Vermarktung - oder: Besseren Honig statt Gejammer über Honigpreise!

  • Moin, Lisa,
    bei sowas gibt es immer nur die Auswahl "zahlen oder selber machen".
    In allem, was Handarbeit ist, steckt das Kostbarste, was wir haben: unsere Lebenszeit.
    Und die ist ja wohl eigentlich mehr wert als 10€/h...
    Und ich finde schon, daß ich es mir wert bin, auch Socken für 200€ oder Pullover für 1500€ (150 Stunden eben) zu tragen statt des Acrylschrotts für 25€ aus China :-D
    Ich sehe das nicht als Hobby, meine Zeit rumzukriegen, sondern wie im Selbstgenähtem steckt da richtig Arbeit drin.
    Ich habe nicht die Meise wie viele andere zu sagen, ach, ist ja bloß selbstgemacht (was impliziert, daß es nichts wert ist, solange kein Label von jemand berühmten dranpappt), sondern gerade weil es handgemacht ist, ist es hochwertig.
    Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen "homemade" und "handmade".
    Das erste ist eine Kopie von etwas, was man gern kaufen würde, sich aber nicht leisten kann (und was meist auch nach schlechter Kopie aussieht); das zweite die Kreation von Unikaten, die kaum jemand bezahlen kann....begriffen?:wink:
    Wenn dann jemand unbedingt sowas haben will, muß es ihm dann auch den Preis wert sein. Oder man tauscht.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hi Sabiene
    Meine Oma hat ihre Strickereien an die ganze Familie verschenkt. Sie wusste nichts von diesen Phantasiepreisen. Leider ist sie schon lange tot. Wenn ich jetzt coole Socken brauch, geh ich in den 3. Welt Laden, da kosten sie £ 10 , und helfen das Kinder zur Schule gehen koennen und was zu essen kriegen.


    gruss guenther

  • Hai, Guenther,
    ich glaub, man schätzt sowas erst wirklich richtig, wenn man es mal selbst versucht hat zu machen.:lol:
    Strick mal selbst ein Paar Socken und sag mir dann, wieviel sie wert sind...:Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin, Moin,

    Hai, Guenther,
    ich glaub, man schätzt sowas erst wirklich richtig, wenn man es mal selbst versucht hat zu machen.:lol:


    Da stimme ich Dir voll zu. Nur zwischen dem Aufwand, der spendiert werden musste um etwas herzustellen und dem Preis der dafür am Markt zu erzielen ist, liegen manchmal Welten.


    Das sagt Dir einer der letzten Moikaner aus der europäischen Halbleiterbranche. Wenn die Leute nicht mehr zahlen, dann kann ich nicht mit meinem Aufwand argumentieren. Wenn es irgenwo produktionsseitig Überkapazitäten gibt, findet immer Verdrängung statt. Und das Argument des Herstellungsaufwandes zählt dann nicht mehr.


    Nun liegt natürlich zwischen Massenprodukten, eigentlich keiner braucht (das Leben wäre ohne Halbleiter aber doch schon ein wenig beschwerlicher) und Lebensmitteln und von mir aus auch Socken ein großer Unterschied.


    Was allerdings die Honigvermarktung angeht stimme ich voll zu. Es ist mangelndes Marketing was vielerorts den Honigabsatz ins Stocken geraten läßt. Ich sehe das immer, wenn die Jugendgruppe unseres örtlichen IV voller Enthusiasmus einen Honigverkauf startet. Das läuft jedes Mal wie geschmiert.
    Und ich selbst kann mich eigentlich auch nicht beklagen.


    Gruss und einen schönen Tag
    Michael

  • Socken sind ein Gutes Beispiel für eine Ware, die bei hohem Aufwand einen zu schlechten Preis erzielen kann. Richtig gut gestrickte Socken machen eine Heidenarbeit. Erst wenn die Qualität wirklich überragend ist werden Kenner dafür einen sehr guten Preis zahlen. Erst wen eine Ware in Kennerkreisen einen Namen hat, werden die anderen potentiellen Kunden, die auch das Prestige einer Ware mit kaufen, nachziehen. Bei handgemachten Socken einen Markenmarkt zu Entwickeln dürfte allerdings wegen der schnell auftretenden Lieferschwierigkeiten (ausnahme man verlegt die Porduktion nach Fernost) schwieirg werden. Bei Honig verhält es sich ähnlich. Erst muß die Produktion auf einem sehr guten Niveau sein, d.h. die Qualität muß dasolute Spitzenklasse sein, dann gilt es die richtigen Kunden zu gewinnen und anschließend geht es etwas in die Breite ohne abstriche an der Qualität. Dabei kommt es darauf an, welcher Widersverküfer einen listet. Wichtig ist das auch das Produkt in einer ansprechenden Umgebung angeboten wird. Kunden wollen nicht nur ein Produkt, sie wollen Heimatgefühl, Prestige, etwas Echtes. All das biete ich meinen Kunden und noch viel mehr, mein Honig ist der Beste. Der wird nicht verhökert. Die Kunden müssen danach fragen und können froh sein, wenn sie ein Glas von mir bekommen. Ich lasse die Honigkunden meinen Robinienhonig mit französischem Rohmilchziegenkäse vom Affineur Philip Olivier probieren. Auch wenn einer davon nix versteht, allein die Andacht mit der ich die Angelegenheit zelebriere flöst bereit Erhfurcht ein.
    Viel Spaß beim Vermarkten.

  • Hallo,
    bei aller Liebe zu handgestrickten Wollsocken ... vergesst bitte nicht ein bissel noch den Bezug zum Imkern zu behalten :)
    Grüßle
    Olli

    Alles wird gut - auf jeden Fall!

    Mein Sohn, iss Honig, denn er ist gut; und lass süßen Wabenhonig auf deinem Gaumen sein. (Sprüche 24:13)
    Wenn dich eine Biene sticht, geht fort von hier und schimpfe nicht - Bedenke, dass nur du es bist der dauernd hier im Wege ist.

    Und noch einer: "Live long and prosper keep bees"

  • Hallo,
    ich kann Euch nur beipflichten - aber ich denke, daß das regional auch sehr unterschiedlich ist.
    Beispiel: Bei uns in der Nähe ist ein Spargelhof mit großem Hofladen. Nach dem Spargel werden Erdbeeren, dann Heidelbeeren, jetzt Kürbisse vermarktet - will sagen: Kein kleiner Anbieter. Der hat Honig von einem regionalen Imker im Angebot und nimmt für 500 g 3,80 €, Sortenhonige kosten 4,20 €. Nun kann man sich ausrechnen, was der Imker dafür nimmt.

    Die Hofbetreiber haben im Westfälischen noch so einem Hof mit Laden - dort nimmt er für den Honig 5,60 € und für Sortenhonige 6,50 € - guck mal einer an!

    Nun hab ich mich mal mit dem für den Einkauf zuständigen Menschen auf dem Hof hier bei uns unterhalten und der sagt genau das, was ich auch feststelle (und nicht nur ich) - hier "im Osten" kann man solche Preise nicht realisieren. Dann kauft niemand. Die stöhnen schon bei meinen Preisen und verweisen darauf, dass andere Imker in der Gegend billiger sind (was auch stimmt).

    Ich kann mir vorstellen, dass ich in Bayern und BW sicher auch 6,50 € pro Glas erhielte. Aber ich wohne nun mal in Brandenburg.

    Anders ist das da bei den Berlinern - die wissen gute ländliche Produkte durchaus zu schätzen und maulen nicht und zahlen besser.

    Ich denke, man muss die Preise auch ein bisschen an seinen Standort anpassen - leider!

    Gruß Sambiene

    Ich möchte nichts mit Naturkost zu tun haben. In meinem Alter braucht man alle Konservierungstoffe, die man kriegen kann. (George Burns )

  • Ahoj, Sambiene,
    ich muß aber Daniel im anderen Fred rechtgeben: Markenprodukte/Produktgruppen kosten bundesweit so ziemlich das gleiche, egal wo.
    Von daher ist es nicht nachvollziehbar, daß irgendwas hier teuer und bei euch billig sein soll/muß - ein Euro ist ein Euro.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ich denke, man muss die Preise auch ein bisschen an seinen Standort anpassen - leider! Gruß Sambiene



    ...... Zigaretten, Einkommenssteuer , Benzin , Heizöl, Strom, Handygebühren , Krankenkasse , Strafmandate , Mehrwertsteuer ...... :cool:

    Wie war noch das schöne Zitat aus Forrest Gump ?
    Mutter sagt immer : Dumm ist der, der dummes tut.
    Man muß den Ersten nur stoppen. Sonst wird es eine Seuche.:cool:

    Grüße aus dem Norden

    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Ahoj, Sambiene,
    ich muß aber Daniel im anderen Fred rechtgeben: Markenprodukte/Produktgruppen kosten bundesweit so ziemlich das gleiche, egal wo. Von daher ist es nicht nachvollziehbar, daß irgendwas hier teuer und bei euch billig sein soll/muß - ein Euro ist ein Euro.:wink:




    :p_flower01::u_idea_bulb02::liebe002: (mal wieder zu schnell für einen alten Mann :wink:)

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Hallo Sabine,
    is doch nur "fishing for compliments" von D.D.
    Aber ein Superspruch von Deiner Seite:daumen:.
    Ich wunder mich aber woher er weiß, daß Niederegger Marzipan überall das Gleiche kostet; er wohnt garnicht in Lübeck?!
    Grüße
    Thorben

  • Es gibt in Deutschland genug wirklich arme Kinder, Kinder, die nicht mit dem Lebens-Notwendigen (lest Ihr nur bienenbezogene Statistiken) versorgt sind. Klar kriegen die von manchen Stellen Vitamintabletten, weil die Stellen auch kein Geld herkriegen, LEBENSmittel zu kaufen.



    Bernhard, Du hast voll recht, alles (oder sehr viel, alles nicht) ist möglich. Mir. Dir. Vielen. Ich denke, viele haben das Bildungsniveau, ihre Lage selbst beeinflussen zu können. Noch mehr nicht.


    Mir isses auch wurscht, ob ein Minister kostenlos von a nach b fliegt oder mal ein Harz Mensch über seine Verhältnisse lebt (lies Konten anderswo). Wenn Arbeitslose ihr weniges Geld für Quatsch ausgeben. Es sind einige, doch längst nicht alle. Armut in Deutschland... ein Tabuthema.


    Ich bin zu sozial, zugeb. Denk vor allem an die Kinder, Menschen, die nicht mehr selbst für sich sorgen können. Es ist ein Drama. LEBENSmittel, wozu auch Honig zählt, sollten bezahlbar sein. Aber... die Verantwortung liegt woanders, nicht beim Imker oder beim Salatkopfanbauer... soviel geschlussfolgert.


    Socken stricken kann ich glücklicherweise selbst :lol: und wer für über 100 Euro Socken kauft, den würd ich auch beim Honig zur Ader lassen. Ich strick gern, es ist gute Lebenszeit, ich kann dabei im Garten den Vogerln zuhören oder schon mal neue Geschichten spinnen... tu ich lieber, als nen blöden Job machen, aber ich bin schon in einer guten Gesamtlage, so dass ich sogar manches Paar Socken gerne verschenke.


    Danke fürs Anregen zum Nachdenken
    Lisa

    Die Menschen sind wunderliche Säugetiere