Radschleuder oder Selbstwender?

  • Hallo, Henry,


    Du bist ja eingefleischter Fan der Sturm’schen Radschleuder. Ich überlege, ob für meine Zwecke eine solche Schleuder oder doch eher eine Selbstwendeschleuder besser ist (wenn ich das Geld denn mal zusammenhabe... :D) Für die Radschleuder spräche die Stellfläche, da sie ja doch die meiste Zeit des Jahres nicht benutzt wird. Wie sind Deine Erfahrungen mit Wabenbruch? Wie viel bricht da? Und eher mehr oder eher weniger als in Tangentialschleudern? Ich stelle gerade nach und nach auf Naturbau im Honigraum um; theoretisch erscheint das Radschleuderprinzip da schonender. Ist es das auch?


    Viele Grüße, Johannes


    PS: Reiner, hast Du nicht auch ein prinzipiell ähnlich arbeitendes Ding?

  • Moin Johnannes,


    ich weiß nicht, ob die Radschleudern für die Halbrähmchen das Optimum sind. Ich finde die bei DNM sehr brauchbar, vor allem auch wegen der sinnvollen Arbeitsorganisation. 12 Waben sind ein Schleudergang und die Schleuder läuft so lange wie ich brauche die Nachbarschleuder zu beladen und 24 Waben zu entdeckeln.


    Auch auf eine Schleuder kann ich gut arbeiten damit, allerdings mit etwas Geduld. Geduld ist der Schlüssel gegen Wabenbruch. Ungedrahtet geht bestimmt nicht. Sobald sich die MW verbiegt rollt sich die Wabe auf oder fliegt in Streifen davon. Das passiert immer dann, wenn man die letzte Schleuder am Abend noch mal hochdreht oder wenn man die Waben eben noch trockener haben will. Da ist es sinnvoller, die Schleuder länger langsamer laufen zu lassen. Wenn Du das mal wirklich im Griff hast, dann gehen da 800 Waben durch zwei Schleudern und es gibt bei einer oder zweien Bruch. Oft ahnt man das aber schon, wenn man die Wabe sieht und kann die Knadidaten über den Schleudertag sammeln und als letztes mit viel Ruhe auch noch furztrocknen schleudern.


    Die Schleudern sind leider neu nicht billig und haben eine sehr große Kapazität. (mit 12er DNM-Korb) Man muß also auch den Honig entsprechend schnell "entsorgen" können und möglichst auch in Naß arbeiten. Mal eben 12kg Lagenhonig bergen hieße bestimmt ein kg Honig opfern, denn Du brauchts ja einen große Siebkübel, der dann auch klebt.


    Ich empfehle Dir, die aktuellen Sturm-Schleudern mit Flachzargenkorb unbedingt auf einer Ausstellung anzusehen. Der Sturmnachfolger ist bestimmt gern bereit, Dir die in Deinem Maß irgendwo vorzuführen. Melde Dich dort mal. Die sind sehr flexibel und die reparieren auch die Zonen-Schleudern noch immer. Hartmut hat, so weit ich das mitbekommen habe, auch noch kurzfristig einen Antrieb für seine Schleuder gekriegt. Mitten in der Ernte.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Das kann ich bestätigen!
    der "Sturmnachfolger" ist wirklich sehr flexibel und ausgesprochen hilfsbereit. Wo man meint es geht nichts mehr, kommt plötzlich ein Sturm daher ;-)


    Die Radschleudern sind wirklich gut. Auch für den relativ zähen Heidenhonig, der wie Sülze aus den Wabenzellen kommt...
    Gibt es Wabenbruch dann war, meiner Erfahrung nach, die Anfangsdrehzal der Schleuder zu hoch...


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Hallo Jungens,


    ich schließe mich der Hartmut`schen Einschätzung bezüglich der Fa. Sturm (Nachf.) voll und ganz an.
    Ich gehe ja auch schon länger mit der Radschleuder schwanger, dieses Jahr solls dann really soweit sein.
    Ich habe mir die Dinger schon mehrfach in Natura angesehen und finde den Service, den die Firma bietet, nachahmenswert.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Hallo miteinander,


    da ich keine Dickwaben habe, wäre das jeweils eine Zarge pro Schleudergang (12 Waben).


    Was ich noch nicht verstehe:


    - was spricht gegen Dadant-Halbrähmchen (liefern tut Herr Sturm die Schleuder jedenfalls dafür)


    - wie ist es mit ungedrahteten Halbrähmchen? Der Vorteil dieser Dadant-Honigräume ist ja auch die einfache Bedienung der Rähmchen: Mittelwand mit Wachs einkleben, oder mit Streichholz einklemmen, oder nach Rudi-Maurer-Art ohne MW einfach vollbauen lassen. Fertig. Es wäre blöd, wenn das künftige Radschleuderprojekt daran scheitert... Henry, Du meinst es geht bestimmt nicht; andererseits haben die Dinger ja auch ungedrahtet meine etwas ruppig-unregelmäßig-unwuchtigen Leihhandschleuder-Handschleudergänge überstanden (wenn man das richtige Gefühl raus hat)? Interessanterweise ist nie eine Naturbauwabe gebrochen. Kann aber auch Zufall ob der geringen Gesamtzahl sein. Bricht bei Dir weniger als in einer tangentialen Schleuder?


    - was heißt "in Naß arbeiten"?


    - wie lange läßt Du die Schleuder für einen Durchgang laufen?


    Michael : wie hast Du bisher geschleudert? Was lief gut? Was schlecht? Drahtest Du Deine HR-Rähmchen?


    Viele Grüße, Johannes

  • Tach Johannes,


    Zitat

    Michael : wie hast Du bisher geschleudert? Was lief gut? Was schlecht? Drahtest Du Deine HR-Rähmchen?


    Mit meiner alten 4-Waben-Leier. Die war halt noch da, aus Anfangstagen. Irgendwann habe ich der mal einen alten Elektroantrieb verpasst.
    Vorteile ?: Das Ding war halt da
    Nachteile?: Na ja, 16 Stunden am Stück schleudern macht nur Puristen Spass
    Ich drahte meine Rähmchen nicht, ich kaufe sie fertig gedrahtet.
    Ich hatte allerdings auch schon versuchsweise ungedrahtete Rähmchen im Test, bin aber wieder weg davon, weil schon relativ leichte Erschütterungen (z.B. beim Wandern) eine volle Wabe ziemlich durchrütteln können. Honig ist nun mal eine träge Masse.
    Wenn mal was beim Schleudern zerbrach, waren es immer die Waben, die vorher schon irgendwie einen "Knuff" erhalten hatten.
    So sind mir mal 4 Zargen beim Anfahren vom Hänger gerutscht; den Waben sah man nichts an, beim Schleudern sind sie alle zum Teufel gegangen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Moin Johannes,


    Johannes Haller schrieb:

    - was spricht gegen Dadant-Halbrähmchen (liefern tut Herr Sturm die Schleuder jedenfalls dafür)

    Nichts, ich weiß nur nichts praktrisches drüber, weil ich noch nie die Halbrahmen geschleudert hab. 2/3 Langstroth und nat. NDM kenn ich aus dem Erleben in der Radschleuder. Bei den Formaten bewegt man relativ wenig Waben pro Honig, weshalb das Einsetzen und Verriegel der Waben im Korb bei gleicher Honigmenge wohl weniger Zeit in Anspruch nimmt. Auch dreht sich bei den halbrahmen weniger Wabenfläche pro Durchlauf. Die Lade- und Entladezeiten der Radschleuder, sind zumindest subjektiv höher als bei einer Stern- oder Normalschleuder. Während in einer Selbstwendeschleuder mit Taschen pro Tasche 2 Halbwaben platz finden, schleuderte die Radschleuder bei Dir dann tatsächlich nur 12 Halbrahmen. Bei mir sind es 12 DNM-Ganzwaben. Daher meine leichte Skepsis in Bezug auf den Durchsatz an Honig.

    Zitat

    - wie ist es mit ungedrahteten Halbrähmchen?

    Da kann ich wie gesagt nichts sagen, außer daß ich sagen kann, daß ich da nichts sagen kann. Hoffentlich hilft Dir das ein Bißchen. :wink:

    Zitat

    - was heißt "in Naß arbeiten"?

    Schleuder nie reinigen müssen, weil morgen oder nächste Woche weitergeschleudert wird.

    Zitat

    - wie lange läßt Du die Schleuder für einen Durchgang laufen?

    Nach Gefühl und nach der Dicke des Strahls am Hahn. Superschichten schaffen 600 Waben in 8 Stundnen auf 2 Schleudern. Das gibt 50 Schleuderungen in 480 Minuten, also so grob und über'n Daumen geschätzt 19.2 Minuten. Circa.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Tja Johannes ich steh vor der gleichen Problematik. Stern oder Rad für ZN1/2 Rähmchen. Meine Überlegung hierzu: Man könnte 2 Halbrähmchen mittels kleiner Verbindungschinen (ein U-Profil an den Seitenteilen) übereinander in die Radschleuder geben. Nur so würde man den Platz auch nutzen.


    gruesse
    seb

  • Hallo,
    ich kann euch nichts zur Rad- oder Selbstwendeschleuder sagen, aber meine Erfahrungen mit Flachzargenrähmchen Langstroth "2/3" in einer 15 Waben Sternschleuder wiedergeben.


    Diese sind sehr gut. Das Wabenhandling ist einfach, eine Ladung gut ausgebauter und gefüllter Honigwaben ergibt ungefähr 20 kg Honig in einem Durchgang. Nachteile konnte ich noch keine erkennen, da meine letztjährige Ernte nicht all zu groß war. ;-)


    Ich würde mir zu meinen Flachzargenrähmchen immer wieder eine Sternschleuder kaufen!


    Ich habe die 15 Wabenschleuder, die vorletzte auf der Seite.


    http://www.bienenweber.sagehost.de/Honigschleudern.htm


    Einen schönen Sonntag wünscht
    Ralph

  • Hallo Ralph,


    vielen Dank für deine Einschätzung. Was ist denn nun aber an der 15WabenRadial besser als an der 20 WabenRadial weiter unten auf der Seite. Letztere schafft bei gleichem Kesseldurchmesser 20 Halbrahmen. Macht das "Bruchschutzgitter was aus? Die Fliekräfte gehen doch eher nach außen, wenn man nicht grad mit Rück anfährt.


    Gruesse


    seb

  • Hallo seb,
    im letzten Jahr hat mich vor allem eines überzeugt: Der Preis. Das war halt ein unschlagbares Angebot, nach einem netten Gespräch mit Herrn Weber. 8)


    Die 20 Wabenschleuder hätte mich auch gereizt, aber der Wabenkorb der 15 Wabenschleuder erschien mir wesentlich stabiler!


    Gruß
    Ralph

  • Ja, Radial wäre ja auch eine Alternative...


    Kriegt man eigentlich Heidehonig mit einer Radialschleuder zufriedenstellend raus?


    Henry und/oder Hartmut, wie schwer ist so eine Radschleuder? Ich müßte die nämlich im Keller einlagern und dann zum Schleudern eine Treppe hoch tragen. Und wie groß ist die benötigte Stellfläche? (Ich stelle mir die kleiner vor als bei so einem 72-cm-Kessel.)


    Viele Grüße, Johannes

  • Moin Johannes,


    Johannes Haller schrieb:

    wie schwer ist so eine Radschleuder?

    Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt die mit Alu-Kessel und mit Alu-Korb aber am Boden festgeschraubt und deshalb sehr sehr schwer. :wink: Sturm kennt die Gewichte sicher genau und kann auch Tragegriffe anschrauben. Dennoch ist Rumräumen immer Mist. Zwei mann wirst Du brauchen bei Treppauf.

    Zitat

    Und wie groß ist die benötigte Stellfläche?

    Ca. 1m*40cm, je nach Anbauposition des Motors oder der Kurbel. Und nicht vergessen, der Oberkessel klappt nicht nur nach oben, sondern auch zur (Schmal-)Seite. Ganz genau steht das aber auch beim Sturm. Wir Ossis haben doch hier eher die DDR-Modelle aus den Bienenwagen. Da könnten die Maße und Gewichte zu den edel Edelstahlschleudern schon abweichen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder