Durchwachsene Silphie

  • Hat eigentlich jemand Erfahrung mit dem Anbau in größerem Maßstab? Ich hätte über einen Grundstückseigentümer und Mittel aus der Nordeutschen Umweltstiftung die Option, ca. einen Hektar zu bepflanzen. Die Kosten sind ja erheblich. Allein das Pflanzgut kostet 6.000 bis 7.000 Euro pro Hektar.

    Ich habe mich dazu kürzlich mit einem Fachmann von der hiesigen Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei unterhalten, die dort zwei größere Versuchspflanzungen unterhalten. Seine Einschätzung: Ein Ersatz für Mais wird die Silphie nicht werden. Für die Landwirte ist der geringere Gasertrag ausschlaggebend. Die Hektarerträge sind so knapp kalkuliert, dass das nicht aufgeht. Schon gar nicht bei dem Aufwand im ersten Jahr. Allenfalls bei Biogasanlagen jüngeren Datums stellt sich das etwas besser das, weil hier alternative Energiepflanzen besser gefördert werden.

    Auch die Trockenheitsresistenz ist nach seinen Erfahrungen nicht sehr viel höher als bei Mais. Als Futterpflanze ist die Siphie nicht interessant genug. Zwar fressen die Rinder sie, aber wer von einer Kuh 10.000 Liter Milch im Jahr erwartet, so der Fachmann, muss Mais füttern.

    Es gibt zwar mittlerweile vorbehandeltes Saatgut, bei dem die Keimfähigkeit angeblich so hoch ist, dass statt Pflanzen eine Aussaat möglich ist, auch das bewertet der Fachmann aber skeptisch.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Moin Wolfgang,

    auf dem Vortrag in Celle war die Rede davon, dass im Sieben-Jahres-Schnitt die Silphie mehr Gas als der Mais bringt.


    Außerdem hat man mittlerweile ein Saatverfahren entwickelt. Hierbei hat man die Möglichkeit durch entsprechende Bestückung der Saatmaschine Mais und Silphie Reihe für Reihe im Wechsel zu säen, so dass im ersten Jahr, in dem die Silphie lediglich die Blattrosette ausbildet, kein kompletter Ertragseinbruch entsteht.


    Hier der Vortrag auf Youtube:


    und hier das Skript zum Vortrag: http://www.berufsimker.de/inde…lphie-im-aussaatverfahren

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • Hallo Michi,

    vielen Dank für den Link. Das Anbauverfahren als Untersaat zu Mais hatte ich so schon bei Chrestensen gefunden. Da das der Saatgutvertreiber ist, war ich da eher skeptisch.

    Es geht ja letztlich darum, Landwirte dazu zu bewegen mitzumachen. Ich kenne inzwischen mehrere Eigentümer landwirtschaftlicher Flächen, die verpachtet haben und mit wenig Begeisterung sehen, was die konventionelle Landwirtschaft da auf ihrem Grund treibt.

    Da sehe ich einen Hebel: Mit dem Argument Pachtverträge nicht zu verlängern, könnte man die Landwirte wohl bewegen mitzumachen, weil sie so immerhin weiterhin Erträge haben. Auch da sagt aber der wissenschaftliche Fachmann, ist das Ende der Fahnenstange schnell erreicht, so eng wie die Margen pro Hektar kalkuliert sind.

    Die Bewertung der Hektarerträge in Gas scheinen weit auseinanderzugehen.

    Immerhin ist die laufende Bewirtschaftung der Siphie unproblematisch. Sie verträgt die Düngung mit Gülle und auch für die Ernte braucht es keine speziellen Geräte. Der Düngerbedarf scheint dem von Mais ähnlich zu sein. Auch hier wird gelten, dass die Landwirte nicht auch noch den Minderertrag akzeptieren werden, der duch Biobewirtschaftung entsteht.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo Wolfgang,

    Ich würde nach allen mir bekannten Studien auch schätzen, dass man gegenüber anderen Alternativen im konventionellen Anbau schlechter fährt was die Ausbeute in Biogas je Hektar angeht, aber bein Vergleich mit Bioanbau ist die Silphie eher vorne. Die Ernte scheint etwas schwerer zu sein als bei Mais. Ein großes Handicap ist die größere Menge an Biomasse, auf die sich die MethanAusbeute verteilt, weil man einfach mehr Masse bewegen muss, um die gleiche Menge Biogas zu bekommen.

    Hier wäre noch ein linktipp zu Leuten, die genau das im Süden machen, was ihr vorhabt. Meine Erfahrung beschränkt sich auf etwa 0,3 Hektar beim Anbau. Die Biogas-Ausbeute wird nicht untersucht.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Sorry, aber den Vortrag hab ich mir auch angehört.

    In meinen Augen eher was um das Image aufzubessern.

    Leider wurden verschiedene Haken an der Geschichte überhaupt nicht erwähnt.

    Schaut Euch die Sache mal an und denkt dabei ein bisschen nach...

  • Hallo, hier noch ein Link zum Thema.

    Diesen Vortrag habe ich 2016 in Triberg anlässlich des Bad. Imkertages gehört.

    Der Vortragende ist Landwirt und Mitentwickler des bereits angesprochenen Anbauverfahrens: Aussaat der Silphie als Untersaat zu Mais. Nach der Maisernte wird nur noch die Silphie weiterkultiviert.

    http://www.tll.de/www/daten/ve…_silphie_braunschweig.pdf

    Gruß Eisvogel

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk