Buch über den 'Bien'

  • Hi zusammen


    Wenn ich das richtig sehe hat doch Gerstung den Bien wiederentdeckt und den Begriff neu deffiniert.
    Gibt es irgendwelche Bücher, die davon handeln und diese Geschichte erklährt. Ich würde darüber gerne mehr wissen. Weiß zufällig jemand welche Bücher man da mal lesen kann. Hat dann noch vielleicht auch noch jemand diese Bücher und währe bereit mir das eine oder andere auszuleihen?
    Ich weiß so alte Bücher verleiht man nicht gerne aber ich würd sie auch bestimmt zurückschicken. Versprochen!


    Danke schon mal

    Gruß Otto Übrigens:Wenn man etwas will, findet man Wege! Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe!

  • such mal unter Lothar und Bien.
    er hatte zumindes mal erwaähnt, daß der Bien in alten Gesetzen als Handelseinheit genannt war.


    Gruß
    Jörg

    Konfuzius sprach:
    Worte sollen den Menschen etwas sagen - das ist alles.

  • Hallo Zusammen,
    die Unterscheidung "Bien" und "Imme" ist schon älter als die "Erstbenennung" durch Gerstung.
    Der Begriff ist keine Wortschöpfung durch ihn.
    Er hat ihn allerdings als Bezeichnung für das Bienenvolk als "Einwesen" geprägt.
    Ein Beispiel dafür, das man den Bienenstaat vom Einzelwesen Biene unterschied, ist die Bezeichnung "Bienenzehnt".
    Also die Bezeichnung der Abgaben für die Obrigkeit.
    "Man zahle diesen mit einem Bien, nicht mit einer Imme"
    heißt es sinngemäß in einer Ausführungserklärung darüber.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • ... Wenn ich das richtig sehe hat doch Gerstung den Bien wiederentdeckt und den Begriff neu definiert ...


    Hallo Drollhos,


    die Unterscheidung zwischen dem Einzeltier (die Bina, Biene, Imme) und der Gemeinschaft (der Imbi, Imm, Bien) ist im deutschen Sprachraum nachweislich über 1000 Jahre alt.
    Aber nicht Gerstung sondern Johann Mehring (= Mittelwand-Erfinder) erkannte und definierte als Erster den Bien als eine geschlossene Einheit:
    [quote=Enoch Zander
    Die Zucht der Biene
    6. Aufl., 1944
    Kap. 4, Der Umgang mit Bienen, S. 24
    ]
    ... Erkenntnis von der Einheit des Bienenvolkes,
    der untrennbaren Zusammengehörigkeit aller Volksglieder und ihrer lebensnotwendigen Verbundenheit mit Bau und Beute ...,
    wie es der alte Mehring (1869) uns erstmalig gelehrt hat.
    Der "Bien" alten Sprachgebrauchs ist die gottgewollte Einheit von Bienen, Bau und Beute,
    die Summe der drei großen heiligen B, ...[/quote]
    [quote=Ottomar Dächsel
    Mein Bienenbuch
    Orionbücher Bd. 2, 144 S., o.J. (um 1946)
    Verlag Sebastian Lux, Murnau
    Kap. 2. Der Bien, S.11 - 26
    ]
    Mehring erkannte klar, daß jedes Bienenvolk eine geschlossene Einheit bildet,
    bei der jeder Teil des Ganzen unlösbar mit den anderen Gliedern verknüpft ist
    und ohne diese Einheit seinen Zweck völlig verfehlt.
    ... Hierüber verfaßte er ein sehr gut geschriebenes Schriftchen mit dem Titel
    "Das neue Einwesensystem im Bienenvolk".
    ...
    Ende des vorigen Jahrhunderts [trat] Pfarrer Ferdinand Gerstung ... mit einer andersartigen Auffassung an die Öffentlichkeit,
    für die er zugleich eine sehr lebhafte und geschickte Propaganda entfaltete.
    Wie sehr er von Mehring dabei beeinflußt war, brachte er dadurch zum Ausdruck, daß er Mehrings vergriffenes Büchlein neu drucken ließ.


    Was Mehring als ein System hingestellt hatte,
    betrachtete Gerstung als einen Organismus, so daß seine Lehre kurzweg die organische genannt wurde.[/quote]


    Gerstungs Ansicht vom Bien als ein Organismus lässt sich biologisch nicht halten und ist längst überholt:


    Es bleibt ... das Verdienst des ... Pfarrers Gerstung (1911 u.a.),
    den Grundgedanken von Mehring weiter ausgebaut, in Wort und Schrift dafür geworben zu haben.
    Wenn wir dabei zugleich feststellen, daß Gerstung mit der Stempelung des Biens zu einem Organismus über das Ziel hinausschoß, tut das seinem Verdienst keinen Abbruch.
    Diese Bennenung entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage ...


    [quote=Bert Hölldobler
    in: Thomas D. Seeley
    Honigbienen - Im Mikrokosmos des Bienenstocks
    Birkhäuser Verlag, 368 S., 1997
    Vorwort zur deutschen Ausgabe, Seite 11 f.
    ]
    F. Gerstung schildert in seinem Buch "Der Bien und seine Zucht" (1904) das Bienenvolk als superorganismische Einheit ...
    ... Aus genetischer Sicht ist die Insektenkolonie natürlich kein Organismus,
    denn es handelt sich ja um Individuen, die die Gene in die nächste Generation weitergeben, ...[/quote]


    Zitat

    ... diese Geschichte ... Ich würde darüber gerne mehr wissen. ...

    ... hier eine Kurzfassung dieser Geschichte:
    http://imkerforum.de/showthread.php?t=11385



    NB:
    Google fand mit der Eingabe von
    Dächsel "Mein Bienenbuch" 
    etliche Antiquariate, die das Bändchen ab 5,50 Euro anbieten,
    z.B.
    http://www.amazon.de/gp/offer-listing/B0000BHA08/ref=dp_olp_0/302-5812873-7747221?ie=UTF8&condition=all
    http://www.abebooks.de/servlet/BookDetailsPL?bi=182540242&tab=1&searchurl=kn%3DDrohnen%26ph%3D2%26sortby%3D3
    http://www.buchfreund.de/index.php?a=9157&bnr=1351&s=autor

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Na Frieder was stimmt nu?


    Ist der "Bien" nun schon 1000 Jahre alt, also anno 1007 erwähnt, oder war Mehring 1869 der erste? Wie aber kann das gehen? Oder hat der Mehring 1869 erwähnt, daß er selbst (früheren Lebens natürlich) bereits 1007 sowas schrieb? :daumen: 
     
    Gerstung hat den Bien Organismus genannt, obwohl er selbst mit dem Begriff nicht ganz zufrieden war. Wir haben seit Jahren nach einem anderen Worte, vor allem einem deutschen Worte gesucht, welches das wahre Wesen des Biens eindeutig ausspricht. Bis jetzt haben wir aber keinen Ersatz für "Organismus" finden können.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hi Zusammen
    Danke für die vielen Antworten
    Vor allem dir Frieder für die Mühe die du dir gemacht hast.
    Es ist eben viel leichter danach zu suchen wenn man weiß welche Stichworte man eingeben muß. Ich hatte auch schon gesucht aber nicht das gefunden was mich daran interessiert.


    Ich habe ein buch (die zusammenfassung von Gerstungs Bienenzeitung Jahrgang 1907). In dem wird dieser Dzierzon?? nochmals für sein Verdienst und die Erforschung des Biens gewürdigt und später legt Gerstung dann ein wenig los und beginnt den Bien nach Dzierzon nochmals anders zu beschreiben.
    Allerdings ist das eher eine Entwicklung und nichts Abschließendes. Mich hat das einfach Neugierig gemacht. Hier im Verein gibt es einige Leute, die auch so alte Schwarten haben und man leiht sich eben leichter etwas aus, wenn man weiß wonach man fragen muß.
    Danke soweit mal und jetzt mach ich mich mal an die links
    Schönen Tag noch

    Gruß Otto Übrigens:Wenn man etwas will, findet man Wege! Wenn man etwas nicht will, findet man Gründe!

  • Guten Tag, Frieder!


    Warum ist der Begriff "Organsimus" biologisch nicht haltbar? Seeley betrachtete das aus Sicht der Evolution? Soweit ich mich recht erinnere, hat Tautz die Richtigkeit des Begriffes Organismus in seinem vor kurzem erschienenen Buch bestätigt?


    Alle Eigenschaften eines Organismus lassen sich leicht auf den Bien übertragen. Da sehe ich von biologischer Seite keinen Widerspruch, oder?


    Viele Grüße,


    Bernhard

  • Hallo,


    zunächst eine Vorbemerkung, um zu viele Wiederholungen hier im Forum zu vermeiden:
    nummerierte Zitate [in eckigen Klammern] beziehen sich auf den Thread "Der Bien - ein Superorganismus" http://imkerforum.de/showthread.php?t=11385 
    Dort versuchte ich, für den anfragenden Drohn u.a. Interessierte darzustellen,
    warum man heute dem Bien die Eigenschaften eines Superorganismus zuschreibt.
    (Leider funktionieren einige der dort eingefügten Hyperlinks zu den zitierten Quellen nicht mehr,
    offensichtich eine Folge der inzwischen erfolgten Umstellung des Forums?)


    Warum ist der Begriff "Organsimus" biologisch nicht haltbar?


    Hallo Bernhard,


    hierzu möchte ich Dich bitten, nochmal [Zitat 9 - Zander] und [Zitat 13 - Hölldobler] zu lesen, dort findest Du Begründungen dafür; bei Unklarheiten einfach nochmal nachfragen.


    Zitat

    ... hat Tautz die Richtigkeit des Begriffes Organismus in seinem vor kurzem erschienenen Buch bestätigt?


    jain, es kommt auf die Auslegung an:
    mit den Anmerkungen unter den genannten beiden [Zitaten 9 + 13] wollte ich zeigen, dass die Soziobiologen (und übrigens auch schon Mehring)
    die Eigenschaften des Biens mit den entsprechenden Eigenschaften eines "Organismus" (= einzelnes Lebewesen) vergleichen,
    während Gerstung den Bien gleichsetzt mit einem Organismus.
    Tautz geht in seinem Prolog noch einen Schritt weiter, er vergleicht ihn sogar mit einem Säugetier (z.B. Seite 4, letzter Absatz, besonders das letzte Wort).


    Um es mal ganz besonders krass auszudrücken ;)
    - Soziobiologen (und Mehring) vergleichen:
    Der Bien hat ähnliche Funktionen bzw. entsprechende Fähigkeiten wie eine Milchkuh (= Funktions-Übereinstimmung bzw. Funktions-Ähnlichkeit).
    - Wenn Gerstung den gleichen Schritt wie Tautz gewagt hätte, wäre dabei heraus gekommen:
    Der Bien ist eine Milchkuh (= eine absurde Wesens-Gleichheit).
     

    Zitat

    ... Seeley betrachtete das aus Sicht der Evolution? ...


    ja [Zitat 16 - Hölldobler],
    wie wohl alle Sozio- und Evolutions-Biologen seit über 20 Jahren [Zitat 12 - Wehner]
    und Fettdruck in einigen Zitaten hier: http://imkerforum.de/showpost.php?p=112099&postcount=2.
     
    ***


    Hallo Gerstung-Fans,


    dass Gerstung von Tautz nicht erwähnt wird (wohl aber Mehring), muß Euch doch schwer getroffen haben? :((
    Eine klitzekleine Bemerkung hätte er schon verdient, ich will das wenigstens mit einem Satz nachholen:
    Gerstungs Verdienst für die Geschichte der Bienen-Biologie ist, dass er das Großartige in Mehrings neuer Sicht des Biens erkannt, es ergänzt und weiter verbreitet hat [Zitat 9 - Zander].
    Die Deutung in Form seiner sogn. "organische Lehre" ist dabei nur eine Episode am Rand - leider!
    Gerstungs Bedeutung für die Geschichte der Imkerei wird dadurch natürlich nicht geschmälert.



    Henry ,
    zunächst möchte ich mich für die von mir angestiftete Verwirrung bei Dir entschuldigen.

    Ist der "Bien" nun schon 1000 Jahre alt, also anno 1007 erwähnt, ...


    ... wo hast Du denn dieses präzise Erscheinungsjahr des Lorscher Bienensegens her?
    meine Quellen sind da nicht so genau :(
    Wahrscheinlich ist der "Bien" noch um einige Jährchen älter als diese erste schriftliche Fassung.
    Jedenfalls existierte er seitdem durch das ganze Mittelalter hindurch bis Heute; z.B.
    - bei der Obrigkeit, s.o. im Beitrag von Lothar http://imkerforum.de/showpost.php?p=117350&postcount=3
    - bei den "Altvorderen" [Zitat 2 - Muscinus]


    Zitat

    ... oder war Mehring 1869 der erste? Wie aber kann das gehen? ...


    ... die Antwort dazu findest Du vielleicht in den Zitaten von Zander und Dächsel über Mehring hier oben: http://imkerforum.de/showpost.php?p=117361&postcount=4


    Zitat

    ... Bis jetzt haben wir aber keinen Ersatz für "Organismus" finden können ...


    In der Insektenkunde gibt es dafür seit 1911 den Begriff "Superorganismus" [Zitat 12 - Wehner],
    damals geprägt, weil zum Bien viele einzelne (echte) Organismen gehören [Zitat 14 - Hölldobler].
    Das deutsche Wort ist und bleibt "der Bien", allerdings nach ca. 1980 mit einem neuen Inhalt.


    Und hier noch etwas zur "Rang-Erhöhung" des Biens durch Mehring:


    Das Bienenvolk sei ein "Einwesen"; es entspreche einem Wirbeltier


    Vor Mehring stand der "Bien" auf dem Niveau einer (Schaf-)Herde.


    Na Henry, stimmt's nu? http://imkerforum.de/showpost.php?p=117363&postcount=5

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)