Wildbienennachwuchs gedeiht prächtig

  • Hallo zusammen,


    "Anfrage" habe ich zwar keine, aber irgendwie ist das Thema Wildbienen hier noch etwas heimatlos, Wespen und Hornissen sind hier zumindest schon mal aufgeführt. Ich poste daher rotzfrech hier, mögen mir Wildbienen und Forum verzeihen ;-))


    Die momentan im Anschluß an den Kälteeinbruch fast hochsommerlichen anmutenden Temperaturen erlauben den Wildbienen auf meinem Balkon nun endlich mit Vollgas loszulegen. Die gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta), eine unser häufigsten solitären Wildbienenarten im Siedlungsbereich, hat sich wie jedes Jahr begeistert auf die Nisthilfen auf meinem Balkon gestürzt.


    Als absoluter Ubiquist in Sachen Brutröhren besiedelt sie auch Bohrlöcher in Ikearegalen, Stuhlbeine, Wasserschläuche und Flöten. Hauptsache es ist hohl …;-))


    Das erste Nistklötzchen in meinem Beobachtungsnistkasten (zur Veranschaulichung ebenfalls ein Foto) ist jetzt mit 7 Brutzellen voll besetzt, Mama Mauerbiene bestückt bereits mit Volldampf die Röhre nebenan.




    Auf dem Foto könnt ihr einen indiskreten Blick in die Kinderstube einer Mauerbiene werfen, die Brutzelle ist ca. 12 mm lang. Wände und Trennwände bestehen aus Lehm, die Pollen-Nektar-Mischung ist eher ziemlich trocken, bei manchen Arten kann sie auch ein fast flüssiger „Schlaaz“ sein.


    Die Weibchen der gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) sind inzwischen längst wieder von meinem Balkon verschwunden, auch die etwas später fliegende Osmia bicornis ist nur noch mit einem Exemplar vertreten. Erschreckend, wie kurz so ein Wildbienenleben ist, nur ein paar Wochen und das war´s dann.


    Immerhin gedeiht der Nachwuchs von Osmia cornuta in den Beobachtungsnistklötzchen hervorragend.



     
    Eher die Ausnahme ist es, daß die Larven bereits jetzt schon Kot absetzen. Bei vielen Arten sind Mittel- und Enddarm durch eine dünne Membran getrennt, die erst unmittelbar vor der Verpuppung aufgelöst wird. Damit spart sich die Larve massenweise Pampers und die Brutzelle bleibt sauber, erstaunlicherweise haben die "Früchte" einer mehrwöchigen Larvenzeit alle Platz.


    Gruß


    Werner


    P.S. Sollte das Foto NICHT erscheinen wäre ich um Tipps dankbar. In der Vorschau sehe ich schon mal nichts, aber vielleicht funzt es ja erst beim "Thema erstellen". Mann und Technik ...!

  • Hi, Werner,
    du hast im ersten IMG danach noch ein Leerzeichen....


    Liebe Sabine,


    bitte laß dich - mit dem gebührenden Respekt und absolut platonisch - knutschen ;-)). Ich habe eine halbe Stunde rumprobiert und bin schier verzweifelt.


    Wo wären wir nur ohne unsere Frauen ...? :-))


    Verschärften Dank!


    Werner

  • :lol: Lieber Werner,
    ich bete gerade, daß mein Männe diese Bilder nicht zu sehen bekommt, sonst weiß ich, was er nächsten Winter schraubt & bastelt....er liebt die Wildbienen noch mehr als die Honigbienen, weil die Wildbienen keine rechte Lobby haben.
    Wir haben hier diverse Hummelnistkästen, Hornissennistkästen, und vier Insektenhotels, die aber alle eher H4 Standard als der Luxusvariante entsprechen (keep it simple).
    Angenommen werden sie trotzdem :wink:
    Aber deine Variante wird Heimwerker-Ehrgeiz wecken....*seufz*:wink:
    Hast du noch mehr solcher Luxusheime?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Liebe Sabine,


    ich fürchte deine Gebete werden nicht erhört werden, Dinge die Männer nicht sehen sollen, bekommen sie unweigerlich mit ;-) Und eine Begeisterung für Wildbienen finde ich immer Klasse!


    Auf meiner Website findest du nährere Infos über den Beobachtungsnistkasten:


    http://www.bauches-lust.de/naturgarten/villalarvenblick.html


    Ich bin irgendwann durch Zufall auf diese Bezugsquelle gestoßen und habe mir natürlich sofort einen Kasten gekauft.


    "Ein Beobachtungsnistkasten nach diesem Prinzip kann für 40 Euro als Bausatz bei der folgenden Adresse bezogen werden:


    Schulbiologiezentrum des Landkreises Marburg-Biedenkopf
    Am Freibad 19
    35216 Biedenkopf


    Tel: 06461-951850
    Fax: 06461-951852
    E-Mail: sbb@schubiz.marburg-biedenkopf.de"
    (Bo, ich habs geschafft, ich hab tatsächlich kursiv geschrieben)


    Was den Bau von Wildbienennisthilfen angeht findest du auf Hans-Jürgen Martins Website Beispiele ohne Ende (http://www.wildbienen.de/wbschutz.htm), meist sogar mit Materialliste.
    Der Typ ist der geborene Bastler! Kann ich nur neidvoll hinschmachten.


    Im Anschluß erhältst du einen kleinen Eindruck von meinem Balkon im ersten Stock. Manche Nachbarn weichen mir aus, wenn sie mir nachts begegnen ...;-))




    Werner

  • :lol: Hi, Werner,
    wie tief sind deine Schilfrohrmattenstücke?
    Ich hab hier 20 ganze Matten und weiß nicht, auf welche Länge schneiden.
    Dazu etwa 1 Kubikmeter Pampagrasstengel und eigenen Bambus....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • :lol: Hi, Werner,
    wie tief sind deine Schilfrohrmattenstücke?
    Ich hab hier 20 ganze Matten und weiß nicht, auf welche Länge schneiden.
    Dazu etwa 1 Kubikmeter Pampagrasstengel und eigenen Bambus....


    Liebe Sabine,


    meine Matten sind ca. 25 cm tief, dieser Wert ist allerdings relativ unwichtig. Ein Meterstab stört beim Fliegen, deshalb haben Wildbienen nur selten einen dabei ;-) Die Stengel in der Kaffeedose (13 cm tief) werden genauso besiedelt,das "Bienenhotel" aus Ton von Volker Fockenberg ist sogar noch schmäler.


    Entscheidend ist eher, daß der Halm irgendwann durch einen Knoten verschlossen ist, also hinten nicht offen bleibt. Bienen schauen zwar gerne "in die Röhre" aber sie haben nur ungerne "Durchblick" ;-)). Naturstrohalme kann man hinten mit Gips verschließen.


    Entscheidend sind auch die Schnittkanten, die Halme am besten mit einer guten Schere oder einer sehr feinzähnigen Säge oder Sägeblatt zuschneiden. Zersplitterte und ausgefranste Kanten werden gemieden, die Biene weiß offensichtlich instinktiv um die Gefahr für ihre Flügel. Ein Wildbienenleben von vier bis sechs Wochen ist einfach zu kurz, um das Pensum "zu Fuß" zu bewältigen.


    In den großen Halmen werden sich vor allem Mauerbienen ansiedeln, in den etwas kleineren die Scherenbiene.



    Scherenbiene (Chelostoma florisomne) mit Pollen-Make Up in Bastmatte



    Mauerbiene (Osmia cornuta/rufa) in Bastmatte beim Nestverschluß


    Mögen deine Matten dich nicht allzusehr ermatten. :-)


    Liebe Grüße


    Werner

  • :lol: Dankeschön, Werner,
    auch für die schönen Bilder! :daumen:
    Ich wollte ja nur wissen, ob es sowas wie eine Mindesttiefe gibt, weil ich den Damen doch gern entgegenkommen möchte.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • :lol: Ich wollte ja nur wissen, ob es sowas wie eine Mindesttiefe gibt, weil ich den Damen doch gern entgegenkommen möchte.:wink:


    Liebe Sabine,


    das ehrt dich, der Damenwelt entgegen zu kommen ist auch mein Bestreben ;-)


    Ich glaube eine "Mindesttiefe" in diesem Sinn gibt es nicht (was nicht heißen soll, das Frauen keinen Tiefgang haben ;-), das Bienenhotel aus Ton hat eine Tiefe von 7 cm und wird heiß umschwärmt. Die Mauerbiene hat sich aber auch schon in Dübellöchern eingenistet die noch deutlich kürzer waren. Richte dich einfach danach, was du an Platz zur Verfügung hast, ich würde auch durchaus mit verschiedenen Tiefen experimentieren.


    Bei der sehr gut erforschten Luzerne-Blattschneidebiene (Megachile rotundata) (sie wird in der USA in riesigen Massen zur Bestäubung der Luzernefelder gezüchtet) hat man beispielsweise festgestellt, daß die Tiefe der Niströhre und die Verteilung der Geschlechter korrelieren. Mit Zunahme der Röhrentiefe nahm auch die Anzahl der Weibchen zu.


    Versuch also nicht irgendwelche BIEN-Normen zu erfüllen sondern probier rotzfrech aus. Gerade die Mauerbienen wirst du mit Sicherheit nicht vergraulen.


    Werner

  • Hallo Werner
    den Wildbienenkasten finde ich echt super !!!
    Habe dieses Jahr auch einen Eichenholzklotzen genommen und 5mm , 6mm und
    8mm Löcher gebohrt !!!
    Bis jetzt haben die Wildbienen den Klotz noch nicht angenommen !!!
    Habe aber auch noch 2 Stück in den Wald gehängt , da muss ich noch nach-schauen ob sie schon angenommen worden sind !!!
    Vielleicht schaffe ich mir so ein Kasten wie Werner an !!!
    Ich finde den Schutz der Wildbienen wichtig und wir sollten als Imker mit
    gutem Beispiel vorangehen !!!


    MfG
    Axel


  • Hallo Axel,


    Eiche ist prima, generell ist Hartholz am besten geeignet. Bei Weichholzarten oder noch schlimmer bei Nadelholz stellen sich bei hoher Luftfeuchtigkeit die Fasern im Inneren der Niströhre auf, das wirkt dann ähnlich wie die eiserne Jungfrau im Mittelalter. Keine Wildbiene mit einem Funken Verstand kriecht in eine derartig mörderische Röhre, es sei denn sie strebt eine Akupunkturbehandlung an.


    Besiedelt werden Lochgrößen von 2 - 10 mm, Gänge mit 3 - 6 mm sollten anteilsmäßig überwiegen, weil sich hier die meisten Arten einstellen.


    Im Wald wirst du wahrscheinlich einen kompletten Flop erleben, Waldrand ist o.K. Die Nisthilfen sollen sonnenbeschienen sein, Südost- oder Südwest-Ausrichtung wäre optimal. Um Seekrankheit vorzubeugen, dürfen die Nisthilfen nicht pendeln sondern müssen fest an einem Stamm oder an einer Mauer aufliegen. Selbstverständlich müssen sie auch im Winter draußen bleiben, sonst habt ihr Weihnachten plötzlich eine "Wildbienenbescherung" ;-)


    Viel Erfolg!


    Werner



    Scherenbiene [I](Chelostoma florisomne)


    P.S. Nur mal als Anregung: Vielleicht könnte man (oder Frau) einen Wildbienen-Thread hier im Forum einrichten.

  • Hi, Werner,
    gibt es Arten, die auf irgendwelche exotischen Maße angewiesen sind?
    Also erheblich größer oder kleiner als die 3-6mm?


    Hallo Sabine,


    Mauerbienen findest du auch in 10 mm Bohrlöchern, die kleinsten Arten siedeln in 2 mm Löchern, aber nagle mich bitte nicht fest. Wie gesagt, biete 2-10 mm an, damit deckst du das gesamte Artenspektrum ab, das sich - zumindest theoretisch - einstellen kann.


    Sollte dein Blick aber voller Stolz über einen perfekten Golfrasen und eine mit dem Laser geschnittene Thujahecke schweifen, dann hast du vermutlich ein Problem ;-)) Einige Wildbienen haben sich auf den Pollen bestimmter Pflanzenfamilien (z.B Korbblütler) oder sogar Gattungen spezialisiert (z.B. Hahnenfuß (Ranunculus) oder Glockenblumen (Campanula)).


    Wenn die entsprechenden Arten weit und breit nicht vorhanden sind, nützt natürlich auch die Nisthilfe de Luxe nichts.


    Unter www.naturgarten.org findet ihr viele Tipps für die naturnahe Gestaltung eines Gartens mit einheimischen Wildstauden, dort sind auch etliche Wildstaudengärtnereien aufgelistet.


    Gruß


    Werner

  • :lol: Ach, Werner,
    dieses Grundstück (1,5ha) liegt seit 2002 eigentlich brach, und verbuscht zusehends, und ich bin völlig entzückt, was es hier alles gibt, von Eidechsen über Waldameisen und zig Vogel- und Spinnenarten, und, und, und...
    Igel und Kaninchen haben schlechte Karten, wegen der Hunde, aber alles andere vermehrt sich ganz gut.
    Wie viele Mitbewohner ich hier in der Halle habe, will ich gar nicht so genau wissen, allein die Ameisenlöwen haben sich in den letzten Tagen doch irgendwie mit ihren Trichtern von 14 auf 35 vermehrt, manche sind auch umgezogen, die besetzten Trichter sind absolut glattwandig, aufgegebene brechen innerhalb von Stunden zusammen.
    Mein Arachnologium mit zig Kreuzspinnen (immer schön unter den Leuchtstoffröhren den Nachtbeleuchtung) ist auch wieder voll aktiv, ich kann da stundenlang zuschauen...:-D
    Es ist schon nett hier für Viechers...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen