Naturwabenbau und Anfangsstreifen

  • Hallo,
    viele von euch haben sicher schon ihre Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen von Anfangsstreifen gemacht. Von diesen möchte ich gern profitieren. :wink: 
    Hintergrund: Ich möchte jetzt vermehrt die Bienchen ihre Waben selbst bauen lassen. Sie richten sich´s am besten selbst so ein, wie sie es brauchen. Egal ob Lager oder Tanzboden, ich will es sehen! :cool: 
    Damit es aber nicht Kreuz und der Quer geht und der Imker trotzdem hin und wieder gezielt einen Blick in´s Innere werfen kann, braucht es natürlich eine Bauvorgabe. Da ich auch nicht auf herkömmliche Rähmchen verzichten möchte, also einen Anfangsstreifen.
    Ich habe mittlerweile viele Bilder gesehen, mit den unterschiedlichst geformten Anfangsstreifen, aber was ist zu empfehlen? Die schmalen, durchgängig am OT angebrachten, oder die dreieckig zur Mitte des Rähmchen zulaufenden? Die diagonal geschnittenen oder das hochkant angebrachte Rechteckstück in der Mitte des OT?
    Spielt es überhaupt eine Rolle? Wer hat Erfahrungen und will sie mir mitteilen? :lol:


    Gruß
    Ralph

  • Moin, moin, Ralph,
    eine hauchdünne Wachslinie als Anfang reicht vollkommen, das sehe ich in meinen HR.
    Wo Wachs ist, wird auch Wachs hinzugefügt....
    Beruhigender für den Imker sind allerdings größere Stückchen oder Streifen...:lol:


    Was sehr wichtig ist, ist stabile Drahtung bei Ganzwaben, bei halbhohen kann man problemlos darauf verzichten.
    Der 0,5er Edelstahldraht, egal ob längs oder quer, wirkt bei wirklich schweren Waben, sobald sie bewegt werden, eher schneidend; nach meiner Erfahrung ist der nur gut, wenn er mitten in der dicken Mittelwand liegt.
    Ich bin mittlerweile komplett auf 1,3mm Steckdrähte umgestiegen, da reißt nur noch bei richtig harten Schlägen was ab, außerdem geht es schneller zu drahten und auch zu entdrahten :wink:


    Ich hab alles durch zwischen eben dünner Linie und bis zu halben MWs, gerade oder schräg geschnitten; am allerschönsten werden die mit Wachslinie und aus KS.
    Die merkwürdigsten ergaben sich aus hohem MW-Anteil und Ablegern, da kam es zu viel Drohnenbau, der sich im nachhinein als Speicherzellen herausstellte, aber am falschen Ort, nämlich mitten im Brutnest oder unten an den Waben, was mich zu der endgültigen Überzeugung brachte, daß Ableger verwirrt sind.:wink:


    Mein ganz persönliches Fazit daraus: wer Naturbau sagt, muß auch Kunstschwarm sagen.:wink:


    edit: zwischendurch reingucken und gekurvte oder verbeulte rausschneiden mußt du aber trotzdem.
    Und vor allem muß die Beute absolut in Waage stehen, sonst zeigen sie dir, wie präzise sie senkrecht bauen, egal wie die Beute steht, und du kriegst u.U: keine einzige Wabe unbeschädigt raus...

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ...
    Wo Wachs ist, wird auch Wachs hinzugefügt....
    Beruhigender für den Imker sind allerdings größere Stückchen oder Streifen...:lol:


    Das kann ich nur bestätigen. Mir ist letztes Jahr der Anfangsstreifen im Baurahmen in einem Vlk runtergerutscht. Von unten hatten sie nicht angefangen zu bauen. Da ich zu faul war einen neuen Streifen einzuhängen, habe ich einfach ein wenig Wachs platt an den Oberträger gequetscht. Was soll ich sagen, dies bisschen hat schon gereicht, dass sie angefangen haben den Rahmen auszubauen.





    Und vor allem muß die Beute absolut in Waage stehen, sonst zeigen sie dir, wie präzise sie senkrecht bauen, egal wie die Beute steht, und du kriegst u.U: keine einzige Wabe unbeschädigt raus...


    Ich glaube es liegt nicht an den Bienen, dass sie genau Senkrecht bauen, sondern an der Schwerkraft.
    Sie fangen oben an und umso größer die Wabe wird, umso "labriger" wird sie, bis sie am unteren Träger wieder festgemacht wird. Sollte die Kiste allerdings schief stehen, dann hängt die Wabe einfach senkrecht runter und sie kommen nicht am unteren Träger an.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Zitat

    hängt die Wabe einfach senkrecht runter und sie kommen nicht am unteren Träger an.


    Das meine ich doch, u.U. wird diese Wabe dann am nächsten UT seitlich festgemacht, und die nächste, etc., und schon kriegst du nix mehr davon heile raus...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,
    mit dem Beuten in Waage stellen ist mir schon klar! :wink: 
    Ich hab mich jetzt für 2 cm hohe Anfangstreifen am OT entschieden. Jetzt muß ich nur noch entscheiden, zu welchem Zeitpunkt ich die Rähmchen mit Anfangsstreifen gebe.


    Gruß
    Ralph

  • Hallo, Ralph,
    ich habe festgestellt, daß sie nur dann wirklich gut damit klarkommen, wenn sie sozusagen eine "Einheit" bauen können, deswegen ja mein Verweis auf KS.
    In ganzen Völkern oder Ablegern geht das nicht so toll.
    Im Vollvolk einzelne Rähmchen - so lala, in freier Wildbahn reißt selten mal ne Wabe ab, aber passiert schon mal, daß neu gebaut werden muß.
    Bei Ablegern - die sind verwirrt und haben keinen echten Plan und bauen irgendwie sehr unstrukturiert.
    Siehst du aber ja dann selber...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Alles im Lot?


    Also, wichtig ist nicht nur, daß die Beute in der Waage steht, sondern insbesondere, daß die Rähmchen im Lot hängen - denn die Bienen bauen ihre Waben lotrecht.


    Mit den Anfangsstreifen aus Mittelwand ist zu beachten, daß sich die Bautraube daran aufhängen wird und gleichzeitig viel Wärme erzeugt - dabei können sich Teile des Anfangsstreifen oder dieser im ganzen lösen, was in der Folge zu Wirrbau führt.


    Bewährt haben sich sehr kleine Mittelwanddreiecke, die am Oberträger mit Wachs angegossen bzw. in der Nut für die Mittelwand festgesteckt sein sollten; außerdem von mindestens einem Draht gehalten werden sollten.
    Mittelwanddreiecke in der Mitte des Oberträgers bringen die Bienen dazu, daß sie die Wabe zentral in einem Stück zu bauen beginnen und nicht in mehreren Zungen.


    Zu guter letzt ist Sabine zuzustimmen, am besten bauen Schwärme oder aus der Schwarmstimmung vorweggenommene Schwärme.


    Viel Erfolg


    Michael Weiler

    „Der Mensch hat das Vermögen, sich den Naturgesetzen nicht zu fügen. Ob es Recht oder Unrecht ist, von diesem Vermögen Gebrauch zu machen: das ist der wichtigste, aber auch der unaufgeklärteste Punkt unserer Moral.“
    Maurice Maeterlinck „Das Leben der Bienen“, Jena 1906, 4. Auflage, S. 21

  • Danke Michael, für den wichtigen Hinweis. Ich habe meine Streifen eher "geheftet".
    Bei den 2/3 Waben geht es vielleicht, weil gleich der erste Draht mit eingebaut werden kann.


    Meine Dadanträhmchen, die ich mit den vorweggenommenen oder echten Schwärmen besiedeln will, werde ich mit kleinen Mittelwanddreiecken bestücken.


    Viele Grüße
    Ralph

  • Ralph :
    ich hab bei meinen Rähmchen die Oberträger falschrum montiert und damit die Rille innen.
    Wachsstreifen (sind bei mir nur 1cm) mittig auf die Rille legen, mit nem kleinen Lötkolben knapp rechts an der Rille längs, Streifen hochklappen und festhalten, bis kalt. Voila!
    MW-Stücke ähnlich, wenn man so 3-4mm schmilzt, läuft das Wachs in die Rille und man drückt das Stück da rein und es sitzt fest.
    Ich mache allerdings wegen der Drähte 4 Stücke dazwischen und sie nicht an den Drähten fest, bislang ging das sehr gut so.
    (und sie haben überall Durchschlupflöcher offengelassen...:-D auch Bienen lieben Abkürzungen)


    edit: die Wachsstreifen mache ich übrigens mit der Nudelmaschine...ganz schmale Tagliatelle

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Wichtig ist auch noch, die "Leitlinie" über die gesamte Länge des Oberträgers zu führen. Anderenfalls kann es zügig um die Kurve zum nächsten Rähmchen gehen. Kurze Lücken zwischen den MW-Stücken werden dagegen sauber verbunden.
    Komplette Streifen über die gesamte Länge werden vom Imker oft nur an einigen Stellen geheftet. Die Bienen vertrauen auf einen festen Sitz des Streifens - und Schwupp liegt alles unten.


    Grüße, Thomas


    edit: @ Ralph: Bei uns liegt die Rille schon richtig innen.

  • Ergänzung:
     
    durch die Rudisierung meiner Betriebsweise merke ich, daß der mit Abstand beste Anfangsstreifen ein schmaler Wabenstreifen am Oberträger (nach dem Ausschneiden) ist. So akkurat haben sie noch nie Naturbauwaben gebaut bei mir.

  • Hallo zusammen,
    arbeite schon seit vielen Jahren wegen der Wachsbelastung mit Naturbau, allerdings ohne Anfangsstreifen. Dafür tackee ich an den Rähmchenoberträger eine Dreikantleiste, die ich mit flüssigem Wachs einpinsele. Daran bauen die Bienen sehr schön.

  • Chefdrohn : schlägst du auch Schwärme auf dieses Konstrukt?
    Bei uns haben da einige Schwärme nach einiger Zeit Ihre "Mittelwand" immer mehr verschoben.
     
    Verschiedene Zellaufgaben bewirken verschiedene "Mittelwandabstände".
     
    Anfangsstreifen sehen bei mir aus wie "Mäusefraß":daumen: :daumen: 
     
    Der
    Drohn