Ableger über Honigraum

  • Hallo,
     
    ich habe ein paar Fragen zur Ablegerbildung. Zur Zeit habe ich ein Volk in einer DN Beute auf einem Brutraum und einem Honigraum, dazwischen ein Absperrgitter. Im Brutraum finde ich vereinzelt bestiftete Weiselzellen. Ich möchte von diesem Volk einen Ableger bilden (auch als Schwarmverhinderung) und habe mir folgende Gedanken gemacht:
     
    Ich würde aus dem Brutraum drei Brutwaben mit Weiselzellen entnehmen, abfegen, in eine dritte Zarge mit Mittelwänden und einer Honigwabe über dem Honigraum aufsetzen. Drei Zellen auf den Waben stehen lassen, alle anderen (auch unten im Brutraum) ausbrechen.
     
    Die drei Brutwaben saugen Brutbienen an, ich könnte die oberste Zarge nach einem Tag abnehmen und mit einem Boden und Deckel versehen woanders aufstellen. Warum schon so früh? Ist es nicht auch möglich, die oberste Zarge einfach noch ein paar Tage stehen zu lassen bis kurz vor der Verdeckelung der Weiselzellen? Solange würde ein nach wie vor großes Volk sich um die Versorgung der Königinnen-Made kümmern und es stünde dazu noch der Honig- und Pollenvorrat des alten Volkes zur Verfügung.
     
    Nächster Schritt: Ich nehme nicht die oberste Zarge weg, sondern die unterste mit der alten Königin samt ansitzenden Bienen auf den Waben und stelle sie mit drei Honigwaben neu auf. Die oberste Zarge mit drei Brutwaben kommt dann nach unten unter den Honigraum, alle Flugbienen fliegen dann dort ein und ich habe einen relativ großen Ableger, bei dem schon bald die neue Königin schlüpft und (hoffentlich) nach weiteren 14 Tagen in Eiablage geht.
     
    Die alte Königin legt, sobald sich das Volk beruhigt hat, weiter Eier und auch das Volk ist schnell wieder aufgebaut, wenn das Wetter mitspielt.
     
    Wenn ich so relativ früh im Jahr vorgehe, bekomme ich dann mit viel Glück zwei einigermaßen starke Völker, die auch noch ein bißchen Honig einbringen, oder mache ich damit etwas völlig falsch?
     
     
    Danke für Eure Antworten,
    Andreas

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Hi, Anderl,
    warum so tierisch kompliziert?
    Das Volk samt Honigraum vertikal teilen, ohne Rücksicht, wo grad Mama ist, eine Hälfte wegfahren, und beide Teile drei Wochen nicht öffnen.
    Die "alten" Waben rechts und links mit MWs auffüllen, Waben wirst du ja keine haben.
    Und abends teilen, damit möglichst viele Flugbienen beim wegzufahrenden Teil sind.


    Die Gefahr, die ich bei deiner Vorgehensweise sehe, ist a) es ist unnötig kompliziert, wenn du wirklich nur 1 Ableger machen willst, und b) gibt es noch derbe Nachtfröste, die Eisheiligen sind noch lange nicht an uns vorüber, und in einer 3. Zarge darauf zu hoffen, daß die Jungbienen das schon alles warmhalten, wäre mir zu riskant, denn im Zweifel gehen sie nach unten, wo Mama ist, und die anderen Kumpels....
    Keep it simple!:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Danke Sabi(e)ne, stimmt: So ist's wirklich einfacher.


    Ich wollte nur die Nachteile, die sich für den Ableger durch die Brutfreie Zeit ergeben, mit den heimkehrenden Flugbienen ausgleichen. Aber das erreiche ich auch, wenn ich die alte Königin raussuche und das Volk mit der alten an einen anderen Platz stelle. Richtig?

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Hallo, Anderl,
    nein, das brauchst du nicht.
    Wenn du ganz früh morgens oder spät abends teilst, sind ja alle zuhause, und du brauchst nicht zu gucken, wo Mama ist, wenn du einen Teil wegfährst.
    Das ist dann völlig egal, beide Teile haben relativ gleiche Voraussetzungen, außer daß in dem Teil ohne Mama halt eine Brutpause von 2 Wochen ist.
    Macht aber honigtechnisch nix aus, und ist wirklich das einfachste.
    Klar möchte man als Anfänger immer gern machen & tun & reingucken, aber es ist für die Mädels echt besser, du setzt dich auf deine Hände.
    Wobei ich finde, ein Volk sollte ja jetzt auf DN schon mindestens 2 BR haben, und die auch gut füllen, plus HR.
    Warum hast du nur einen?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ehrlich gesagt habe ich das von meinem Imkerpaten übernommen. Ich habe ihn gefragt, warum er nur auf einem BR hält wo man doch überall liest dass es zwei (oder noch mehr) sein sollen, da hat er mir ausgerechnet dass bei einer Legeleistung von 2.000 Eier täglich und DN-Waben eine Zarge mit 11 Waben mehr als ausreichend als BR sei (ich habe Carnica). Seiner Erfahrung nach wäre der BR dann relativ voll mit Brut ausgefüllt, wohingegen bei mehr als einem BR das Brutnest je Zarge kleiner ausfällt.


    Ich möchte ihn dieses Jahr noch nicht mit meinen neuen Ideen verärgern, bin ja auch noch neu :-) Aber die Bienen hängen auch noch nicht durch, und der Honigraum ist auch nicht übervoll mit Bienen - von daher hatte ich auch noch nicht das Gefühl, dass es den Bienen zu eng wird (ausser natürlich die Weiselzellen, die deuten schon darauf hin ...)


    Was sind denn Deine Erfahrungen mit mehr als einem BR? Sind dann trotzdem alle Waben je Zarge voll mit Brut, oder sind die Randwaben voll mit Honig?

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Hi, Anderl,
    natürlich sind bei 2 Zargen die Randwaben voll Honig, das ist völlig normal und muß so sein, aber dafür habe ich insgesamt mehr Bienen und Brutwaben!
    Ich erzähle hier doch dauernd:kleine Höhle, kleines Volk, große Höhle, großes Volk.
    Und je mehr Bienen, desto mehr Honig.
    Wenn dein einzelner BR eine Dadantkiste wäre, würde ich ja sagen, okay, aber bei DN ist eine Zarge verdammt zuwenig.
    Auch bei Carnis ist das dann eher wie ein Ferrari auf 60km/h gedrosselt.....:wink:
    Dein Pate ist schon etwas sehr viel älter als du und hat noch auf Hinterbehandlern gelernt?
    Da galt noch 1 Raum Brut, und 1 Raum für Honig.
    Sogar mein Imkerpate (Göttin hab ihn selig), war schon drauf gekommen, daß zwei Zargen Brut auch mehr Honig bedeuten, und man sogar zwei Honigräume riskieren kann im Raps....:roll:
    Ganz früher gab es das Märchen von den "Fleischvölkern", die zwar stark werden, aber in jeder Trachtpause den ganzen Honig wieder wegfuttern.
    Das ist schon sehr lange nicht mehr so (außer bei Ligustica, die sind wirklich nur was für Schönwettergegenden).


    Ich kann dich also nur ermutigen, deinen Mädels nächstes Jahr frühzeitig einen 2. BR zu gönnen, und dann auch entsprechend einen zweiten HR....
    Wenn du deinen Paten schocken willst: ich überwintere auf 3 BR, imkere ohne Absperrgitter, und hab verdammt viele Bienen und viel Honig....:cool::lol::Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Dein Pate ist schon etwas sehr viel älter als du und hat noch auf Hinterbehandlern gelernt?
    Da galt noch 1 Raum Brut, und 1 Raum für Honig.


     
    Exakt! Genau das hat er mir heute gesagt. Allerdings muss ich ihm fairerweise zugestehen dass er "Neuerungen" nicht verdammt. Er sagt halt nur: "Das sind meine Erfahrungen, zum Einstieg würde ich Dir raten die zu übernehmen. Später sammel Deine eigenen."
     
    Wenn ich das Volk jetzt teile, lohnt es sich dann (wenigstens bei dem Volk mit der Altkönigin) später im Jahr noch einen zweiten BR aufzusetzen? Bauen die Bienen auch im Juni Mittelwände noch aus?

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Hallo,
    MWs bauen sie noch bis Sonnenwende aus, aber nicht mehr im BR, das ist schon vorbei für diese Saison.
    Die Aufwärtsentwicklung mit maximaler Ausdehnung hält nur bis zur Schwarmzeit an, danach ist Konsolidierung angesagt, Vorbereitung auf den Winter.
    Die zwei Wochen Brutpause machen nicht viel aus, vertu dich da nicht, du wirst beide Völker gleichstark einwintern.
    (aber wenn ich du wäre, würde ich doch versuchen, irgendwo noch preiswert jetzt nach dem Raps noch ein oder zwei Ableger zuzukaufen, das minimiert das Überwinterungsrisiko).
    Das Grundproblem ist in meinen Augen, daß es bei einer einräumigen Überwinterung verdammt schwierig ist, das richtige Verhältnis Brut-Vorräte zu treffen.
    Bei zwei Zargen fütterst du so lange, bis der obere BR voll ist, das reicht für nahezu jeden Winter, und die Bienen *wissen*, wir haben zwei BR, also können wir im Frühjahr so und so stark werden, dafür ist Platz & Futter da.
    Im Einzarger ist das ein hohes Risiko.
    Fütterst du zu früh und viel, kriegst du zuwenig Winterbienen, und im Frühjahr mickert dein Volk rum, weil eine kritische Zahl an Bienen mit der Brutmenge nicht hinterher kommt.
    Fütterst du spät und eher wenig, können sie dir auch verhungern, wenn sie gerade durchstarten wollen, wenn du nicht aufpaßt.
    Fazit für mich war halt gut früh zu füttern und viel Platz zu geben, Futterwaben rausnehmen kann man im Frühjahr immer noch, aber nachfüttern, wenn wirklich Not herrscht, ist ein Problem....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Sabi(e)ne, danke für Deine Antworten.


    Wegen der einräumigen Überwinterung habe ich mir auch schon Gedanken wegen der Auffütterung gemacht. Ist es besser, wenn ich im Herbst den leergeschleuderten Honigraum belasse als Lager für die Winterfütterung, natürlich ohne Absperrgitter? Die Wintertraube würde dann ja sicherlich im Herbst nach dem Brutende nach oben und damit ins Futter wandern.

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Schön, daß du dir schon Gedanken machst :daumen:
    Wenn du sie nach der letzten Honigernte zweizargig setzt und diesen 2. Raum auffütterst, sitzen sie erstmal unten und futtern sich langsam im Laufe des Winters nach oben.
    Futtertechnisch bist du dann auf jeden Fall auf der sicheren Seite, und im Frühjahr nimmst du die untere Zarge weg und setzt im gleichen Arbeitsgang eine neue mit MWs auf als 2. BR.
    Danach wirst du staunen, wie groß dein Volk werden kann, wenn das Wetter mitspielt.
    Und warum ich noch mehr habe, erkläre ich dir dann...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Okay, Sabi(e)ne, ich komme im Frühjahr auf Dich zurück ;-)


    Eine letzte Frage für heute: Wie berechnest Du die Menge der Winterfütterung? Je Zarge, oder je besetzter Brutwabe eine bestimmte Menge?

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Hi, Anderl,
    ich hab Buckis & Ca x Bu und Ca, und alle kriegen eine volle Honigganzzarge, etwa 30kg.
    Oder früher 28kg Fertigfutter = 20 Liter = 2 Eimer.
    Zusammen mit dem, was eh noch im BR an den Seiten ist, reicht das dicke, und ich muß auch im Frühjahr nicht nachfüttern.
    Dein Pate würde die Augen verdrehen, aber Milchkühe geben nur mit Grundfutter auch keine 30 Liter am Tag, Geiz ist da überhaupt nicht geil....:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Okay, vielen Dank. Du hast mir heute echt weitergeholfen. Ich glaube, ich muss mir die Ansichten meines Imkerpaten doch nochmal durch den Kopf gehen lassen ...


    Einen schönen Abend noch,
    Andreas

    "Wichtig ist, was man tut, und nicht was man sagt." Eragon

  • Hi, Andreas,
    du hast den ganzen Sommer zum Nachdenken, und du wirst deinen Paten noch oft genug zum Gucken brauchen...
    Für den Rest hast du uns, und sei gewarnt, ich bin schwer bienengemäß orientiert, und um Himmelswillen nicht typisch, sondern eher sehr unkonventionell, was du im CB-Unterforum nachlesen kannst.:wink:
    Was ich sage, entspricht beileibe nicht dem imkerischen Standard, sondern meiner Erfahrung, also Vorsicht.:wink: (die anderen verdrehen jetzt grad die Augen....*g*)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen