Beutenbau - Was ist zu beachten?

  • Hallo Zusammen,
    ich bin neu im Forum und ein Wiedereinsteiger in puncto Bienenhaltung.
    Seit zwei Monaten imkere ich, nach einer zweijährigen Pause, mit drei Völkern Carnica auf Zandermaß in Heroldbeuten.
    Da ich das Hobby deutlich ausdehnen möchte, stellt sich mir zur Zeit die Frage, ob ich neuen Beuten kaufen oder bauen soll.
    Weil die Preisdifferenz zwischen beiden Optionen nicht gerde marginal ist, und ich über alle nötigen Gerätschaften verfüge, um die Bienenkästen aufzubauen, tendiere ich dazu gehobelte Fichte zu bestellen und den Rest alleine zu erledigen.
    Mich beschäftigt im Moment, wie ich bei der Bretterauswahl und dem Zusammenbau vorgehen muß, um einen dauerhaften Verzug der Zargen zu vermeiden und eine möglichst lange Haltbarkeit zu erreichen.
    Erste Maßnahme stellt sicherlich die Nutzung von gut abgelagterm Holz mit etwa 15% Feuchtigkeitsgehalt dar.
    Was ist darüber hinaus wichtig? Etwa die Maserungs- und Schnittrichtung? Falls ja, wie ist vorzugehen?
    Da ich gerne die Hohenheimer Beuten kopieren möchte, interessiert mich auch, ob ich auf die Nut- und Federverbindungen verzichten kann, um alles auf Stoß zu verbinden?


    Wie wäre es eigentlich mit der Erstellung eines Bau-FAQs?
     
    Danke und beste Grüße,
    Ralf

  • Moin Ralf,


    ich halte nicht viel von Selbstbaubeuten. Ich habe da schon zuviel Murks gesehen. Selbst dann wenn die Beuten in Tischlereien angefertigt werden.


    - Da werden Verbundplatten (Furnierhölzer, Tischlerplatten, Grobspanplatten, Siebdruckplatten) in Randnähe verschraubt und dann wundert man sich, daß die Platten aufgehen, Wasser ziehen und wegplatzen.
    - Da werden Leimhölzer verbaut deren Astlöcher nicht durchgehend, sondern nur mit Scheiben von zwei Seiten repariert sind. Dazwischen ist der Hohlraum für den Specht.
    - Da wird haufenweise liegendes Holz verbaut.
    - Da werden Leimhölzer verwendet, bei denen nicht jeder Stab auf der andern Seite des Kernes liegt und die Kisten gehen trotz langer Schauben auf, wie nasse Pappkartons.
    - Da werden Senkkopfschrauben bist zur Holzspaltung kantennah unvorgefräßt reingebrummt.
    - Da werden Klammern zu tief und nicht über die Fassern gesetzt und so ganze Ablegerkästen rundum gespalten.
    - Da werden Bodenlüftungen vergessen und Opferhölzer, die diese auch am Boden freihalten.
    - Da werden Bodenbretter der Länge nach verarbeitet und mit den Seiten verschraubt und man wundert sich, daß die Seiten schon nach wenigen Tagen im Freien den Kontakt zur liegenden Rück- und Vorderwand verlieren.
    - Da stehen Überstände längs zur Faser.
    - Da gibt es durchgehende Böde, die das Wasser vom Flugloch druch die ganze Beute leiten, bis es die Kiste hinten von innen aufquellen und faulen läßt.
    - Da werden Abstandssyteme eingebaut und Rähmchenauflagen, die nicht zu reinigen sind.
    - Deckel werden bauchig und kippeln.
    - Griffmulden werden eingefräßt und sind dann für den Imker zu klein für den Specht gerade richtig.
    - Falze gibt es auch immernoch und Beuten, die man entweder deshaln nicht auf kriegt oder wenn man sie auf hat nie wieder zu.


    Du siehst, es gibt sehr viel falsch zu machen. Die Liste ist bestimmt nicht vollständig.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Gute Zusammenfassung Henry,


    solche FAQs würden noch mehr Leute die nicht mal einen Nagel gerade in die Wand bekommen ihren Mädels windschiefe Wohnungen zu verpassen. Gerade Anfänger neigen da zu Selbstüberschätzung. Wenn jemand z.B. anhand von Aussenmassen und Holzstärke nicht in der Lage ist die Innenmasse zu bestimmen, sollte er lieber die Finger davon lassen oder Segelschiffe von Revell zusammenkleben.


    Ich weiss das klingt nicht freundlich, ich meins aber nur gut - mit den Bienen. Anfängern empfehle ich, sich erstmal Qualität zu kaufen, damit zu arbeiten um dann zu sehen, wie man es selber machen muss.


    Die Kosten für eine Top-gebaute Beute hat man doch sowieso mit der ersten Ernte wieder drin! Also was soll der Geiz!! Beispiel kpl. 12er Dadantbeute - 92€ oder kpl. dreizargige Zanderbeute 80€ immer mit Absperrgitter!!


    (Ich spreche nicht von/zu jemandem der entsprechenden handwerklichen Background hat!!!)

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo,
    danke für die Antworten.
    Was das Handwerkliche angeht, bin ich fit und verfüge über einige Erfahrung und auch Ausstattung.
    Mir geht es nicht primär um die Kostenersparnis, sondern eher um die Beschäftigung mit dem Werkstoff.
    Einziges Manko stellt die Tatsache dar, daß ich mir im Moment eher im Unklaren bin, was die Eigenschaften des zu verarbeitenden Holzes angeht, um eben den etwaigen starken Verzug der Zargen (Stichwort Langzeitstabilität) zu meiden und einigermaßen kompetent auf den Holzhändler/-säger zu wirken.
     
    Gruß,
    Ralf

  • Ich weiss schon Ralf, das Schreinern macht irre Spass. Ich hatte seinerzeit zwei Jahre Schreinerei als Nebenfach in der Schule. Holzkauf ist Vertrauenssache!


    <sarkasm> Warum baust du dir nicht einfach ein Nachkasterl? Ist auch Beutenförmig!</sarkasm>

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo ralph 76,


    wenn Du dir die Kisten selber machen willst, nimm Weymouthkiefer.
    Die verziehts fast nicht und die ist super zu bearbeiten, zudem impideal.


    Ich hab mir vor 15 Jahren hunderte von Kisten gebaut und habe alle in Freiaufstellung und die werden mich bestimmt überleben.


    Wenn Du Zeit hast, frag einen Förster, ich bekomm den Festmeter für 40 bis
    60 Euro. Ein Jahr sauber getrocknet reicht bei Weymouthkiefer.
    Kern nach außen, eh klar.
    Nut und Feder beim zusammenschrauben würd ich machen.


    Gruß Simmerl

  • Hallo Simon,
    die Weymouthkiefer wäre auch meine erste Wahl, jedoch habe ich bisher im Eifeler Umfeld kein Sägewerk gefunden, das diese Holzsorte vertreibt.
    Deshalb würde ich mich auch über Händler-/Produzentenadressen im Raum Aachen, Mönchengladbach, Köln und Großraum Eifel freuen.
     
    Beste Grüße,
    Ralf

  • Wenn Du Zeit hast, frag einen Förster, ich bekomm den Festmeter für 40 bis
    60 Euro. Ein Jahr sauber getrocknet reicht bei Weymouthkiefer.
    Kern nach außen, eh klar.
    Nut und Feder beim zusammenschrauben würd ich machen.


     
    Hallo Möchtegernschreiner ;-)
     
    Simon: Für den genannten Preis kriegst Du vielleicht Brennholz (evtl. auch Weymutskiefer) :wink:
     
    Aber realistisch kriegst Du zu dem Preis kein vernünftiges Holz. Selber einsägen und hobeln lassen ist für einen Hobbyimker wegen ein paar Beuten so unwirtschaftlich, wie wenn Du morgens einen Sack Getreide kaufst, diesen mahlen läßt, und Dir Brötchen davon selber backst.
     
    80 bis 90 Öre für eine komplette Beute mit 3 Zargen und Blechdach ist nicht zuviel. Wenn Du realistisch alles zusammenrechnest, sparst Du mit dem Selbstbau nicht viel. Ich behaupte sogar, gar nichts.
     
    Die Arbeiten, die am meisten kosten, kannst Du gar nicht selber machen. Ich nehme mal an, Du hast keine Einrichtung zum Bäume sägen. Und Hobelmaschinen (Abricht und Dicken) in der erforderlichen Breite hat ein Hobby Schreiner normalerweise auch nicht.
     
    Und wo Du Stunden dran welkelst, nur mal eine Zarge zusammenzufriemeln, brauchen Betriebe, die serienmäßig Zargen herstellen, gerademal Minuten. Qualitätsmäßig kann es die liederlichste Serienzarge noch mit jedem Eigenbau aufnehmen. Die meisten Eigenbauten, die ich bisher gesehen habe, wollte ich nichtmal geschenkt. Sicher, es gibt Ausnahmen, und ich möchte auch niemanden hier fertigmachen, aber das ist einfach meine Erfahrung.
     
    Ralf: Wenns Dir nur ums Basteln geht, gibts bestimmt geeignetere Objekte; Rainer und Henry bestätigen das ja auch. Dein handwerkliches Geschick möchte ich Dir ja nicht absprechen, aber Du überschätzst bestimmt die Möglichkeiten Deiner Werkstatt-Ausrüstung. Was hast Du denn für eine Kreissäge zum Zuschneiden der Zargenteile?
     
    Wenn Du Deine Zeit in die Vermehrung der Völker steckst, ist sie bestimmt besser angelegt, als mit dem Beutenbau. Auch wenn das jetzt arrogant klingt: Du kannst nicht in wenigen Stunden aus einer FAQ lernen, was Holzfachleute in vielen Jahren "erfahren" mußten, und noch vermessener ist es zu glauben, mit Bohrmaschine und ner einfachen Kreissäge könntest Du etwas herstellen, wo andere einen Maschinenpark brauchen, der eine sechstellige Summe kostet.
     
    Aber ich fürchte, Du läßt Dich nicht "bekehren".
     
    Ich wünsche allen ein schönes Pfingst Wochenende.
    Emil

  • Ich weiß wirklich nicht, warum der Zargenbau zu einer Wissenschaft gemacht wird.
    Normalerweise würde ich sagen, daß ein genauer Zuschnitt mit einer normalen Qualitäts-Tischkreissäge im Bereich des Möglichen ist. Des weiteren scheint es doch nicht wirklich schwer, eine Schablone zu erstellen, die einen maßhaltigen und zügigen Zusammenbau gewährleistet.
     
    Mein alter Herr besitzt übrigens eine Formatkreissäge mit Formatschlitten, der einen präzisen Zuschnitt ermöglicht. Darüber hinaus, ich habe mich am Montag erkundigt, ist bei uns einseitig gehobelte Fichte für ungefähr 6 Euro pro Quadratmeter zu haben.
     
    Beste Grüße,
    Ralf

  • :roll: Sorry, da muß ich aber auch nochmal, auch wenn ich es hier schon ein dutzendmal beschrieben habe: Beuten bauen ist einfach, es kommt lediglich auf die Ansprüche an.
    Will ich es als Anfänger schnell, billig und erst-mal-zum-Ausprobieren, reicht die BaumarktBilligstBeute ja völlig aus, und wenn ich sage, komplette Beute kommt auf 35€, so meine ich damit Boden-3 Ganzzargen-5 halbhohe Honigräume-Einfachstdeckel.
    Und gebraucht hat es dafür eine Kappsäge und eine Oberfräse, wenn auch eine schöne Kreissäge mit Führung auch nett gewesen wäre.
    Aber Maßhaltigkeit und rechte Winkel sind da, und die Mädels haben noch keine Beschwerdebriefe geschrieben.
    4 Leimholzbrettstücke = 1 Zarge, stumpf verschraubt, 2 Nuten als Rähmchenauflage, 2 Griffklötze - fertig.
    Man muß nur vorher etwas rechnen, je nach Holzdicke, damit das Innenmaß paßt.
    Mehr braucht man nicht.:wink:
    Ich kann selber bauen nur uneingeschränkt empfehlen, grade für Anfänger, die sich vielleicht über ihr Maß noch nicht dauerhaft sicher sind.
    Der Rest wird noch teuer genug...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Mhm,


    das ist echt ein "Für und Wider" mit dem Selbstbau von Beuten. Auf der einen Seite, wenn es Spaß macht und man das nötige Geschick hat, würde ich es jedem empfehlen. Auf der anderen Seite lohnt es wirklich nur, wenn man in einem Rutsch mehrere gleiche Beutenteile auf einmal baut. Da es zeitlich kaum einen Unterschied macht, ob man nun 3 Zargen baut, oder 15 Zargen baut.


    Sprich für Kleinserien lohnt sich das selber bauen gar nicht, da hier die Kostenersparnis, vielleicht gerade einmal in Höhe von 2-3 Kästen Bier liegt, mit der Gefahr sich beim sägen Finger oder ähnliches abzutrennen, brauch sich ja nur ein Holzstück verkannten usw. davor ist niemand gefreit und dann ist der Jammer groß. Das alles für eine Kostenersparnis von ein paar Gläsern Honig...


    Grüße,
    Marco

    And that's the way it is (Walter Cronkite)

  • :roll: Wenn du SO argumentierst, darfst du nicht mal elektrischen Strom benutzen oder gar Auto fahren....
    So schnell sägt man sich bei entsprechender Sorgfalt keine Finger ab, ich ermutige ja keinen Teenager ohne jede Erfahrung, sich ne Säge zu kaufen und loszulegen, sondern oft sind diese Dinge schon vorhanden und beherrschbar, warum dann nicht selber machen?
    Dann müßten auch alle Modellbauer nur Fertigbausätze kaufen...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo
    Ich finde wenn jemand seine Beuten selber bauen will sollte man ihn lassen.
    Wer das handwerkliche Geschick hat und das richtige Werkzeug hat,dem macht es bestimmt Spass seine Bienenwohnungen selber zu bauen.
    Also nicht gleich alles madig machen.
    Sabi(e)ne deine Baumarktbienenbeuten würde ich gern mal sehen,kannst du Fotos einstellen. :Biene:
     
    MfG
     
    Axel

  • Ich hab nur die alten, die neueren sehen was besser aus, aber ohne Digicam auch keine Fotos.
    Die Böden bauen wir seit dem 3. ohne Füße, dafür mit Anflugbrettern, und die Zargen haben schon lange 5-6 Schrauben pro Ecke.
    http://www.flickr.com/photos/5…0/sets/72157594251244952/
    Alle unbehandelt und mittlerweile gut silbergrau, aber auch nach 3 Sommern und 2 Wintern noch nicht auseinanderfallend..:wink:
    Das liegt wohl an der Innenheizung der Bienen, auch im Winter, ich schätze, der Taupunkt liegt außerhalb des Holzes.
    Keine Mercedesse, eher schlichte Käfer, aber unheimlich praktisch und dank der Griffklötze auch sehr gut zu händeln. Und ohne Falz, also kein Bienenmord beim Wiederaufsetzen.
    Im ersten Anlauf waren es 170, jetzt sind wir bei den nächsten 200.:wink:
    Nur die Deckel sind noch verbesserungswürdig, aber wir arbeiten dran.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen