Thermoregulation in der wesensgemäßen Bienenhaltung

  • Guten Morgen.


    Immer wieder treffe ich auf Aussagen, wie:


    - sein Volk kann der Imker totschauen
    - erhöhte Temperatur im Stock vermindert den Milbenbefall
    - niedrige Temperaturen in den Randwaben vermehren Krankheiten im Volk


    Diese Aussagen wurden hier im Forum schon getroffen und ausreichend diskutiert. Auch die Frage, weshalb in Warré- und in Christbeuten ohne Rähmchen wenig Drohnenbau geschieht. Während der Einsatz des Rähmchens ohne Bauvorgabe in den sonst üblichen Beuten OFT zum Drohnenbau führt.


    Mir stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Imkerei auf die Wärmeregulation des Biens hat.


    Warum verstärkter Drohnenbau ohne Mittelwandgabe? In den Warrébeuten gibt es ihn nicht. Was sind die Unterschiede?


    - keine Rähmchen
    - verminderter Rauminhalt
    - wesentlich weniger Eingriffe
    - Spalt zwischen den Zargen ist viel kleiner


    Nun, aus dem Buch über Verhaltensbiologie wird berichtet, daß die Entscheidung ob männlich oder weiblich bei der Biene durch Genetik bestimmt wird. Also durch Befruchtung (zwei Chromosomensätze) oder nicht-Befruchtung (ein Chromosomensatz). Die Entscheidung treffe die Königin.


    Meine Überlegung ist: die Entscheidung, ob befruchtet oder unbefruchtet: liegt sie wirklich bei der Königin? Ist es nicht vielmehr so, daß die Königin entscheiden wie sie will - was macht sie, wenn die Arbeiterinnen keine Drohnenzellen bauen? Liegt viel mehr Macht beim Bienenvolk als bisher zugesprochen?


    Nehmen wir einfach mal an, es wäre so. Die Entscheidung ob Drohn oder Arbeiterbrut liege bei beiden Parteien. Die Königin entscheidet mit Hilfe der Genetik, ob männlich oder weiblich. Wie entscheiden sich die Arbeiterinnen dazu? Was bringt sie dazu, Drohnenbrutzellen anzulegen?


    Aus der Verhaltensforschung gibt es viele Modelle der Bestimmung von Geschlechterverhältnissen. Eines davon ist, daß das Geschlechterverhältnis von der Temperatur abhängig ist. Das Verhältnis bei den Bienen wird in diesem Buch als abhängig von der Genetik gemacht, doch die Anlage von Drohnenbrutzellen ist wohl nicht abhängig von der Chromosomenzahl? Daß es Tiere gibt, die ihr Geschlechterverhältnis über die Temperatur regeln, finde ich eine interessante Variation. Ob die Arbeiterinnen anhand der Temperatur die Entscheidung treffen, ob Drohnenbau oder nicht?


    Die Randwabenbereiche sind kühler, dort finden sich Drohnenzellen, auch bei der Warrébeute. Varroa geht bevorzugt auf Drohnenbrut, heißt es. Die Aussage, daß die Drohnen Wärme nicht mögen und es weniger Befall gibt bei Hyperthermie: was sagt uns das?


    Daß die Beuten zu kalt sind? Ich kann es mir zumindest vorstellen. Wo gibt es schon so große Baumhöhlungen in der Natur. Die Löcher, die Spechte machen, entsprechen nicht den Ausmessungen einer Magazinbeute. In der Breite wohlgemerkt!


    Was sagt Ihr zu meiner Theorie, daß die Thermoregulation bei Überschreitung der Brutnestgrösse, also 30cm im Schnitt, schwieriger ist? Und damit mehr Anstrengung bedarf? Und damit evolutionären Druck ausübt? Und damit Varroabefall ermöglicht? Die Varroa geht in die kühleren Bereiche! Wenn das Brutnest kühl genug ist, gehen sie rein!
    Und befallen damit nun neben Drohnen- auch Arbeiterinnenbrut.


    Wenn die Entscheidung, ob Drohnen- oder Arbeiterzellen tatsächlich über die Temperatur geregelt wird - würde das nicht erklären, weshalb eine Warré/Christzarge mit 30cm Innendurchmesser eben nicht mit Drohnenzellen ausgebaut wird?


    Inwieweit könnte die Übergröße heutiger Beutensysteme die Anstrengung für die Thermoregulation vergrößern? Wie hängt das mit dem Verhalten der Varroa zusammen? Wenn die Varroa sich nicht anhand des Geschlechtes der Biene orientiert, wenn sie eine Zelle befällt, sondern anhand der ihr angenehmen Temperatur?


    Ist die heute übliche Beutenform anhand der Bedürfnisse der Imker oder der Biene gewachsen? Muß ich mich als wesensgemäßer Imker um die Verbesserung der Bedingungen der Thermoregulation kümmern?


    Bernhard

  • Hi Bernhard,
    das ist ein spannender Denkansatz, an dem wirklich etwas dran sein könnte. Wärme steigt nach oben. Vielleicht ist es wirklich die Beutenbreite, die aufgrund der vielen weniger warmen Bereiche eine überstarke Vermehrung der Varroa begünstigt, so das deren ansteigende Population zum Zusammenbruch eines Volkes führen kann.
    Es war ja immer die Frage, wie ein natürliches Parasit-Wirtsverhältnis entstehen kann und was den Prozess verhindert.
    Könnte "mehr Wärme" auch der Grund für den Erfolg mit kleinen Zellen sein? Es sind einfach mehr Brut und Ammenbienen auf weniger Platz.
    :o :o :o

    LG
    Elke


    Bienen seit April 06, Carnica in Heroldbeute auf DNM , Gartenbienen

  • :o Moin, moin, Elke,
    das könnte dann erklären, warum ich in Drohnenzellen eben nicht mehr Varroen als in den Arbeiterinnenzellen hab, weil es bei mir mit den kleinen Zellen ja überall kuschelig warm ist?
    Dann müßte es bei Einsatz vom geringeren Wabenabstand ja nochmal zwangsweise besser werden, weil 3mm Wabengasse weniger ist eine Menge, thermotechnisch.....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ob befruchtetes oder unbefruchtetes Ei haengt von der Groesse der Zelle ab. Eine groessere Zelle erhaelt ein unbefruchtetes Ei - es entsteht eine Drohne. Die Koenigin "misst" die Zellgroesse mit den Vorderbeinen so viel ich weiss.


    Drohnenzellen normalerweise am Wabenrand, wird in der Regel damit erklaert, dass diese Zellen mehr durch z.B. Kaelteeinbrueche gefaehrdet sind, als Brutzellen die im Zentrum liegen. Drohnen sind "expendable".


    Varroa Bevorzugung von Drohnenbrut. Drohnen entwickeln sich langsamer, also verbringen mehr Tage in der Zelle, d.h. groessere Anzahl von Varroa koennen sich "mitentwickeln". Ein Grund weshalb kleinere Zellen als Varroa mindernd wirken ist dass sich die Bienen um einen Tag schneller entwickeln, also weniger Zeit fuer Varroabrut durchzukommen.


    Mehr um Thermoregulation kuemmern ? Versuch's doch mal mit Rost zwischen Gitterboden und untersten Raehmchen, sowie Einflugloch oben anstatt am Boden der Beute.

  • Hi, zusammen,


    wenn wir 1. schon mit kleinen Zellen arbeiten
    und 2. mit Wabenabstand 32mm von Mw zu MW,
    dann müßten wir 3. einen geringeren bee-space zwischen den Zargen bestimmen, das wär logische Konsequenz, mehr so 6 bis 8mm als
    8 bis 10mm.
    Da hat Bernhard schon recht.


    Bernhard hast Du den Abstand schon mal gemessen zw. Zarge und Zarge bei Deinen Warre?
    Kannst Du uns da ne Ziffer geben?


    Müssen wir dann nicht auch auf z. B. eine gedrehte Dadant zurück?
    Fischermühle glaub ich arbeitet so ähnlich.
    Oder andere Überlegung: Sommer Breitwabe, Winter Hochwabe, einfach aufgestellt?
    Wenn dem so ist, dann sch... ich auf meine geliebte Pufferzone, die mir Bretschko einverleibt hat.


    Flogloch oben oder mittig? lt. H. Mehrl (Bericht 1997 glaub ich)
    würde er einem obigen Flugloch den Vorzug geben.
    Hab auch schon Ansatzpunkte zum mittigen Flugloch gesehen.


    Nun denn, frohes Schaffen allerseits.


    Gruß Simmerl

  • Hallo empilolo , alter Nigerianer,


    nun lass mal hören, was Du für Erfahrungen hast mit Flugloch oben!
    Und wenn Du Deinen Boden nochmal reinstellen könntest, wär ich Dir auch nicht böse, weil ich ihn nicht mehr finde.


    Bei mir haben alle Zargen ein Korkenflugloch.
    Meine Feststellung, wenn alle Fluglöcher offen sind:
    über den Boden fliegen nur noch wenige aus und ein,
    der meiste Verkehr findet in den mittigen und obigen Fluglöchern statt.


    Schaut mal alte Körbe an, bei vielen ist das Flugloch mittig.


    Grusß Simmerl

  • Hallo zusammen,

    Bernhard schrieb:

    Meine Überlegung ist: die Entscheidung, ob befruchtet oder unbefruchtet: liegt sie wirklich bei der Königin? Ist es nicht vielmehr so, daß die Königin entscheiden wie sie will - was macht sie, wenn die Arbeiterinnen keine Drohnenzellen bauen? Liegt viel mehr Macht beim Bienenvolk als bisher zugesprochen?

    Eindeutiges 'Ja' zu Deiner letzten Frage. Für diesen Sachverhalt kann ein beobachtender Imker vielfältige Belege sammeln, da braucht es keinen Wissenschaftler.
    Ergänzend zu Deinem Beispiel:
    Wer einen Schaukasten besitzt, sollte es mal zum Schwarm kommen lassen und die letzte Woche vor dem Schwarm intensiv die Königin beobachten.

      # Eine Gruppe von Pflegebienen, die verzweifelt versucht, das bereitete Futter an die Königin loszuwerden, sucht man weit und breit vergebens. Es ist also nicht so, dass die Bienen zwar weiter füttern wollen und die Königin von sich aus die Futteraufnahme verweigert!

      # Dafür gibt es immer wieder einige Bienen, die die Königin 'auf Trab' halten, manchmal sogar mit Bissen in die Hinterbeine.
      Die Königin magert also nicht ab, um die Flugfähigkeit zu erreichen: Sie wird abgemagert.


    Das gleiche Bild beim Schwarmauszug:

      # Die Königin fliegt weder vorne weg, noch sitzt sie hinter dem Flugloch und scharrt mit den Hufen.

      # Es sind die Bienen, die sie mit sanfter Gewalt aus der Kiste treiben.


    Bernhard schrieb:

    Wenn die Entscheidung, ob Drohnen- oder Arbeiterzellen tatsächlich über die Temperatur geregelt wird - würde das nicht erklären, weshalb eine Warré/Christzarge mit 30cm Innendurchmesser eben nicht mit Drohnenzellen ausgebaut wird?

    Hier bist Du m.E. auf einer falschen Fährte. Bitte drei Tatsachen nicht vergessen:

      # Auch im zentralen Bereich des Brutnestes eines ausgewachsenen Volkes wird ein Rähmchen mit Anfangsstreifen zur Drohnenwabe. Wo wird es im Bien wärmer sein, als gerade da?

      # Wir haben es beim Bien mit einem Organismus zu tun, der auch bei einer Aussentemperatur von -20°C ein Brutnest auf einer Temperatur von +34,5°C halten kann.
      Und da soll es auf ein paar Zehntel Grad Celsius ankommen?

      # Der Bien heizt nie den umgebenden Raum, er heizt lediglich das Innere der Traube.


    Diese Diskussion kommt mir aus vergangenen Tagen bekannt vor: 
    Beim Übergang von der Hinterlader-Imkerei zur Magazinimkerei wurden die beginnenden Magazinler öffentlich als Tierquäler gebrandmarkt, weil sie ihren Bienen das schöne, warme Bienenhaus mit den kleinen, kuscheligen und gut verpackten Schränkchen wegnahmen.
    Stattdessen sperrten sie die armen Tiere in große, kalte Bretterverschläge und stellten diese auch noch ungeschützt in den Frost.


    Erst als nicht mehr zu leugnen war, dass die 'Kühlschrank'-Bienen in der Regel gesünder und vitaler als die liebevoll gehegten Bienen im Blätterstock waren und dass der Magazinler mit seiner Familie einen Osterspaziergang machte, während sein Hinterlader-Kollege die 'Kunst der Durchlenzung' zelebrierte: Erst da verstummten die Kritiker.


    Dahin müssen wir doch bestimmt nicht mehr zurück. :-)


    Bevor Ihr mich haut: Ich kenne einige Kollegen, die weiterhin gut und erfolgreich im Blätterstock imkern.
    Sie haben erstens Recht und zweitens meinen Segen.
    Aber auch diese haben meist das Einengen vor dem Winter, das übermässige Verpacken und ähnliche Spielereien aufgegeben.


    Simmerl schrieb:

    Bei mir haben alle Zargen ein Korkenflugloch. Meine Feststellung, wenn alle Fluglöcher offen sind: über den Boden fliegen nur noch wenige aus und ein, der meiste Verkehr findet in den mittigen und obigen Fluglöchern statt.
    Schaut mal alte Körbe an, bei vielen ist das Flugloch mittig.

    Grüss Dich Simmerl, :-)
    ...und schau mal alte Bäume an, da ist das Flugloch auch irgendwo oben.
    Aber wenn die Bienen Läufer wären: Wetten, dass sie das untere Loch nähmen? ;-)


    Viele Grüße,
    Rudi

  • Hallo, Rudi, :D 
    ich kann mit gegenteiliger Behauptung kontern.
    Ein Schwarm ist in einen Zargenstapel auf Palette eingezogen, wo nur Leerrähmchen drin waren, und ein Deckel wegen Regen, aber unten halt sehr offen.
    Die oberste Zarge war verrutscht, und gab einen knapp 5mm breiten Spalt frei, der nicht mal direkt gängig war, wegen der Oberträger darunter.
    DAS wurde das Hauptflugloch, nur die Drohnen paßten da nicht durch und mußten unten durch die Palette raus und rein. Bewacht wurde übrigens beides. :wink:

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    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabine,

    Sabine schrieb:

    ich kann mit gegenteiliger Behauptung kontern. ...

    ok, glaub ich Dir unbesehen.
    Aber gegen welche meiner Aussagen war das eine gegenteilige Behauptung?
    Ich hab langsam geschrieben, da musst Du auch gaaanz laaangsaaam lesen... :-)
    Viele Grüße,
    Rudi

  • :lol:

    Zitat

    Aber wenn die Bienen Läufer wären: Wetten, dass sie das untere Loch nähmen?


    Die da.
    Die Mädels hatten ihren eigenen Eingang oben, die Jungs mußten unten raus, wären aber auch gern oben gelandet.
    Ich bin gespannt, wie die im April innen aussehen.... :D


    edit: JETZT ist der Groschen gefallen...*ggg* macht aber nix, ich laß das jetzt so....
    Aber morgen kauf ich Vita-Buerlecithin....*ggggggg* (80% Alk)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • nassauer schrieb:

      # Auch im zentralen Bereich des Brutnestes eines ausgewachsenen Volkes wird ein Rähmchen mit Anfangsstreifen zur Drohnenwabe. Wo wird es im Bien wärmer sein, als gerade da?


    Über diese Beobachtung habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Wenn ich die Wabe aus der Mitte des Brutnestes entferne, dann schaffe ich ein den Bienen ein bewußtes Loch. Ich teile das Brutnest in zwei Teile. Für die Bienen müssten dann zwei Brutnester existieren. Darauf machen sie das, was sie immer machen: am Rand des Brutnestes A und am Rand des Brutnestes B bauen sie Drohnenbrut. Sie heizen das Brutnest A und das Brutnest B. Sie heizen nicht die Nebenräume und auch nicht das Loch. Wozu auch? Gibt es da Brut?


    Mit Erlaub: Die Temperatur innerhalb des Nestes dürfte durch solch eine Operation sinken. Wie sollen die Bienen die Temperatur in der Mitte des Brutnestes halten, wenn dort ein für ihr Gefühl großes Loch ist? Wenn die Bienen in der Traube kleine Gänge zur Belüftung bilden, dann wird ein Waben-breiter Gang wie ein Turbokanal wirken. Wie ich schon in meinem Beitrag zum Energiehaushalt geschrieben habe: wenn die Bienen die Temperatur um 1°C anheben, verbrauchen sie 30% mehr Energie als sonst.


    nassauer schrieb:

      # Wir haben es beim Bien mit einem Organismus zu tun, der auch bei einer Aussentemperatur von -20°C ein Brutnest auf einer Temperatur von +34,5°C halten kann.


    nassauer schrieb:

      # Der Bien heizt nie den umgebenden Raum, er heizt lediglich das Innere der Traube.


    Diese Aussagen widerlegen meine Theorie nicht, im Gegenteil wirken sie eher unterstützend. Die Bienen heizen die Randwaben in einer sehr breiten Beute nicht mehr.
    Mit allen Folgen.


    Lieber Rudi, ist die Hinterbehandlerbeuten mit deiner Christbeute vergleichbar? Ist es nicht viel eher so, daß die Möglichkeit der Erweiterung durch Auf-oder Untersetzen von Magazinen eine Enge vermeidet, wie sie von Dir in den Hinterbehandlern beschrieben wurde? Zu diesen Zeiten müssen wir also nicht zurückkehren.


    Ich habe mir die verschiedenen Möglichkeiten in dem Buch über Verhaltensbiologie angesehen, wie sich Geschlechterverhältnisse in der Natur bilden. Wenn die Arbeiterinnenbienen an der Entscheidung teilnehmen, so bleibt für mich der Faktor Wärme der schlüssigste Faktor. Weil die Arbeiterinnen sich nicht selbst sexuell vermehren, bleiben einfach nicht viele Möglichkeiten. Eigentlich nur, daß sie anhand von Umweltfaktoren entscheiden. Und da gibt es meines Wissens nur die Wärme. Müßte das Buch nochmal an dieser Stelle lesen.


    Simon Angerpointner schrieb:

    Bernhard hast Du den Abstand schon mal gemessen zw. Zarge und Zarge bei Deinen Warre? Kannst Du uns da ne Ziffer geben?


    Also gemessen habe ich den Abstand noch nicht. Aber er lässt sich leicht abschätzen, da es keine großen Bauteile gibt. Der Abstand zwischen Wabe und Wabe ist Beespace addiert mit der Dicke des Trägers - also 8mm mit 5mm. Ergibt *rechnerechnerechne* 13mm. Das dürfte im Bienenbewußtsein ein Löchlein in der Wabe sein, so wie sie in langen Waben vorkommen. Wie groß ist der Abstand von Wabe zu Wabe in euren Magazinen?


    Hier mal ein Bild von einer fast ausgebauten Warre-Zarge:



    Die Bienen bauen seitlich nicht an und unten auch nicht. Das ist leicht erklärbar - es sind die Maße 30cmx30cmx21cm. Von den Topbarhives weiß man um die sogenannte Kettenlinie, die Bienen im "Freibau" (um mal ein neues Wort zu erfinden :) ) bilden. Die Magazine lassen sich ohne Matschen trennen. Die Waben hängen mehr oder weniger gerade in den Kästen (ich habe überhaupt keine Mittelwandstreifen verwendet). Würde man Streifen verwenden, so würden die Waben gerade an den Trägern hängen und der Warre-Imker kann die Träger entnehmen wie in der Mobilbeute. Nur ohne Drahten, Rähmchen zusammenbauen und so weiter.


    Zurück zum Thema: ich habe vielleicht mit der Wärme schon einen Lösungsweg begangen, daher stelle ich nochmal ein paar grundlegendere Fragen:


    1.) Kann man sich darauf einigen, daß größere Räume größere Anstrengung zur Wärmeerhaltung erfordern?
    2.) Daß Bienen nur und ausschließlich das "Brut-Ei" heizen?
    3.) Daß die Milbe die Warmregionen meidet?
    4.) Daß Kaltbereiche also für Milben angenehme, sprich günstige Bedingungen schaffen?


    5.) Warum bauen Arbeiterinnen Drohnenbrut? Was ist der Auslöser für dieses Verhalten?
    6.) Daß die Königin weniger Macht hat, als ihr zugesprochen wird?


    Die einzigen Unterschiede zwischen Warre- oder Christbeute zu den modernen Magazinen ist wohl die Verwendung von Rähmchen und die Größe in der Breite. Was veranlasst Bienen in modernen Magazinen dazu, im Freibau Drohnenbrut anzulegen? Die Rähmchen? Oder die Breite? Ich weiß nicht, ob ich auf dem Holzweg bin, wenn ich das Rähmchen ausschließe als Grund, aber ich sehe leider keinen Ansatz für einen Zusammenhang. Ich habe außerdem normale Magazine unter dem Brutnest in DM-Maß per Wildbau ohne Rähmchen ausbauen lassen: Ergebnis war Drohnenbau. Also...


    7.) Was bewirkt der Durchmesser der Beute, so daß die Bienen im Freibau gehäuft Drohnenbrut anlegen?


    Bernhard

  • Hi, Bernhard,
    ein Schnellschuß von mir:
    Mein beespace zwischen den Zargen ist ebenfalls 13mm, exakt wie bei dir, und null Verbauungen. Paßt. ;-)


    1.) Kann man sich darauf einigen, daß größere Räume größere Anstrengung zur Wärmeerhaltung erfordern?
    Nur, wenn es größere Räume zwischen den Waben sind, sowohl vertikal als auch horizontal.


    2.) Daß Bienen nur und ausschließlich das "Brut-Ei" heizen?
    Yepp. Zumindest machen sie in kalten Zeiten die Wabengassen dicht, ein Sensor unterm Deckel müßte eine niedrigere Temperatur messen als im Brutnest tatsächlich vorhanden ist.


    3.) Daß die Milbe die Warmregionen meidet?
    Wenn nur Warmbereiche vorhanden sind (kleine Zellen) nein, ich scheine eine gleichmäßige Milbenverteilung zu haben, es wird interessant, wenn alles auf 32mm sitzt.


    4.) Daß Kaltbereiche also für Milben angenehme, sprich günstige Bedingungen schaffen?
    Kaltbereiche sollten per se nur am Rand des Brutnestes zu finden sein, sprich in der Drohnenbrut, nur ist die bei mir auch kleiner als normal, (nicht bei Ablegern!!Nur bei KS!) also mutmaßlich wärmer...
    Deswegen nicht signifikant mehr Varroen dort?


    5.) Warum bauen Arbeiterinnen Drohnenbrut? Was ist der Auslöser für dieses Verhalten?
    Weil sie in pervers ( 8) ) widernatürlichen Ablegern die ganze Zeit denken, daß sie jetzt am Rand des Brutnests sind? Und weil genau da Drohnenbrut hingehört?
    Wenn ich mir meinen Naturbau so angucke, werden die Drohnenareale immer kürzer, sobald auf der leeren Seite weiter gebaut wird.
    Sprich, in der Mitte nach den ersten reinen Arbeiterinnenzellen massiv Drohnenbau, der aber zügig verhonigt wird. Bebrütet wurde letztendlich erst der im Zeitablauf äußere Rest.... Ich finde das faszinierend, weil mir das JETZT GRADE erst auffällt.
    Der innere Drohnenbau wurde entweder verhonigt oder es wurde innerhalb von 2 Reihen auf Arbeiterinnenbau umgeschaltet....
    Ich rede jetzt nur von Ablegern, nicht von KS.


    6.) Daß die Königin weniger Macht hat, als ihr zugesprochen wird?
    Sie hat in Bezug auf Brutart und Menge keine Macht.
    Wenn ihre Besatzung meint, sie hätten genug Drohnen, werden die Zellen verhonigt und gut ist's mit Drohnen.
    Meine persönliche Meinung geht ja ganz schwer in Richtung Drohnenpheromone....
    Es stinkt genug, also *abschalt*


    7.) Was bewirkt der Durchmesser der Beute, so daß die Bienen im Freibau gehäuft Drohnenbrut anlegen?
    ich zitier mal wieder Weihenstephan:
    "Beim freien Bau wird zuerst nach dem Einziehen eines Schwarmes Arbeiterbau erstellt, erst dann werden auch Drohnenzellen gebaut. Schlägt man einen Schwarm in eine große Kiste von 1 x 1 x 1 m, so baut er nicht mehr als 8 Waben, diese Waben werden nicht breiter als 35 cm, aber er baut bei guter Tracht vom Deckel bis zum Boden. Die Drohnenzellen sind immer am Rand des Brutnestes."
    8 Waben bedeuten entweder bei 35mm Wabenabstand 28cm Tiefe, oder bei 32mm knapp 25cm.
    Damit wäre eine 30 x 30 Kiste schon wieder signifikant davon abweichend.
    Wer baut denn mal eine 28 (25) x 35 x 100 Beute?
    Nur so zum Antesten, was ein echter VS damit macht? :D


    Ich denke, daß die Mädels als Ableger tatsächlich völlig verwirrt über den zur Verfügung stehenden Raum sind, und deshalb zuerst soviel Drohnenbau erstellen, denn sie sind ja permanent an der Außenseite!


    Bernhard, ich danke dir explizit für diesen Anstoß, das wird wieder Folgen haben... :lol:

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