Kerzenziehen - doch nicht ganz einfach!

  • Liebe Leute,
    im Rahmen einer Veranstaltung haben wir es mal mit Kerzenziehen versucht. Ich hatte 2,5 kg Wachs aufgereinigt, das Zeug im Einkochtopf erhitzt und dann zum ziehen flüssig gehalten. Wir stellten uns das ganz einfach vor: Eine alte Schraubenmutter wurde unten angebunden und dann eintunken, hochziehen, warten, tunken...


    Naja, die Ergebnisse waren sehr komisch und haben die Stimmung sehr gehoben. In der Regel entstanden phallusförmige, uneben gehäufelte Monstren, die eher an Stalagmiten erinnerten als an so schöne, gleichmäßige Kerzen. Mit so Klumpen und Wellen...so eine ALternative zum Bleigießen an Weihnachten das Ganze!


    Hmm, gibt es solche "Idealkerzen" nur durch Guß?
    Oder haben wir was falsch gemacht? Vielleicht muß man die Schichten länger durchhärten lassen ehe man neu eintaucht? Oder war das Wachs nicht sauber oder nicht heiß genug? Hatte es dreimal geklärt; sichtbare Einschlüsse gab es nicht mehr...


    Teilt doch mal Eure Tipps mit mir!


    Danke!


    Melanie

  • Hi, Melanie,
    das hört sich nach zu kalt an....
    Das Wachs soll nicht nur knapp geschmolzen sein, sondern schon gut dünnflüssig.
    Mit dem Reinigungsgrad hat das nix zu tun, der hat nur Einfluß auf das Brennverhalten.
    So, wie ich es von meinem Alten Fritz gezeigt bekommen habe, macht es wahrscheinlich kein anderer, der hatte nur 5cm Wachsschicht über Wasser.
    Der Docht wurde vorher im reinen Wachs so ersäuft, daß er ganz bestimmt kein Wasser mehr aufnahm, noch warm über das Tauchgestell gespannt, und dann halt immer fleißig eingetunkt.
    Es kommt ja nur auf die Grenzschicht beim wieder-rausziehen an, von der lagert sich die gewünschte dünne Schicht ab.
    Im Endeffekt ist das sowas wie Marmorieren auf Tapetenkleister: die Farbe ist nur ganz dünn auf dem Trägermedium, aber das reicht schon für dünne Schichten.


    Daß du bei massivem Wachsspiegel Klumpen kriegst - Physik, nämlich unterschiedliche Temperaturen an unterschiedlichen Niveaux der Wachssäule.
    Das ganz warme, sehr flüssige Wachs sollte bei gleichbleibender Temperatur ganz oben sein.
    Wenn du Wachs direkt heizt, hast du im Topf thermische Bewegungen und nirgendwo konstante Temperaturen.
    Daher die Klumpen, je massiver deine Kerze wird, desto kälter ist sie ja, und desto schneller lagert sich erkaltendes Wachs ab.
    Deswegen zieht man ja auch ziemlich schnell, weil ja nur ebenmäßige Schichten erwünscht sind; langsam tauchen ist eher...kontraproduktiv.:wink:
    Es war nicht umsonst ganz früher ein eigenes Handwerk mit allem Drum & Dran...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Bienenkönig


    Ein Ratschlag für die Herstellung von Kerzen:


    Ich rate Dir, das Bienenwachs vor der Kerzenherstellung sehr gut zu reinigen, besser als für die Herstellung von Mittelwänden. Das Wachs darf keinen Pollen mehr enthalten, sonst brennen die Kerzen unbefriedigend bis sehr schlecht. Die Kunden würden sich über schlecht brenende Kerzen ärgern und von Dir nie mehr Kerzen kaufen!


    Das Bienenwachs muss mindestens 24 Stunden bei gleichbleibender Temperatur flüssig bleiben, damit sich der Pollen setzen kann und man diesen nach dem Erkalten des Wachses unten abkratzen kann.


    Auf gutes Gelingen


    Jon