Horrorpflanze Kudzu

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    @ Bernhard: nun kommen wir dem Grund deiner Einstellung doch deutlich näher...
    es tut mir wirklich leid, dass du solch schlechte Erfahrungen mit dem "Naturschutz" gemacht hast. Bist ja quasi ein gebranntes Kind... wen wunderts da?

    Für dich wahrscheinlich wie ein Horrorroman, aber dennoch möchte ich dir ein wirklich umfangreiches Buch empfehlen.

    http://www.amazon.de/Biologisc…itteleuropa/dp/3800139243

    damit halte ich mich ab jetzt raus aus der Diskussion.:daumen:


    @ Drohn: Was verbrennst du in deinem Smoker? Oder wie kommt es, dass du mir so seltsam erscheinst?:confused:

  • Hallo Bernhard,
    ich kenne all diese Widersprüchlichkeiten im Naturschutz, will hier aber nicht näher darauf eingehen. Nur soviel, eine Ganzheitliche Betrachtung des Naturhaushalts scheint sich mehr und mehr durchzusetzen. Daher auch die Umbenennung des „Deutschen Bund für Vogelschutz“ in „Naturschutzbund Deutschland“.

    Zudem muss man Naturschutz und ökologische Forschung trennen.

    Nur lenkt diese Betrachtung meines Erachtens schon wieder vom Thema ab, ob es sinnvoll ist Kudzu oder andere Pflanzen, die sich möglicherweise stark ausbreiten können hier zum Zweck der Bienenweide anzusiedeln?

    Also ist nicht die neu ankommende Pflanze schuld, daß die Arten zurückgehen. Sie füllt nur den Platz aus, der durch Umweltzerstörung geschaffen wurde. Sprich: Die chemische Belastung radiert Arten aus, das Leben schickt neue Pflanzenarten nach. Bernhard



    Dieser Mechanismus war mir so vorher nicht bekannt. :confused::confused::confused: Nenn mal ein Beispiel. Was meinst Du mit Platz? Die ökologische Nische?

    Ich kenne andere Beispiele aus eigener Erfahrung, wo Pflanzen in von Menschen relativ wenig beeinflusste Biotope einwandern und dort den Platz ehemals beheimateter Pflanzen einnehmen. Beispiel: Kartoffelrose Rosa rugosa auf Dünen der Nord- und Ostseeküste.

    Und was die Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) in Afrika macht, ist ja auch super. :daumen:

    Es ist halt so, dass Ausbreitungsbarrieren dazu geführt haben, dass sich in verschiedenen Biogeographischen Regionen auf der Welt an ähnlichen Standorten unterschiedliche Artenzusammensetzungen entwickelt haben. Diese unabhängigen Entwicklungen führten dazu, dass jede Region ihre ganz eigene Flora und Fauna besitzt. Das trägt in ganz bedeutendem Maße zur Biodiversität bei.
    Wenn das Klima hier wärmer werden sollte verschieben sich die Verbreitungsareale von Pflanzenarten. Das bedeutet z. B. dass vermehrt mit mediterranen Arten zu rechnen wäre. Wird es kälter breiten sich vor Allem Arten aus Nordeuropa und aus den Alpen hier aus. Das ist viele Male in der Vergangenheit schon geschehen.
    Aber das Arten aus Australien, Südamerika, Ostasien, Südafrika oder sonst woher bei uns einwandern ist unter natürlichen Bedingungen sehr selten der Fall. Durch den Menschen ist dieser Prozess der Fernausbreitung aber stark beschleunigt.

    Mir geht es nicht darum irgendwelchen Neophyten den Kampf an zu sagen und als Böse abzustempeln. Natürlich sollte man die Auswirkung von Neobiota auf die Biodiversität auch nicht überbewerten. Aber das hier vom Menschen neu angesiedelte Arten auf jeden Fall prima sein sollen, kann ich nicht nachvollziehen.

    Gruß Andreas

  • ...Aber das hier vom Menschen neu angesiedelte Arten auf jeden Fall prima sein sollen, kann ich nicht nachvollziehen.

    Gruß Andreas



    Das hat auch niemand behauptet, nur sollten wir Ihnen mit Liebe, Aufmerksamkeit und Achtung begegnen.

    Der
    Drohn
    der sich nicht an Feldräumungen von Gen-Pflanzen beteiligt.

  • Guten Morgen,


    Für dich wahrscheinlich wie ein Horrorroman, aber dennoch möchte ich dir ein wirklich umfangreiches Buch empfehlen.

    http://www.amazon.de/Biologisc…itteleuropa/dp/3800139243


    hast Du das Buch mal selbst gelesen? Auszug aus einer Kundenbeschreibung:


    Zitat

    Kowarik wendet sich gegen den Aktionismus von Gemeinden und Umweltbehörden, die häufig dazu neigen, Geld für „Bekämpfungen" auszugeben, die unnütz oder aussichtslos sind.


    Ich glaube, daß dieses Buch eine differenziertere Betrachtung anstellt, als die "in-die-Gräben-Springer-und-Pflanzen-ausrupf-Leute". Und eine solche unvoreingenomme Einstellung ist schon was Feines.


    Dieser Mechanismus war mir so vorher nicht bekannt. :confused::confused::confused: Nenn mal ein Beispiel. Was meinst Du mit Platz? Die ökologische Nische?


    Mit Platz meine ich nicht die ökologische Nische, sondern den räumlichen Platz. Wenn sich die Bedingungen auf diesem Platz ändern, wird gewechselt.


    Aber das Arten aus Australien, Südamerika, Ostasien, Südafrika oder sonst woher bei uns einwandern ist unter natürlichen Bedingungen sehr selten der Fall. Durch den Menschen ist dieser Prozess der Fernausbreitung aber stark beschleunigt.


    Und da gehen unsere Sichten auseinander. Weil Du den Menschen außerhalb natürlicher Prozesse stellst, das aber de facto nicht der Fall ist. Wenn der Mensch die Pflanzen hier ranschleppt, dann ist das ein natürlicher Prozeß. Denn genauso unnatürlich wäre das Verschleppen von Barschbrut durch Entenvögel von einem Teich in den nächsten Teich. Die Geschwindigkeit ist allerdings etwas bedenklich, da gebe ich Dir schon Recht.


    Aber das hier vom Menschen neu angesiedelte Arten auf jeden Fall prima sein sollen, kann ich nicht nachvollziehen.


    Was fehlt Dir zum Verständnis? An welcher Stelle verstehst Du das nicht?


    Bernhard

  • @ Bernhard: nun kommen wir dem Grund deiner Einstellung doch deutlich näher...
    es tut mir wirklich leid, dass du solch schlechte Erfahrungen mit dem "Naturschutz" gemacht hast. Bist ja quasi ein gebranntes Kind... wen wunderts da?


    ...jau! Tut mir auch leid!


    Beispiel 1:
    NABU kauf ein verwildertes Grundstück am Heiligenberg in Heidelberg. Nach einer "fachgerechten" Renaturierung glaubten die selbsternannten Naturschützer das richtige getan zu haben. Meinungen der Nachbarn bestätigen die Vorurteile: Schlangen weg, Eidechsen weg, Vögel weg, Lurche weg, keine Feuersalamander mehr da.


    Beispiel 2:
    Im Schriesheimer Steinbruch werden, seit 2001, 2 von 4 Bermen (Ebenen) jährliche einer fachgerechten Renaturierung unterzogen, da man dort Pionierpflanzen und Eidechsen aus dem Mittelmeerraum erhalten will. Die Randbereiche wurden mit Gittern gesperrt, der Steinbruch ist in einem Korridor weiterhin bekletterbar und erfreut sich einer durchaus berechtigten Beliebtheit. Die Renaturierung besteht darin, mit schwerem Gerät alles klein zu machen was auch nur irgendwie über 30cm wachsen will.


    Die Folgen:

    • Wanderer & Kletterer mit Kindern können nicht über den Klettersteig, also wird von überall her zugestiegen. Man erreichte das genaue Gegenteil.
    • Tiere, wie Wildschweine, Rehe, Füchse etc, können den Steinbruch nicht mehr betreten. Vor dem Zaun konnte man Abends nicht mehr ruhig seinen Wein im Bruch trinken, das geht nun wieder da keine Wildschweinmassen den Boden kaputt machen können =;o)
    • Vögel wurden die Brutplätze genommen, da kein Wald mehr auf den betroffenen Ebenen!
    • Der Fels wurde bei der Aktion massiv geschädigt. Mehrere Routen waren nur noch unter Lebensgefahr bekletterbar. Niemand wurde vorher darüber informiert um evtl. die Routen zu sanieren.
    • Ein Feuchtgebiet mit Schilf und stehendem Wasser auf einer Berme trocknet nun alljährlich komplett aus. Auf die daraus resultierenden Folgen muss ich ja wohl nicht explizit eingehen, oder?
    • Der Bruch erhitzt sich nun im Sommer auf unerträglich, so nie dagewesene, hohe Temperaturen.

    Beispiel 3:
    In Ziegelhausen wurden an einem Fels eine Wildbienenart entdeckt. Daraufhin wurde ein 15m breiter, 200m langer Korridor in den Wald geschlagen, damit die Bienen dort bessere Bedingungen vorfinden.


    Beispiel 4:
    In Höchst wurde ein Fels unter Naturschutz gestellt, welcher direkt an einer städtischen Bauschutt-Müllkippe angrenzt. Vogelschutz. Da sich aber kein Wanderfalke blicken lies wurde kurzerhand ein 1 qm großes Loch in den Fels geschlagen. Weder der Wanderfalke lies sich seither blicken, noch sieht dieses Loch besonders "natürlich" aus.


    Beispiel 5:
    In Bensheim wurde ein Fels unter Naturschutz gestellt da man dort seltene Pflanzen fand. Absolutes Kletterverbot. Soweit so gut! Nur hatten die Herren der Schöpfung das unglaubliche Talent beim entfernen der Haken die schützenswerte Vegetation in Brand zu setzen.



    Man versucht die Natur vor der Natur zu schützen, weil die Natur die Natur kaputt macht!
    ...von mir dazu 10 Punkte!



    Naturschutz wird hier in D immer noch steinzeitlich betrieben!
    Ein Blick zu unseren Nachbarn zeigt wie es richtig gehen könnte. Ich denke da an Schweden, die ihre Naturschutzgebiete z.B. in einem sinnvollem Rahmen für den Menschen begehbar machen. Sei es nun mit Stegen, die in 1m Höhe über den Boden führen oder was anderem.
    Jedermanns Recht, Jedermann Pflicht!


    Daumen hoch ihr lieben Naturschützer!
    Arnd



    Ach ja:
    Ein berechtigtes Unbehagen beschleicht den geneigten Beobachter und Weltliebhaber unserer Zeit: Naturschutzgebiete werden von der EU gefördert, egal wie Sinnfrei diese Aktionen am Ende auch sind =;o)


  • Hallo Bernhard,


    Du schreibst „Weil Du den Menschen außerhalb natürlicher Prozesse stellst, das aber de facto nicht der Fall ist. Wenn der Mensch die Pflanzen hier ranschleppt, dann ist das ein natürlicher Prozeß.“ Dazu habe ich eine Nachfrage. Einiges was Menschen tun, „Pflanzen hier ranschleppen“, ist also natürlich und wird von Dir akzeptiert. Was ist mit Menschen, die Pflanzen ausrupfen? Die hier Gift spritzen und die Landschaft zubetonieren usw.? Meine Vermutung ist, dass Du das als nicht „natürlichen Prozeß“ bezeichnest. Ich verstehe nicht, wo und mit welcher Begründung Du die Abgrenzung ziehst. Menschen schleppen Pflanzen ran, natürlich, Menschen rupfen Pflanzen aus, nicht natürlich? Wenn Du dich nicht auf „lebensbejahende Maßnahmen“ zurückziehen würdest, etwas konkreter, wäre schön.


    Zur Überschrift dieses Themas: Horrorpflanze. Weder ist Horror noch Angst vor dieser Pflanze angemessen. Das ist für mich selbstverständlich.


    Du schreibst „Ich glaube, daß dieses Buch eine differenziertere Betrachtung anstellt, als die "in-die-Gräben-Springer-und-Pflanzen-ausrupf-Leute". Und eine solche unvoreingenomme Einstellung ist schon was Feines.“


    Das sehe ich auch so. Deshalb plädiere ich weiterhin dafür, bestimmte Pflanzen hier nicht „ranzuschleppen“.


    Für saubere Luft und sauberes Wasser ist Umweltschutz notwendig. Die Beschreibung was Naturschutzziele sind und eine Abgrenzung zum Umweltschutz, findet sich z. B. in Wikipedia. http://de.wikipedia.org/wiki/Naturschutz


    Viele Grüße
    Stefan


  • Ja, ich habe das Buch selbst gelesen! und das ist erst wenige Wochen her...
    Deswegen erinnere ich mich auch daran, dass der Autor Biologische Invasionen keineswegs als verharmlosbar darstellt.
    Der Verfasser der Kundenbeschreibung hat wohl nicht einmal den Klappentext gelesen...


    Das Buch ist in der Tat eine sehr differenzierte Betrachtung des Themas Bioinvasionen. Dennoch kommt der Autor zu einer, für mich jedenfalls so verständlich, eindeutigen Aussage.


    Ausleihen -> Lesen!