Vor- und Nachteile des Frühjahrsausgleichs

  • Manche Imker führen einen Früjahrsausgleich durch um vor der Frühtracht möglichst gleich starke Völker zu haben. Der Vorteil soll ein, daß man durch die standardisierte Volksstärke alle Völker im wesentlichen gleich behandeln kann (Arbeitsersparniss) und keine Spätentwickler hat, die erst noch der Frühtracht auf Touren kommen (mehr Honig).
    nassauer hat unter dem Flachzargen Thread geschrieben, daß er den Ausgleich durch Vertauschen von schwachen und starken Völkern (Flugbienen) praktiziert (übrigens einer der besten Beiträge in letzter Zeit!) . Machst du das am gleichen Stand, Rudi?
    Bruder Adam beschreibt das Ausgleichen so, daß er den "Überschuß von Brut und Bienen" zu einem anderen Stand bringt. Er weiselt dabei auch um. Nun war Bruder Adam aber nicht Frühtrachtimker wie die meissten von uns. Außerdem weiseln die meissten im Herbst um, oder?


    Mich würde interessieren, wer den Frühjahrsausgleich anwendet und was er/sie als Vor und Nachteil ansieht.


    Gruß
    Wolfgang

    Selber denken ist durch nichts zu ersetzen.

  • Hallo zusammen,

    Wolfgang schrieb:

    ... daß er den Ausgleich durch Vertauschen von schwachen und starken Völkern (Flugbienen) praktiziert ... Machst du das am gleichen Stand ...

    Ja, Wolfgang. :-) 
    Das, was ich mache, funktioniert auch nur am gleichen Standort. Die Flugbienen sollen ja auf den gelernten Platz zurückfliegen.
    Dadurch kommen 'viele Flugbienen' (von den vorauseilenden Völkern) zu 'wenig Brut' (in den nachhinkenden Völkern) - und umgekehrt.


    marie schrieb:

    ja, und vorallem das genaue vorgehen

    Das Brutnest wird auf keinen Fall angerührt - also nix mit Waben wegnehmen zum Verstärken oder sonstigem Zeitvertreib.
    Ich vertausche lediglich die kompletten Beuten des vorauseilenden und des nachhinkenden Biens. Fertig.


    Wichtig für das Gelingen:
    # Schwächlinge können mit dieser Massnahme nicht geheilt werden. (Die sind bei mir zu diesem Zeitpunkt längst aufgelöst.)
    Wer's trotzdem probiert, macht aus einem guten und einem schlechten Volk mit großer Sicherheit zwei schlechte Völker.
    # Zeitpunkt: Beim Aufsetzen des ersten oder zweiten Honigraums, bei mir in der ersten Aprilhälfte. Die ersten guten Brutwaben müssen schon geschlüpft sein.
    # Die Bienen sollten noch am gleichen oder am nächsten Tag gut fliegen können. Etwas Tracht ist hilfreich, wie halt immer.
    # Es geht nur um die Völker, die dem Durchschnitt vorauseilen (...die deshalb früher in Schwarmstimmung kommen), und die Völker, die dem Durchschnitt nachhinken. Bei mir sind das pro Stand maximal 2 Pärchen, die getauscht werden. Meist nur ein Einziges, manchmal gar keins.
    # Das Verstellen von gleichstarken Völkern schadet zwar nicht, bringt aber auch nix.
    # Dies ist keine Schwarmverhinderungs-Massnahme, sondern nur eine triebbeeinfussende Massnahme.
    Sie muss in ein weiter gefasstes Konzept eingebunden sein.
    # Denkt an das rückenschonende Imkern! :-)


    Mir hilft es, viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Zusammen, hallo marie,
    wichtig ist nur, dass der Bien bald nach dem Verstellen ordentlich Flug hat, sonst kann er sich ja nicht verfliegen. ;-)


    Ideal ist ein schöner Vormittag mit gutem Flug auf Pollen und Nektar.
    Aber wenn am nächsten Tag gut geflogen wird, dann kann auch mal abends nach der Berufsarbeit verstellt werden.
    Das Verstellen bleibt allerdings wirkungslos, wenn die Völker unmittelbar nach dem Eingriff eine Woche fest sitzen. :-(
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Danke für die Infos
    Ein Ausgleich erschwert aber die Bestimmung des Zuchtwertes. Man kann zwar ein Donatorvolk (das was abgiebt) höher einschätzen als ein Akzeptorvolk (das was aufnimmt), aber ganz einfach ist die Beurteilung nicht.

    Zitat

    Schwächlinge können mit dieser Massnahme nicht geheilt werden. (Die sind bei mir zu diesem Zeitpunkt längst aufgelöst.)


    Rudi, kannst du das bitte genauer erklären? Besonders die feine Unterscheidung zwischen Schwächlingen und Völkern die nacheilen.


    Was mich wundert ist, daß fast niemand ausgleicht


    schönnabend


    Gruß
    Wolfgang

    Selber denken ist durch nichts zu ersetzen.

  • :wink: Wenn du einem starken Volk Bienen entnimmst, hat es den Verlust in drei Wochen aufgrund der größeren Brutmenge ausgeglichen; entnimmst du ihm Brut, braucht es sechs Wochen, wieder auf den vorherigen Stand zu kommen.
    Absolute Mickervölker haben nicht die passende Bienenzusammensetzung, um dann was mit zusätzlicher Brut und Bienen anfangen zu können, aber das Spendervolk wird unnötig geschwächt.
    Das bringt alles nur wirklich was, wenn es um die gerechte Beurteilung von Zuchtvölkern geht, die schon alle gut im Lack sind, und bei denen gleiche Ausgangsbedingungen geschaffen werden sollen.
    Ich hab das mal zwei Jahre versucht, aber es ist eine Mordsarbeit, die sich im Ertrag bei kleinen Völkerzahlen (<200) nicht lohnt, und ich bin kein Züchter, ich muß keine einheitlichen Völker bei Saisonbeginn haben.
    Völker einfach zu verstellen, wie bei Rudi, ist ganz was anderes, das betrifft dann nur das Verhältnis Volk:Flugbienen.
    Brut & Bienen umhängen, womöglich noch auf verschiedene Stände IST Arbeit und erfordert exakte Aufzeichnungen.
    GsD hab ich mit herkömmlichen Zuchtwertschätzungen nix am Hut, meine Bienen müssen zu mir, meiner Betriebsweise und meiner Gegend passen.
    Da ist es mir dann egal, ob mein bestes Volk ein Carni mit gelben Ringeln oder ein Bucki mit grauen Ringeln ist...
    Durch das CB wird das sowieso alles an Zuchtwertschätzung wieder in Frage gestellt, die Unterschiede zwischen den Völkern sind ziemlich gering, was den Ertrag dabei angeht, da zählen dann andere Eigenschaften, der Ertrag liegt ausschließlich an der Tracht der Gegend.
    (ich könnte mir vorstellen, daß z.B. Toyotafan mit dem CB in nicht zu frühen Waldtrachten der absolute Abräumer würde.... :wink: )

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Zusammen, hallo Wolfgang,

    Wolfgang schrieb:

    Ein Ausgleich erschwert aber die Bestimmung des Zuchtwertes.

    Da hast Du natürlich Recht, der Ausgleich ist eine externe Einwirkung auf die Völker und verfälscht möglicherweise die Einzelvolkbeurteilung. Wer züchtet, wird das berücksichtigen müssen.
    Ich züchte nicht und es ist auch nicht mein Ziel, jeweils die eine Königin mit dem besten Gen-Satz zu entdecken. Ich vermehre selbst bei meinem kleinen Bestand immer von mehreren Königinnen aus der Spitzengruppe (Gen-Vielfalt erhalten) und lasse auch nur am Stand begatten.
    Ich muss die leichte Verfälschung des Zuchtwertes deshalb nicht besonders beachten.


    Wolfgang schrieb:

    kannst du das bitte genauer erklären? Besonders die feine Unterscheidung zwischen Schwächlingen und Völkern die nacheilen.

    Bereits bei der Einwinterung stelle ich nur Völker auf, die 10 Waben gut beherrschen. Oder Reserve-Ableger, und die müssen 5 Waben beherrschen.
    Bei der Auswinterung beurteile ich die Völker: Gut sind die Völker, denen ich eine durchschnittliche Frühtrachternte aus eigener Kraft zutraue.
    Alle anderen sind schwach und werden aufgelöst. Sie werden mittels Ablegern aus der Reserve (...die haben vorgeprüfte Königinnen!) neu aufgebaut.
    Die guten Völker sind natürlich nicht einheitlich stark. Es gibt eine durchschnittliche Stärke und 'vorauseilend'/'nacheilend' definiert sich über diesen Durchschnitt.


    Wolfgang schrieb:

    Was mich wundert ist, daß fast niemand ausgleicht

    Unabhängig von der verwendeten Beute: Die bevorzugte Betriebsweise in Deutschland dürfte weiterhin 'uss de la mäng' sein. :-)
    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Zusammen,
    vielleicht führt das etwas von der ursprünglichen Fragestellung weg: Es gibt Imkerkollegen, die (falls sie an mehreren Standorten imkern) die Bienen schon einmal rotieren lassen (von einem Stand auf einen anderen bringen und umgekehrt). Dadurch sollen die Vor- und Nachteile eines Standortes ausgeglichen werden. Nun meine Fragen;
    - Bringt das grundsätzlich etwas? Hat jemand Erfahrung damit?
    - Falls ja, wann ist der richtige Zeitpunkt? Vielleicht auch im Frühjahr?
    Es geht hier wohlgemerkt nicht um die klassische Wanderung!


    Viele Grüße,
    Vorgebirge

    (seit 2002 Carnica, Standbegattung; Löwenzahn, Obstblüte, Sommerblüte, Robinie, Linde; Zander, Zeidlermagazin (Heroldbeute), Hohenheimer Einfachbeute; Neutralgläser, eigene Etiketten; Honig, Propolis, Met, Bärenfang)

  • Hallo Zusammen,

    marie schrieb:

    ... 'uss de la mäng' ... übersetzt du mir das bitte

    Sabine hat Dir ja schon den sprachlichen Bezug hergestellt.
    Umgangssprachlich bedeutet das bei uns z.B. auf einen Bäcker bezogen, dass er sein Brot 'freihändig', 'aus der Hand heraus' backt: Also ohne Rezept.
    Auf Betriebsweisen bezogen meine ich damit, dass meist ohne festen Plan gearbeitet wird: Bei der Kontrolle schaun wir mal, dann sehn wir schon, dann tun wir was. Es wird also rein aus der Situation heraus gearbeitet.
    Meist wird dabei viel zu spät auf viel zu grobe Signale reagiert (z.B. Weiselzellen mit Larven) - dann stehen auch nur noch grobe Massnahmen zur Verfügung (Zellen brechen, Zwischenableger).


    Vorgebirge schrieb:

    Es gibt Imkerkollegen, die (falls sie an mehreren Standorten imkern) die Bienen schon einmal rotieren lassen (von einem Stand auf einen anderen bringen und umgekehrt). Dadurch sollen die Vor- und Nachteile eines Standortes ausgeglichen werden.

    Interessant! Ich habe davon noch Nichts gehört. Kannst Du Angaben machen, was sich diese Imkerkollegen konkret von diesem Eingriff versprechen?
    Und wann wird er vorgenommen? Vielleicht nach einer strapaziösen Tracht, um die Völker wieder in Gang zu kriegen?
    Bin neugierig,
    viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo Zusammen,
    wenn ich Herrn Kehrle richtig gelesen habe, gleicht er die Völker aus,
    um eine gleiche Beurteilungsgrundlage zu haben und eine gleiche Behandlung durchführen zu können.
    Anfallende Umweiselungen wurden mit vorgeprüften Königinnen gemacht.
    Die Zuchtwertschätzung fand demnach in den Begattungsvölkern statt;
    nicht erst in den Wirtschaftsvölkern.
    Wenn also Wirtschaftsvölker versagten, war es Schuld der Königin.
    Das Ausgleichen der Völker mit Flugbienen kannten schon die Heideimker.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo


    Lothar hat Recht, es ist schon von Bedeutung, wann, warum und wozu
    man ausgleicht.
    Bruder Adam glich VOR dem Umweiseln aus dadurch hatte jede KÖ
    GLEICHE Startbedingungen.
    Das War ein Ausgleich für die Zuchtbewertungen.


    Ausgleichen in der Fragestellung bedeutet den Stand auf einen einheitlichen
    Level zu bringen damit die Völker in etwa gleich laufen.


    Gruß Uwe