Warum weiseln drohnenbrütige Völker nicht um?

  • Ich habe gelesen, dass Bienen ihre Königin oft schon umweiseln, wenn die Brutflächen nicht gleichmäßig sind, oder auch wenn sie körperlich geringste Schäden zeigen, z. B. durch ein fehlendes Bein, zu kurz gestutzte Flügel (ohne diese imkerliche Maßnahme bewerten zu wollen ;-)
     
    Ich verstehe nicht, warum ein drohnenbrütiges Volk dann nicht die Chance nutzt, von einem weiselrichtigen Volk eingehängte junge Brut zur Umweiselung der Drohnenmutter zu verwenden. Diese müsste doch von den Bienen als nicht vollwertige Königin erkannt werden: Schlechte Legeleistung, kein geschlossenes Brutbild.
     
    Ich hätte jetzt vermutet, dass man einem drohnenbrütigen Volk halt einfach eine frisch bestiftete Wabe aus einem weiselrichtigen Volk einzuhängen braucht, und darauf dann "Nachschaffungszellen" zur Umweiselung gebaut werden. Hat jemand eine Idee, warum das nicht klappt?
     
    Gruß,
    Anderl

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Weil die zugegebenen Eier und jüngste Larven anders riechen.
    Außerdem ist da noch ein Unterschied, ob die alte Königin nur noch Drohneneier legen kann, weil sie kein Sperma mehr für befruchtete Eier hat, oder ob die Alte verlorengegangen ist, und eierlegende Arbeiterinnen ihren Job übernommen haben.
    Wenn die alte Königin nicht mehr so richtig legen kann, riecht sie aber trotzdem noch wie eine voll funktionsfähige, also besteht für die Bienen meist kein Anlaß, sie auszutauschen.
    Da muß dann der Imker eingreifen, die Alte killen und eine neue legende einsetzen.
    Ist dagegen die Alte verlorengegangen, fehlt das Königinnenpheromon, das die Arbeiterinnen am Legen hindert, und ein paar Mädels denken, sie wären jetzt die Königin und beginnen zu legen.
    Da dann immer mehr als eine legt und sie äußerlich nicht zu erkennen sind, ist dann das Umweiseln echt haarig.
    Im ersten Fall ist für die Mädels ja alles okay, die Alte legt noch und verbreitet auch noch genug Pheromon, warum sollten sie dann nachziehen?
    Im zweiten Fall werden die legenden Arbeiterinnen dominant genug, durch ihre Drohnenbrut den Bienen genug Brutpflege abzufordern, daß die gar nicht merken, daß da keine Arbeiterinnen mehr nachwachsen, ein wenig nach Königinnen riechen werden sie wohl auch.
    Für die Bienis ist da jedenfalls in beiden Fällen kein Anlaß, umzuweiseln, sie merken ja nicht wirklich, daß was nicht stimmt.
    Leider.
    Evolutionär ist das eigentlich eine geniale Lösung, denn so werden die Gene dieses Volkes wenigstens noch als Drohnen weitergegeben....es verschwindet also nicht komplett.:wink:
    Ein edit: die Bienen können die Verwandschaft zwischen den Geschwistergruppen riechen, mit dem Zuhängen von bestifteten Waben einer Schwesterkönigin könnte es evt. besser klappen.
    Studien gibt es dazu aber bislang nicht.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Dazu folgende Geschichte:


    Anfang Juni diesen Jahres saß in einer Fichte ein Schwarm. Da er in etwa 5m Höhe hing und das Gelände hangig ist, bin ich mit einem ausziehbaren Obstpflücker zu Werke gegangen. Trotz vorherigem Befeuchten konnte ich den Schwarm nicht komplett mit einem Schlag eintüten, sondern musste mehrmals anschlagen, nicht zuletzt aufgrund des geringen Durchmessers des Pflückers. Dazwischen wurde jeweils der Beutel in einen Kasten geleert.
    Die Bienen blieben auch da drinnen, so daß ich vom Fang der Königin überzeugt war.
    Dann hab ich ihn eingeschlagen und nach ein paar Tagen kontrolliert. Die Eiablage war schlecht. Eier am Rand der Zelle, liegend oder doppelt bestiftet.
    Hm, wohl ein Nachschwarm gewesen. War ja eh nicht so super groß. Vielleicht übt sie ja noch. Das ganze entwickelte sich aber eindeutig zur Drohnenbrut über mehrere Waben. Unbegattete Königin? Legt eine solche überhaupt?:confused:
    Hab dann Weiselprobe gemacht und es wurden auch Zellen angeblasen. Die Wabe blieb drin und ich hab das Volk dann eine Weile in Ruhe gelassen.
    Es ist jetzt wieder weiselrichtig und hat einen ordentlichen Brutansatz.
    War wohl doch nur eine Drohnenmutter und die Königin ist beim Schwarmfangen abhanden gekommen.


    Gut das ich die Geduld gehabt habe, die Bienen in Ruhe machen zu lassen.
    Vielleicht hat ja irgendeiner noch andere Erklärungen zu diesem Sachverhalt.



    Grüße


    Burkhard

  • Hallo Burkhard,
    wenn Du Deine zwei Fragen:
    Unbegattete Königin? Legt die überhaupt?
    mit "Ja" beantwortest, hast Du die Lösung.
    Eine unbegattete Königin kann ja nur Drohneneier legen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar


    Lothar schrieb:


    Eine unbegattete Königin kann ja nur Drohneneier legen.


    Ja, schon vor über 170 Jahren ist die Parthenogenese bei den Bienen durch Johann Dzierzon entdeckt worden und selbst bei mir ist angekommen, daß somit Drohnen nur einen haploiden Chromosomensatz besitzen.


    Warum war die Weiselprobe dann aber positiv, wenn sich doch eine Königin, obwohl unbegattet, im Stock befindet?


    Der Ausstoß an Pheromonen bei einer jungen Weisel ist wohl nicht so stark wie bei einer Alten.



    In einem älteren Thread habe ich noch ein Kriterium zu Unterscheidung der Ursache von Drohnenbrütigkeit gefunden.


    Drohnenbrütigkeit ist ein Problem einer Weisel. Dann gibt es schöne große geschlossne Flächen erhabener Zellen. Es ist dann also eine legende Königin da und es gibt keine Afterweiseln, weil beides gleichzeitig normalerweise nicht geht. Buckelbrut ist die Folge von in Häufchen abgelegeten Eiergruppen, allesamt unbefruchtet, die von Afterweiseln (oder auch Afterweibchen :roll: ) abgelegt wurden. Es gibt dann keine geschlossene Brutfläche, sondern Berge, Hügel und Täler aus Drohnenbrut und leeren Zellen und auch in sehr sehr unterschiedlichem Alter.


    Da ersteres der Fall war, hat es also nie eine Drohenmutter (ich meine damit Afterweisel) gegeben.


    Beste Grüße


    Burkhard

  • Guten Abend zusammen.
     
    Bei einem Volk habe ich Drohnenbrütigkeit festgestellt.
    Es war ein Freiluftkunstschwarm. Hat wohl nicht geklappt.
    Trotzdem bauen sie die Anfangsstreifen wie jeder Schwarm sehr gut aus.
    In der Lebhaftigkeit und Sammeleifer, kann ich keinen Unterschied zu
    einem weiselrichtigen Volk bemerken.
    Worauf hoffen sie? Daß sich eine Königin verirrt?
     
    Ist das jetzt ein Problem, eine Königin im Ausfresskäfig reinzuhängen?
    Hat jemand Erfahrungen?
    Danke für Antworten.
     
    Herzliche Grüße, El Cid

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Hallo, El Cid,
    einen FKS macht man aber doch nur mit begatteten Königinnen?
    Legt die Königin nur Drohneneier? Wie lange legt sie überhaupt schon?
    Wie lange war sie begattet, als du den FKS gemacht hast?(denk dran, sie müssen das "richtige" Legen erst lernen)
    Und hast du sie drin gelassen oder abgedrückt?
    Einen Unterschied kannst du von außen nur am Polleneintrag sehen: kein Pollen - keine Königin und keine Brut, bißchen Pollen - evt unbegattete, aber noch keine Brut.
    Wenn du die Königin rausgenommen hast, wirst du bei schönem Wetter Gesterzel an der Außenseite der Beute sehen: sie versuchen, einen Nachschwarm irgendwoher anzulocken, MIT Königin...:wink:
    Ich wäre dieses Jahr sehr vorsichtig mit "drohnenbrütig", ich höre von allen Seiten, daß es anscheinend Legeprobleme am Anfang gibt - sehr ungewöhnlich.


    edit: wenn die Alte raus ist, und das Volk sich weisellos fühlt, kannst du eine neue reintun.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ... wenn die Alte raus ist, und das Volk sich weisellos fühlt, kannst du eine neue reintun.

    Wenn Du die Alte raus tust und sofort eine neue rein, die gleich oder besser ist, dann merken die das garnicht und das Leben geht mit neuer Königin weiter. "Besser" heißt hier: Gedeckelte Zelle ist besser als offene, Jungfer besser als Zelle, Begattete besser als Jungfer, Legende besser als Begattete.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Zitat

    Bei einem Volk habe ich Drohnenbrütigkeit festgestellt.


    Was hast du da genau festgestellt, bzw. wie? - Nach Kunstschwarm vergehen mind. 6 Wochen bis zum Auftreten von Buckelbrut.

  • Was hast du da genau festgestellt, bzw. wie? - Nach Kunstschwarm vergehen mind. 6 Wochen bis zum Auftreten von Buckelbrut.

    Vertraue keinem!


    Wennde in so einen Kunstschwarm allen Abfall mit einkehrst dann haste Dein Drohnenmütterchen schon gleich mal mit dabei ... Imkerei braucht keinen Taschenrechner! :p

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Buckelbrut


    Es geht mir mehr um die Frage, wieso lebt ein Volk mit Afterweisel so intensiv -
    ohne Weisel?
    Anscheinend fühlt es sich nicht weisellos.
    Königin zugeben ohne Risiko?


    LG El Cid

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo

  • Hallo, Henry,
    das war kein Kunstschwarm im herkömmlichen Sinne, wo alles zusammengefegt wird, sondern ein Freiluftkunstschwarm.


    LG El Cid

    Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo