechnet, und hab auch gedacht, ich würde für meine Arbeit nicht gerade gut bezahlt, aber wenn du schaust, wo du überall Arbeitsabläufe vereinfachen kannst (Rähmchen drahten :roll: z.B.), läßt sich eine Menge Einsparpotential finden.
    Ihr habt das genauso gelernt wie ich, aber ich hab irgendwann angefangen zu hinterfragen, ob es nicht besser und einfacher geht.
    Und es geht.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo, querty,
    ...Außerdem bist du ja nicht nur auf Honig beschränkt, du kannst noch Met, Likör, und tausend andere Sachen damit machen, ....

    </p>
     
    Sind Sie vielleicht zeilenhonoriert? Und diese, wie Sie schreiben ''tausend anderen Sachen'' .... . Ein nicht geübter Leser kann dabei in Entzückung geraten. Oh, dieser Schreibstill! Er birgt doch Gefahren. MfG

  • Hallo Sabine,


    in deiner Kostenrechnung sind einige Punkte, die mir "Kopfzerbrechen" machen:
    - du rechnest als Arbeitsaufwand 3 Std.?! Ich würde sagen, in einer wirklich gut eingespielten Imkerei in größerem Stil kommt man ohne Vermarktung mindestens auf 10, eher auf 12-15 Arbeitsstunden je Volk.


    - du gibst mehr als 450 € Umsatz je Wirtschaftsvolk als Plangröße an. Wäre das eine verläßliche Plangröße, es würde nur so von Berufsimkern wimmeln. Der "Planumsatz" mit 300.-€ Honigumsatz und 2 verkauften Jungvölkern je Wirtschaftsvolk zeigt sehr schön den Unterschied zwischen Plan und Realität.


    - Du gibst in deiner Rechnung einen Kilopreis von 12.- € an. Das ist ein stolzer Preis. Meiner Meinung nach evtl. in Kleinmengen zu erreichen, sicher aber nicht bei größeren Mengen oder nur durch stark erhöhten Aufwand (z.B. Demeter-Imkerei). Wieviel Honig verkaufst du denn jährlich zu dem von dir genannten Preis? wenn du keine exakten Zahlen nennen möchtest, sag doch mal eine grobe Hausnummer (ein paar Zentner, eine Tonne, mehr als drei Tonnen...?)


    Schöne Grüße, Reinhard
    (der seit nun schon 6 Jahren eine Nebenerwebsimkerei aufbaut und mittlerweile eine leise Ahnung davon hat, wie der Hase läuft

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.

  • Hallo, Reinhard,
    da stand dabei, daß das NICHT meine Zahlen sind, so bescheuert kann ich ja wohl nicht sein :lol: FA liest schließlich auch mit. Deshalb auch nicht mal eine Hausnummer, macht hier bislang keiner, warum soll ich es?


    Doch, die 3h stimmen.
    Ich arbeite halt etwas sehr anders, und Zeiten auf den Bänkskes vor den Fluglöchern zählen nicht als Arbeit:wink:


    Und den Ableger/KS mußt du buchungstechnisch so rechnen, ob du ihn behältst oder verkaufst, ändert nur was an deiner Liquidität, nicht am Betriebsergebnis.
    Du hast dadurch einen Mehrwert geschaffen.


    Und 12€ sind pro Kilo, nicht pro Glas, und 25kg sind durchaus in der Gegegnd als Minimum anzusehen.
    Es gibt GsD mittlerweile mehr Kollegen, die in dieser Preisklasse und darüber vermarkten, und nicht nur Kleinmengen.
    Es ist letztendlich alles eine Frage des Marketings, das macht für den Gewinn mehr aus als als imkerliche Fähigkeiten., und mein Männe ist da besser als ich in der Realisierung.:wink:


    Dazu absolutes Durchrationalisieren der Betriebsabläufe, und du wirst dich wundern, wie sehr du die Kosten senken kannst.
    Nachdenken und ausprobieren ist wichtiger als eingefahrene Dinge wieder und wieder zu tun.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sabi(e)ne,

    Es ist letztendlich alles eine Frage des Marketings, das macht für den Gewinn mehr aus als als imkerliche Fähigkeiten.

    Die Kosten für's Marketing fehlen aber bei Dir und die für Gläser, Etiketten und Bonbons auch.


    Das Kostenseminar muß her! :cool:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Zitat

    Kosten für Gläser, etc = 60€

    :p


    edit: und Bonbons machen wir doch wohl selber, wie Lollies auch. Das fällt dann aber unter Produktveredelung und ist ne eigene Baustelle, bzw. anderer Betriebszweig.
    Hier ging es um Kosten für Honig.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen