Dienstleisung Rapsbestäubung?

  • Hallo Zusammen,


    Wie sieht den die Realität aus, wenn ein Landwirt durch gute Bestäubungserfolge dank der Bienchen laut DIB bis zu 50 % mehr, andere Quellen sprechen von ca. 30 % mehr Ernten können.


    Nicht nur das der Landwirt daran interessiert sein sollte Bienenvölker in der unmittelbaren Nähe zu haben. Eigentlich sollte eine Bestäubungsprämie pro Volk drin sein. Honig ist hier nur ein Nebenprodukt!


    Wie sind Eure Erfahrungen dazu?


    Danke Norbert

  • Moin,


    Es scheitert schon am Marketingkontakt zum Bauern. Der Saatguthersteller der hat den Kontakt und der erzählt dem Bauern, dasser mit den neuen Sorten nicht mehr auf die Bestäubung angewiesen sei und sich deshalb die Bestäubungsprämie sparen könne. Der bauernschlaue Bauer denkt sich dann, dasser ja sowieso spart, weil er ja noch nie Bestäubung für den Raps bezahlt hat und es dennoch immer was zu ernten gab. Außerdem weiß er, oder man sagt es ihm, dasser dann beruhigter spritzen kann, weil er ja nicht rumsuchen muß, ob da vielleicht doch ein Imker mit seinem Wagen steht. Hätte er den sogar bestellt, fiele es schwerer sowas abzustreiten.


    Dennoch kann die Zusammenarbeit mit Bauern auch im Raps gut klappen. Aber dazu muß man die kennen und langfristig mit denen zusammenarbeiten. Wenn die zum ersten Mal anrufen, wo denn die Bienen bleiben, dann haben wir die.:daumen:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Seltsam das sich hier so wenige zu Wort melden? Folgende kleine Hochrechnung macht klar das ein Landwirt durch die intensiv Bestäubung deutliche Mehreinnahmen haben.


    RAPS Bestäubungsdienstleistung


    Angaben zur Agrafläche
    Länge (m) 400
    Breite (m) 200
    Fläche in ha 8


    Angaben zur Ernteerwartung Raps
    Raps pro ha in Tonnen 3,5
    Preis pro Tonne Raps 180,00 €
    Gewinn durch Bestäubungsdienstleistung bis zu 30%

    Bestäubungsdienstleistung
    Völker pro ha 3
    Bestäubungsprämie pro Volk 12,50 €
    Völker Gesamt 24


    Hochrechnung
    Raps Tonnen Gesamt 28
    Raps Tonnen mit Bestäubung 36,4

    Einnahmen aus Rapsverkauf 5.040,00 €
    Einnahmen aus Rapsverkauf mit Bestäubung 6.552,00 €

    Zusätzliche Einnahmen durch Bestäubung 1.512,00

    Kosten für Bestäubung 300,00 €


    Ertrag aus Honigtracht
    Honig Kg/Volk 30
    Honig alle Völker in Kg 720
    Verkaufspreis pro Kg 3,50 €

  • Ne Robert so ist das eine Rechnung die bei den modernen Bauern nicht ankommt...3,5t ...dort baut doch keiner Raps an. Das ist ungefähr so, wie wenn der DIB verkündet ein Bienenvolk bringt 25Kg Honig
     
    Bei mir als Imker aber auch nicht:cool:
     
    12,50 für ein Volk:evil: 7,50 pro Waben müssten das mindestens sein...
     
    und dann würde der Drohn seine Völker immer noch nicht in den Raps verhuren:daumen:
     
    Der
    Drohn

  • Recht so Drohn


    Die Bestäubungsprämien sind wirklich zu niedrig.


    Von den Holländern wurden folgende Tarife übernommen.
    - Aufstellung von Bienenvölkern im Freiland € 41,00 pro Volk / bis zu 3 Wochen
    - Verlängerung € 1,95 / Tag
    - Bestäubungsleistung zur Saatguterzeugung (z. B. Brassia napus)
    - Doppelte Anzahl für € 65/ Volk, (wg. Nektarmangel, füttern) / bis zu 3 Wochen.
    - Bienenvölker unter Glas und Folie € 39,00 pro Woche und Volk.
    - Fahrtkosten 28 ct. / Km


    Die Bauern kommen noch, keine Sorge. Auch was die Saatguthersteller auch immer prophezeien, die positiven Eigenschaften der Bienenbestäubung auf Raps werden immer deutlicher zun Tage treten, Henry.
    Dafür sorgen die schon mit Ihren PSM.


    Güße Musikus


  •  
    und dann würde der Drohn seine Völker immer noch nicht in den Raps verhuren:daumen:


     
     
    Nach intensivem Studium der Spritzmittel für Raps verstehe ich allmählich
    die Worte vom Drohn.
     
    http://www.blw.admin.ch/psm/kulturen/index.html?lang=de&item=70
     
    nachdem die Pyrethroide nicht mehr wirken, wird wohl vermehrt
    Acetamiprid und Thiacloprid (beides bienenschonende Wirkstoffe:evil:)
    eingesetzt werden.
     
    Viele Grüsse von Melli..., der dem Raps möglichst fern bleibt.
     
    P.S Wieso bei uns in der CH das letzte Produkt in der Liste mit dem Wirkstoff Phosalone noch zugelassen iss, ist mir ein Rätsel. in der EU ist er verboten:confused:.

    Die Bienenzucht ist die Poesie der Landwirtschaft. [v. Ehrenfels.]

  • Sorry, für einen Bestäubungseinsatz muß man auch einen absoluten Totalverlust einkalkulieren pro Volk (= Wiederbeschaffungswert), zusätzlich zu den logistischen und anderen Kosten.
    Dann kommt man ganz locker auf fast 200€/Volk für 4-6 Wochen Einsatz.
    Die Holländer liegen mit 35€/Volk/Woche plus Fahrtkosten etc. ähnlich hoch.


    Und dem Großeinsatz zur Bestäubung steht die kleinteilige Struktur der Imkerschaft entgegen - selbst wenn jemand als Beispiel 200ha Raps oder Obst mit 4 Völkern/ha würde bestäuben lassen wollen - wie viele können dann die geforderten 800 Völker aufbieten, punktgenau, und in vertraglich garantierter Kondition?
    Eine ostdeutsche Obstplantage mit 1400ha behilft sich mit 200 Völkern auf Wanderwagen, die täglich mit Schleppern versetzt werden - von Vollbestäubung sind die weit entfernt, zahlen aber auch nur sehr wenig - "schießlich habt ihr ja auch Honig davon" - *hahaha*:roll:
    (und danach sichtbar werdende Spritzmittelschäden werden gnadenlos ignoriert :evil:)


    Keine Chance hierzulande.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo allerseits,
    zum Mehrertrag in Raps und anderen Kulturen gab es auf dem letzten Apisticus Tag einen Interessanten Vortrag:


    http://www.apis-ev.de/index.php?id=323



    Zum Thema: "Der Saatguthersteller der hat den Kontakt und der erzählt dem Bauern, dasser mit den neuen Sorten nicht mehr auf die Bestäubung angewiesen sei und sich deshalb die Bestäubungsprämie sparen könne."
    Das wird immer wieder gerne von Bauern erzählt.
    Ich habe Kontakt zu einem Saatguthersteller für Raps.
    Dessen Aussage:
    "Raps war schon immer selbstbestäubend. Aber die letzten 10, 20, 30, Prozent Ertrag, die für den Bauern "den Braten fett machen" kommen nur durch den Bienenbeflug zustande. Und diesen Mehrertrag hat der Bauer ohne jeden Mehreinsatz an Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutz, also reiner Gewinn."


    Diese Zusammenhänge müssen wir den Bauern klar machen.
    Ich habe im letzten Jahr "meinen" Bauern obige Untersuchung vom Apisticus Tag gemailt.


    Und wenn der Bauer zu heftig spritzt ist es mit dem Mehrgewinn durch mehr Ertrag auch Essig. Der Bauer schneidet sich ins eigene Fleisch.


    In Gesprächen mit den Landwirten habe ich festgestellt, das die Botschaft angekommen ist.


    Übrigens eine Erkenntnis, die bei vielen älteren Landwirten auch vorher schon vorhanden war. Nur den jüngeren wird da offenbar auf den Landwirtschaftsschulen vieles gar nicht mehr erklärt. Da gibt es nur noch Tabellen, Statistiken und Wirtschaftlichkeits Berechnungen
    Und gerade die erreicht man mit obigen Untersuchungen und Belegen.



    Im übrigen stellt sich mir die Frage, ob es nicht in vielen Fällen sinnvoller ist als Gegenleistung zur Bestäubung mit den Bauern eine Abmachung zur Fruchtfolge zu treffen:


    Der Bauer sät in der Regel nach dem Wintergetreide eine Pflanze als Gründungung. Die Entscheidung trifft er nach Arbeitsaufwand und Saatgutpreis. Wenn man mit ihm eine Übereinkunft treffen kann, das er z.B. trotz der höheren Saatgutkosten Phazelia als Gründungung wählt, und besonders wichtig, das ganze so frühzeitig in die Erde bringt, das es noch zur Blüte kommt und den Bienen nützt, ist das eventuell sinnvoller als mit ein paar Euro mehr in der Kasse im Spätsommer mit den Bienen in der leeren Landschaft zu stehen.


    Gruß Hubert

  • Hallo Norbert,
    in unserer Gegend (700 Meter über NN) wandern die Imker aus Nah und Fern in die Rapsblüte, wenn sie in tiefergelegenen Gebieten die erste Schleuderung schon durch haben. Dann stehen schon mal 30 Völker von 3 verschiedenen Imkern auf einem Quadratkilometer und jeder Bauer kann sich sicher sein, daß auch das kleinste Feld mit Bienen bestellt ist. Will sagen, hier sind die Bedingungen gerade verkehrt: Der Imker muß froh sein, wenn er seine Bienen an ein Rapsfeld bekommt, der Bauer braucht sich diesbezüglich keine Sorgen machen und meist bekommt er als Dank noch ein paar Gläser. Hemmungen seitens der Imker bezüglich PSM scheinen nicht vorhanden zu sein. Da wegen der schlechten Rapspreise dieses Jahr heuer auch weit weniger Raps gesät wurde werden sich die Imker um die Rapsfelder reißen. Das Wort "Bestäubungsprämie" gehört zu den aussterbenden....
    Gruß
    Brotlaib

  • :lol:

    Zitat

    Dann stehen schon mal 30 Völker von 3 verschiedenen Imkern auf einem Quadratkilometer


    Ja, und? 1 qkm = 100ha - die würden 400 Völker vertragen, was regst du dich da über 30 auf...:lol::Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,


    Also ich werde nächstes Jahr auch Rapsfelder anwandern. Bei einem Landwirt meines vertrauens. Für die Bewirtschaftung der anderen Felder kann der natürlich nix. Und Prämie gibs auch keine.
    Dafür wadere ich auch erst nach der Obstblüte an, da gibs nämlich Prämie. Und lass die meisten Völker dann da bis zur Lindenblüte.
    Dafür habe ich aber einen eingezeunten Standplatz dicht am Haus und könnte da auch vor ort schleudern.
    Dafür lässt man doch auch mal ein Glas Honig sprigen...
    Wenn man dann noch bedenkt das dort auch größere Brachflächen in der nähe sind...
    Und ein Biobauer dort auch noch Klee stehen hat...
    Und Kleinstadt im Flugradius. und nächster imker auch min 2 km weg ist...


    Will sagen ich probier das das Jahr erstmal aus. Stände am Raps müssen nicht die schlechtesten sein.


    gruß Thorsten

    wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten, da hab ich noch genug von... Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt....

  • Moin,
    der Link im zweiten Bild ist kaputt, die heißen jetzt www.bienenforschung.org, hier der Artikel dazu: http://www.bienenforschung.org…jekte/forschungsprojekt-1
    Die haben übrigens ne Menge interessanter Projekte am Laufen.:wink:


    Damit hat man sich in der ehemaligen SU und auch in der DDR schon vor 50 Jahren beschäftigt. (Und nicht nur mit Raps !!! )Die Ergebnisse und Berichte könnte Herr Dr. Mandel in jedem besseren Fachbuch älteren Jahrgangs nachlesen.
    Insofern ein alter Hut, aber nicht das erste mal.


    Leider interessiert es die Deutschen Landwirte nicht die Bohne. Wenn ich denen mit Bestäubungsprämie komme kriegen die nen Lachkrampf.


    gruß Finvara

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Leider interessiert es die Deutschen Landwirte nicht die Bohne. Wenn ich denen mit Bestäubungsprämie komme kriegen die nen Lachkrampf.gruß Finvara


     
    Moin , Moin aus Hamburg ,
    warum auch ? Sind ja genügend Imker da , die das für den Landwirt kostenlos erledigen. Problem ist doch wieder nur mal , das wir uns alle nicht einig sind. Bei den Obstbauern funktioniert das auch nur , wei die vertraglich verpflichtet sind, Bienenvölker je ha zu stellen. Entweder Ausgleichsabgabe oder Völker. Die Kosten sind festgelegt und kalkuliert. Eigentlich wären solche Verhandlungen eine Aufgabe vom DIB und in Folge dann der jeweiligen Landesverbände.Wenn Interessenvertretungen beider Parteien sich einig sind , lacht Dich auch keiner mehr aus. Vielleicht würde dann auch der ein oder andere Landwirt zum Imker werden. Da aber in den Bereichen von Monokultur nach der Blüte nicht mehr genug ist muß da auch eine gewisse Ernsthaftigkeit vorliegen. Der "Mietpreis muß aber in jedem Fall unter dem Preis eines Bienenvolkes sein. Somit ist kaufen und nach Nutzung sterben lassen (wie bei Hummeln) ausgeschlossen.
     
    Grüße aus dem Norden
     
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)