Sammelwut nach Entweiselung?

  • Hallo, Experten,
     
    ich habe mein Waagstockvolk (das gleichzeitig mein stärkstes ist) Dienstag letzter Woche (17.4.) entweiselt, da 2 x Wächterbienen verfolgt haben und das Volk für die Wohngebietslage und Kinder in der Umgebung damit m. E. zu aggressiv ist. Freitag soll die neue Königin rein. Dann kamen die kühlen Tage, die Gewichtsänderungen ging zwischen -800 und +1100 hin und her. Gestern dann der erste wieder richtig warme Tag. Abends auf die Waage geguckt: +6.800g :eek: Ich war ziemlich baff; der letzte ähnliche Tag zur Wildkirschblüte hatte +3.800g gebracht; inzwischen ist die Wildkirsche durch, im Tal blühen v. a. Traubenkirschen, der Weißdorn fängt auch an. Und dann sind da noch die Sammlerinnen mit den mysteriösen gelben Punkten auf der Stirn (siehe anderen Thread)... Das nächste und einzige Rapsfeld ist deutlich über 1 km weg.
     
    Legen entweiselte Völker üblicherweise so einen Leistungsschub ein, wenn die Ammenbienen nicht mehr durch Brut gebunden sind? Oder ist das einfach unsere Ardeygebirgs-Knüllertracht?
     
    Neugierige Grüße, Johannes

  • Moin Johannes,

    ... Das nächste und einzige Rapsfeld ist deutlich über 1 km weg.

    Na und? Haste Kurzstreckenbienen? :roll: 1km zum Raps ist wie Starten - Reiseflughöhe erreichen - Zielgebiet anfliegen - Sammelflug einleiten - Cockpit-Signal für "Tank Voll" abwarten - Blinken der Anzeige ignorieren - Weitersammeln - Cockpit-Warnton für Überladung ingorieren - Weitersammeln - Lichthupe der andern Bienen wegen zu tiefen Fluges ignorieren - Weitersammeln - per Funk Rückflugbefehl erhalten - Rückflug mißmutig einleiten - heimlich weitersammeln und in Kniehöhe zurückfliegen - Aufs Flugbrett knallen, daß die Beute wackelt und mit dem Fahrwerk den Fluglochboden flügen (daher Flugbrett) - Beifall entgegennehmen und dabei entladen. Motor nicht erst abstellen!


    Mission 17 accomplished But: Nach dem Trachtflug ist vor dem Trachtflug! :Biene: Cause: This is a Raps- campaign. Yeah! Let's bestäub' them.


    Zitat

    Legen entweiselte Völker üblicherweise so einen Leistungsschub ein,

    Ich habe das auch oft beobachtet. Starke Weisellose sammeln wie blöde. Schwache dagegen geben sich manchmal völlig auf. Besonders dann, wenn sie überhaupt keine Brut mehr haben.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Johannes !


    Ja, das ist schon so, wie Du denkst und der Leistungsschub wird erst noch richtig einsetzten, nämlich dann, wenn in Deinem entweiselten Volk ALLE Brut ausgelaufen ist...
    Ich nutze das als Betriebsweise und Schwarmverhinderung, z.B. vor Wanderungen in eine lohnende Tracht: Einige Tage Vorher Königin raus und Du erlebst in der Tracht eine immense Leistungssteigerung....
    Nebeneffekt: da Dein Volk einige Wochen brutfrei ist bleibt auch die Varroa niedrig. Nachteil: Später verringerte Volksstärke, so das man Spätttrachten schlechter nutzen kann! Aber wo Spättrachten sowieso nicht angewandert werden können eine durchaus akzeptable Betriebsweise!

  • Hallo Zusammen,
    mein - weiselrichtiges - Waagvolk hat heute auch 7,1 kg Zunahmen verzeichnet, das ist nicht ungewöhnlich. Die grösste Zunahme habe ich mal im Raps mit 11,5 kg an einem Tag gemessen.
    Eine Entfernung von einem Kilometer ist dafür absolut kein Hindernis.
    Mein Waagvolk steht auf meinem Hausstand in einem engen Waldtal. Um an Rapsfelder zu kommen, müssen die Bienen immer über große Waldflächen oder talaufwärts fliegen, immer 800 m bis 2000 m Luftlinie und mehr als 50 Höhenmeter. Trotzdem kann ich auch auf diesem Stand immer auf eine gute Frühtrachternte bauen.


    Die Entfernung hat für mich sogar noch einen wichtigen Vorteil:
    Laut einer Untersuchung des Bieneninstituts in Kirchhain sinken die PSM-Rückstände aus dem Raps drastisch, wenn die Völker entfernt vom Feld aufgestellt werden (so ab 500 m).
    Wahrscheinlich deshalb, weil die Aufnahme über den morgendlichen Tau entfällt. Dies scheint eine größere Gefahr zu sein als die Aufnahme über den Nektar.
    Für diesen Vorteil verzichte ich gerne auf das eine oder andere Kilogramm.


    Wenn es den überhaupt dazu kommt:
    Es gibt ja angeblich auch Untersuchungen, nach denen eine Aufstellung entfernt vom Feld mehr Ertrag bringt als die Aufstellung direkt im Feld. Vielleicht deshalb, weil die Alarmierung über den Schwänzeltanz effektiver ist als die Alarmierung per Rundtanz?
    Ich jedenfalls stelle schon seit vielen Jahren nicht mehr direkt am Raps auf umd ernte trotzdem genug aus der Frühtracht.
    Viele Grüße,
    Rudi


  • Die Entfernung hat für mich sogar noch einen wichtigen Vorteil:
    Laut einer Untersuchung des Bieneninstituts in Kirchhain sinken die PSM-Rückstände aus dem Raps drastisch, wenn die Völker entfernt vom Feld aufgestellt werden (so ab 500 m).
    Wahrscheinlich deshalb, weil die Aufnahme über den morgendlichen Tau entfällt. Dies scheint eine größere Gefahr zu sein als die Aufnahme über den Nektar.


    Hallo Rudi,


    bist Du Dir dabei sicher, dass das Kriterium der morgendliche Tau sei? Oder ist es vielmehr das Ergebnis einer Absorption...?


    Gruß
    Manne

  • Guten Tag, Manne!


    Die Antwort dazu steht schon in der Beschreibung: es scheint so zu sein. Also eine Auslegung einer Beobachtung ohne wissentschaftliche Grundlage.


    Wer sich mit wissenschaftlichen Experimenten auskennt, weiß, daß die Vermutungen, die am Ende der Arbeit gestellt werden, eigentlich die Vermutung ist, mit der man die Untersuchung begonnen hat.


    Damit man neutral und möglichst wissenschaftlich ausschaut, kommen erst die Daten, dann die Vermutung. So ist das allem Anschein nach auch hier.


    Neben Absorption können auch die schlicht stärker vermischte Nektarquellen Ursache sein.


    Die Aussagen der Institute werden immer wilder. Veröffentlichen die Forscher dort eigentlich ihre Rohdaten? Die würden mich mal interessieren.


    Bernhard

  • Hallo Zusammen, hallo Manne.

    Manne schrieb:

    bist Du Dir dabei sicher, dass das Kriterium der morgendliche Tau sei? Oder ist es vielmehr das Ergebnis einer Absorption...?

    Nein, ich bin natürlich nicht sicher, ob meine ganz private Schlussfolgerung aus den Kirchhainer Versuchsergebnissen der Wirklichkeit entspricht. Aber es spricht halt viel dafür. :)
    Absorption ist sicher eine Quelle für die Rückstandsbelastung der Honige, wie sollte das anders sein. Aber davon wären alle Völker im Flugkreis gleichmäßig betroffen.
    Anders bei der Wasseraufnahme:
    Wenn die Völker direkt am Feld ihren morgendlichen Wasserbedarf in der näheren Umgebung decken, dann haben sie beste Chancen, nach einem vorausgegangenen Spritzgang die volle Dröhnung zu erhalten.
    Mit zunehmender Entfernung zum Feld wächst demgegenüber die Wahrscheinlichkeit für unbelastetes Wasser.
    Im angesprochenen Versuch zeigte sich, dass die Völker unmittelbar am gespritzten Feld deutlich stärker belastet waren. In ca. 300 m Entfernung nur noch 2/3 bzw 1/2 der Belastung, in ca. 1000 m Entfernung nur noch weniger als zehn Prozent.
    In allen Honigproben betrug der Rapsanteil übrigens mehr als 90 Prozent.
    Mir scheint der Versuch von den Kirchhainern ganz pfiffig angelegt zu sein. Ich halte die Ergebnisse für plausibel.
    Wen's interessiert: Der Versuch wurde in Die Biene/ADIZ/Imkerfreund 05/2003, Seite 6+7 veröffentlicht.
     
    Bernhard :
    Suchst Du wieder einen Sparringspartner für Deine Debattierübungen?
    Nimm einen anderen, ich will nicht.
    Das wahre Imkerleben ist doch schon spannend genug in diesen Tagen... :)
    Viele Grüße,
    Rudi