Heißluftentdeckeln und nicht tangential schleudern

  • Hallo, Henry und wer immer es weiß,
     
    Beim Heißluftentdeckeln bleibt ja auf der Wabe an den Zellrändern so eine "Tropfenschicht", die beim tangentialen Schleudern keine Probleme macht. Wie ist das bei Schleudern, bei denen die Fliehkraft nicht parallel zur Zellrichtung wirkt (Radialschleudern, Radschleuder); ich könnte mir vorstellen, daß man durch diese "Staudämmchen" die Wabe nicht so leer bekommt wie eine mit der Gabel entdeckelte.
     
    Stimmt das?

  • Moin Johannes,

    ... ich könnte mir vorstellen, daß man durch diese "Staudämmchen" die Wabe nicht so leer bekommt wie eine mit der Gabel entdeckelte.

    ich kann das nicht bestätigen. Ich haben nun schon mit vielen Methoden entdeckelt und mit vielen Schleudern geschleudert aber die Heißluftentdeckelung hinterläßt die saubersten und trockensten Waben und ich glaube auch zu wissen warum.


    "Nichts leichter als das - Komm' mit!":wink: 
    Für das Ablösen eines Honigtropfens von der Wabenfläche bedarf es einer kritischen Masse. Feuchte Flächen geben keine Honigtropfen mehr ab und kleine Tropfen und Tröpfchen erreichen diese kritische Masse nicht.


    Beim Entdeckeln mit der Maschine und der Schlagmesserwalze werden die Zellen samt Deckel voll budrahl abgedroschen und so alle auf eine Höhe gebracht. Die Waben sehen hinterher aus wie aus dem Bilderbuch und der Honig(-tropfen) kann beim Radschleudern von Zelle zu Zelle fließen und schließlich so groß werden, dasser abfliegt. Leider zerkloppt das Entdeckelungsgerüttel manchmal die MW und löst die Verbindung Draht-Wachs und es gibt viele Wachsteilchen im Schleuder- und natürlich noch mehr im Tropfhonig.
     
    Beim Gabelentdeckeln entstehen Fransen und Riefen in der Wabe und zwar in Flußrichtung des Honigs. Der Nachteil der vergrößerten Oberfläche und der längeren Kanten gleicht sich damit nahezu wieder aus, aber die Waben sind nicht so schön (obwohl sie sehr schnell wieder repariert werden) und das Endeckeln dauert relativ lange. (Die Waben müssen auch unbedingt repariert werden ehe sie wieder bestiftet werden können. Es dauert also bis eine Königin in einen LeerW-Block legt, wenn dieser mit der Gabel entdeckelt wurde.


    Beim Heißluftentdeckeln fliegen die Zelldeckel weg oder bilden die erwähnten Schmelztropfen oder -wülste. Damit ist die Oberfläche der Zellränder sehr glatt und der Übergang zur in Fliehkraftrichtung nächsten Zelle geradezu optimal. Der Honig fließt also in den oberen Zellenwinkel und dann von Zellenrand zu Zellenrand bis an den Oberträger und dann ab und in die Schleuder und von dort noch sonstwo hin. Der Honig in der vermuteten Kehle, die sich hinter dem Wachswulst im Zellenwinkel ergibt oder ergäbe, wird vom vorbeieilenden Honig einfach mit weggesaugt. Die fransenfreie Wabenoberfläche wird trockener als beim Gabelentdeckeln und sie ist vor allem wesentlich kleiner. Da die MW beim Entdeckeln nicht belastet wird ist das Heißluftentdeckeln für die Radschleuder ganz hervorragend geeignet.
    (Man darf aber die vermutete Honigqualitästbeeinträchtigung und die anschließenden Luftzellen nicht vergessen. Dafür können solche Waben sofort wieder ins Brutnest und weil da praktisch kein Wachs fehlt, werden sie sofort bestiftet.)


    "... und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause".

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Wie genau geht denn das mit der Heißluft? Mich nervt das Entdeckeln mit der Gabel reichlich, da wäre eine andere MEthode gerade recht :-D

  • Das geht extrem einfach!
     
    Du brauchst allerdings unbebrütete Waben (was sonst), weil bei bebrüteten funktioniert es nicht. Weiterhin brauchst du einen Industrieföhn, der zum Haaretrocknen reicht nicht aus. Es tuts allerdings auch ein billiger, ich habe mir mal einen bei Tschibo gekauft, der verrichtet seinen Dienst bis zum heutigen Tag.
     
    Dann gehts los: Wabe in die eine Hand auf einer Ecke aufstellen und mit dem Föhn drüber fahre, immer schön in Bahnen. Dann drehen, deshalb auf der Ecke aufstellen, und das gleiche auf der anderen Seite. Am Schluss noch die paar wenigen Stellen wo es nicht funktioniert hat, weil die Zellen gedrückt waren, mit der Gabel entdeckeln und fertig.
     
    Funktioniert super, wer's einmal gemacht hat, der machts immer wieder!
     
    Gruß
    Werner