Radschleuder oder Selbstwender?


  • Hallo Johannes,


    jau, ich habe seit 2002 eine sogenannte "Universalschleuder AF15" von Fritz, Mellrichstadt. Die wird mich wohl mein ganzes Imkerleben lang begleiten - so zumindest mein Eindruck der Qualität. Wie du weisst habe ich 2/3 Zanderrähmchen im HR, aber dreimal quergdrahtet. Ich hatte noch nie Wabenbruch, auch nicht bei Waldhonig. Natürlich bricht dir eine "vorgeschädigte Wabe ala Michael" schon mal. Ist aber auch die Ausnahme. Das Schleudern geht wirklich blitzschnell. Die angegebenen drei Minuten sind nicht geflunkert!
    Der Service von Fritz ist sehr gut. Ich habe mal beim Transport der Schleuder (Umzug) einen Bolzen geschrottet. Ein Anruf zwei Tage später lag er im Briefkasten.


    Schwer ist das Teil schon. Definitv nichts zum Rauf-und-Runter-Tragen. Meine Bandscheiben schätzen so 70kg, Kesseldurchmesser 110cm. Zum Transport wird der Kessel senkrecht geschwenkt. Grundfläche dann 130*70cm.


    Bedenke bitte, dass bei einer Radialschleuder gilt: Je dicker desto gut, will heißen ein möglichst großer Kesseldurchmesser ist anzustreben. Von einer Radial mit nur 65cm Durchmesser ist abzuraten, weil die Fliehkräfte zur Achse hin stetig geringer werden.


    Ach ja, meine Schleuder gibts nimmer. Jetzt nur noch als 20/40


    http://www.carl-fritz.de/index.php?id=30&backPID=30&tt_products=3


    Der Preis ist auch größer ....

    Die Bevorzugung lokaler Produkte ist weder Nationalismus, noch Faschismus, noch Protektionismus, sondern ist nur ein Symptom von Intelligenz und Umweltverträglichkeit.

  • Hallo Reiner,

    Zitat

    Von einer Radial mit nur 65cm Durchmesser ist abzuraten, weil die Fliehkräfte zur Achse hin stetig geringer werden.


    Würde ich unterschreiben, mit der Einschränkung, dass mir dieser Durchmesser für Rähmchen bis 2/3 voll und ganz ausreichend erscheint.


    Natürlich wäre einem größeren Kesseldurchmesser der Vorzug zu geben, zumindest wenn die Schleuderzeit ein KO-Kriterium ist.


    Gruß
    Ralph


    PS. Die von dir erwähnte Schleuder sieht schon sehr interessant aus.
    Und ich liebe langlebige Güter, deshalb fahr ich auch TOYOTA. :D

  • Moin Jungens,


    wenn die Schleuder nicht selbst gedreht, also handangetrieben wird, ist die Schleuderzeit tatsächlich nicht der limitierende Faktor. Das Verhältnis Ladung zu Entdeckelungszeit der Ladung muß stimmen. Wenn ich für das Entdeckeln von 12 Waben, nebst Kratzen und Wegsortieren ca 19.2 Minuten brauche oder länger, dann ist es nicht wichtig, ob die Schleuder eben auch fast 20 Minuten läuft.


    Es ist ein großer Trugschluß wie wild auf 60-Waben-Schleuder zu arbeiten und dann diese 60 Waben in 10 Minuten auszuschleudern. Die Honigmenge erfordert dann große Abnahmentechnik, Sümpfe, Pumpen ect. und dann steht die Schleuder wieder und wartet auf's Entdeckeln.


    Ab den 12-Waben-Schleudern muß man sich Gedanken machen. Bei so 3-4-6ern ist das alles halb so wild. Wenn man aber mal 10-20-30 Zargen voller Wabe stehen hat (woran man früher noch nicht mal dachte) dann muß man schon effektiv arbeiten und sich über (zeitliche) Abläufe Gedanken machen. Immer 5 Minuten warten Auf die Schleuder kostet dann Zeit und Nerven. Aber für 5 Minuten fang ich ja auch nicht an auf Vorrat zu entdeckeln. Also steht die Schleuder in Wirklichkeit auch noch so lange wie ich die beim Entdeckeln bestücke und da geht dann die Zeitverschwendung richtig los ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo zusammen,


    also ich hab ja so ein richtiges Drum von Radialschleuder mit 54 Waben!


    Ich brauche mit dem elektrisch beheizten Messer ca. 20 min um die 54 Waben zu entdeckeln wenn die Masse der Waben voll verdeckelt ist. Die Radialschleuder braucht ungefähr genauso lange, bzw ist auch schon etwas eher fertig. Mit einem Wabenkarusell von 60 Waben als zwischen Lager komm ich alleine so ganz gut hin! Zu zweit ist man um das Beladen und Entladen, und dem herbeischaffen und wegräumen der Waben schneller! Alleine komm ich so im Schnitt auf 1000 Kg pro normalen Arbeitstag und zu zweit auf ca. 1500 kg, wobei das halt schon sehr davon abhängt wie voll die Waben sind!


    Henry hat aber recht, daß mit so großen Dingern das Sieben und auffangen der Honigmengen erst richtig los geht!


    Man also mit dem Kauf einer großen Maschine allein nicht bedient ist.


    Das Gleiche gilt für die Entdeckelung. Hier wünschen sich ja viele eine Maschine! Aber die Probleme liegen dann beim trennen des Wachs vom Honig. Und der geschleuderte Honig selber hat auch mehr Wachs! Und die meisten Entdeckelungsmaschienen versagen bei bebrüteten Waben bzw. das Resultat ist nicht sehr zufriedenstellend!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo, Ihr Schleuderflüsterer,


    jetzt weiß ich gar nicht mehr weiter. Meine Traumschleuder sollte:


    1. keine Handwenderei von Waben brauchen. (Ich will befüllen und die leeren Waben wieder rausholen, mehr nicht.)
    2. Möglichst wenig Stellfläche brauchen.
    3. Zu zweit tragbar sein.
    4. Schonend zu den Waben sein bezügl. Wabenbruch (Naturbau im Honigraum, ungedrahtete Dadanthalbrähmchen).
    5. wenn's geht, auch zähe Honige aus Waben rausholen (Nicht das Hauptkriterium).
    6. Möglichst einfach zu reinigen sein. (Also kein Herumspülen mit klebrigem Arm bis zur Schulter neben nicht herausnehmbaren Schleuderkörben.)


    Egal ist mir die Zeit pro Schleudervorgang.


    Meine offenen Fragen:


    a) Brechen in einer Selbstwendeschleuder mehr Waben als in einer Radialschleuder als in einer Radschleuder?
    b) kriegt man Heidehonig mit Radialschleudern gut genug raus? Ich hab' zwar keine Heidetracht, aber man weiß ja nie, wie's mal kommt...
    c) Welche Schleuder ist nun die richtige?


    Viele Grüße, Johannes

  • Moin Johannes,


    Deine Anforderungen sind mit der Radschleuder erfüllt. :wink:


    Bezüglich des Honigabflusses und der Entleerung der Waben: Mach mal ein ganz kleines (Gedanken-) Experiment. Nimm mal ein Rreagenzglas und stell Dir das als Honigzelle vor. Füll es randvoll mit Wasser oder einer zäheren Flüssigkeit. Dreh es rum mit der Öffnung nach unten. Und beobachte wie die Brühe ausfließt, wenn sie das überhaupt tut. Ohne, daß Luft nachströmt geht das nicht. Und die nachströmende Luft muß die Oberfläche durchdringen und durch die Flüssigkeit auf den (Waben-, Zellen-, Reagenzglas-) Grund. Das ist die Situation in einer Schleuder, bei der die Zellen in Fliehkraftrichtung stehen. Also bei den Normal oder Selbstwendeschleudern. Die Drähte oder das Korbgitter müssen diese Kraft erst mal aufnehmen. Die Drähte ohne Korbgitter, würden die Naturbauwabe zerschneiden.


    Dann Nimm das (gedankliche) Reagenzglas und lege es, ebenfalls randvoll gefüllt, so hin, daß seine Öffnung waagerecht oder nur 10° nach unten weist. Die Luftblase wird sofort und auf ganzer Länge an der Oberseite in die Zelle eindringen und die Flüssigkeitsoberfläche wird riesengroß. Der Zellinhalt fließt kontinuierlich ab und die eindringende Luft löst den Inhalt von der Zelle ab. Dort wo einmal Flüssigkeit war, kommt nicht nocheinmal Flüssigkeit hin. Das ist das Prinzip der Schleudern, mit der Mittelwand in Fliehkraftrichtung. (Gestippt wird übrigens, damit überhaupt Luft in die Zellen gelangt und die Geelstruktur fließfähig wird). Der Wabendraht muß nur die Kraft aufnehmen, die nötig ist, die Wabe senkrecht und auf der Kraftlinie zu halten. Deshald ist gewellter Draht mit dem Wellradspanner der Non-plus-Ultra und notwendig.


    Wenn jetzt Honig mit Gerinnungstendenz in dem Reagenzglas ist, dann wird es für die Luftblase besonders schwer in die Flüssigkeit einzudringen. Schließlich kommt der Luft die Flüssigkeit mit Fliehkraft entgegen. Sie muß also durch, mitten durch den Honig und kann nicht draußen dran vorbei.


    Das Prinzip einer Schleuder mit MW in Fliehkraftrichtung ist also schon physikalisch überlegen. Und psychologisch sowieso. :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo!


    Ich muss Henry und Toyotafan auch Recht geben, bezüglich der Menge der geschleuderten Waben und der Honigmenge. Ich habe nur eine 4 Wabenschleuder zum Handwenden mit Motor. Trotzdem kann ich nur max. 20 Waben schleudern, dann muss ich eine Pause einlegen damit der Honig aus der Schleuder abfließen kann und das Sieb nicht überläuft. Das Sieb schafft nämlich nicht mehr.
    Ich schleudere daher immer nur ein Volk (8-12 Waben) und gebe diese Waben wieder zurück und hole die nächste Zarge. Ist zwar Zeitaufwendig aber ich kann die Zargen im Schubkarren transportieren und die Volkseigenen Waben kommen wieder zurück. In der Zwischenzeit hat wieder Honig im Sieb Platz.
    Als ich noch die Schleuder mit Kurbel von meinem Imkerpaten verwendetete, hatte ich das Problem nicht. Denn da musste ich ja auch kurbeln und konnte nicht schon die nächsten Waben entdeckeln.


    Johannes zu deinen Fragen kann ich leider nicht helfen, da ich nur eine Tangentialschleuder besitze und mit den anderen keine Erfahrung habe.


    lg
    Andreas

  • Servas,



    Andreas, dein Problem ist ein unzureichendes Sieb.
    Ich schleudere immer 10 Völker auf einmal mit einer relativ neuen 4 Waben Selbstwende von Fritz die ich nicht ungeil finde.
    Und der Hahn dieser Schleuder läßt alles durch was da kommt.


    Zu den Schleuderzeiten der angesprochenen Radialschleudern muß ich sagen dass in dieser Zeit (20min stimmt dass wirklich?!?)
    ich 4 x 4 Waben mit der selbstwende ausschleudern kann.


    Dein Werkzeug muß zusammenpassen, klar, Schleuder Filter und Entdeckeln.
    Ich habe da verschiedenenes getestet.
    Momentan verwende ich auch die 50kg Abfüllkanne (2 Hähne) mit den Innenliegenden Edelstahlsieb und lassen den Honig aus den oberen Sieb in den Lagerbehälter.
    Sollte dass zu zäh sein--Melitherm--


    Ich finde dass hier bezüglich der Schleudern dass Bild verfälscht ist. Die Rad oder Radial Schleudern werden sehr positiv dargestellt.


    Tatsache aber ist dass die Mehrzahl der Imker doch eine Tangential oder Selbstwende zuhause haben und diese auch ihren Dienst tun.
    Der einzige Nachteil der Selbstwende ist doch ohnehin nur die etwas komplizierte Mechanik und ihr höherer Preis.
    Aber >2000€ muß man immer löhnen wenn man keine Waben umdrehen will.



    Gruß Max

    Ich mag keine Signaturen mit ach so Schlauen Sprüchen.

  • Moin Max Six,


    Zitat von Max Six

    Ich finde dass hier bezüglich der Schleudern dass Bild verfälscht ist. Die Rad oder Radial Schleudern werden sehr positiv dargestellt.


    Und was ist daran nun falsch? :lol:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry Mann,


    ich hab nicht gesagt dass die Dinger schlecht sind. Sie werden nur öfter erwähnt als sie wirklich verbreitet sind.
    Da könnte der Eindruck entstehen ohne geht es nicht
    Geht es aber und nicht mal schlecht.


    Sicher Toyota spielt Größenmäßig in einer anderen Liga, da halte ich mich raus.
    Und du schleuderst darauf ohne diese Investition bezahlen zu müssen .


    Was ich sagen will ist folgendes:
    Gigamantomie ist fehl am Platz.
    Dem Hobbyimker mit bis zu 10-15 Völker (Je nach Zeit) reicht eine Motorgetriebene Tangential Schleuder aus.
    Darüber ist eine Selbstwende sicher keine schlechte Wahl.


    Es gibt öfter schöne gebrauchte Edelstahlschleudern zum kaufen. Diese sind im kleinen Bereich sicher keine schlechte Wahl. Da braucht kein Anfänger Angst zu haben falsch und unzeitgemäß zu investieren.

    Ich mag keine Signaturen mit ach so Schlauen Sprüchen.

  • Zitat von Max Six

    ich hab nicht gesagt dass die Dinger schlecht sind.

    Ich auch nicht - eher im Gegentum!

    Zitat

    Sie werden nur öfter erwähnt als sie wirklich verbreitet sind.

    So ist das nun mal. Denn in der Zeit in der das Bessere, des Guten Feind ist, hat das Gute mengenmäßig noch die Oberhand. Oder anders: Auch der erfolgreichste Vormarsch beginnt mit dem ersten Schritt.


    Außerdem geht es hier um's Prinzip. Um's Schleuderprinzip! :wink:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Also, ich bin ja inzwischen gedanklich bei Webers 10-Waben-Radialschleuder mit Bruchschutzgittern gelandet.

    Die hätte den Vorteil, 1000 Euro weniger zu kosten als Sturms Rad, und dessen etwas kleinere Stellfläche wiegt das irgendwie nicht auf...

    Siehe hier: http://www.bienenweber.sagehost.de/Honigschleudern.htm (Die erste nach den Selbstwendern)

    Das mit den Bruchschutzgittern klingt für meine wachsende Anzahl von Naturbau-Honigwaben sinnvoll (obwohl die bisher auch nicht häufiger brechen als MW-basierte Waben); ich müßte nicht, wie bei einem Selbstwender zum ähnlichen Preis, mehrfach am Drehrichtungsschalter rumfummeln, und ich kann das Ding, wenn's mal mehr Honig und Entdeckler gibt, auch mal mit mehr als 4 Waben bestücken.

    Oder?

  • Hi, Johannes,
    wenn ich die freie Auswahl hätte, auf jeden Fall die Radschleuder, auch mit deinen Transportproblemen treppentechnisch.
    Ich hab sowohl Rad- als auch Radial-Schleudern in Aktion gesehen, und finde die Radschleudern entschieden besser, aber das ist nur meine persönliche Meinung.
    Selbstwende sind eher mistig bei Naturbau, und Radschleudern sind mir rein physikalisch sympathischer. Durch den größeren Durchmesser klapt das irgendwie besser...:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen