Wenig Brut, viel Honig

  • Hallo zusammen,


    seit 10 Tagen stehen meine Völker im Raps. Die Honigräume sind schon sehr sehr voll, jedoch noch nicht oder nur wenig verdeckelt. Ich habe bereits eine vierte Zarge mit MW aufgesetzt und weiß nicht, ob ich noch weiter erweitern soll. Eine fünfte Zarge aufsetzen ? Sieht ja aus wie das Empire State Building. Was mir ein wenig Sorge macht, ist das kaum noch Stifte da sind. Überall ist frischer Nektar eingelagert, offenbar ist kein Platz mehr da. Die ersten Spielnäpfchen wurden auch bereits gebaut. Was tun ? Ich möchte natürlich einen Schwarm verhindern, soll ich weiter erweitern oder einen Ableger bilden ?
    Danke für Eure Einschätzung.


    Grüße aus Dorsten
    Frank

  • Moin, Frankman,
    gebetsmühlenartig wiederhole:
    Das Brutnest wird ver-nektart, um Mama am Legen zu hindern und flugfähig zu kriegen, ddas Restvolk nicht mit Brutpflege zu überfordern und eine Großtankstelle für den Schwarm zu haben, der ja in 2-3 min volltanken muß.
    Erweitern nützt da GAR nichts mehr, und "ein bißchen schröpfen" auch nicht.
    Das beste wäre, die Alte rauszufangen und einen vorweggenommenen Schwarm mit ihr zu bilden, dann mußt du aber die (bestifteten) Näpfchen stehenlassen, sonst sind sie hinterher ohne Jungfer.
    Ansonsten einen sehr dicken Ableger machen, auf Wabe mit jüngster Brut dabei achten oder bestiftete Näpfchen.
    Viel Glück!

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ...da ich meinen 2. BR mit MW erweitert hatte dieses Jahr habe ich, da ich dieses Problem auch hatte, einfach 2 volle Honigwaben aus dem besagten BR in den HR gepackt und 2 ausgbaute aus dem HR in den BR...müßte doch für´s erste auch helfen ?!?

    Gruß aus Hildesheim - Holger - Buckfast in Segeberger Beute - 1 1/2 DNM - Bienen seit 2006

  • fowi : stell dir bitte das Schwarmgeschehen vor wie eine Geburt (was anderes ist es ja eigentlich auch nicht).
    Wenn die einmal angefangen hat, ist sie unumkehrbar, und du kannst entweder der Natur ihren Lauf lassen, oder einen Kaiserschnitt machen (vorweggenommener Schwarm mit der Alten oder Ableger) oder pfuschen und alles durcheinanderbringen, mit dem Ergebnis, daß du weder eine fitte Mutter noch ein gesundes Baby bekommst.
    Begriffen?:wink::lol::Biene:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ...da ich meinen 2. BR mit MW erweitert hatte dieses Jahr habe ich, da ich dieses Problem auch hatte, einfach 2 volle Honigwaben aus dem besagten BR in den HR gepackt und 2 ausgbaute aus dem HR in den BR...müßte doch für´s erste auch helfen ?!?


    sollte gehen, nur frage ich: Sind das vielleicht zu wenig umgehängte Waben?


    .... so mache ich es auch: die verhonigten Brutwaben in den Honigraum hängen und Mittelwände an ihre Stelle in den Brutraum geben. (Darum mag ich nicht verschiedenen Rähmchenmaße für Honig- und Brutraum....)

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hi Sabine,


    ich finde deine Ausagen weiter oben eigentlich ganz okay.
    Allerdings hätte ich gerne gewußt, wie in dieses Gedankengebäude die Tatsache passt, die jeder Praktiker jedes Jahr erlebt:


    Die Bienen stehen in der Raps- oder Akazienvolltracht. Der Brutraum wird durch frisch eingetragenen Nektar okkupiert, die Königin kommt in Legenot. Folge: Schwarmstimmung!
    Dann hofft jeder Imker auf ein paar Regentage, und siehe da, der Brutraum ist geräumt, der Honig "oben" gedeckelt, die Schwarmstimmung perdu.Ich habe sogar mehrfach erlebt, dass belegte Weiselzellen wieder abgetragen wurden.


    Ich glaube, dass die Schwarmstimmung eben nicht nur durch die Stimmung begünstigt wird, sondern immer alle begünstigenden Faktoren zusammenpassen müssen, damit ein Volk schwärmt.
    Oder, was meinst Du?

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo Michael,


    sollen ein paar Regentage ausreichen, um die Schwarmstimung abzubauen? Oder wie darf ich das verstehen?


    Bernhard


    PS: Wie wäre denn eine Wanderung ins Kühlhaus des örtlichen Metzgers für ein paar Tage? Schwarmabbruch ohne Eingriffe :wink:


    PPS: Die Ablegermanie und das Umhängen der Brutwaben ist meiner Ansicht (TM) nach sehr fragwürdig. So wie ich in der Zeitschrift Schrot&Korn vom Vorsitzenden des deutschen Erwerbimkerbundes lese, ist Ablegerbildung im Frühjahr die einzige Möglichkeit für Erwerbsimker, die 30% Winterverluste auszugleichen. Ob das so weiter geht...

  • Hallo, Michael,
    der ganze Gedankengang ist ja nicht allein auf meinem Mist gewachsen, sondern beruht auf Walts Beobachtungen, und mitlerweile auch auf meinen eigenen.:wink: 
    Der zusätzlich limitierende Faktor ist das enge Zeitfenster für den Schwarmabgang.
    Und solange man als Prämisse nicht annehmen kann, daß jedes Volk wirklich jedes Jahr zu schwärmen beabsichtigt, wird einem der Rest auch nicht so recht verständlich.
    Ein Schwarm ist nur dann sinnvoll, wenn er auf dem Höhepunkt der Tracht starten kann, das ist die optimale Voraussetzung: Überfluß an Pollen und Nektar an allen Ecken und Enden.
    Die Schwarmstimmung kommt nicht durch das Verhonigen des Brutnests erst auf, sondern umgekehrt, das Zumachen des Brutnests ist der vorletzte Schritt vor dem Schwarm!
    Wird jetzt durch schlechtes Wetter der letztmögliche Termin überschritten, kippt alles auf "Erhaltung des Volkes und Überleben des nächsten Winters", und das tatsächlich über Nacht auf jedem Stand.
    Im allgemeinen folgt darauf die 3wöchige Periode der Aufzucht von neuen Jungbienen, das Brutnest war ja schon fast leer und es fehlt Nachwuchs.
    Und dann geht das Volk daran, sich seine Speicher vollzumachen, aber mit aller Kraft, sobald genügend Jungbienen als Nektarverarbeiter bereit stehen.


    Schwarmstimmung ist die Ursache für das Verhonigen des Brutnestes, nicht umgekehrt.
    Und wenn das berüchtigte repro c/o Datum überschritten ist, gibt es keinen Schwarm mehr in diesem Jahr.
    Und die Schwarmstimmung besteht tatsächlich ab Brutbeginn im Winter.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • @ G.Wustmann


    Habe nur die Waben umgehängt, in denen keine Brut drin ist...und das waren nur 2...wie gesagt, die große Erfahrung habe ich ja noch nicht :-)

    Gruß aus Hildesheim - Holger - Buckfast in Segeberger Beute - 1 1/2 DNM - Bienen seit 2006

  • Hi Sabine,


    der ganze Vorgang wäre dann ja eine Art "Selbstläufer", der nur noch durch massiven Einfluss von außen, wie z.B. plötzlichen Weiselverlust, extreme Trachtlosigkeit usw. zu verhindern wäre.
    Irgendwie kann ich über diese Brücke noch nicht gehen, da werde ich mich noch einigemale grübelnderweise mit auseinander setzen. :daumen:

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo, Michael,
    nein, es gibt noch ein paar "innere" Bedingungen, wie eben das Vorhandensein jener eisernen Reserve für das Überleben des Restvolks nach dem Schwarmabgang, und auch diese ominöse geschlossene Honigkappe.
    Alles zusammen ergibt aber ein sehr logisches Bild, und wie immer, wenn man weiß, wonach man Ausschau halten muß, findet man es plötzlich und patscht sich vor die Stirn:da hätte ich auch selbst draufkommen können.....:-D
    Das CB veräppelt die Bienen, und läßt es nicht zu der geschlossenen Kappe bis zum letztmöglichen Termin kommen, und danach ist es schlicht zu spät.:wink:


    edit: das mit dem Selbstläufer stimmt, warum muß man denn sonst als Imker so massiv intervenieren? ;-)
    Sieh den ganzen Vorgang als Schwangerschaft ab Weihnachten, mit 4-5 Monaten Tragzeit, dann paßt es besser...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Michael,
    dann will ich Dir mal zwei Brückenpfeiler dafür bauen.
    Obwohl Sabine als Ingeneurin die vielleicht besser hinkriegt:lol: .
    Pfeiler eins:
    Da die Entnahme der Königin als sicherste Methode der Schwarmverhinderung gilt, ist durch Deine Frage ja schon das Fundament dieses Pfeilers gelegt worden.
    Pfeiler zwei:
    Bienenherkünfte mit brutnaher Nektar-/Honigeinlagerung gelten als schwarmfreudiger wie Bienen mit brutferner Einlagerung.
    (klassisches Beispiel im Vergleich Carnica./.Buckfast!)
    Wenn es nun ,herkunftsunabhängig, zu diesem Aufeinandertreffen kommt,
    warum sollte das nicht schwarmvorbereitend sein ?
    Weiter, warum soll ein Entgegenwirken wie beim CB dann denn nicht schwarmverhindernd wirken?
    So, jetzt ruckel mal schön an den Pfeilern:) .
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Zusammen,

    Sabine schrieb:

    Das CB veräppelt die Bienen, und läßt es nicht zu der geschlossenen Kappe bis zum letztmöglichen Termin kommen, und danach ist es schlicht zu spät.

    So sehe ich das auch, und das ist nach meiner Meinung die große Gemeinsamkeit zwischen CB und vielen anderen betriebstechnischen Eingriffen zum Zwecke der Schwarmtrieblenkung. 
    # Alle Eingriffe im Zuge der Frühjahrs-Erweiterung sind letzten Endes Versuche des Imkers, dem Bien lange genug das Signal zu geben: "Es ist noch nicht so weit, dass wir schwärmen können."
    # Und unsere ergänzenden trennenden Eingriffe (Schröpfen, Ablegerbildung, Schwarmvorwegnahme) sollen vor dem Schwarmabgang überleiten in das Signal: "Wir haben es hinter uns."
     
    Wichtig für uns praktische Imker ist die Frage, ob das 'Checkern' und die anderen Betriebsweisen als Massnahme ausreichen, das angestrebte Ziel Schwarmtrieblenkung zu erreichen.
    Gelingt dies, dann spielt es keine Rolle mehr, wie zutreffend die hinter den jeweiligen Praktiken stehenden Theorien die Wirklichkeit beschreiben.
     

    Michael schrieb:

    Die Bienen stehen in der Raps- oder Akazienvolltracht. Der Brutraum wird durch frisch eingetragenen Nektar okkupiert, die Königin kommt in Legenot. Folge: Schwarmstimmung! Dann hofft jeder Imker auf ein paar Regentage, und siehe da, der Brutraum ist geräumt, der Honig "oben" gedeckelt, die Schwarmstimmung perdu.Ich habe sogar mehrfach erlebt, dass belegte Weiselzellen wieder abgetragen wurden.

    Ich kann Michaels Beobachtungen nur bestätigen (Ich muss lediglich den Begriff 'Akazie' durch 'Wald' ersetzen. :) ).
    Genau so habe ich es immer wieder erlebt:
    # In einer Trachtpause wird der noch nicht verdeckelte Honig aus dem Brutnest geräumt, die Königin legt massig Eier und gleichzeitig laufen Schwarmvorbereitungen.
    # Setzt dann die Tracht erneut und massiv ein, dann tragen manche Völker sogar schlüpfreife Schwarmzellen wieder ab.
    # Reste dieser abgetragenen Schwarmzellen finde ich auch immer wieder mal in Völkern, die definitiv nicht geschwärmt sind.
     
    Mit den bisher präsentierten Theorien zum CB ist dieses Verhalten des Biens nicht zu erklären.
    Vielleicht ist die Rolle der unterschiedlichen Trachtflüsse in Walt Wrights Überlegungen deshalb so wenig eingeflossen, weil er in seiner Region die in unserem Wechselklima auftretenden massiven Schwankungen gar nicht kennt.
     
    Wie auch immer:
    Wenn am Ende das 'Checkern' eine weitere Alternative im Reigen unserer Massnahmen zur Schwarmtrieblenkung wird, dann ist das für mich ein Gewinn.
    Auch dann, wenn aus der 'Urlaubsreise im Mai' mal wieder nichts geworden sein sollte. :wink: 
    Viele Grüße,
    Rudi