Futterstrom nicht abreißen lassen

  • Hallo miteinander,
     
    In den Fachbüchern und auch hier im Forum ist immer zu lesen, dass bei Ablegern/Jungvölkern der Futterstrom nicht abreißen darf. Wie ist das zu verstehen?
    Ich habe auf meinem Stand jetzt 4 junge Völkchen stehen. Wenn ich da heute je 1 Liter Zuckerwasser 1:1 gebe, ist das morgen alles aus der Wanne bzw. dem Tetrapack weg.
    Muss ich dann morgen gleich wieder Futter geben?
     
    Wulle

  • das habe ich mir auch schon überlegt, ich habe zwei Jungvölker mit 2l 3:2 aufgefüttert, das war innerhalb kurzer Zeit auch weg(schlechtes Wetter). dann hab ich durchgeschaut und festgestellt dass deutlich weniger Brut angelegt wurde sondern alles mit dem Sirup voll war. Also hab ich nicht mehr gefüttert, das Wetter war ja auch besser, und siehe da, das Futter wurde verbraucht oder umgelagert und mehr Brut angelegt. Ich weis nicht ob das jetzt einen direkten Zusammenhang hat, aber ich werde nun lieber ab und zu je nach Bedarf kleinere Mengen füttern, wobei 2l für so ein Völkchen schon recht viel ist...

  • Moin Wulle,


    abgesehen von dem kleinen Schönheitsfehler, daß sich "optimal" nicht steigern läßt, wäre es am aller optimalsten, wenn Deine Ableger oder Völkchen regelmäßig kleine Mengen Futter bekämen, so als wär das echte Nektartracht. Es darf durchaus Futter mit weniger als 50% Zucker sein und auch deutlich weniger als ein Liter. Da man aber nicht immer und täglich an die Bienen kann, füttert man halt so oft wie möglich. Die besten Ergebnisse hat man aber tatsächlich mit täglichen Gaben von etwa 250ml Zuckerwasser dünner als 1:1 für ein Vollvolk. Es soll ja nicht unbedingt was eingelagert werden, es soll ja Brut werden und bleiben.


    Wenn man mit Futterteig in Taschen füttert, dann zieht sich die Futteraufnahme auch in die Länge und wird damit trachtähnlicher. Das gilt auch für Trockenzucker und Maische, die allerdings verlassen und damit unbrauchbar wird, wenn tatsächlich Tracht einsetzt. Dünnflüssig gibt wesentlich mehr Bewegung in der Kiste. Auch weil die zigfach übergeben und invertiert werden muß.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry,
     
    erstmal Danke für die schnelle Antwort. Dann dürfte ich mit je nach Freizeitbudget ein bis zweimal Nachfüllen pro Woche ja garnicht so falsch liegen. :) Bis jetzt scheinen sich die Völkchen auch ganz gut zu entwickeln.
     
    Gruß
    Wulle

  • Da hat der Henry gut geantwortet! :daumen: Mein Rat: Scheue dich nicht davor, hin und wieder mal reinzugucken in deine werdenden Bienenvölker. Dann bekommst du gut mit, was "zu viel" und was "zu wenig" ist.
    Wenn das Brutnest eingeschränkt wird, weil das Futter darin abgelagert wird, oder das Futter verdeckelt wird, ist es nach meiner Erfahrung im letzten Jahr zu viel. Und das ist auch nicht gut. Du kannst die Populationsentwicklung sowohl mit "zu viel", als auch mit "zu wenig" gegebenem Futter nachhaltig stören. Aber das ist nur meine persönliche Erfahrung, und nicht Schema-F! Weil eigentlich würde ich den Ablegern auch lieber ihre Ruhe lassen und die Imkerfinger raushalten.... :-D


    Den Tipp von Henry mit dem weiter verdünnten Futter habe ich befolgt und siehe da, mit Erfolg. :daumen:


    Gruß
    Ralph

  • Da bin ich aber gespannt?


    Dieser Ratschlag ist ein *Tausendguldenratschlag* - wenn es bei mir funktioniert.
    Nicht weil ich es anders machen will, sondern weil ich im Geschäft noch eine Unzahl an Lebensmittel- Polysäcken habe, wurde der Ratschlag ein wenig abgeändert.
    So habe ich die 100% dichten 1 lt. Säcke mit ca 1/4 lt verdünntem Zucker-Futter gefüllt, und einfach dicht geknotet. Bin jetzt noch (um 21,45 Uhr) zu den Völkern, und habe bei 2 Völkern probeweise einen Beutel placiert.
    Mit einer Nadel habe ich 6 Löcher gestochen. Es ist jeweils beim Drücken nur ein Tropfen heraus gequollen.
    Warum für mich ein Tausend Gulden Ratschlag?
    Ich habe gleich nach dem Abräumen 6 lt. 1:1 ( = ca 3,60 kg fertiges Futter) aufgefüttert und die Völker behandelt. Ich überwintere auf einer Zarge - Einheitsmaß mit 10 Waben.
    Obwohl schon etwas im Gebirge ( 1000 m) haben wir vor ca 16 Jahren jeweils bis zum etwa 20.- 25. September fertig auf gefüttert. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir dabei schlecht gefahren wären.
    Dann wurde empfohlen, gleich nach dem Abschleudern ( bei uns um den 20.Juli) in kurzen Abständen bis ca 15.August fertig auf zu füttern.
    Meine Meinung dazu ist, dass ich dabei die Königin aus der Brut gedrückt habe.
    So will ich jetzt mit Tracht vortäuschenden (Beutel) Fütterungen bis zum
    20.September die erforderliche Futtermenge in den Kästen haben.
    Wenn ich jetzt beobachte, wie am Abend noch gefächert wird, und vergleiche, wie die Faulenzer bei der Frühauffütterung herum gelanzelt haben, muss ich sagen, mir gefällt es so besser.
    Ich weiß, dass die Meinungen hier auseinander gehen, und gleich wieder einige Keulen fliegen werden, bitte ich trotzdem um eure Meinung.


    Ich wünsch ein schönes Wochenende.
    Tschiwi

  • :lol: Da fliegen keine Keulen....zu früh voll aufgefüttert drückt das Brutnest viel zu früh zusammen, das ist Fakt.
    Ich erzähl doch dauernd, *dünn* füttern, um die Brut zu fördern, und fehlendes Restgewicht Ende September/Anfang Oktober ergänzen reicht völlig.
    Und die Pollenvorräte beobachten, und tatsächlich u.U. Ersatz füttern.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Danke Sabi(e)ne-


    das funkt.
    Habe jetzt meine 30 lt Gallone mit Ausgießhahn ( sonst für Saft bei der Obstpressung) für die Abfüllung umfunktioniert.
    Die Zuckerlösung *rühre* ich im 100 lt Faß mittels Tauchpumpe aus dem Baumarkt ( um 19,90 €) Wenn die Lösung klar ist, wird sie in die Gallone umgeschöpft.
    Etwas zu lernen gibt es noch bei der Lochung.
    Sollen die Löcher ganz oben sein, etwas auf der Seite, und wieviel Löcher für die Fütterung bzw. der Vorgaukelung eines Trachtangebotes?
    Dann.... genügen Nadelstiche oder sollen es feinste Nagelstiche sein? (10 er Stifte)
    Jedenfalls nur Kleinigkeiten zur Vollständigkeit.
    Ich empfinde, dass es für meine Betriebsweise und meinen Umgang mit dem Bien einen *Quantensprung* bedeutet. Nur mit ein paar Stichen und der größe der Beutel kann ich regulieren - ob Fütterung oder Trachtvortäuschung. (Die Bezeichnung Reizfütterung mag ich nicht so gerne)
    Noch eine kleine Bemerkung.
    Ich habe einige Ableger mit flachem Geschirr (Mischung 1:1) gekaukelt.
    Nebenbei einen Beutel (ca 1/2 lt) mit 3 Nagelstichen hingelegt. Diese Mischung habe ich noch um etwa 1/3 mit Wasser gestreckt. Trotzdem ist der Beutel voll mit Bienen besetzt, und das halb-volle Futtergeschirr ist fast verwaist.
    Nett zu beobachten ist es auch, wie die Bienen entlang der feinen Faltenfurchen den *Nektar* aufnehmen.
    Sabi(e)ne, darf ich noch eine Frage anschliessen?
    Der Weltmarkt ist offen. So habe ich bei meiner Tochter in Liechtenstein den Zucker einer Schweiz. Zuckermühle (Rupperswil) gesehen mit der Aufschrift
    *Thailand-Kolumbien). Dies dürfte auf alle Fälle ein Rohrzucker sein.
    Welcher Unterschied besteht zwischen Rohr- und Rübenzucker?
    Ist Rohrzucker für die Auffütterung geeignet?


    Nichts als Fragen.


    So, jetzt noch ein kurzer Blick zu den Bienen, und dann nichts wie hin zum nächsten PC - und rasch noch ein paar Stunden Buchhaltung.


    Noch einen schönen Sonntag- Nachmittag.


    Tschiwi

  • Hallöli,
    wenn der Rohrzucker raffiniert ist, besteht keinerlei Unterschied mehr zu Rübenzucker.
    Saccharose ist Saccharose, egal woher.
    Nur brauner Rohrzucker ist wegen der Ballaststoffe ungeeignet für den Winter, ebenso wie brauner Kandis aus Rübenzucker.


    Zur Lochung: mußt du selbst ausprobieren, was für dich am besten geht.
    Ich piekse mit dicker Stopfnadel, dann reichen die Löcher für bis zu 5 Bienen :wink:
    Ich hab aber auch schon kurze Schlitze reingeschnitten (Rasierklinge), immer nur oben, an der flachen Stelle; wichtig ist nur, daß nichts einfach so auslaufen kann, deshalb guck ich immer nach einer Viertelstunde nochmal nach.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • dann hab ich durchgeschaut und festgestellt dass deutlich weniger Brut angelegt wurde sondern alles mit dem Sirup voll war. Also hab ich nicht mehr gefüttert, das Wetter war ja auch besser, und siehe da, das Futter wurde verbraucht oder umgelagert und mehr Brut angelegt.


    Ich habe vor 2 Wochen meine ersten beiden Völkchen (einzargig DNM) von meinem Imkerpaten bekommen mit der "Aufgabe", noch etwa 10l (am besten mit 2,5l-Gläsern von oben) zu füttern, dann müßte es für den Winter reichen. Durchschauen, d. h. Waben ziehen solle ich nicht mehr, da die Bienis sich ja im Falle des Falles keine Königin mehr ziehen könnten (bzw. keine Drohnen mehr zum Begatten da seien).
    Wie soll ich denn nun feststellen, ob ich sie "zustopfe" und die Brut einschränke? Dafür müßte ich doch auch die Waben ziehen... :confused: