Versuch Naturbau

  • Hallo Bienenfreunde,


    hab unter ein Hauptvolk mit derzeit 3 Zargen DNM eine Zarge nach Warré untergeschoben. Nach 2 - 3 Wochen möchte ich noch eine weitere Zarge unten rein geben (nachdem die Honigzarge runter gegeben wurde) und hoffe, dass es bis zum Sommerende unten noch ausgebaut wird und auch bestiftet wird. Bin mir noch nicht sicher wann ich das Volk dann teilen soll.
    Oder wäre es sowieso am besten einen Kunstschwarm zu machen und eine junge Königin zuzusetzen. Vielleicht hätte Ihr ein paar Tips für mich was ich noch alles beachten sollte....
    Ich weiß, ein Schwarm wäre das Beste, aber woher...



    Gruß Horst

  • Hallo, Horst,
    schönes Bild! :daumen:
    Aber: unten wirst du keine Brut reinkriegen, sondern nur Pollen.
    Wenn das Flugloch unten ist, ergibt das über Sommer die Situation, daß der Honig immer ganz nach oben (fluglochfern) kommt, dann darunter das Brutnest und unten Pollen.
    Es würde jetzt auch nichts nützen, das Flugloch nach oben zu verlegen, dann bekämst du oben Brut (fluglochnah), und der Honig würde nach unten verlagert, also wieder nichts mit Brut in Warre-Zarge.
    Am besten wäre ein Kunstschwarm im frühen Frühjahr; wenn du jetzt einen machtest, müßtest du massiv füttern bis zum Herbst, damit sie ihre Winterarrangements noch fertigkriegen, und damit wäre dann, falls du nicht Honig füttern kannst in den nötigen Mengen, der Anfang im nächsten Frühjahr dann schon mit Zucker versaut....
    Ich würde warten und am liebsten einen echten Schwarm in eine komplette Warre einschlagen...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Horst,


    im Mostviertel ist doch noch nicht alles vorbei, trachtmäßig, wie ich das seh oder?


    Mach einen fetten Kunstschwarm mind. 2 kg mit junger Kg. und schlag den in die Warre. Mit ein paar Pfund Honig müßte der auskommen.
    Wenn Du Springkraut in der Nähe hast, wirst Du gar nichts oder nicht viel
    füttern müssen. Schau daß Du ihn auf zwei Warre einwintern kannst.
    Ansonsten hat sabine recht. Mit Untersetzen oder Aufsetzen wirds wohl
    nichts werden.


    Gruß Simmerl

  • Guten Abend,


    dieser Spezialaufsatz, der das Aufsetzen andersmaßiger Zargen auf Warre-Zargen ermöglicht, wurde von Warre in seinem Buch beschrieben. Ich habe diesen Aufsatz auch ausgetestet und kann nur mäßigen bis schlechten Erfolg damit verzeichnen, was das Ausbauen der unteren Zarge(n) betrifft.


    Ratsam zur Besiedelung ist ein natürlicher Schwarm im Frühjahr, die Zargen werden rasant ausgebaut. In jedem Fall auf zwei Zargen überwintern, nicht mehr und nicht weniger. Im nächsten Frühjahr werden dann die zwei neu untergesetzten Zargen auch beeindruckend schnell ausgebaut. Im Frühjahr sollten die Zargen möglichst früh untergesetzt werden (März).


    Ein kleines Detail: Die Zargen werden im Frühjahr durch einfaches Drehen so ausgerichtet, daß der Wabenbau grob einen Kaltbau darstellt. Also Wabenflucht 90 Grad zur Fluglochseite.


    Das geht so vor sich:


    1.) Zwei Zargen als Ganzes vom Boden abheben. Da die Zargen über Winter leichter geworden sind, geht das ohne Probleme. Da die Zargen zusammen und das Dach aufgelegt bleiben - es also kein grober Wärmeverlust entsteht - kann das zeitig im Frühjahr geschehen. Ein schöner warmer Märztag vielleicht.


    2.) Boden reinigen.


    3.) Zwei leere Zargen aufsetzen.


    4.) Die zwei Überwinterungszargen wieder aufsetzen, dieses Mal aber so, daß die Waben im Kaltbau stehen (Sommerstellung).


    Wer sich schon einen gereinigten Boden mitbringt und den Boden nicht erst vor Ort reinigt, kann das natürlich noch beschleunigen. Winterzargen runter, Boden wechseln, leere Zargen drauf, Winterzargen drehen und ganz oben drauf. 1 Minute. Das waren die Frühjahrsarbeiten.


    Zusätzliche Erweiterungen werden nicht vorgenommen. Das bedeutet, daß der Raum, der den Bienen zur Verfügung steht, nicht vergrößert wird während der Saison. Das erspart dem Imker zum einen das schwere Heben aller Zargen zum Untersetzen und den Bienen erspart es den "Raumstress". Die Bienen haben ein Raumgefühl, ständiges Erweitern stört dieses Raumgefühl und damit verschiedene nachgegliederte Verhaltensmuster.


    Herbstarbeiten: Die Herbstarbeiten heißen Herbstarbeiten, weil sie tatsächlich im Herbst stattfinden. Das bedeutet, daß der Honig in den Waben bis in den Herbst reifen kann. Erst wenn die Nächte sehr kühl werden und die Bienen sich nach unten um das Brutnest herum zusammen ziehen. Das hat den Vorteil, daß der obere Bereich mehr oder weniger bienenleer ist. Bedeutet aber auch, daß in langen warmen Sommern erst gegen Ende September, Anfang Oktober geerntet wird.


    Handlungsschritte:


    1.) Dach abnehmen
    2.) Obere zwei Zargen nacheinander abnehmen und von Bienen befreien
    3.) Die unteren zwei Zargen vom Boden lösen
    4.) Untere Zargen drehen, so daß der Wabenbau im Warmbau steht, Waben parallel zur Fluglochseite
    5.) Futterzarge aufsetzen und mit Honig einfüttern, Dach aufsetzen
    6.) Futterzarge spätestens nach zwei Tagen abnehmen, Dach aufsetzen


    Das war es. Die Jahresarbeiten eines Imkers nach Warre :daumen:


    Die Erntemenge beträgt je nach Rückfütterung 10-25kg pro Vollvolk. Das sollte ausreichen, um eine Selbstversorgung mit Honig sicherzustellen. Ideal für den Hobbyimker.


    Interessant wäre eine eingehendere Beobachtung, wie die Rückfütterung bei Speicherplatzmangel auf die Brut wirkt...komprimierend? Dafür spräche der extrem geringe Verbrauch an Winterfutter der Völker über Winter. Zusätzlich wirkt sich das bienengemäße Klimaverhalten des Stabilbaus günstig auf den Futterverbrauch aus?


    Erste mit anderen Warreimkern übereinstimmende Beobachtung ist: Die Völker sind in den Warrebeuten ausgesprochen sanftmütig. Sie sind das ganze Jahr ungestört, daher diese Sanftmut?


    Aber ich will den eigenen Erfahrungen nicht vorgreifen. Diese Art zu imkern ist eine Erfahrung wert, wie ich meine. :Biene:


    Einsteigern in die Warreimkerei kann ich nur raten, nicht den gezeigten Aufsatz zu nutzen. Vor allem um diese Jahreszeit nicht. Stellt lieber eine leere Warrebeute im Frühjahr zum Schwärmefangen auf. Wenn ich das richtig beobachtet habe, sollte das sehr früh im Frühjahr sein. Wenn ihr die Beute bienengerecht platziert, werdet ihr Erfolg mit der Besiedelung haben.


    Noch ein Wort zur modifizierten Version von Warre. Dort werden die Beuten mit Fenstern versehen und entsprechend der fortschreitenden Bautätigkeit nach unten erweitert. Diese Erweiterung nach unten bedeutet, daß die vollen Zargen angehoben werden müssen - ohne Hebevorrichtung ein Umstand, wie ich meine. Über die Auswirkungen der Fenster rätsel ich noch mit einem Brieffreund - er berichtet, daß seine Zargen stärker untereinander verbaut werden. Auch seitlich wird stärker angebaut. Ob das im direkten Zusammenhang mit den Fenstern (oder ständiges Erweitern?) steht, versuchen wir gerade herauszufinden.


    Bernhard

  • Vielen Dank für eure Beiträge und spez. Dank an Bernhard für die ausführliche Erklärung.
    Möchte auch noch einen Kunstschwarm organisieren aber derzeit ist es schwierig - es hat die Waldtracht wieder eingesetzt und die meisten Imkerkollegen räumen erst ende Juli ab.


    Gruß Horst