Juhu meine Bienen lausen sich!

  • Hallo,habe gestern das erste mal bei einem Hinterbehandlungsvolk auf der letzten Wabe beobachten können das die bienen sich gegenseitig äußerst intensiv putzen .Der Putzdienst wird immer von den selben Bienen ausgeübt und ihren Patienten scheint es sehr zu gefallen! Einzelne Putzbienen habe ich ca 20 minuten bei der Arbeit beobachten können ,es wurde vor allem der Rücken abgesucht .Dieses verhalten konnte ich bei anderen völkern noch nicht so sehen .Hat von euch schon jemand ähnliches beobachten können - könnte im hinblick auf Varroa doch nur von Vorteil sein.
    mit besten grüßen Silvio

  • Hallo silvio


    könnte im hinblick auf Varroa doch nur von Vorteil sein


    Aber du darfst nicht ausser Acht lassen das die Milben sich so einfach nicht schnappen lassen.Habe versucht so zum lernen und zum besseren verstehen mal Milben von den Bienen zu fangen und zu beobachten,dabei kann man feststellen das die Biester sich recht schlau verhalten so bald sie nee kleine Berührung verspüren hauen sie fluchtartig ab in Richtung Spalt Vorder-Hinterteil und verkriechen sich in dem Haarpelz, da sind sie dann fast nicht mehr zu sehen b.z.w. zu erreichen.Man kann ja auch mit dem richtigen Handwerkszeugs feststellen das es unten auf dem Schieber auch verletzte Varorenmilben gibt die verkürzte Fühler und Beine besitzen wo anzunehmen ist das diese von wehrhaften Bienen abgebissen worden.es gibt da recht intressante Beobachtungen zu machen wenn man sich dafür ein wenig Zeit nimmt.Bin der Meinung die Bienen schaffen das irgendwann selbst die Milben im Zaum zu halten.


    imkerliche Grüße

  • Hallo Miteinander,
    was haltet Ihr denn in deisem Zusammenhang von der Toleranzzucht? Es gibt ja Stimmen, die behaupten, dass eine Varroatolerante Biene von uns nicht gezüchtet werden kann. Angeblich weil derartige Prozesse in der Evolution sehr lange dauern. Was meint Ihr dazu? Wi weit ist man in der Toleranzzucht schon?
    Viele Grüsse
    Frank
    :confused:

    "Will man drei Imker unter einen Hut bringen, so muss man zwei erschlagen"

  • silvio : meine auch. Sogar draußen auf der Beutenfront und dem Flugbrett, und richtig lange, also mehr als 10 Minuten an einer Biene, zu mehreren.


    FrankOHV : ähhh, ne ganze Menge.:cool:
    In den USA & Kanada gibt es eine Menge "wilder" Bienen, die aber letztendlich alle von der importierten europäischen Honigbiene abstammen ( alles Schwatte, was anderes gab es ja früher im 18. +19. Jahrhundert kaum).
    Als Anfang/Mitte der 90er sowohl die Tracheen- als auch die Varroamilbe eingeschleppt wurden, gab es einen drastischen Rückgang der wilden Bienen, nix mehr zu sehen oder Schwärme zu fangen.
    Etwa 10 Jahre später waren die wilden Bienen plötzlich in voller Stärke zurück, und sie überleben auch das derzeitige CCD ohne jedes Problem (nur sind sie meist weit weg von bewirtschafteten Flächen).
    Das bestätigt immer wieder meine Theorie, man hätte auch hierzulande bei Ankunft der Varroa die Finger stillhalten sollen, dann wäre das Problem schon lange gelöst.
    Die Evolution zeichnet sich im allgemeinen durch blitzschnelle Reaktionen auf unmittelbare Bedrohungen aus.
    Besteht die Bedrohung aus Hunger, weil sich das Klima ändert, ist das kein Trigger, aber Parasiten oder Krankheiten schaffen es niemals, 100% einer Population umzubringen.
    Dann muß man nur noch warten, bis der Bestand sich erholt hat und - voila! - das jeweilige Tier ist resistent/tolerant gegenüber dieser Bedrohung.


    Schönes Beispiel ist Finnland, hat eine sehr hohe AFB-Nachweisquote (> 35%), nur - es gehen kaum Völker daran ein. Merkwürdig?
    Nein, denn nur Völker, die Resistenzen aufbauen konnten, haben überlebt.


    Dasselbe europaweit mit Tracheenmilben, die waren bis vor 30 Jahren noch meldepflichtig, und auf einmal - wer hat noch Probleme deswegen? Keiner.


    Was ich gelernt habe, ist, daß kleine Zellen (4.9mm) und kleiner Wabenabstand (32mm) zusammengehören, um Toleranzen wirksam werden zu lassen und irgendwelche tief in den Genen begrabene Verhaltensweisen zum Vorschein zu bringen.
    Erik Österlund züchtet seit langer Zeit auf hygienische Bienen und "mite-biter", die einen hohen gegenseitigen Putztrieb haben, und bei ihm fluppt das (inkl. 4.9er)


    Ich denke, wir unterschätzen die tatsächlich vorhandende Anpassungfähigkeit der Bienen an plötzliche Bedrohungen.
    Nur - kann die wirklich zum Tragen kommen, wenn wir als Imker dauernd im Stock drin rumpfuschen?
    Allein die Änderung im Mikroklima, wenn wir regelmäßig aufmachen - wer kann sagen, was das genau für Auswirkungen hat?
    Luftfeuchtigkeit und Bruttemperatur sind nicht erst seit Herrn Tautz ein Thema, der hat nur nachgewiesen, daß bei 34° gebrütete Bienen dümmer sind als die, die bei den "normalen" 36° gebrüteten....
    Was tun wir den Bienen eigentlich an, wenn wir dauernd aufmachen und umhängen und Zellen brechen und Drohnen schneiden?


    Wissen wir überhaupt, was wir da tun?
    Meine Antwort: nein.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Halo Sabine, Hallo Zusammen,
    doch, wir wissen schon, was wir da tuen.
    Wir kennen oder besser erkennen nur nicht, was wir anrichten.
    Eigentlich imkern wir doch noch so, als ob es die Varroa nicht gäbe.
    Wir tuen alles, um die Völker möglichst früh wieder in Brut zu haben und Brutflächen zu erlangen, die eigentlich bei der Größe erst einige Wochen später zu erwarten sind.
    Wehe uns, wir gehören nicht zu den ersten, die den Honigraum freigeben.
    Und wehe uns, die Völker gehen ihren arteigenen Triebleben nach und wollen,
    welch Schreckgespenst, schwärmen.
    Das ist schlimmer wie früher in der Werbung, wie stand Muttern da, wenn der Pullover kratzte.
    Wir verbringen nach wie vor Brutwaben aus dem Brutnest.
    Diese sind dann einige Zeit ohne oder mit wenig Pflege versehen.
    Ein Paradies für einen Brutparasiten.
    Führt das Ausschneiden von Drohnenbrut nicht zur "Zucht" von Varroen, die bevorzugt auf Arbeitsbienenbrut parasitieren?
    (Ich verweise ausdrücklich auf die entsprechenden Threads. Sonst weichen wir zu weit vom Thema ab, was wir ja schon tuen).
    Wir gründen neue Völker mit Brutwaben, obwohl es in der Natur dafür kein Vorbild gibt.
    Selbst im 19. Jhd. klagte man schon über die "57 bekannten Arten" dieser Vermehrungsform!
    Wir treiben unsere Völker auf Stärken, die vom Gefühl des Biens eigentlich nur den Entschluss zulassen, wir müssen schwärmen.
    Leider gönnen wir ihnen dann das nicht und halten sie mit allerlei Tricks und Kniffen zusammen, die wir Betriebsweisen nennen.
    Dabei herrscht in einem abgeschwärmten Volk eine größere Harmonie, die sicherlich zu einen entspannteren Varroa -Brut-Verhältnis führt.
    Allein schon die Brutpause die entsteht, vom Schwarmabgang bis zur neuen Eilage durch die junge Königin.
    Wieviele Varroen sind danach weniger im Volk?
    Von 80% habe ich da mal was gelesen.
    Wir wissen, das es kein Behandlungsmittel gibt, dessen Einsatz wir während der Brut- Sammelzeit vornehmen dürfen.
    Außer "Bio-Technische-Maßnahmen", die aber wenig im Einsatz sind, weil "zu arbeitsintensiv".
    Wir können da nur auf die Vorteile setzen, die uns die Völker aufzeigen:
    Späterer Brutbeginn, Brutflächen zusammenhalten, Schwarmgeschehen so lenken, das es weitgehend den natürlichen Abläufen entspricht.
    Völkervermehrung ohne Brutwaben.
    Jungvölker bilden und diese sanieren.
    Altvölker weitgehend ausscheiden.
    Und -damit komme ich zum Ausgangspunkt dieses Themas- Augen auf und Völker, die uns auffallen, das sie besser mit dem Varroabefall zurechtkommen,
    für die Nachzucht verwenden.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Zusammen,
    wie ich bemerke habt Ihr Euch mit dem Thema sehr beschäftigt. Ich merke ich bin ein paar Jahre aus "dem Geschäft". Habe mir nach fast 10 Jahren erst wieder Bienen angeschafft und komme mir jetzt vor wie in der Zeitmaschine :lol:.
    Damals als ich meine Bienen hatte, da behandelte man noch fast ausschließlich mit Perezin und AS war gerade im kommen.
    Da werde ich mich wohl über Winter noch was einlesen müssen.
     
    Viele Grüße
    Frank

    "Will man drei Imker unter einen Hut bringen, so muss man zwei erschlagen"

  • Hallo, Frank,
    unsere Ansichten sind NICHT die gängigen.
    Wir suchen nach Wegen, den Kompromiß zwischen Imker und wirklich artgemäßer Bienenhaltung zu finden.
    Letztendlich wird anscheinend etwas dabei herauskommen, was sich von "normaler" Imkerei so weit unterscheidet wie normale Schweinehaltung von den halbwilden spanischen Schweinen im Eichenwald und auf den Wiesen.
    Das sind glückliche Schweine, die genug Leistung bringen, daß der Bauer auch glücklich wird.
    Lothar hat in jedem einzelnen Punkt recht.
    Nur weil man seit hundert Jahren oder länger so imkerte, heißt das doch noch lange nicht, daß es so bleiben muß.
    Wir lernen doch dazu, gerade was die Biologie der Biene und ihr Verhalten angeht, da wäre es ziemlich idiotisch, neue Erkenntnisse einfach zu ignorieren. Oder?:Biene:

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    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,
    natürlich solte man sich nie dem Neuen verschliessen. Sicherlich hat auch in den letzten Jahren der große Umdenkungsprozess in der Landwirtschaft begonnen. Da wird sich aber noch einiges bewegen (müssen). Ich selber komme aus dem Gartenbau/ Forst und auch dort wird nicht mehr so gearbeitet wie vor 50 Jahren, als man dachte man könne gegen die Natur alles machen. Bin gespannt wie es mit den Bienen weiter geht.
    Viele Grüße
    Frank

    "Will man drei Imker unter einen Hut bringen, so muss man zwei erschlagen"

  • Hallo Zusammen,
    wie könnte so eine Imkerei aussehen, die mit wenig Behandlungsmitteln und weitgehenst naturgemäßen Eingriffen den Varroabefall eindämmt oder besser unterhalb der Schadensschwelle hält?
    Hier mein Vorschlag:
    Völker bevorzugen, die eine längere Winterbrutpause einlegen.
    Der Brutbeginn liegt etwa vier Wochen später.
    Das ist eine Verdoppelung der Varroapopulation im Jahr weniger.
    Ob ein langsam ansteigender Brutumfang oder ein stark ansteigender besser ist, weiß ich nicht.
    Bei letzteren könnte die Brut die Milben "am Start stehen lassen", während bei ersteren nur wenige in die Brut gehen können.
    Keine Brutwaben umhängen.
    Drohnenwaben werden nicht ausgeschnitten, höchstens die allererste Brut.
    Bei Schwarmstimmung wird die Königin entfernt.
    Das Volk bekommt die Möglichkeit, nachzuschaffen und wird mit Zuchtstoff aus einem nachzuchwürdigen Volk versehen.
    Genauso werden Völker behandelt, die nicht befriedigen.
    In dieser Zeit hat die V-Milbe wenig Möglichkeit, sich zu vermehren.
    Nach dieser Zeit, wenn die alte Brut geschlüpft ist und bevor die neue Brut gedeckelt wird, kann man mit AS oder OS sehr viele Milben entfernen.
    Nachzuchtvölker werden aufgeteilt und entsprechend behandelt.
    Während der Sommerhonigernte teilt man die Altvölker in Brutableger und Feglinge auf.
    Die Brutableger werden vereinigt, alte Waben usw. dabei aussortiert.
    Nur diese Völker brauchen später eine Winterbehandlung.
    Die Feglinge bekommen eine junge Königin und kommen nach einer V-Behandlung auf Mittelwänden eingeschlagen auf einen andren Stand.
    Als V-Behandlung würde sich eine Wärmebehandlung (48° , 10 min.) anbieten.
    Aber darüber habe ich an anderer Stelle schon geschrieben.
    So, wie ich das gemacht habe, ist es zu umständlich und zu teuer.
    So eine Art Wärmekammer wäre ideal...
    Bleibt also wieder AS oder OS.
    Damit hat man viele Jungvölker, die meist eine Brutpause mit anschließender V-Behandlung hinter sich haben und Feglinge mit wenigen Milben, mit denen man in den Winter geht.
    Dazu umgeweiselte Altvölker, die gleichfalls behandelt wurden.
    Einige wenige Völker sind noch nicht behandelt worden und müssten noch den "üblichen" Weg gehen (Spätsommer- und Winterbehandlung).
    Vor allem, das vor der sonst üblichen späten Behandlung die V-Milben sich nicht ohne Pause vermehren konnten , die neuen Völker mit wenig Belastung an den Start gehen können, halte ich für vorteilhaft.
    Viele Grüße
    Lothar
     
     
    .

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Und@Lothar,


    wenn ich ergänzen darf eine exponierte Aufstellung mit nicht mehr als 2 bis 4 Völkern am Standort.


    Es fällt mir immer wieder auf, wieviel so eine Kleinstaufstellung im Schnitt mehr bringt, als 8 oder 12 Völker an einem Standort.
    Die Erträge zwischen den Völkern sind bei 2-4 Völkern fast gleich.


    Von der Reeinvasion ganz zu schweigen und auch Tautz schreibt:
    Daß sich Krankheitskeime auf intensiven Massentierhaltungplätzen natürlich
    besser vermehren können, als bei Einzelaufstellung.


    Das wird die Zukunft sein, so wie es Reiner schon mal beschrieben hat,
    spätestens dann, wenn wir wieder einen Schlag ins Gesicht bekommen.


    Gruß Simmerl

  • Hallo Simmerl, Hallo Zusammen,
    zwei bis vier Völker halte ich für zu wenig.
    Irgendwo werden wir da einen Kompromis finden zwischen Wirtschaftlichkeit und Krankheitsvorbeugung.
    Der von der Natur vorgegebene Maßstab ist ja die Einzelvolkaufstellung.
    Erwartet man von uns nicht auch, das wir unsere Bienen in ausreichender Zahl "ins Feld" schicken?
    Viele Grüße
    Lothar

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    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Morgen zusammen,


    Lothar , alles eine Sache der Logistik,


    zugegeben, davon bin ich auch noch weit entfernt, aber ich mach mir intensiv Gedanken darüber.


    Es fällt halt extrem auf, daß die Plätze, an denen ich nur ein paar Völker habe überproportional mehr bringen, als die Standorte mit mehr als 10 Völkern, was ja auch völlig logisch ist.
    Wir haben hier keinen oder fast keinen Raps, wenig Zwischenfruchtanbau, eigentlich nur Grünland mit etwas Klee.
    Drum kann man hier ein bißchen "Verstecksti" spielen mit den Völkern, was
    den Völkern gut tut und uns Imkern auch gut tät, wenn man sie mit dem Fahrrad besuchen käm. (Honigernte und Futtergabe ausgenommen)


    Ist doch mal eine Überlegung wert! Oder?
    Aber jetzt hör ich auch schon auf damit, wir sind weit vom Thema abgeschweift!


    Liebe Grüße Simmerl