vorsorglich Zwischenboden

  • Hallo,
    ich habe hier jetzt schon öfters vom Zwischenboden zur Schwarmverhinderung gelesen. Dabei wurde der Zwischenboden dann eingelegt, wenn ein Volk in Schwarstimmung kam.
    Kann man einen Zwischenboden auch vorsorglich einsetzten. Also End April bei allen Völkern eine Zwischenboden rein, damit überhaupt keine Schwarmstimmung aufkommt? Dann hat man auch automatisch ein Jungvolk für jedes Wirtschaftsvolk und kann so seinen Bestand halten.
    Oder ist es so, dass der Zwischenboden effekt dann nach einer Woche wieder weg ist und die Schwarmstimmung nur verzögert wird?
    Was spricht für oder gegen diese Methode?
    MfG jeffrey

  • Moin,


    Du mußt ja regelrecht Angst vor einem Schwarme haben, so wie Du das unbedingt verhindern willst. :roll:


    Ganz prinzipiell mußt Du mal verstehen, daß die Zwischenbodenanwendung eine Kombination aus weisellosem Flugling zur Nachschaffung und eines flugbienenfreien Volkes, zwecks Schwarmvermeidung ist. Und das Ganze am selben Ort und deshalb leicht rückvereinigbar. Diese Möglichkeit die beiden Volksteile problemlos zurückzuvereinigen kennzeichnet den Zwischenbodenanbleger. Da - und nur da - liegt sein entscheidender Vorteil. Nachteile hat er viele, unter anderm der große Aufwand, das ungünstige Bienengemisch, die Anforderungen ans Wetter ect.


    Wenn es also ohnehin angestrebt ist, Jungvölker zu bilden, mit Schwarm- oder Nachschaffungsköniginnen, warum dann nicht konsequent? Also Königinnenableger mitten in der Rapstracht und Nachschaffung aus Naturschwarmzellen. Dann bestimmst Du, wieviele Bienen und wieviel Brut dem Muttervolk entnommen werden und Du bestimmst, wann Deine Maßnahme greift und nicht das Wetter.


    Vorsorglich Zwischenbodenableger zu bilden bedeutete einem Volk im Aufwärtstrend, die Flugbienen zu nehmen und das Bienengemisch völlig zu zerstören und das auch bei Völkern, die vielleicht nie schwarmtriebig würden. Der Zwischenboden ist eine Maßnahme, wenn sich Schwarmstimmung bereits in bestifteten Zellen manifestiert und man gerade keine Ableger bilden will, weil man später noch starke Völker braucht. Die Honigqualität in der unteren HR-Zarge ist ungünstig und alles was oben eingetragen wird landet im Brutraum. Keine schöne Situation für Raps.:wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,
    danke für die Antwort. Warum ist der Honig schlechter? Das mit dem oben eingetragenen Honig im Brutraum leuchtet ein und ist eher schlecht. Und dass die Bienenmischung gestört wird auch, das ist ja auch der Sinn des Zwischenbodens.
    Die viele Arbeit kann ich nicht erkennen, sie besteht doch nur daraus die oberste Zarge nach unten zu tun und einen Zwischenboden einzulegen. Beim Könniginnenableger muss man erst die Königin suchen, was aufwändiger ist.
    Außerdem kann man wenn man keine Ableger benötigt einfach wieder zurückvereinigen.
    Der Hintergrund der Frage ob man das im Vorraus machen kann ist der, dass dann ja keine regelmäßige Schwarmkontrolle mehr nötig ist, und man flexibler ist.
    MfG jeffrey

  • Moin,

    Warum ist der Honig schlechter?

    1. Honig braucht zur Trocknung Wärme. Wärme entsteht im Brutnest und steigt nach oben. Das Brutnest ist aber beim Zwischenbodenableger oben, der Honig unten.
    2. Honig soll oft umgetragen, bzw weitergegeben werden. (Enzymanreicherung ect.) Das passiert in einem intakten Brutnest so, daß der gesamte Honig immer durch das Brutnest muß und nur der tatsächliche Überschuß in den HR kommt. In der Bodenzarge gibt es aber kein Brutnest, sondern nur eine Brutwabe.
    3. Honig ist hygroskopisch und zwar sehr stark. Bodenfeuchte in seiner Nähe kann nicht gut sein.

    Zitat

    Die viele Arbeit kann ich nicht erkennen, sie besteht doch nur daraus die oberste Zarge nach unten zu tun und einen Zwischenboden einzulegen.

    Willst Du auf dem Zwischenboden überwintern ...:roll: Natürlich muß ein Zwischenbodenableger kontrolliert werden, wie ein normales Volk. Die Bienen oben könnten ja die Schwarmtriebigkeit doch nicht verlieren, weil zu wenig Bienen abfliegen oder wieder auch schwarmtriebig werden, weil genug Bienen schlüpfen und es noch enger wird - denen fehlt ja der HR. Außerdem mußt Du ganz unten den Schlupf einer Königin verhindern. Also mußt Du da ran. Dazu mußt Du aber oben immer zwei Zargen abräumen. Zwei Zargen die beflogen werden. Und Honig willst Du auch irgendwann ernten - Wer kriegt dann nach der Tracht die Leerwaben und wer muß ohne Futter hungern? Oben oder unten? Und was wird passieren, wenn das Volk oben nochmal schwarmtriebig wird?


    Nein, der Zwischenbodenableger ist eine Maßnahme, die man möglichst nicht macht bzw. nicht machen muß. Es ist eine Maßnahme, die oft das Abschwärmen verhindert, aber längst nicht so sicher wie die Vorwegnahme oder der Königinnenableger ist. Es ist eine Verhinderungsmaßnahme, bei der das Gleichgewicht brutal gestört wird denn nur deshalb funktioniert sie. Eine derart brutale Maßnahme mache ich nicht, solange es noch andere bessere Wege gibt. Sxchon garnicht als Prophylaxe.

    Zitat

    Beim Könniginnenableger muss man erst die Königin suchen, was aufwändiger ist.

    Einmal im Jahr kannst Du Dir die Mühe machen.:lol: Dafür hast Du dann einen ganzen Monat Ruhe im Vollvolk und der Varroa auch ein Haar in die Suppe gelegt.

    Zitat

    Der Hintergrund der Frage ob man das im Vorraus machen kann ist der, dass dann ja keine regelmäßige Schwarmkontrolle mehr nötig ist, und man flexibler ist.

    Wie lange ist so ein Sommer? Wie lange wirkt ein Zwischenableger? Was machst Du sonst so? :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,


    das mit dem Honig klingt logisch.


    was ist eignetlich, wenn man oben auch einen Honigraum drauf tut, dann wird der Honig zumindest nicht im Brutnest abgelagert, man muss dann halt immer 3 zargen runter lupfen.


    Zitat

    Wie lange ist so ein Sommer? Wie lange wirkt ein Zwischenableger?


    Genau das war eine meiner Fragen, wie lange der effekt anhält.


    Ich will mein Volk nicht auf dem Boden überwintern oder so den ganzen Sommer lassen :wink:


    wenn ich die Völker in den Raps stelle muss ich alle 7 Tage hin fahren und Schwarmkontrolle machen, wenn ich nur aufpassen muss, dass keine Königin schlüpft, ist erst nach 11 tagen. das soll ja auch kein dauerzustand für mehrere Wochen sein, nur für ca. 2 wochen während die Völker im raps stehen, damit ich nicht so oft hin fahren muss.


    Außerdem habe ich ja deswegen das thema eröffnet, damit Ideen für die Vor-und nachteile kommen.


    MfG Jeffrey

  • Hallo,
    nochmal was zum Königinnenableger. Wenn ich das richtig verstanden habe gibt es dann im Wirtschaftsvolk für ca. 30 tage keinen neuen Stifte mehr, das heißt ja dann die Population bricht nach dem Raps ein, oder wächst zumindest nicht mehr weiter. das ist ja sehr schlecht für die Waldtracht.
    Oder habe ich beim Königinnenableger was falsch verstanden?
     
    MfG Jeffrey

  • wenn ich die Völker in den Raps stelle muss ich alle 7 Tage hin fahren und Schwarmkontrolle machen, wenn ich nur aufpassen muss, dass keine Königin schlüpft, ist erst nach 11 tagen. das soll ja auch kein dauerzustand für mehrere Wochen sein, nur für ca. 2 wochen während die Völker im raps stehen, damit ich nicht so oft hin fahren muss.


    Moin Jeffrey,


    wenn ich nicht völlig falsch liege, dann ist es auch mit Deinen Zahlen ganz egal, ob Du alle 7 oder alle 11 Tage zu Deinen Bienen gehst. Einmal mittendrin mußst Du hin, auch wenn Du ohnehin nur 14 Tage dort stehen willst. Aber diese Zahl stimmt schon nicht. Zwei Wochen ist zu wenig für den Raps. Im Raps stehst Du mit Blühbeginn bis eine Woche nach dem Abblühen. Das ist ein ganzer Monat - üblicherweise der Mai. Da Du an- und abwanderst und zwischendrin ohnehin an die Bienen mußt, ist die Rückvereinigung eingeflogener Bienen kein Vorteil mehr. Nach der Wanderung ist ohnehin großes Einfliegen angesagt. Außerdem wirst Du schon hin müssen, weil Du HR nachsetzen mußt. Auf Wanderung ist der Zwischenbodenableger in der Frühtracht nicht das Mittel der Wahl, schließlich schleppst Du dann erst da die Böden hin, dann werkelst Du am Wanderstand rum und dann mußt Du vor der Rückwanderung auch noch Kitten lassen, weil Du ja Waben gezogen hast.


    Vor der Rapswanderung wird auslaufende Brut geschröpft und die Völker werden HR-mäßig aufgerüstet. Das bringt Raumgabe und dämpft den Trieb. Auch gibt es leere BauR und MW. Damit mußt Du erst 10 Tage später wieder in die Völker. Jede Wette, daß da maximal eines von Deinen sechsen Schwarmzeichen zeigt. Du fährst also mit leeren HR an den Stand und bringst den Königinnenableger mit heim. Die reifste Zelle läßt Du stehen. Dazu mußt Du die suchen und findest dabei natürlich die Königin, denn Kontrolle auf Schwarmzellen umfaßt alle Waben. Und Du hast wieder 10 Tage Zeit, aber als WE-Imker hast Du sowieso nur 7 oder 14. Also Kontrollzwang :roll: oder Mut zum Schwarme 8-). Dabei bist Du wirklich flexibel, denn Du kannst auch Völkervermehrung auf die Schnelle machen.


    Beim Königinnenableger gibt es eine Brutlücke. Wie lange die dauert hängt davon ab, wie das Volk zu einer neuen legenden Königin kommt bzw. wie weit es schon war. Dieses Volk kann auch mit einer Edelzelle kurz vor dem Schlupf beweiselt werden, dann fehlen 14 Tage Stifte - Du hast einen Ableger gewonnen und das Volk hat Sammeleifer ganz normal. Schwarmtrieb ist für dieses Jahr kein Thema mehr. Natürlich könntest Du auch die Jugend in den Ableger geben - aber wird der Schwarmtrieb erlöschen, wenn Du zwei oder drei Brutwaben entnimmst? Und führt das nicht genauso zu einer Lücke?

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Imkerprofis,
    ich habe eine Frage zum Zwischenboden: diese Schwarmverhinderungsmaßnahme mußte ich leider schon öfter vornehmen, da meine Bienen trotz aller Vorsorge (naja, vielleicht war nicht alles optimal) schwarmlustig wurden. Mein Problem dabei ist, dass ich immer befürchte, dieser Zargenturm fällt irgendwann um. Ich arbeite mit falzlosen Liebigbeuten, d. h. die Stabilität ist nicht die größte. Besteht wirklich Gefahr oder zittere ich umsonst???
    Tschau Rabea

  • hallo,
    @ henry: danke für die vielen ausführlichen antworten. ich denke dann auch, dass ein vorsorglicher zwischenboden nicht sinnvoll ist. deswegen hatte ich ja die frage gestellt, weil es mich wunderte, warum das keiner macht, aber jetzt weiß ich es.
    @ rabea: ich vertshe das problem nicht ganz, durch den zwischenboden wird der turm ja nicht höher, oder zumindesdt nur unwesentlich, also warum sollte er umfallen? außerdem denke ich, dass es für die stabilität egal ist, ob mit oder ohne falz. nur die höhe ist entscheidend.
    mfg jeffrey

  • Nun habe ich mich in diese diese Debatte um den Zwischenbodenableger etwas eingelesen und muss mit Erstaunen die Negativa zur Kenntnis nehmen.


    Persönlich arbeite ich bereits seit vielen vielen Jahren mit dieser watscheneinfachen Methode und bin restlos zufrieden damit. Weder habe ich damit mehr Arbeit oder Honigverlust zu verspüren. Auch Schwärme kann ich damit bestens verhindern. Dazu kurz meine Methode:


    Als ausgeprägter Wanderimker mit sehr vielen Stationen, sind diese Zwischendeckeln ständig, also das ganze Jahr über, auf dem Dach der Beuten griffbereit. Nun werden manche sagen, warum zB. auch im Winter, damit erreiche ich eine gewünschte zusätzliche Wärmeisolierung.


    Wenn ich nun beim Wanderplatz offene oder bereits verdeckelte WZ vorfinde, kommt der BR sofort weg und an diese Stelle kommt der HR. In den Honigraum kommen neun Dickwaben, natürlich ohne Brut und eine Brutwabe mit den aufsitzenden Bienen. Nun gebe ich eine schöne WZ dazu, gebe den Zwischendeckel drauf und nun kommt der ehemalige BR als oberste Zarge drauf.


    Unten habe ich infolge der enormen Menge an Flugbienen jede Menge Honig, oben legt die alte Mami ungehindert weiter. Wenn nun die junge Königin in Eilage ist, wird das ganze rückvereint. Dazu nehme ich die alte Mami und drei Brutwaben weg und das Volk hat somit ohne Jungbienenverlust eine junge Königin.


    Die alte Königin und drei schöne Brutwaben nehme ich mit zum Heimstand, entferne die Königin und gebe ein Apidea Zuchtkästchen in den freien Raum.


    Aus Zeitgründen habe ich mich sehr kurz gefasst, wenn noch offene Fragen sind, bitte her damit.


    LG Josef

  • Moin Josef,


    so wie Du das beschreibst, klingt das ja auch sehr einfach und praktisch, aber auch bei Deiner sicher sehr interessanten Methode müssen ein paar Parameter erfüllt sein, die zumindest bei meinen Rapswanderungen nicht erfüllt sind und ein paar Ergebnisse beschreibst Du vielleicht etwas wohlwollend. :wink:


    Ein weit schwarmtriebiges Volk (offene und schon gedeckelte Zellen, hoffentlich sind sie überhaupt noch da:wink: ) sammelt deutlich weniger als eines ohne Schwarmtrieb. Eine Königin in solch einem Volk legt deutlich weniger Eier - sie soll ja fliegen können und die Harmonie ist im Eimer. Es gilt also möglichst diesen Zustand nicht erst zu erreichen, denn weniger Bienenbrut als ohne Schwarmtrieb gibt es auf alle Fälle.


    Nachdem durch den Zwischenbodenableger sehr viele Flugbienen das Brutnest verlassen haben, tritt dort Mangel ein. Die Königin - ohnehin schon auf Diät - kriegt also wieder einen Bremsimpuls und legt nicht auf der Höhe ihrer Möglichkeiten, sondern deutlich weniger. Der Brutstand sinkt, die Parasitierung steigt an. Aber es gibt keine richtige Brutlücke.


    Und dann ein Rapsproblem. Ergeben sich aus schlüpfenden Brutflächen im Brutnest Leerflächen und wird dort Rapshonig eingetragen, dann ist das kein Hauptgewinn. Dieser Honig wird etwa 3 Wochen nach der Rapsblüte zu Stein und versaut, wenn er bei wieder wachsendem Brutnest umgetragen wird, die Akazie, weil die dann trübe wird. Oft wird er auch nicht umgetragen und engt dann das Sommerbrutnest ein. (Übrigens ein Problem, das auch beim Königinnenableger passieren kann, wenn man viele Brutwaben entnimmt und Leerwaben gibt)


    Für mich bleibt also der Zwischen(boden)-Ableger nur ein mittelprächtiges Mittel Schwärme zu verhindern, kein Mittel der Prophylaxe. Brutentnahme vorher und das Verletzen der Honigkappe sind Vorsorgemaßnahmen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hi Jeffrey,
    meine Angst vorm Umkippen begründet sich darin, dass der Zwischenboden auf der unteren Zarge praktisch nur auf den 4 schmalen Kanten seiner Wände aufliegt. Irgendwie erscheint mir das unsicher, auch wenn die 2. bzw. 3. Zarge miteinander relativ fest (Innenleiste) verbunden sind. Aber vielleicht bist es mit meinen Physikkenntnissen nicht allzu weit her????
    Trotzdem danke für deine Antwort und auch SaBiene für den Tipp mit dem Spanngurt, den ich aber natürlich nicht besitze!
    rabea