Pachtvertrag / Mietvertrag und Vorstellung

  • Hallo !

    Kurze Vorstellung mit Situationsbeschreibung:

    Meine Lebensgefährtin hat in diesem Jahr einen Kurs zu Bienenhaltung beim hiesigen Imkerverein belegt und seit einer Woche die ersten eigenen Ableger. Ich kümmere mich um die technischen Rahmenbedingungen, wie Bau von Vorlagen zur Rähmchenfertigung, die Herrichtung eines entsprechenden Arbeitsraums für die Produktgewinnung u.s.w.
    Der Standort unserer Bienen ist inmitten eines (geschätzt) 10 ha großen Grundstücks mit Hecken und Wildwiesen die der örtliche NaBu Verein auf 99 Jahre pachtfrei von der Gemeinde zur Verfügung gestellt bekommen hat. Oberhalb des Grundstücks befinden sich Tierweiden bzw. wiesenähnliche Ausgleichsflächen für Gewerbegebiete in der Gemeinde. Im Radius von ca. 1,5km sind weiterhin einige Rapsfelder sowie eine Streuobstwiese mit ca. 180 Bäumen einheimischer Obstsorten (da diese ebenfalls durch den NaBu betreut wird ist es sicher das die Früchte nicht gespritzt werden).

    Der Vorstand des NaBu möchte gerne einen Pachtvertrag mit uns abschließen. Der gegenseitige Sinn dessen ist es, das der NaBu die Bestäubung der dortigen Frucht-Pflanzen verbessern möchte (viel Holunder, Himbeere, Brombeere plus verschiedene Blühpflanzen in der Hecke und auf der Wiese und natürlich auch die Streuobstwiese) und meine LAG die exklusiven Standrechte für Beuten in diesem Bereich bekommt.

    Jetzt von mir die Frage:
    Hat hier bereits jemand entsprechende oder ähnliche Pachtabkommen und kann mir mitteilen welche Punkte in solch einen Vertrag aufgenommen werden sollten / müssen ?
    Gibt es vielleicht irgendwo Vorlagen für so etwas ? Oder kann mir jemand als Arbeitsvorlage eine entsprechende Kopie überlassen ?

    Bisher habe ich die Punkte:

    Höhe des Pachtzins,
    Pachtdauer
    Zugangsberechtigung zum Grundstück
    Zugangsberechtigung Wegrecht (landwirtschaftlicher Verkehr),
    Exklusivrecht des Pächters solange ausreichend Bestäubungsleistung gebracht wird


    Vielen Dank für Eure Hilfe …

    …. es dankt Euch der Bienenknecht ein Imkergehilfe !

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Willkommen im Forum!


    Meine Frage: ... sollst Du Pacht zahlen, oder bekommst Du Bestäubungsprämie gezahlt?


    Letzteres wäre sinnvoll!


    Andi

  • Hallo !
     
    Es wird kein Pachtzins gezahlt.
     
    Der Imker erhält die Bienenprodukte - der NaBu das mehr an Bestäubung.
     
    Zusätzlich darf ich (in Grenzen) Ernten: Holunderblüten für Wein und Sirup, Holunderbeeren für Gelee, Saft und Wein, Pflaumen für Muß und Wein, Him- und Brombeeren für Gelee, Äpfel für Most ernten.
     
    Gruß mit Hoffnung auf Hilfe,
     
    vom Bienenknecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Einige Städte mit öffentlichen Obstanlagen erteilen sogenannte Lesescheine. Dieser Leseschein berechtigt dann einen zu den genannten Zeitpunkt eine gewisse Menge Obst in den öffentlichen Anlagen selbst zu pflücken und mit zunehmen. Vieleicht findest Du hier Textvorlagen die Deine Geschichte mit der zugesprochenen Obstnutzung.


    Zum zweiten möchte ich aber sagen das der Honig den Du ansprichst und behalten darfst legendlich ein Nebenprodukt Deiner eigentlichen Dienstleistung ist. Das Bestäuben der Blüten ist hier Dein Geschäft:daumen:


    Servus Norbert

  • Moin Johannes,


    ich bin auch Mit glied und auch im NABU und trotzdem ist eine Obstwiese eine Obstwiese. Wenn der NABU hier meine Schafe zur Entbuschung braucht musser ja auch zahlen, obwohl es der NABU ist. Und wenn die einen MiniBagger mieten zum Baumgruben heben, dann ja auch. Und telefonieren tun die umweltmäßig auch nicht für umsonst.


    Doch ich verstehe garnicht warum man bei gemeindlicher Dauerpacht an den NABU und paar Anfänger-Bienen auf dem Gelände so ein Gewese mit Vertrag ect. machen muß. Ein Anfänger ist doch froh, wenner seine paar kleinen Völker überhaupt durch den Winter bringt. Wie sollte der sich verpflichten können mit den Völkern, die er vielleicht bald nicht mehr hat, Bestäubungsleistung zu erbringen? Soll der dann Völker im Frühjahr kaufen müssen, um seinen Vertrag zu erfüllen? Das ist alles Unsinn! Es reicht völlig aus, wenn der Nabu eine auf z.B. 5 Jahre oder progresiv kündbare Nutzungsgenehmigung erteilt, die z.B. auch an das Ablaufen der 99-Jahre-Pacht gekoppelt sein kann. Vielleicht will man noch die Größe des Bienenstandes beschränken, aber das war's dann auch. Das muß alles auf einen Bierdeckel passen. Sonst stellt sich der Imker nämlich einfach auf ein Nachbargrundstück oder der NABU stellt sich eigene Bienen hin.


    Außerdem scheint mit der Radius 1.5km für eine effektive Obstbestäubung ohnehin zu groß. Bestäubungsbienen stehen sinnvollerweise in der Kultur. Mittendrin! Holunder braucht sowieso keine Bienen und Glockenblumen werden nicht geerntet ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Na, das wär's ja noch, dem Nabu Geld für Bestäubung der Natur abnehmen! :evil:



    ... naja aber aber wenn der Nabu dem Imker Geld fürs Bienenaufstellen abnehmen würde wäre das noch sinnloser !!!


    Am Besten ist hier natürlich ein "Geben und Nehmen"!!!


    Andi

  • Hallo !


    Zunächst einmal vielen Dank für Eure Hilfe. Der finanzielle Ausgleich mit dem NaBu ist ausgehandelt. Wir bekommen die Rechte auf deren Wiesen in der betroffenen Ortschaft unsere Bienen aufzustellen wo wir wollen. Diese Recht ist solange wir Bienen dort stehen haben exklusiv.
    Das soll nur schriftlich festgehalten werden.
    Warum wir keine Betäubungsprämie verlangen liegt wohl unter anderem daran das wir hier eine sehr kleine Gemeinde sind in der fast jeder fast jedem hilft. So ist es z.B. das der Schäfer kostenlos zweimal im Jahr über die Wiesen zieht ( ist auch im NaBu). Oder ein örtliches Unternehmen stellt Samstags schon mal den Bagger oder Laster gegen Spendenquittung zur Verfügung u.s.w.


    Der NaBu möchte mit dem Vertrag wohl einen Nachweis gegenüber Kreis- oder Landesverband bzw. öffentlichen Einrichtungen (Zuschüsse ? / fließt dann vielleicht mehr von dem an den Bundesverband abgeführten Mitgliederbeiträge zurück oder gibt es da Prämien für entsprechende Aktivitäten ?) . Außerdem haben Sie schon mal Probleme mit entsprechenden Handschlag-Vereinbarungen gehabt.
    Für uns bringt der Pachtvertrag die Möglichkeit den Zubringerweg befahren zu dürfen, dem Veterinäramt kann das nachgewiesen werden da die Bienen nicht auf eigenem Grund und Boden stehen. Und man hat eine Basis falls die Willenslage innerhalb des NaBu Ortsverband sich mal dreht (es gibt Bienenstichallergiker im Vorstand).


    Meine eigentliche Frage ist, und ich möchte mich damit entschuldigen das ich mich wohl nicht entsprechend klar ausgedrückt habe:
    Was sollte / muß in solch einem Vertrag aus Imkersicht drinstehen. Eine progressive Entwicklung der Pachtdauer habe ich bereits aufgenommen.


    Vielen Dank noch mal für Eure Hilfe,
    ich wäre sehr dankbar wenn Imker mit entsprechenden Verträgen da mal für mich reinschauen würden.


    Gruß
    vom Bienenknecht aus Mittelhessen

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Moin,


    ich hab' garkeinen Vertrag - nirgendwo bei den Bie'n. Wenn ich irgendwo weg soll dann seh ich zu dassas klappt, denn sonst kommt garantiert Frevel. Soll ich mitten in der Tracht oder im Winter weg, dann gibts da die Regelung der "Kündigung zur Unzeit" und es gibt ein Kräftemessen und Aussitzen.


    Im Bezug auf Bienen sind die meisten Verträge sowiso nicht das Papier wert auf dem sie stehen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder