Vermarktung - oder: Besseren Honig statt Gejammer über Honigpreise!

  • Ich finde: Es geht nämlich gar nicht um den Preis, sondern um die Qualität.
     
    Ein paar Ideen aus meiner eigenen, bescheidenen Erfahrung:
     
    1. Nur Honig als Spitzenhonig verkaufen, der auch wirklich ein Spitzenhonig ist. Wenn die vorige Jahrgang besser war als der aktuelle, bricht es keinen Zacken aus der Krone, wenn man das dem Kunden auch sagt. Oder mal zum Äußersten schreiten und eine mißlungene Charge gar nicht verkaufen! Wenn mir die Textur diesmal nicht optimal gelungen ist, weil ich die Robinie nicht vorher abgeschleudert habe, ist das auch dem Käufer gegenüber kein Geheimnis. Das beweist Ehrlichkeit, sorgt für Transparenz und macht einen glaubwürdig.
     
    2. Zielgruppenorientiert arbeiten. Hier kristallisiert sich als Käufer von hochwertigem Lagenhonig eine Gruppe heraus, die entsprechend informiert sein will. Wer bewußt einen guten Lagenhonig beim regionalen Imker kauft, ist in der Regel eher kritisch in Bezug auf Ernährung, eher ökologisch orientiert, mit großem Informationsbedürfnis, aber durchaus genußfähig (er/sie sucht sich seinen Wein ebenso bewußt aus und bezieht ihn von einer Bio-Fattoria aus der Toskana statt aus dem Supermarkt). Etwas plakativ und verkürzend könnte man sagen: Lehrer, Die-Zeit-Leser, Manufactum-Kunden. Entsprechend sollte auch die Aufmachung und das Infomaterial sein. Statt sich in bunten Werbesprüchen zu verlieren, kommt eine nüchtern-engagierte Information, die dafür aber einen provokanten Qualitätsanspruch an das Produkt mitbringt, viel eher an. Siehe Manufactum-Katalog. Ich habe mir zur Devise gemacht, daß in meinen Infomaterialien jeder, aber wirklich jeder Satz stimmt. Wenn da steht, ich erfülle die Biorichtlinien in fast allen Punkten, dann schreibe ich auch, daß und warum ich keinen Biozucker verfüttere und in diesem einen Punkt abweiche. Schwafeln oder Lügen ist nicht. Auch hier ist Transparenz alles.
     
    3. Bio ist wichtig, aber nicht wichtig. Will sagen: die Leute wollen Honig aus naturnaher Erzeugung; die Biorichtlinien sind da ja gar nicht schlecht. Das aufgedruckte Biosiegel ist ihnen aber egal. Die derzeitige Bioinflation bei den Discountern und auch sonst überall hat das Sechseck sowieso entwertet. Wer bei mir Honig kauft, weiß, daß ich fast alle Richtlinien erfülle und welche nicht (s. o.). Das Wissen um die Herkunft des liebevoll und in Handarbeit erzeugten, naturnahen, hochwertigen Lebensmittels ist viel wichtiger. Allerdings sollte man seine Standards auch haben! Bei mir z. B.: keine Chemie, nur rückstandsfreie HR-Mittelwände oder Naturbau im HR, nur gentechnikfreies Winterfutter usw. usf.
     
    4. Es gibt einen enormen Nachholbedarf im Wissen der Kunden bezüglich Honigqualität. Also immer wieder aufklären, informieren, schulen, probieren lassen, Sorten gegen Lagen testen lassen. Ist gerührter Honig wirklich besser? Warum rühre ich meine Frühtracht? Warum rühre ich den nur so wenig? Warum die Sommertracht gar nicht? Warum schmecken 19.5% Wassergehalt nicht? Warum schmecken 17.5% besser als 15%, obwohl doch trockener besser sein soll? Was heißt kaltes Abfüllen? Wie ensteht eine Lage und ein Jahrgang? Wie schmeckt man den Unterschied? --- Es ist ein endloses Feld. Aber es macht Spaß.
     
    5. Schlimmerweise gibt es den selben Nachholbedarf auch bei den Imkern. Also: Selbst zum Experten werden. Das heißt: Honig probieren, wo immer das geht. Ich lasse kaum ein „Honig-aus-eigener-Imkerei“-Schild links liegen, lasse mir nach Möglichkeit den Standort beschreiben und die Tracht; probiere auch mal einen guten ausländischen Honig. Wenn ich den Leuten sage, in meinem Sommerhonig posaunen die Lindenblüten nicht alles andere in Grund und Boden, sondern fügen sich als dominierendes Aroma in den Gesamtklang ein, dann kann ich sowas ehrlicherweise nur behaupten, wenn ich auch in der Lage bin, das wahrzunehmen. Also Training, Training, Training.
     
    6. Gern auch mal einen Honig vom Nachbarimker empfehlen, wenn der Honig es verdient. (Und der Nachbarimker... :wink:.) Vor allem, wenn ich selbst nichts mehr habe. Mir ist dadurch noch kein Kunde davongelaufen.
     
    7. Bloß keine Imkerbundetiketten und –gläser. Der Honig wird immer wieder in einem Topf geworfen mit dem Müll des perizinschleudernden Imkers aus der Nachbarstadt mit dem Wabenerneuerungszyklus von 12 Jahren. Oder mit der Breitsamer-Massenabfüllung, die das selbe Label trägt (wahres Erlebnis: ich probiere gerade einen interessanten Waldhonig vom Kleinimker aus dem Odenwald im DIB-Glas. Kommt eine Familie vorbei: „Den Honig haben wir zu Hause auch immer, wir kaufen den im Edeka.“)
     
    Was meint Ihr?
     
    Johannes


  • SO hat das noch keiner auf den Punkt gebracht, das gehört als "sticky" obenan.
    Was du vergessen hast, ist die gleichzeitige Nachwuchswerbung in Kindergärten und Schulen. Wenn dein Kind ein Stück Wabenhonig mitbringt, und verkünden kann "mein Papa zeigt euch nächste Woche unsere (!) Bienen", ist das ein Selbstläufer...:-D


    Ansonsten ist dem kaum was hinzuzufügen.:liebe002::p_flower01:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Johannes,


    extrem starker Beitrag. Mit geringer Ausnahme Punkt 7, Imkerbundetiketten, weil 12 Jahre u. Perinzin "alles in den Topf wirf", für mich etwas überzogen ist. Ansonsten volle Zustimmung.


    Viele Grüße
    Stefan

  • Zu Punkt 7:
    Wie will ich denn meinen Aufwand und somit auch meinen Preis rechtfertigen, wenn die gleichen Gläser fast überall zu Schleuderpreisen an den Kunden gebracht werden? Damit kann man das Alleinstellungsmerkmal meiner Imkerei auf keinen Fall zum Ausdruck bringen!


    Aber lassen wir das, das hatten wir hier schon so oft! Dafür ist die Suche da und nicht dieser Thread!


    Best!
    Arnd

  • ... ich finde Punkt 7 okay - wenn der Kunde das Glas überall zu Schleuderpreisen bekommt - Schlecht!


    Wenn mal ein DIB - Honig in den Medien schlecht wegkommt - schlecht für alle!


    Besser eigene regionale Etiketten - das fördert die Kundentreue und den zu erzielenden Preis!


    Andi

  • Hallo Jonnes,
    dank dir für den lehrreichen Beitrag!
    Ich hoffe, er landet in der Kategorie "besonders Wertvoll". :p_flower01:


    Interessant finde ich deinen Ansatz, den eigenen Honig differenziert zu bewerten und das den Kunden zu vermitteln. Da gehört auch viel Arbeit am Kunden dazu, denn das setzt bei vielen Konsumenten einen großen Lernprozess voraus.
    Das es geht, hast du mit deiner Zielgruppendefinition schon angedeutet.


    Gruß
    Ralph

  • Super Johannes!


    zu 7: DAS ist genau der Punkt! Das DIB-Label stamt aus einer Zeit von Tante-Emma-Läden. Wer kaufte damals Honig im Laden??? Durch Gemeinschaftswerbung konnte richtig gepunktet werden. Heute in Zeiten von SuperMart&Co. ist es überholt.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Reiner, hallo Zusammen,


    die Kritik an dem DIB-Label verstehe ich. Es ist nicht besonders verkaufsfördernd oder vertrauensbildend, in Supermärkten die Großabfüller im DIB-Glas zu sehen. So ein eigenes Etikett hat viele Vorteile. Aus eigener Erfahrung berichtet: Der Verkauf von Rapshonig im 250 g-Glas mit schönem Etikett, stark regionaler Bezug, Grafikerin hat die Gestaltung übernommen, ist für 3,50 Euro erfolgreich. Selbst im Supermarkt (Edeka) wird Rapshonig mit eigenem Etikett gut verkauft. Daneben stehen die günstigeren Gläser mit DIB-Label.


    Viele Grüße
    Stefan

  • Miir ist auch schon aufgefallen das es einen großen aufklärungsbedarf gibt.
     
    Erst gestern kam ein Bekannter an "Du hast doch Bienen, kannst mir mal ein Glas Honig mitbringen"
     
    ich: "klar, was den für eines?"
     
    "wieso? Gibs mehr den weissen festen und den fast flüssigen goldenen ??"
     
    Dem hab ich erstmal ein Glas von meinen Raps/Obstblüten Honig gegeben. und wenn ich das nächstemal schleuder bekomt der noch ein Sommer/Lindenblüten Honig glas. und vielleicht noch enes vom Wald (die Hoffnung stirbt zuletzt)
     
    damit er den Unterschied merkt.
     
    Vielleicht kommt der ja auf den Geschmack und probiert mal alle sorten durch...


    Zu der Qualität, bei manchen Imkern mag man nicht beim Schleudern zusehen.
     
     
    Gruß Thorsten

    wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, da hab ich noch genug von... Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt....

  • Hallo Johannes, hallo Zusammen,


    zunächst einmal vielen Dank für den wirklich tollen Beitrag. Von Anfang an (jetzt seit 5 Jahren) habe ich meinen Honig mit eigenem Etikett und stark regionalem Bezug vermarket. Damit bin ich bisher sehr gut gefahren. Die Läden, die meine Honig verkaufen, tun dies wg. des regionalen Hintergrundes. Und meine Kunden (Laufkundschaft) kommen, weil sie wissen, woher der Honig stammt. Sie akzeptieren (und finden das sogar interessant), dass der Honig praktisch in jedem Jahr etwas anders schmeckt, evtl. eine andere Konsistenz hat etc. Man muss das erklären, aber so kommt man mit den Kunden ins Gespräch. Transparenz und Ehrlichkeit sind dabei ganz wichtig.
    Viele Grüße,
    Vorgebirge

    (seit 2002 Carnica, Standbegattung; Löwenzahn, Obstblüte, Sommerblüte, Robinie, Linde; Zander, Zeidlermagazin (Heroldbeute), Hohenheimer Einfachbeute; Neutralgläser, eigene Etiketten; Honig, Propolis, Met, Bärenfang)

  • Hallo,
    habt ihr schonmal im Bioladen die Preise für Honig gesehen.
    Der kommt nicht mal aus Europa und ist recht teuer.
    Am Preis kann es demnach nicht liegen sondern ehr am Verkaufer

    Grüßle
    Franky ( Erfinder des Apinaut-Systems )

  • Hallo,


    nicht nur am Verbraucher - auch am Imker selber.
    Wer nur auf die "Geiz ist geil"-Schiene verkauft, braucht sich nicht wundern, wenn seine Kunden auch so drauf sind.


    Ich hatte bisher keine Probleme mit meinem Honigabsatz. Gut, es macht sicherlich etwas mehr Arbeit, die Leute am Anfang von der Qualität zu überzeugen, aber das macht sich mittlerweile bezahlt (im wahrsten Sinne des Wortes...). Ein selbstentworfenes Etikett hebt sich von der Masse der DIB-Gläser ab, da merkt der Kunde gleich, das es sich nicht um ein 0815-Produkt wie im Supermarkt handelt. Und das steigert die Wiedererkennung und auch die Kundenbindung. Weil ist ja was ganz anderes, als diese üblichen Honiggläser.


    Mit Billig steigt auch der Honigabsatz nicht - wer seinen Honig nicht losbekommt, der macht im Marketing ne Menge falsch - und das kommt oft genug vor. Auf Kunden zu warten ist falsch - auch ein Schild "Honig frisch vom Imker" (o.ä.) bringt net allzuviel. Sinnvolle Werbung und ein Zugehen auf die Kunden ist hier Pflicht - und dann gekommen wir auch das Geld, das unser Honig auch wert ist.


    Mirthran

    Wer Linksschreibfehler findet, darf sie behalten...