befruchtetes Ei = weiblich & unbefruchtetes Ei = männlich?

  • Tag zusammen,
     
    ich bin's mal wieder mit einer weiteren Frage zur Bienenbiologie.
    Es ist doch so, dass eine befruchtete Königin weibliche Eier (Arbeitsbienen) und eine unbefruchtete Königin männliche Eier legt also drohnenbrütig ist.
     
    Wie kann es sein, dass ein weibliches Wesen ohne männlichen Samen, männliche Eier legt?
     
    Versteh ich nicht? Oder steh ich auf'm Schlauch?
     
    Viele Grüße,
     
    Richard

    Der Richard


    Wenn Du wirklich an Dich glaubst, bekommst Du alles, was Du brauchst!

  • Hallo breera,


    ist schon so wie du sagtest. Stichwort: Parthenogenese - Jungfernzeugung. Die Königin erzeugt in Ihrem Eierstock Eier. Durch die Meiose sind sie mit einem einfachen Chromosomensatz ausgestattet. Bei der Befruchtung kommt ein zweiter durch das Spermium dazu. Somit ist wieder ein diploider Chromosomensatz vorhanden - es entwickelt sich ein Weibchen, je nach Fütterung im Junglarvenstadium als fortpflanzungsfähiges Weibchen (Königin) oder als infertiles Weibchen (Arbeiterin). Hoffe hab nix vergessen.


    Lenggrieser :
    Nein, so ist es leider nicht. Die Königin im Nachschwarm (!) geht nach Bezug einer neuen Behausung auf Hochzeitsflug. Drohnen sind im Schwarm dabei und auch in der Umgebung vorhanden. Der VOrschwarm geht ja mit der alten Königin ab und die ist ja begattet.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Bei den Bienen gibt es ein Gen mit mehreren Allelen(sogenannte Sexallele),12 oder 19 welches fuer die Bestimmung des Geschlechts verantwortlich ist. befinden sich 2 verschiedene allele in der befruchteten Eizelle entstehen weibchen z.B. Allel 3 und Allel 11, In unbefruchteten Eiern gibts nur ein Allel es entstehen Drohnen.


    Wenn bei einer Befruchtung 2 gleiche Allele aufeinandertreffen entstehen diploide Drohnenlarven die von den Bienen ausgeräumt werden.


    In manchen Fällen entstehen aus unbefruchteten Eiern Weibchen.Das ist der Fall wenn bei der Meiose die unbefruchteteEizelle mit dem entstehenden Polkörper wiederverschmilzt Es ensteht eine diploide Eizelle mit unterschiedlichen Sexallelen also ein Weibchen,welches praktisch ein Klon von der Königin oder Arbeiterin ist,die das unbefruchtete Ei legte.
    In europäischen Bienenrassen eher selten (0,3-1%) der unbefruchteten Eier,in der Kapbiene sind diese Klone eher normal.
    Grüsse
    Anselm

  • Hallo,


    bei den Bienen wird das Geschlecht nicht über XY-Chromosomen vererbt, sondern über Erbanlagen, welche sich auf den Chromosomen sich befinden. Man kennt über 12 verschiedene solche Erbanlagen. Legt jetzt eine Königin ein befruchtetes Ei, so arbeiten diese beiden Anlagen zusammen und aktivieren ein weiteres Gen, welches ihrerseits mittels eines Enzyms das weibliche Geschlecht ausbildet. Ist das Ei nicht befruchtet, arbeiten logo keine zwei Anlagen zusammen und es entsteht ein Drohn. Sind aus Gründen der Inzucht die beiden Erbanlagen identisch, so arbeiten sie nicht zusammen und es gibt einen diploiden Drohn, einen mit doppeltem Chromosomensatz. Die junge, falsch gepolte Larve sendet ein sogenanntes Killerhormon aus und wird sofort aufgefressen. Das sind dann die Löcher im Brutnest. Je mehr Löcher, desto größer die Inzucht. Ich hoffe ich habe es einfach erklärt,
    Drohnen aus befruchteten Eiern kann Man im Brutschrank aufziehen. Den Rest deiner Frage kannst du jetzt ableiten.


    Gruß
    Remstalimker

    Im Netz ist gut auf hohem Niveau imkern.:daumen::lol:

  • Guten morgen zusammen,
     
    habt Dank für die schnellen Antworten. Ich find es auch nicht schlecht das gleich mehrere Leute geanwortet haben, so wurde es auch ein weing verständlicher!
     
    Ok, danke und bis zum nächsten mal!
     
    Der Richard

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  • Hallo Anselm,

    In manchen Fällen entstehen aus unbefruchteten Eiern Weibchen.Das ist der Fall wenn bei der Meiose die unbefruchteteEizelle mit dem entstehenden Polkörper wiederverschmilzt Es ensteht eine diploide Eizelle mit unterschiedlichen Sexallelen also ein Weibchen, ...


    da komme ich nicht mit. Der Polkörper ist doch der des Eies? Wie kann die Eizelle mit ihrem einfachen Chromosomensatz da zwei unterschiedliche Sexallele erzeugen? (Ich lese auch gern die Quelle.)


    Grüße, Thomas

  • bei dem Polkörper bin ich auch nicht mitgekommen. Habe aber eine pdf von der Uni Hohenheim gefunden in dem das Thema recht gut beschrieben wird.
     
    Hier der Link:
    www.uni-hohenheim.de/bienenkunde/Bienenblock06_Honigbienengenetik.pdf
     
    demnach macht das mit dem Polkörper glaub ich wirklich keinen Sinn, da nur weibliche Bienen entstehen wenn unterschiedliche Gene aufeinander treffen!
     
    Der Richard

    Der Richard


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  • Hoppla,
    das mit dem Polkörper und der Verschmelzung ist wirklich stark erklärungsbedürftig. Es ist vorstellbar, dass die Meiose nicht vollständig abläuft un der erhalten gebliebene doppelte Chromosomensatz aktiv wird. Wenn das geht, dann müsste Jesus Christus eine Frau gewesen sein.


    Gruß
    Remstalimker

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  • AnselmW<br> schrieb:

    In manchen Fällen entstehen aus unbefruchteten Eiern Weibchen.
    Das ist der Fall wenn bei der Meiose die unbefruchtete Eizelle mit dem entstehenden Polkörper wieder verschmilzt
    Es ensteht eine diploide Eizelle mit unterschiedlichen Sexallelen
    also ein Weibchen, welches praktisch ein Klon von der Königin oder Arbeiterin ist,
    die das unbefruchtete Ei legte.
    In europäischen Bienenrassen eher selten (0,3-1%) der unbefruchteten Eier, in der Kapbiene sind diese Klone eher normal.


    Thomas Hädrich<br> schrieb:

    ... Der Polkörper ist doch der des Eies? Wie kann die Eizelle mit ihrem einfachen Chromosomensatz da zwei unterschiedliche Sexallele erzeugen? ...


    breera<br> schrieb:

    ... bei dem Polkörper bin ich auch nicht mitgekommen ...


    Remstalimker<br> schrieb:

    ... das mit dem Polkörper und der Verschmelzung ist wirklich stark erklärungsbedürftig ...


    Hallo,


    es ist schon so wie Anselm schreibt,
    allerdings sind hierbei nicht 1 Eizelle und 3 Polkörper (= Richtungskörper) entstanden,
    sondern 4 gleichwertige Zellen, wovon je 2 identisch sind:

    Friedrich Ruttner<br>Naturgeschichte der Honigbienen<br>S. 267<br> schrieb:

    ... weibliche Jungfernzeugung kommt dadurch zustande, daß sich der unbefruchtete Eikern zunächst normal teilt (Reduktionsteilung). Im Vierkernstadium gehen aber nicht drei Kerne zugrunde ... wie bei allen anderen Bienenrassen ..., sondern zwei der Tochterkerne verschmelzen zu einem Eikern mit der vollen Chromosomenzahl von 32, aus dem sich eine weibliche Larve entwickelt ...


    Einzelheiten möchte ich mit diesem Schema der bei der Eizellen-Bildung ablaufenden Teilungsvorgänge (= Meiose) erklären:

    1- Der diploide Zellkern zeigt die Verhältnisse der Urkeimzelle,
    hier 2n = 2, bei den Bienen 2n = 32.
    Die beiden Farben zeigen die mütterliche bzw. väterliche Herkunft der gleichartigen (= homologen) Chromosomen.


    2- In der sogn. Interphase verdoppelt sich das genetische Material (= DNA),
    jedes Chromosom besteht jetzt aus 2 identischen Chromatiden; immer noch 2n.


    3- Bei der 1. Reifeteilung (= Reduktionsteilung) werden die homologen Chromosomen getrennt und auf 2 Zellen verteilt.
    Dabei wird diploid zu haploid reduziert, also zweimal 1n = n, bei den Bienen 1n = 16.


    4- Nach der 2. Reifeteilung (eine "Vermehrungs"-Teilung) haben wir das von Ruttner genannte haploide Vierkernstadium (viermal 1n).


    Wenn nun zwei "verschieden-farbige" Tochterkerne verschmelzen,
    haben die Eizelle und die Zellen der Mutter (wie bei 1-) eine identische Gen-Ausstattung,
    die Töchter sind Klone ihrer Jungfer-Mutter.


    Hüsing - Nitschmann (Hrsg.)<br>Lexikon der Bienenkunde<br>Stichwort 'Afrikanische Rassen der westlichen Honigbiene'<br> schrieb:

    ... Bei den Arbeiterinnen der europ. Rassen sind 2 % der von ihnen gelegten Eier diploid, entwickeln sich also zu Arbeiterinnen ...

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Das ist ja schön und gut,
    aber die Aussage war ja das aus einem Chromosomensatz 1n=16, einer unbefruchteten Eizelle, ein Polkörper entsteht der dann ein Chromosomensatz besitzt, welcher sich von dem ersten unterscheidet.
     
    Oder bin ich jetzt vollkommen falsch?:-?

    Der Richard


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