Varroabehandlung vor der Spättracht

  • Hallo Kollegen!


    An anderer Stelle wurde hier von einem Kollegen berichtet, dass er vor der Spättracht eine Zwischenbehandlung mit Ameisensäure durchführt. Nach der Behandlung werden neue Honigräume aufgesetzt, um eine "Kontamination" des später eingetragenen Honigs aus der Spättracht zu vermeiden. Die Behandlung ist sicher eine Entlastung für die Völker im Hinblick auf den Varroa-Befallsdruck. Aber was ist mit dem Honig?
    Ist es zulässig, im Sommer eine Zwischenbehandlung durchzuführen?
    Ist nach dem Austausch der Honigräume trotzdem mit einer "Versauerung" des folgenden Honigs zu rechnen?


    Wer weiss Bescheid? Schöne Grüße, Reinhard.

    Wanderimkerei, Nebenerwerb mit derzeit ca. 50 Wirtschaftsvölkern, mehr oder weniger Carnica-Landmädels, nur Standbegattung, Langstroth-Flachzargen in Brut- und Honigraum. imkere seit 1987.

  • Reinhard Schindele schrieb:


    Ist nach dem Austausch der Honigräume trotzdem mit einer "Versauerung"


    So mache ich es sehr häufig nach der Akazienernte. Da bleiben für einige Tage die HR Waben weg und ins Flugloch kommt eine Weichfaserplatte mit Ameisensäure rein geschoben.


    Weder den Bienen, noch dem nachfolgenden Honig macht dies etwas aus.Der Grund dafür dürfte die relativ schnelle Verdunstung der Ameisensäure infolge der doch eher hohen Temperatur Anfang Juni sein.


    Die Nachfolgenden Trachten sind bei mir Linde, Edelkastanie und Wald, bisher hatte ich noch keinen säuerlichen Honig.


    Mein Rat an Dich: bei Bedarf einfach probieren, wirst sehren das nichts negatives passiert.


    LG Josef

  • Moin Reinhard,


    Du hast in Deiner PM die Heide angesprochen. Die Heide ist nicht nur bienenmörderisch, weil sie spät blüht. Sie führt vor allem auch wegen der vielen Spinnennetze, Raubspinnen und der Flügelbeschädigungen, die sich die Bienen in den Sträuchern zuziehen, zum massiven Stärkerückgang. Dazu kommt die brutnestnahe Honigstapelung, die durch den Bienenverlust noch verstärkt wird.


    Wenn ich Goldrute ernte oder Honig aus dem Apothekergarten, dann ist der 3. Oktober ein schöner Termin. Der Varroadruck hält sich in Grenzen, wenn spät und gründlich im Winter entmilbt wurde und die Wandervölker die ersten Drohnen geschnitten bekamen und nicht lange bei den andern am Heimatstand verblieben. (Wanderung wirkt entmilbend, wie wir auf dem Treffen gehört haben :wink: ) Zwischenbehandlung oder Maßnahmen bei denen der HR kurzzeitig abgenommen wird, praktiziere ich nicht, weil die Auswirkungen auf die weitere Volksentwicklung je nach Trachsituation verheerend sein können. Trachtlos und ohne Reserven führt zu kaum wieder aufzuhohlenden Brutabbruch mit Ausfressen. Tracht führt zum gnadenlosen verhonigen und zum Engeschwarm oder dazu, daß der HR eben doch gleich wieder aufgesetzt wird - wär' ja schade um die Tracht.


    Völker, deren Milbenbefall keinen weiteren unbehandelten Einsatz zuläßt, werden entweder behandelt und kommen an den Heimatstand oder werden stark geschröpft und neu beweiselt und behandelt und die behandelten Kunstschwärme werden zur Verjüngung eingesetzt.


    Die Entscheidung fällt beim Ernten der Lindentracht im Juli.
    Für regelmäßige Heidenutzung empfehle ich die Celler Rotation, die bei der Frühjahrsschwarmbildung auch mit Ablegern gemacht werden kann.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder