Kriterien für die Standortsuche

  • Hallo Zusammen, ich überlege mir gerade mich als Hobby Imker zu versuchen.Wahrscheinlich werde ich nächstes Jahr mit 3 Völkern anfangen. Ich möchte mich aber dieses Jahr schon mal auf eine Standort suche machen. Ich möchte allerdings nicht mit den Völkern zu unterschiedlichen Trachten wandern.Bedeutet das der Honigertrag für die ersten Jahren sekundär für mich ist, primär möchte ich erst praktische Erfahrungen machen. Durch die Auswahl eines entsprechenden Standortes möchte ich aber die Jahrestrachen incl. Waldtracht abdecken.

    • Wie sollte das Mikroklima am Standort sein?
    • Was ist es mit der Feuchtigkeit am Standort (Morgennebel etc.) ?
    • Welcher Abstand zu Waldameisenvölkern sollte oder muss eingehalten werden ?
    • Wie viele Sonnenstunden sind vorteilhaft, bzw Morgensonne ja und Nachmittags schatten ?
    • Sollte oder muss Wasser in der Nähe sein? (Teich oder Bach) und wenn ja in welcher Entfernung zum Standort
    • Welche anderen Kriterien sind für einen guten Standort primär wichtig?


     
    Ich hoffe ich finde hier ein paar Antworten auf meine ersten Fragen zu einem GUTEN Standort.
     
    Schon mal Danke im voraus für Eure Antworten
     
    Servus Norbert

  • Hallo Namensvetter,
    welche Standorte hast Du denn anzubieten? Bist Du wirklich so frei in der Wahl potentieller Bienenstandorte? Manchmal muss man Kompromisse schließen. Beschreibe doch einfach mal nach Deinen Kriterien die möglichen Standorte die Dir zur Verfügung stehen.
    Gruß an alle ImkerInnen

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo und erstmal herzlich willkommen Norbert!:)
    Bei der Suche für einen dauerhaften Bienenstandort würde ich dir raten, Folgendes zu beachten:
    1. Der Standplatz sollte für dich gut und leicht begeh- und befahrbar sein
    2. Der Standplatz sollte nach Möglichkeit NICHT gut einsehbar sein und / oder abgetrennt, also auf einem Privatgundstück liegen (Schutz vor Diebstahl und Frevel)
    3. Der dauerhafte Standpaltz (im Gegensatz zum Wanderplatz) sollte ein durchgängiges Nektar- und Pollenangebot für deine Bienen liefern, d.h. es sollte in der Nähe durchgängig vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein immer etwas blühen


    Zu deinen Fragen:
    -Das Mikroklima am Standort sollte warm und trocken sein, also stell die Bienen nicht gerade in eine feuchte Senke oder mit der Front an einen Hang, wo die kalte Luft nächtens ins Flugloch "fliesst".Dann lieber mit dem Flugloch hangabwärts und irgendwo hin wo auch ein wenig Wind geht, allerdings nicht allzu exponiert!
    -Zum Abstand zu Ameisenvölkern kann ich leider nichts sagen, logisch finde ich allerdings einen gewissen Mindestabstand von XX(X) Metern, man sollte die Ameisen ja nicht unbedingt in Versuchung führen;)
    -Zum Thema Sonne: Im Frühjahr gerne den ganzen Tag Sonne, im Sommer am besten morgens Sonne und ab Mittag Schatten, dann müssen die Bienen nicht unnötig kühlen und zuviel Sonne soll sich zudem schwarmfördernd auswirken.
    -Wasser sollte dringend in der Nähe sein. Aber auch hier hab ich keine Ahnung wieweit genau, allerdings ist näher besser, dann verkühlen speziell im Spätwinter / Frühling weniger Wasserholerinnen bzw. gehen anderweitig verloren. Ob das Wasser langsam fliesst oder steht macht vermutlich keinen grossen Unterschied für die Bienen, nur ein reissender Bach würde sie vermutlich am Wasserholen hindern.
    -Andere m.E. wichtige Standortkriterien s.o. ;)
    Hoffe das hilft dir weiter?!


    Viel Erfolg bei der Standortsuche wünscht
    Patrick

    Et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jut jejange!

  • Hallo, und herzlich willkommen!
    Das allerwichtigste am Standort ist eine möglichst ganzjährige Pollenversorgung, was automatisch auch mindestens Läppertracht während der ganzen Saison bedeutet.
    Pollen ist das einzige Eiweiß, das die Bienen in ihrer Ernährung haben, und deshalb essentiell: ohne Pollen keine Brut = keine Bienen.
    Der ideale Standort wäre auf halber Höhe eines Südhangs, Laubwald im Rücken und ein bißchen von links und rechts (wegen der bösen West- und Ostwinde), blühende Wildwiesen im Tal, mit langsam fließendem Bach oder Teich innerhalb von 250m.
    Waldrand, mit Schatten über Mittag, wäre nett, aber nicht Pflicht.
    Ameisennester - wenn du nicht in Waldtrachtgegend wohnst, weg davon, dann haben nur die Ameisen was von den Bienen, aber nicht umgekehrt.
    Nebel - manchmal nicht zu vermeiden, aber wichtiger ist die Vermeidung von Frostluftseen im Winter.
    Ansonsten - Bienis sind anpassungsfähig.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • An alle die bis dato hier geantwortet haben oder noch werden recht vielen Dank:liebe002:


    Ich favorisiere zur Zeit einen bestimmten Standort, allerdings bin ich auch erst seit kurzem auf Intensiver Suche. Da ein dauerhafter Standort sicherlich genau gewählt sein will möchte ich hier im Vorfeld die primären und sekundären sowie optionale Kriterien bzw. Voraussetzungen erfragen.


    Weitere Fragen zu Euren Antworten:

    • Sind nicht überall wo Waldameisen vorzufinden sind auch Waldtrachtgebiete? Lachniden werden schließlich von den Ameisen gehegt und gepflegt!
    • Abstand zu Ameisenvölker: Normal haben Waldameisen einen Aktionsradius von ca 70 -100 Meter. Reden wir hier aber wirklich über einen Sicherheitsabstand wenn wir über den Abstand von Bienenvolk zu Ameisenvolk reden?
    • Dauerhaftes Nektar und Pollenangebot: Gibt es heute wirklich noch Standorte wo so etwas gegeben währe? Oder muss mann sich ernsthaft damit beschäftigen durch Trachtpflanzenmischungen wie z.B Thübinger Mischung die Umgebung soweit mit den Landwirt abgesprochen aufzubereiten?

    Bis bald Norbert

  • Hallo
    Du wirst heutzutage nicht viele Plätze finden wo du ganzjährige Tracht findest.
    Dann musst du entscheiden ob du Frühtracht (Raps,Obst) willst oder Sommer
    (Akazie,Himbeere,Brombeere usw...) oder Waldtracht,alles an einem Ort wirst du selten finden.
    Wenn du ein Landwirt kennst oder selber Land besitzt kann man mit verschiedenen Mischungen schon nachhelfen.
    Oder doch wandern ??? Muss ja nicht durch ganz Deutschland sein.
    Manchmal reichen schon ein paar Kilometer.
    Viel Spass beim Platz suchen und bei der Imkerei !!! :Biene:
     
    MfG
     
    Axel

  • ..aus eigener Erfahrung sage ich, dass eine ganzjährige Befahrbarkeit von Wegen ganz wichtig ist...


    Zargenweise Material über mehrere hundert Meter schleppen, weil der Weg nach mehreren Regentagen abgesoffen ist, macht nicht wirklich Laune...


    Grüße aus Hildesheim

    Gruß aus Hildesheim - Holger - Buckfast in Segeberger Beute - 1 1/2 DNM - Bienen seit 2006

  • Zitat

    Sind nicht überall wo Waldameisen vorzufinden sind auch Waldtrachtgebiete? Lachniden werden schließlich von den Ameisen gehegt und gepflegt!


    Nein, leider nicht, zumindest hier in Norddeutschland nicht...:-(
    Da werden die Bienis eigentlich eher oft Opfer der Ameisen; Zuckerameisen tun da nix, außer lästig zu sein, aber die großen können dir schon Völker plattmachen...und ich bin nun mal in erster Linie Imker und erst danach Ameisenschützer.
    Ich hab hier selbst im "Garten" zwei Waldameisennester, und finde auf dem Boden vor den Beuten selten tote Bienis, die sind schneller weg, als ich gucken kann...:wink:
    Und trotzdem gibt es hier keinen Waldhonig.:-(

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Norbert,
    da das meiste zum "idealen" Standort bereits gesagt ist möchte ich nur noch kurz meine Erfahrungen zum Thema Ameisen beitragen.



    [*]Sind nicht überall wo Waldameisen vorzufinden sind auch Waldtrachtgebiete? Lachniden werden schließlich von den Ameisen gehegt und gepflegt!


    [*]Abstand zu Ameisenvölker: Normal haben Waldameisen einen Aktionsradius von ca 70 -100 Meter. Reden wir hier aber wirklich über einen Sicherheitsabstand wenn wir über den Abstand von Bienenvolk zu Ameisenvolk reden?


    Lachniden benötigen zur Vermehrung und damit es Honitau gibt nicht die Ameisen. Diese sind eher Konkurrenten zu den Bienen da auch sie den Hongtau nützen.


    Zum Thema Abstand zu Ameisen. Zu den Kleinen - ich kenne ihren Namen nicht, aber es sind die die im Gras faustgroße Erdnester bauen -kannst Du Abstand halten wie Du willst die erscheinen immer wieder und richten keinen Schaden an den Bienen an.
    Die große Rote Waldameise hatte ich im Abstand von ca. 15 m über viele Jahre am Bienenstand - stattlicher Hügel - ohne wirkliche Probleme. Und wenn ich in den Wald wandere komme ich nicht umhin in der Nachbarschaft eines oder mehrerer Ameisennester meine Bienen aufzustellen. Auch hier ging alles bisher ohne Schwierigkeiten ab.
    Natürlich tauchen die am Bienenstand auf. Aber bisher waren sie nur für den Abtransport der Leichen vor den Fluglöchern zuständig.


    Allso mein Fazit keine große Angst vor den kleinen Tieren.
    Gruß an alle ImkerInnen

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo Eisvogel, danke für die Mitteilung Deiner Erfahrungen über die Waldameisen. Das hat mich wieder einen Schritt weiter gebracht.


    Allerdings sehe ich die Waldameisen nicht als Konkurrenz zur Honigbiene. Beide Arten gehören in den Wald. Heinz Ruppertshofen beschreibt im Buch "Der Summende Wald" ausführlich das die Waldtracht steigt wenn Waldameisen wie die Kleine oder Große Rote Waldameise in der Nähe vertreten ist (Radius ca. 500 Meter).


    Ameisen verteidigen zwar Ihre Melkwiesen in den Baumwipfeln gegenüber Räuber wie Vögeln oder Bienen mit dem verspritzen Ihrer Ameisensäure, nachdem die Lachniden durch deren Schutz sich weiter fortpflanzen können sind die flugfähigen Generation der Lachniden ein paar Bäume weiter geflogen wo die Bienchen nun ungestört Honigtau tanken können.


    Was ich damit sagen wollte: Die Waldameisen sind keine Konkurrenz bitte kein entsprechendes Konkurrenz Verhalten aufkommen lassen. Aber jeder Imker weis ohne hin das jedes Tier seinen Platz in der Natur hat.:-D


    @Eisvolgel: könntest Du eine Aussage darüber machen ob Bienenvölker in der Nähe von Ameisenvölkern weniger Varorabefall haben als andere Bienenvölker.


    Bis bald Norbert

  • Eine frühe und gute Pollenversorgung im Frühjahr (Weiden, Haselnuss) gibt den richtigen Schub für die Völker im Frühjahr.
    Ein großer Imker bei uns "pendelt" die Standorte nach Wasseradern aus, da die Bienen bzw. Ameisen auch Wasseradern mögen. Er hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht.
    Der Aufstellplatz sollte auch noch halbwegs windgeschützt sein, macht die Bienen weniger aggressiv beim Arbeiten.


    Gruß Horst

  • Allerdings sehe ich die Waldameisen nicht als Konkurrenz zur Honigbiene. Beide Arten gehören in den Wald.


    könntest Du eine Aussage darüber machen ob Bienenvölker in der Nähe von Ameisenvölkern weniger Varorabefall haben als andere Bienenvölker


    Hallo Norbert,
    meine Aussage zur Konkurrenz zwischen Ameise und Biene ist nicht im negativen Sinn zu verstehen, dass ich Sie den Ertrag schmälern.
    Beide sind auf ganz natürliche Weise Nahrungskonkurrenten, wenn sie im gleichen Bereich des Waldes auftreten.
    Eine Erfahrung macht jeder der in die Honigtautracht mit Bienen wandert, wenn die Witterung und Lauspopulation stimmen dann ist alles so im Überfluss da, dass keiner zu kurz kommt.
    Aber auch hier gilt beobachten und gezielt aufwandern. Eine Laus macht noch keine Tracht.


    Zu Deiner Frage: Ameisenhaufen beim Bienenstand und Varroabefall gibt es von mir keine Erkenntsnis. Da beide sich nicht direkt begegnen - spricht Ameise nicht im Stock und Bienen nicht im Ameisenhaufen - kann es nach meiner Meinung zu keinem Effekt kommen. Bei Vögeln mit Milben die in Waldameisenhaufen baden sieht es anders aus.
    Gruß an alle ImkerInnen

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo
    Will auch was dazu sagen...


    Es gibt ideale Standorte. Allerdings muß man da eben ein wenig suchen.
    Mein Pate hat so einen. Bis auf die Ausrichtung Süd-West ist alles da.
    Der Stand ist am Waldrand und Windund Regengeschützt. Direkt vor dem Wald gibt es Rapsfelder und Wiesen. Und der Wald honigt auch schon wieder das 5. Jahr in Folge. Haselnüsse hab ich vergessen die gibts auch.


    Und er muß dafür nicht mal Pacht oder Miete zahlen.

    Gruß Otto Übrigens:Wenn man etwas will, findet man Wege! Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe!