Naturschutz und Bienenvölker

  • Hallo Sabine,


    tja, das kenne ich auch. Ich kenne auch viele Treffer, nicht nur bei Google. Nur haben hier zwei Beitragsschreiber von ihnen bekannten Untersuchungen geschrieben. Diese interessieren mich besonders.


    Viele Grüße
    Stefan


    :lol:
    Quelle: http://www.staff.uni-marburg.de/~ag-biene/dframeSP.html


    Ansonsten gib bitte mal "studie konkurrenz wildbienen honigbienen" in Google ein, dann kriegst du etwa 200 Treffer, auf englisch noch viiiieeeeel mehr.:wink:

  • Wenn ich meine alte Festplatte noch hätte, wär's kein Problem.....*seufz*....ich weiß nicht mal mehr, von wem die Studie genau war; seit ich PC hab, merk ich mir sowas nicht mehr, sondern lege nur noch ab...:oops:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Zusammen,
    "Aus Übersee" - da liegt der Hase im Pfeffer!
    Gebiete, wo unsere Honigbiene eingebürgert ist.
    Da kann es durchaus zu einer Konkurenzsituation mit den dort heimischen Bienenarten kommen.
    Hierzulande gibt es aber eine millionenjahrealte Koevulution.
    Wenn mir als Laie das schon auffällt, müßte das den Biologen der Naturschutzverbände doch auch bewusst sein.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Stefan,
    kennst Du folgende Veröffentlichung?

    EVERTZ, S., 1995: Interspezifische Konkurrenz zwischen Honigbienen (Apis mellifera) und solitaeren Wildbienen (Hymenoptera Apoidea).- Natur und Landschaft : Zeitschrift für Naturschutz und Landschaftspflege, Volume 70, Heft 4, S. 165-172.

    Es wird dagelegt, wie die Bestände mehrerer Wildbienen-Arten abnehmen, wenn in vorher weitestgehend honigbienenfreien Bereichen Bienenvölker aufgestellt werden.

    Gruß Andreas

  • hallo,


    bin leider erst jetzt auf diesen thread gestossen.
    ich verfolge die diskussion um die konkurrenz auch schon eine weile und möchte nur einen punkt ergänzen der bisher meiner meinung nach fehlt.


    solitärbienen können pollen verschiedener pflanzen sammeln (polylektisch - wie honigbienen) oder spezialisiert sein auf nur eine art oder gattung pflanzen(oligolektisch).
    die ersteren dürften erst bei hohen honigbienendichten leiden.
    das problem haben die letzteren, wenn der pollen "ihrer" pflanze von honigbienen "abgegrast" wird und sie somit nicht genügend nachwuchsköniginnen für das nächste jahr ansetzen können. wiederholt sich das ganze in den nächsten jahren kann es zum aussterben der solitärbienenart in dieser gegend kommen.
    da sie je nach art nur einige hundert meter bis wenige kilometer weit fliegen, können sie auch nicht ausweichen.


    bis denne

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • hallo, irgendwie fehlt was...
    einige ergänzungen sind noch nötig:


    1. klar ist, dass sich die honigbiene nach der eiszeit vom mittelmeergebiet der ausbreitung der bäume folgend auch in mitteleuropa in ihrer unterart a. mellifera mellifera breitgemacht hat.
    für alle die lesen lieben: f. ruttner "naturgeschichte der honigbienen"


    2. die dichte von honigbienenvölkern in der gemässigten klimazone lag ohne einfluss des menschen höchstwahrscheinlich bei ca. 0,5 völkern/km2 !
    -Galton 1971 "Survey of a Thousand Years of Beekeeping in Russia" (käuflich www.ibra.co.uk "shop")
    -Visscher & Seeley 1982 "Foraging Strategy of Honeybee Colonies in a temperate decidious Forest" (googeln nach genauem titel und fernleihe in bibliothek)


    3. konkurrenz ist direkt abhängig von der landschaftsstruktur.
    d.h. in einfach strukturierten landschaften (monokulturen) wird nach der blüte der hauptkultur auf den wenigen blühenden flächen ein konkurrenzdruck von honigbienen auf solitärbienen und hummeln entstehen.
    in vielfältig strukturierten landschaften (natürlich, naturnah, kleinbäuerlich oder grenzgebiete zwischen siedlung-wald-landwirtschaft oder grüne siedlungsgebiete) kann konkurrenz kaum auftreten. (in der nähe einer grossimkerei sieht es schon anders aus.)
    http://wwwuser.gwdg.de/~uaoe/m…effan.htm#Anker5i_steffan :
    - Steffan-Dewenter, I. & Kuhn, A. (2003) honeybee foraging in differentially structured landscapes – Proceedings of the Royal Society of London B 270, S. 569-575
    - Steffan-Dewenter, I., Münzenberg, U., Bürger, C., Thies, C. & Tscharntke, T. (2002) Scale-dependent effects of landscape structure on three pollinator guilds – Ecology 83, S. 1421-1432



    also a.m.m. völker in einzel- oder kleingruppenaufstellung (3 völker vielleicht) auf oder an grossen, naturnahen schutzflächen (mehrere hektar), bei niedriger völkerdichte in der umgebung, sollten o.k. sein.
    wenn ihr dann noch ohne behandlung auskommt und die völker schwärmen lasst, sollte euch der applaus der biologen & bienen sicher sein.


    achso, und lecker vielfältiger honig von gesunden völkern ist für euch auch noch drin!!!


    tschüssikowski

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • sorry, komme mal wieder zu spät.
    Ich lese gerade eine interessante Sache die wohl unbeding mal hierhergehört.
    Glaube so ab ca. Seite 44 gehts um die verschiedenen Bestäuber.
    Das ganze ist vom Schweizer Bieneninstitút, und daraus ist jetzt kein eindeutige Pro-Bienenhaltung-Haltung zu erkennen. Nö, eher Objektiv.
    Wems nicht schmeckt verdrängts eben. Bienen sind eben Nahrungskonkurenten. Ich kann damit leben. Und die Bienenmenge machts natürlich-und ob es dan sekundär doch wieder gut ist, weil dann mehr bestäubte Pflanzen-also mehr Blütenpflanzen da sind und die Solitären wieder mehr Futter haben ist noch nicht ganz raus.
    Guckt mal hier
    http://www.alp.admin.ch/themen/00502/00529/00531/index.html?lang=de&download=M3wBUQCu/8ulmKDu36WenojQ1NTTjaXZnqWfVpzLhmfhnapmmc7Zi6rZnqCkkIN0e3x+bKbXrZ2lhtTN34al3p6YrY7P1oah162apo3X1cjYh2+hoJVn6w==

  • Auch ich habe 3 Völker in einem Naturschutzgebiet stehen. Da meiner Meinung nach im Frühjahr das Pollenangebot in diesem Gebiet zu knapp ist, habe ich mir erlaubt:-?, am Rande des Gebietes eine Wildkirsche und drei männliche Salweiden zu pflanzen. Die Quittung habe ich letzte Woche erhalten. Den Ärger mit der Naturschutzbehörde hätte man sich auch sparen können, in dem man gleich mit den Bienen einen anderen Platz sucht.


    Es ist ein ehemaliger, aufgefüllter Porphyrbruch, auf dem sich Pflanzen wie z.B. Quendel und Heide ansiedelten.


    Das aufgebrachte Umweltamt hat auch mich auf den erhöhten Konkurrenzdruck für die Wildbienen hingewiesen, ähnlich wie das vom Schweizer Bieneninstitut:
    "Empfehlungen für Imker
    3. Auf den Einsatz von Bienenvölkern sollte verzichtet werden, wenn das Trachgebiet für engspezialisierte Wildbienenarten und für Honigbienen attraktiv ist (wildbienenreiche Lebensräume wie Magerrasen, Kies-gruben, Ruderalflächen)"

    Viele Grüße Peter

  • Hallo,

    vielen Dank an molle für seine Links. Die Ergebnisse stehen etwas im Widerspruch zu den Ergebnissen des „Schweizerischen Zentrum für Bienenforschung“ http://www.alp.admin.ch/themen/00502...1cjYh2+hoJVn6w



    So ganz eindeutig scheint die Sachlage nicht zu sein.

    Ich zitiere mal etwas (leider in english).

    Zitat aus: http://wwwuser.gwdg.de/~uaoe/pdf/paper/Oecologia2000,122_288-296.pdf

    „Conclusions

    Although competition between honey bees and wild bees is often expected, we did not find any evidence for significant effects at the densities of bees and flowers we studied. Further, no other study has unambiguously shown negative effects of honey bees on the reproductive success of wild bees, although resource overlap and competitive exclusion from the most profitable flower patches have been demonstrated. The lack of competitive effects could be explained by: (1) differences in foraging radius, habitat preferences and food selection between honey bees and wild bees, (2) the greater relevance of intraspecific competition to honey bees compared to interspecific competition with other bees, and (3) the limitationof wild bee populations by other factors like avail-ability of nesting sites or abundance of natural enemies, but not by food resources.
    In the future, more studies are required to evaluate the relative importance of factors influencing the population dynamics of wild bees. Life-table analyses (see Varley et al. 1973) should include food quantities in habitats with and without honey bees, reproductive success, and the significance of nesting sites and parasitoids, in order to identify key factors of population dynamics.
    With respect to conservation, we suggest a more moderate approach than the total ban on beekeeping which is sometimes demanded for nature conservation areas (e.g. Evertz 1995). The honey bee densities of our study that were near the European-wide average of 3.1 colonies/ km2 did not appear to affect wild bee populations. To be on the safe side, bee densities in conservation areas should not exceed this level. We conclude from our results that for the conservation of wild bees it is much more important to protect and manage their habitats.“

    Da besteht wohl noch weiterer Forschungsbedarf? Oder interpretiere ich das falsch?

    Viele Grüße
    Stefan