Wohin denn nur mit den Schwärmen??

  • Sucht nicht vielleicht ein Berliner Anfänger nen Schwarm - gerade eben ist einer bei mir abgedüst. Habe ihn mit Schwarmlockmittel runtergelockt und jetzt hockt er an dem Zaun. Werde ihn auch irgendwie noch eintüten aber ich brauche ihn einfach nicht - habe weder Platz noch Gerät um meine Völkerzahl zu vergrößern; geht einfach nicht. Gibt es irgendwo ein Börsenplatz um Schwärme zu handeln ;-)) ?


    Melanie

  • Hallo Hymenoptera!


    Mach es doch so wie ich. Da ich auch mit meinen vorhandenen Völkern genug habe, gehe ich bei einem anfallenden Schwarm so vor:


    Schwarm nach dem Einfangen kühl und dunkel verwahren. Am Abend oder in den nächsten Tagen (dann aber Lüftungsgitter häufig mit Wasser zum Trinken besprühen), Zarge mit Mittelwänden, 1-2 Brutwaben (aus einem beliebigen Volk, auch aus dem Restvolk stammend) und ausgebauter Wabe füllen. Restvolk vom Bodenbrett komplett absetzen.
    Schwarmzarge nun auf dessen Bodenbrett, Fliegengitter darüber, dann Honigraum des Restvolkes darüber. Nach dem Honigraum folgt das Absperrgitter und die übrigen Zargen des Restvolkes. Beim Restvolk wurden selbstredend zuvor alle Weiselzellen entfernt. Zuletzt dann der Deckel. Hier hinein gehört ein Flugloch für das Restvolk!
    Jetzt schüttet man den Schwarm vor der Beute aus. Er zieht komplett in die Beute ein!


    Nachdem die Mittelwände ausgebaut sind, erhält der Schwarm den Honigraum zurück. Das Absperrgitter kommt dazwischen, das Fliegengitter jedoch jetzt zwischen Honigraum und Restvolk! Später (4 Wochen danach) vereinigt man Schwarm mit Restvolk!


    Grüße von Kalle


    PS: Das habe ich vor 2 Jahren mit Erfolg praktiziert und werde es bei Bedarf jederzeit wiederholen!
    Bei mir ging es damals sogar noch leichter! Da ich den Scharm direkt in eine Leerzarge geschlagen hatte, brauchte ich diesen abends nur mit den besagten Brutwaben, Waben und Mittelwänden zu füllen und unterzusetzen!

  • Hi, Melanie,
    ich würde unbedingt den Bautrieb des Schwarm ausnutzen, und ihn in eine Zarge mit Leerrähmchen setzen.
    Du kannst ihn hinterher, wenn er stabil ist, ja mit einem Ableger vereinigen. Ansonsten ruf doch mal beim Verein an, oder bei www.imkerverband-berlin.de , wer Anfängerkurse hat, kann auch Schwärme brauchen...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • So gehts,


    gestern noch theoretisiert, heute war es dann so weit. Ein Volk schwärmte!
    Nachdem sie meiner Frau (die hatte es zuerst entdeckt), mir und den Nachbarn ein respektables Schauspiel am Himmel geboten hatten und plötzlich wieder alles still war, stellte ich fest, dass Bienen in Scharen am Einflugbrett vor der Beute am Sterzeln waren. Das hatte ich schon letztes Jahr beim gleichen Volk mit der gleichen Königin erlebt!
    Wie letztes Mal, durfte sie nicht weit gekommen sein. Da die Königin von meinem Verkäufer einen Flügel gestutzt bekommen hatte, war - für die Bienen - außer Spesen nichts gewesen!
    Ich schaute mich in weiterer und näherer Entfernung nach Auffälligkeiten um. Und siehe da, keine 2 Meter vom Flugloch entfernt gewahrte ich 3, 4 Bienen im Gras. Mehr nicht!
    Inmitten des kleinen Knäuels gewahrte ich eine mit blauem Punkt. Mein Ausreißerle vom letzten Jahr!


    Es war übrigens das Volk, das ich im März geschröpft hatte (siehe meinen Bericht dort!). Das war also für die Katz!
    Nun, die Bienen und ihre Mutter habe ich wieder!
    Die Königin habe ich in einen Zusetztkäfig gegeben. In eine Zarge packte ich ein leeres Rähmchen, 4 Mittelwandwaben und füllte den Rest mit ausgebauten Waben auf.
    Darauf kamen dann - wie oben beschrieben - der Honigraum, Fliegengitter und die 2 Zargen des Restvolkes mit Flugloch im Deckel!
    Die 2. Honigzarge, fast schleuderreif, setzte ich mitsamt den anhaftenden Bienen über durchlöchertes Zeitungspapier kurzerhand dem Nachbarvolk auf. Mögen die den Honig zur Reife bringen und fertig verdeckeln!
    Grüße von Kalle

  • Danke für die ganzen Tipps. Inzwischen hat sich sogar ein Forenmitglied gemeldet der den Schwarm haben möchte - prima.


    Allerdings ist das alles etwas merkwürdig. Habe einen Teil des Schwarmes sehr gut und schnell auf die Wabe mit der offenen Brut gelockt und diese dann in einen Ablegerkasten gehängt. Der Kasten füllt sich dann auch recht zügig....allerdings sitzt noch immer ein großer Trupp draußen, rund 10 cm entfernt und bewegt sich nicht.


    Ich mutmaße: Kann es sein, daß ein Teil des Schwarmes der offenen Brut folgt und ein anderer der Königin?


    Die haben wir nämlich bisher einfach noch nicht gefunden...


    Melanie

  • Der Blick heute morgen in die Kiste - tatsächlich werden Weiselnäpfchen angelegt; der Schwarm wurde also geteilt...in die Brutlustigen und die Königintreuen. Die Königintreuen hängen mit der Madam indessen so ungünstig zwischen den Steinen, daß es dafür wohl nen Staubsauger bräuchte um sie zu erwischen. Echt vertrackt; wusste nicht, daß man so auch einen Schwarm "schröpfen" kann...


    Aber haben tue ich sie eben immer noch nicht...


    Melanie

  • Als Empfänger des "Schwarmablegers" nochmal vielen Dank an Melanie (Spende an NABU Berlin FG Hymenoptera ist überwiesen) und die Forumsbetreiber.


    Leider hat sich hier noch niemand mit Erfahrungen beteiligt. Ich habe folgende Theorie: Eine offene Brutwabe hilft vielleicht, pflichtbewußte Bienen aus dem Schwarm zurückzuholen. Die Königin aber hat gerade eine ganze Kiste Brut hinter sich gelassen, warum sollte sie wegen einer Brutwabe plötzlich in eine Kiste kriechen? - Hat hier jemand mit der Brutwaben-Schwarmfanghilfe andere Erfahrungen gemacht, oder handelt es sich um eine "urban bee legend"?

    "Das Hobby sollte auch Spaß machen." Dr. G. Liebig (S. 41)

  • Hi, F.I. (könnte auch Finanzielle Interessen heißen...:wink:),
    nein, kein "urban myth", ich hab selbst schon mit Waben mit offener Brut welche aus den Bäumen rausgeredet, sozusagen.
    Da hat Mama irgendwann kein Mtspracherecht mehr, wenn der Konsens "okay, nehmen wir" lautet.
    Der Schwarm WILL bauen und pflegen, bedenke, wie viele Jungbienen dabei sind, und offene Brut heißt mehr oder weniger, ob Mama mitkommt, ist egal, zur Not machen wir eine Neue....
    Es ist tatsächlich ein Trick, der funktioniert.
    Und er erklärt, warum auch gerne mal frische Ableger mit wenig Personal, aber frischer Brut "übernommen" werden.
    Im weitesten Sinn bedeutet es, hey, wir haben ein Zuhause mit eingebauter Resevebank...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Hallo Kalle,
    warum setzt du nicht den Schwarm mit der Beute auf das Bodenbrett, sondern schüttest diese vor die Beute, damit diese einziehen müssen?