Entscheidungshilfen für Anfänger bezüglich Betriebsweise

  • Hallo!


    Die Erfahrung hat fast jeder Imker gemacht: er fängt mit der FÜR IHN falschen Beute oder der falschen Betriebsweise an. Viele Anfänger hören sogar auf, weil sie mit bestimmten Umständen nicht zufrieden sind und von Alternativen erst garnicht erfahren.


    Ist diese Sitution zufriedenstellend? Muß wirklich jeder Imker diese Erfahrung machen? Ich finde nein und habe mir erste Gedanken gemacht, wie Jungimkern und solchen, die es werden wollen, geholfen werden kann.


    Einen Gedanken möchte ich hier vorstellen. Eine Aufstellung von Alternativen könnte helfen, seinen Weg durch das WirrWarr der Betriebsweisen zu finden. Ich habe eine Tabelle entwickelt, die Alternativen zu bestimmten Fragen auflistet. Jeder muß seinen Weg finden - aber auch die Möglichkeit dazu haben.


    Diese Tabelle ist unvollständig und erst einmal nur eine Idee. Ich möchte euch bitten, mir Vorschläge zu machen, was da noch reingestellt werden könnte.


    Um seinen Weg durch diese Tabelle zu finden, müßte jeder Parameter (ganz links) durch einen Fragebogen ermittelt werden. Zum Beispiel die letzte Zeile der Tabelle " Hauptaugenmerk der Produktion". Auf die Frage, welches Bienenprodukt denn erzeugt werden soll, kommt eine Antwort. Zum Beispiel Honig.


    http://home.arcor.de/bernhard_…taltung_Betriebsweise.png


    Ich habe mal anhand meinen Entscheidungen diese Tabelle ausgefüllt. Meine Betriebsweise soll zweigeteilt sein: ein produzierender Teil mit wenig Anteil an der Gesamtpopulation. Von angestrebten 50 Völkern möchte ich 5 Völker intensiv bewirtschaften. Die anderen extensiv in aus Weiden geflochtenen und mit Ton verschmierten Röhrenbeuten (dazu mehr nach Umsetzung). Dieser Teil soll den Fortbestand der Bienen als Art sichern und mir eine Menge Wachs einbringen, der für mich als angehender Selbstversorger wichtiger als der Honig ist. Jedenfalls zeigt die erste Tabelle meinen Teil der Produktionsbetriebsweise und die zweite Tabelle den Teil der Reproduktionsbetriebsweise.


    http://home.arcor.de/bernhard_…ensgemaess_Produktion.png


    http://home.arcor.de/bernhard_…sgemaess_Reproduktion.png


    So in der Art hätte der Anfänger einen Überblick und bei Problemen oder "schlechten Gefühlen" hätte der Anfänger eine Übersicht über Alternativen. Wäre eine solche Tabelle hilfreich? Welche Punkte müssen noch eingefügt werden? Welche Punkte hängen voneinander ab? Die Fragebögen zur Auswahl der einzelnen Punkte wären dann ähnlich aufgebaut. Ich versuche heute abend mal die Bögen dazu grob zu entwickeln. Die einzelnen Alternativen müssten erläutert und Pro und Contras aufgestellt werden. Für eure Hilfe wäre ich dankbar.



    Bernhard

  • Hallo Berhard,


    du kennst meinen Vortrag vom Treffen, hast du die Februar Ausgabe der ADIZ oder BIENE/IMKRERFREUND schon gesehen?


    Den Artikel von Dr. Ingrid Illies "Höchste Frauenquote" ?


    vielleicht verstehst du jetzt noch besser warum ich deswegen so wehement bin!


    Übrigens der Redakteur kennt meinen Vortrag auch und schau dir sein Bild auf Seite 2 an!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hi Toyota!


    Ich bekomme gerade den Zusammenhang nicht hin...welchen Deiner Vorträge meinst Du? Und in welchem Zusammenhang zu diesem meinen Anliegen?


    Ich habe nur das Bienenjournal zu Hand...helf mir mal auf die Sprünge!


    Bernhard

  • Es geht um rückenschonendes Imkern!


    Gut es ist auch unter einem andern Thred das Thema Gewichte etc.


    Wenn du die Zeitung nicht hast kannste es auch nicht wissen!


    In dieser ADIZ ist ein Bericht über die Frauen und Imkerei!


    Dort sieht man auf den Foto wie eine ältere Dame genau diese Sache mit dem Rückenverdrehen sehr anschaulich falsch vorlebt!


    Aufstellung in Reihe etc.


    das hab ich gemeint!


    Warst wohl mit dem filmen zu sehr abgelenkt! :wink:


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hallo Bernhard ,
    ich bewundere häufig Deine Kreativität und Deine philosophischen Betrachtungsweise der Imkerei und des Bienenvolkes.
    Aber welcher Anfänger soll mit einer solchen Tabelle etwas vernünftiges Anfangen können; außer er hat 3 Jahre Biologie mit Schwerpunkt Bienen studiert.
    Ich glaube in der praktischen Unterweisung und dem Schnupperkurs bei Imkern mit unterschiedlichen Betriebsweisen kann ein Anfänger eher zur "richtigen" Einstellung kommen.
    Gruß an alle ImkerInnen

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo Toyota! Ah-so :o Ich finde das Thema Rückenschonung ist extrem wichtig! Ebenso wie Du. Dafür, daß ich gefilmt habe, kann ich deine Botschaft ins Netz stellen....allerdings muß ich vorher ein Festplatten-Platzproblem lösen... :oops::oops::oops:


    Eisvogel : Die vorgestellte Tabelle wird dem armen Anfänger natürlich nicht ohne Kommentar vorgesetzt. Ein Fragenkatalog ala


    "Weshalb möchtest Du anfangen zu imkern?"
    Antwort A: Weil ich Bienen einfach beobachten will ()
    Antwort B: Weil ich einen kleinen Nebenerwerb aufbauen will ()
    Antwort C: Zur Selbstversorgung mit Honig und Wachs ()
    Antwort D: Zur Bestäubung meiner Obstbäume ()
    usw
    usw


    Das sind völlig verschiedene Ansätze, weshalb man mit der Imkerei anfangen will. Ein Lehrgang wird niemals diese Interessen richtig behandeln, sondern immer das gleiche Standardprogramm abspulen.


    Hier liegt der Ansatz.


    Ein Beispiel an meinem Anfang. Ich hatte vor, mich mit Honig und Wachs selbst zu versorgen. Das hat der alte Imker nicht verstanden. Ich wollte ein paar Bienen im Garten. Er hat mir ein ganzes Bienenhäuschen verkauft - mit 12 (13?) Völkern. Das Häuschen war/ist zudem auch 25 km von mir entfernt aufgestellt.


    Da ich neu war, folgte ich dem Ratschlag. Meine Bedürfnisse sind eher auf Wachs denn auf Honig ausgerichtet. Da ich Wachskerzen für die Beleuchtung meiner Behausung brauche. Was ich hatte, war eine Betriebsweise, die kaum Wachs hervorbrachte.


    Ich hatte einen Stand in 25km Entfernung und das, obwohl ich kein Auto besitze. Für diesen Irrtum habe ich über tausend Euro mehr oder weniger unnötig in den Sand gesetzt. Mein Bedarf war ein ganz anderer als der mir vorgestellte Weg, den ich aber wegen Unwissenheit einschlagen mußte. Ganz ehrlich - ohne dieses Forum hier hätte ich aufgehört zu imkern. Und genau das passiert da draußen tagtäglich. Am Bedarf vorbei geleitete Empfehlungen und Ratschläge.


    Das muß aufhören! Es sollte auch wieder Hobbyimker, Naturliebhaberimker, Hobbybestäuberimker, Selbstversorgerimker und so weiter geben dürfen. Ansonsten wird die Imkerei eingehen wie eine welke Blume.


    Kann doch nicht so schwer sein, einen Anfänger-gerechten Fragebogen zu entwickeln? Und ein paar Pro- und Contras aufzustellen? Wir haben doch fähige Köpfe aus allen Sparten hier versammelt: Berufsimker, Naturliebhaber usw.


    Packen wir's?


    Bernhard

  • Hallo,
    die Idee ist gut. Die Vorlage erschlägt jeden potentiellen Anfänfer es sei denn er hat sich wenigstens einen Winter lang ausschließlich mit Bienenliteratur beschäftigt und möglichst noch täglich 1-2 h Forum durchgearbeitet.
    Wenn wir Imker suchen die die Bienenstanddichte in allen Gebieten (Dorf, Stadtrand etc.) wieder erhöhen soll - was dringend erforderlich ist - und wir den Nebenerwerb und Erwerbsimker außen vor lassen, bedarf es weniger Fragen. Ein solcher Fragebogen der einem Anfänger die Entscheidung wie er anfangen kann darf nach meiner Meinung nicht das ganze Spezialwissen hier aus dem Forum abfragen.


    Aus meiner Erfahrung mit Anfängern muss er sich Gedanken machen und Fragen positiv beantworten können wie z.B.:
    Warum will ich Biene halten (Honig, Wachs, Bestäubung......)?
    Wo will ich Bienen halten (habe ich eine Platz der geeignet ist.....)?
    Ist meine das Umfeld des angestrebten Standplatzes für Bienen geeignet (Tracht, Kleinklima, Nachbar.....)?
    Steht meine Familie positiv dazu?
    Habe ich ausreichend Zeit für eine solche Aufgabe?


    Fragen zur Rasse, Beutenart, Betriebsweise etc. kann meines erachtens ein wirklicher Anfänger nicht beantworten. Kann er sie beantworten, dann hat er einen solchen Fragebogen nicht mehr notwendig und ich würde mich mit einem solchen "Anfänger" lieber zum Diskutieren und Gedankenaustausch regelmäßig bei seinen oder meinen Bienen treffen.
    Gruß an alle ImkerInnen

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo Bernhard,
    ich kann Eisvogel nur zustimmen.
    Dein Fragebogen ist wirklich eher dazu geeignet, eine "Umfrage" unter "erfahrenen Imkern" zu starten (wär doch was fürs nächste Treffen :D ).
    Einem Anfänger ist mehr mit einem guten Paten geholfen, der ihm Bienenmäßig auf die Sprünge hilft. Und erstmal empfiehlt sich immer, dessen Betriebsweise zu übernehmen und später vielleicht, wenn das erste Verständnis zum Wesen Bien gereift ist, kann man sich Gedanken zu Änderungen machen.

    LG
    Elke


    Bienen seit April 06, Carnica in Heroldbeute auf DNM , Gartenbienen

  • :wink: Oder mit einem kommerziellen, der zwar Geld fürs Wissen und die Betreuung nimmt, aber durch's Vermieten dem Anfänger eine Menge Geld spart.
    Das einzige, was meine Anfänger selbst kaufen müssen, ist ein Vollschutzanzug (Stichschutz ist Arbeitsschutz!!!!!).
    Alles andere, inklusive sehr viel Zeit, stelle ich.
    Aus den Erfahrungen des letzten Jahres kann ich aber sagen, es lohnt sich.
    Alle ziehen "ihre" Bienen im März zu sich nach Hause um, und ich kann sicher sein, diese Völker werden nicht mehr totgeguckt.
    Von zweien hab ich dieses Jahr die Kinder im Kurs, an Papas Bienen dürfen sie nicht und nun bekommen sie eigene.
    Und ihr glaubt doch wohl, daß sich das in der Schule rumspricht, was man für ein cooles Hobby hat... 8):wink: da kann man sogar Geld mit verdienen.... :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Funktioniert denn eurer Meinung nach das Patensystem? Sprechen da nicht die rückgängigen Zahlen der Imker dagegen?


    Mit meiner Erfahrung bin ich nicht alleine, muß das sein?


    Ich werde weiter daran arbeiten. Der Hinweis auf die Komplexität hilft schonmal weiter. Danke Eisvogel.


    Bernhard

  • Hallo, Bernhard,
    was allgemein dagegen spricht, ist die Art der Paten.
    "das wird so und so gemacht, basta!"
    Und die gewaltigen finanziellen Aufwendungen für einen Imkeranfang auf eigene Faust.
    Wer bringt Anfängern bei, daß Honig als Wabenhonig noch besser schmeckt als aus dem Glas?
    Wer zeigt ihnen die crush&strain-Methode?
    Nein, sobald jemand ein Volk hat, egal auf welchem Maß, ist die nächste Frage: was für eine Schleuder?
    Und so geht das weiter....
    Bevor die erste Saison vorbei ist, egal aus welchen Gründen jemand angefangen hat, ist er im Verein und "in der Falle".
    Mit selbst denken und nachfragen macht man sich schnell unbeliebt, und wer will seine einzigen Ratgeber verprellen?
    Mein Leasingsystem finde ich da schöner, der Neu-Imker ist KUNDE, und so behandle ich ihn auch, schließlich will ich einen zufriedenen Kunden.
    Es gibt einfach keine dummen Fragen, und ich beantworte die auch gern zum zwanzigsten Mal, bis er es verstanden hat.
    Zur Lebensrettung trägt allerdings bei, daß die Bienen im ersten Jahr hier bei mir stehenbleiben, und nur am WE besucht werden, also nix mit morgens und abends reingucken. :wink: 
    Und über den Preis hat sich bislang niemand beschwert, das Fitnessstudio kostet mehr im Monat... :wink: 
    ich bin gespannt, wie es dieses Jahr wird (und ja, ich KANN besser reden als beim IFT

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,
    das Patensystem allein funktioniert nicht.
    Es müssen zwei Dinge zusammen passen:
    1. Intensive und gute theoretische Ausbildung, nicht hochwissenschaftlich, sonder die grundlegenden Zusammenhänge im Bienenvolk und die notwendigen Arbeiten in der "klassischen Imkerei". Hier sollten möglichst eine überschaubare Zahl von Anfängern teilnehmen; keine Massenveranstaltung.
    2. Praktische Ausbildung unter unterstützender Anleitung des Paten am Bienenvolk des Schülers - d.h. der Anfänger bearbeitet "sein" Bienenvolk selbstständig unter "Aufsicht" des Paten. Der Pate bearbeitet dabei nicht etwa parallel seine eigenen Bienen, sondern nimmt sich ausschließlich Zeit für seinen neuen Kollegen.


    Dieses Konzept ist für den Paten sicher zeitaufwendig und hier liegt auch die Schwierigkeit: Es müsen erst Imkerpaten gefunden werden die auch bereits sind eventuell eingefahrene eigene Arbeitsweisen zu überdenken bzw. entsprechend der Vorgaben aus der theoretischen Ausbildung die Schüler anzuleiten und Zeit dafür zu haben.


    Gruß an alle ImkerInnen

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • :lol:  Eisvogel :
    es ist keine Schande, sich dafür bezahlen zu lassen.
    Was nix kostet, ist nix wert.
    Und es ist tatsächlich so. :wink:


    edit: und nein, ich mache bei diesem System keinen Gewinn, da hab ich übers Jahr einen Stundenlohn von 0,37€.
    Ich mach es aber trotzdem, weil Imkerei zu interessant ist, um sie aussterben zu lassen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Bernhard,
    Deine Idee finde ich absolut klasse! Eine Art Fragebogen zu entwickeln, wo dann nachher in etwa rauskommt:
    0-5 Punkte: Bienenrasse egal, Klotzbeute reicht, Schleuder nicht nötig
    5-15 Punkte: Bienenrasse x ideal, dieses oder jenes Magazin
    15-20 Punkte: Bienenrasse x oder y ideal, Magazin A oder Z oder sonst noch was


    So was würde ich genial finden, wenn es entsprechend fundiert gemacht wird. Mit deinen Fragebögen konnte ich so ehrlich gesagt nix anfangen, aber kann ja noch werden...


    Ich denke auch, z.B. mit was die Varroabehandlung gemacht werden sollte usw. das kann ein Anfänger nicht entscheiden (wir haben jetzt im 4 Jahr Bienen und sind auch noch nicht sicher, "unsere" Lösung gefunden zu haben.)
    Was ich mir an sinnvollen 8) Fragen so spontan vorstellen könnte:
    - Wie viele Völker möchtest Du halten?
    - Möchtest Du evtl. wandern? (ja - vielleicht - bestimmt nicht)
    - Was ist Dir an den Bienen wichtig? (Honig - Bestäubung - beobachten können - ...)
    - Wie viel Zeit willst Du investieren (mehrmals wöchentlich - nur WE - möglichst keine)
    - Evtl. bezüglich der Rasse interessant (hab da kaum Erfahrungen):
    Wie sehr hast Du Angst vor Stichen?
    Welche Bienen werden von den Imkern deiner Umgebung gehalten?


    Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr begeistert mich die Sache. Würde gerne selbst so einen Fragebogen machen, habe aber leider kaum Ahnung von den Betriebsweisen. Ich hoffe darauf, Bernhard, dass Du weitermachst!
    Grüßle
    Soni