Brutpause - Was macht die Varroa?

  • Hallo Imkers,
    mich interessiert was die Varroa macht, wenn während der Fortpflanzungszeit der Bienen keine legende Königin im Volk ist. Es wird ja immer wieder gesagt, dass dann viele Milben das Volk verlassen. Gibt es Untersuchungen dazu, wie das genau geschieht? Springen dann wirklich Milben von den Sammelbienen des weisellosen Volkes auf zufällig vorbeikommende Sammelbienen anderer Völker auf? Diese Methode scheint mir nicht sehr effektiv zu sein, aber ich mag mich täuschen. Sind andere Wege aus dem brutlosen Volk nachgewiesen. Wie hoch ist der Anteil an Milben die ggf. aktiv die Völker verlassen?
    Ich habe darüber bisher nichts konkretes gefunden.
     
    Gruß Andreas

  • Hallo Imkers,
    mich interessiert was die Varroa macht, wenn während der Fortpflanzungszeit der Bienen keine legende Königin im Volk ist. Es wird ja immer wieder gesagt, dass dann viele Milben das Volk verlassen. Gibt es Untersuchungen dazu, wie das genau geschieht? Springen dann wirklich Milben von den Sammelbienen des weisellosen Volkes auf zufällig vorbeikommende Sammelbienen anderer Völker auf? Diese Methode scheint mir nicht sehr effektiv zu sein, aber ich mag mich täuschen. Sind andere Wege aus dem brutlosen Volk nachgewiesen. Wie hoch ist der Anteil an Milben die ggf. aktiv die Völker verlassen?
    Ich habe darüber bisher nichts konkretes gefunden.
     
    Gruß Andreas


     
     
     
    http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=975214764&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=975214764.pdf

  • Hallo Andreas
    Während einer Brutpause können sich die Varroamilben nicht vermehren, weil sie sich nur in der Brut vermehren können.Die Milben leben aber auf den Bienen weiter und können so auch auf andere Bienen, die ins brutlose Volk eindringen, "überspringen". Sobald das Volk wieder Brut hat, geht die Vermehrung der Milben weiter. Darum müssen wir im Winter, wenn keine Brut mehr in den Völkern ist, eine Winterbehandlung gegen die Varroa durchführen, damit die Milbenmenge sozusagen auf Null sinkt.
    Zufrieden?
    Gruss
    Jon

  • Hallo
    Ich hatte 2 Fünfwabenableger die beide Drohnenbrütig wurden. Dies ist jetzt über 2 Monate her. Aus interesse habe ich viele der gedeckelten Drohnenbrut kontrolliert auf Varroamilben weil ich dachte es müssen ja sehr viele sein. Aber ich habe keine einzige gefunden. Keine Ahnung wie das kommt, ob die Varroen dafür einen Sinn haben wann Sie abdampfen müssen.


    Gruß Jörg

  • Die Varroen können wie die Bienen riechen, ob eine Königin da ist.
    Wenn man blind durch's Leben tapert, wie die Milben, kann man in dieser Klasse meist sehr gut riechen; bei höheren Lebewesen übernehmen andere Sinne das.
    Es ist noch nicht so ganz klar, ob die Milben beim Wechsel von einer Flugbiene zur anden auf einer Blüte auf Vibrationen oder den Geruch reagieren; jedenfalls sind diese Viecher blizuschnell!
    Wer sie schon über die Wabe hat spurten sehen, staunt nur noch: 10cm in drei Sekunden ist nichts....:-(

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Imkers,
    @ Jon Godly: Ich glaube nicht, dass man die Milbenreduktion während einer Brutpause von 3 bis 4 Wochen alleine mit natürlichen Totenfall bei Fehlender Reproduktion der Milben erklären kann. Und zur Schwarmzeit, bei der ja eine natürliche Brutpause im abgeschwärmten Volk vorhanden ist, sind die Trachtbedingungen meist so gut, dass Räuberei meines Erachtens keine wesentliche Rolle bei der Abwanderung von Milben spielen kann.
    @ Sabi(e)ne: Davon bin ich auch überzeugt, dass die Milbe über den Geruchssinn immer über den Zustand des Volks informiert ist.
     
    Dass ich nicht vollständig davon überzeugt bin, dass die Milben in großer Anzahl auf Blüten von einer Biene auf die nächste umsteigen habe ich ja Eingangs bereits geschrieben. Die verlinkte Doktorarbeit (vielen Dank dafür @jjsxsjj) ist ja relativ aktuell (2004) und der Autor schreibt, dass es keine Beweise dafür gibt, dass Milben tatsächlich auf Blüten „umsteigen“, zumal die Wahrscheinlichkeit über so einen Vorgang tatsächlich in ein anderes Volk zu gelangen als relativ gering eingeschätzt wird. Dass Varroen einerseits durch Verflug der Sammelbienen und andererseits durch Räuberei auf andere Völker übertragen werden, ist hingegen bekannt.
     
    Trotzdem sprechen viele Berichte und Beobachtungen dafür, dass eine sehr starke Abnahme über der zu erwartenden natürlichen Mortalität in einer Brutpause statt findet. Wenn es sich dabei um eine tatsächliche Abwanderung (in andere Völker) handelt, muss man sich doch fragen, warum sollte die Milbe z. B. aus einem abgeschwärmten Volk dieses überhaupt machen. Immerhin schreibt Tautz, dass der Begattungserfolg in normalen Völkern fast 100 % erreicht und nur in kleinen Begattungseinheiten deutlich geringer wird. Also könnten die Varroa-Milbe sich auch bei Brutpausen mit hoher Überlebenschance weiterhin dort aufhalten, immerhin schafft die Milbe dass auch im Winter.
     
    Gibt es also konkrete Beweise für die „Blütenumsteige-Theorie“, gibt es andere Mechanismen zum verlassen des Volkes oder ist es doch nur die natürliche Mortalität? Irgendeine Idee?
     
    Gruß Andreas

  • Erwiesenermaßen Leben Bienen im Winter deutlich länger als im Sommer...vielleicht gibt es ja auch Sommermilben und Wintermilben...
    Reine Spekulation, aber vielleicht fallen "schwangere" Milben nach 2 Wochen ohne Brut einfach tot um :daumen:


    P.S. : Zum Blüteumsteigen gibt es ein Beispiel : die Bienenlaus.
    P.P.S : Vielleicht verwechsle ich die Bienenlaus mit der Hummelmilbe (kam mal was in einer Parasitendoku)

  • Hallo, Andreas,
    als Idee: die Milben überleben ohne Bienen und ohne Brut nur etwa eine Woche.
    Mit Bienen, wie im Winter, ziemlich lange.
    Es ist aber nicht Ziel der Milbe, nur zu überleben, sondern sich zu vermehren, und das dringend.
    Da sie in den etwa 5 Wochen vom Schwarmabgang bis zur ersten neuen verdeckelungsreifen Brut schon selbst wieder zwei Generationen zur Welt bringen könnte, "lohnt" es sich für sie, ein Volk MIT Brut zu finden.
    Außerdem bringt sie das ausbreitungsmäßig gut voran, denk an den Begriff "central place forager" von Bernhard, sprich, die Flugkreise der Völker sind normalerweise nicht deckungsgleich, wie bei Ständen mit mehreren Völkern, sondern versetzt.
    Daß sie per Bienenreise mit einem unwahrscheinlichen Tempo vorankommt, hat sie bei ihrer Ausbreitung danals doch bewiesen, das kann man nicht alles dem Bienenhandel anlasten.
    Es mag sein, daß die Wahrscheinlichkeit dieser Art Ausbreitung gering eingeschätzt wird, aber als bewiesen kann ich das nicht ansehen, dafür ist der Vorteil für die Milbe zu groß.
    Es wird bei Brutfreiheit ja nicht nur eine oder ein paar Milben den Stock verlassen, sondern eher alle, die dringend Zellen brauchen, weil die Geburten drücken...
    (edit: ich kann mir nicht vorstellen, daß sie von einer Minute auf die andere die Geburten sozusagen einfrieren können...da gibt es nicht viele Tiere, die das können)
    Was im Stock bleibt, werden die sein, die sich zu dem Zeitpunkt noch in den Zellen befinden, oder frisch geschlüpft sind und noch relativ viel Zeit haben, bis sie in eine Zelle müssen.
    Was passiert denn, wenn man ein königinnenloses Volk vier Wochen mit bee-boost ausstattet?
    Fallen die Milben darauf auch herein?
    Bleiben sie oder gehen sie?
    Welche Auswirkungen könnte das haben?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo


    Drohnen wandern von Volk zu Volk, das werden auch die Milben nutzen.
    Oder für Toleranzfans die Pflegebienen müssen nicht mehr pflegen und könnten sich doch auch verstärkt dem Putztrieb widmen.


    Gruß Uwe

  • Hallo


    Sabine
    extra für Dich in Langfassung :wink:


    Wenn die Milbe den Stock verlassen will, dann ist die Wahrscheinlichkeit auf dem Drohnentaxi, wesentlich größer anzukommen, als wenn sie darauf hoffen soll von einer Blüten eine Anschlussfahrkarte auf der nächsten Biene zu bekommen.


    Gruß Uwe

  • Hallo, Uwe,
    das sehe ich eher nicht so, weil die Zahl der Drohnen im Vergleich zu den Flugbienen doch eher gering ist, und die Drohnen auch eher noch wetterabhängiger fliegen als die Flugbienen.
    An einer Wasserstelle z.B. umzusteigen, dürfte keinerlei Problem sein, so dicht, wie die Mädels da oft sitzen....
    Insgesamt ist die Auswanderungschance bei den Flugbienen m.M.n. um einiges größer.
    Dazu kommt, daß du diese Milbenwanderungen ja auch schon gibt, bevor überhaupt Drohnen da sind, und nachdem es fast keine mehr gibt....:wink:
    Ich will das nicht ausschließen, aber nur über die Drohnen kommen die Milben in den gezählten Zahlen nicht weg.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen