Bienen-verträglichste Zeitpunkt der Ernte im Jahreskreislauf

  • Hallo und Guten Morgen.


    Eine Frage, die sich mir während des Imkerforumtreffens stellte: welcher Zeitpunkt im Jahr ist der verträglichste für die Bienen bezüglich der Ernte?


    Ich bin mir bewußt, daß dies abhängig von der Art der Betriebsweise und auch Art der Ernte (voll abräumen etc) ist - aber einen Blick über den Tellerrand kann nicht schaden. Wichtig ist mir der Ansatz, sich die Frage aus Sicht des Biens zu sehen.


    Michael Weiler sprach von einer Imkerei, die sich an Signalen der Bienen orientiert. Wenn zum Beispiel die Bienen kurz vor dem Schwärmen stehen, kann man sie teilen (korrigiere oder ergänze mich, wenn notwendig, Michael) oder den Schwarm vorwegnehmen. Gibt es so ein Signal oder Zeichen auch für die Ernte des Honigs? Kann der Bien zum Ausdruck bringen: ich habe Überschüsse?!


    Bernhard

  • Guten Morgen, Bernhard,
    ich glaube nicht, daß es aus Sicht des Bienenvolks überhaupt jemals Überschüsse geben kann.
    Es gibt ein "genug", wenn beim besten Willen kein Platz mehr für Lagerung ist, ohne das Brutnest in eine kritische Untergröße zu bringen, aber einen Überschuß im Sinne von "macht nix, wenn das wegkommt", kann es zwangsläufig nicht geben.
    Und sie "WISSEN", wieviel sie haben, denk an die Verhaltensänderung, die eintritt, wenn scharf abgeerntet wird, ohne sofort auch wieder zu füttern.
    Depression, Verzweiflung und Existenzangst wären dafür wohl die richtigen Worte...
    Klar gab und gibt es immer wieder Bären :wink: aber auch der wird es normalerweise nicht schaffen, soviel zu stehlen wie der Imker, dafür sind die Mädels ja bewaffnet.... :wink: 
    Ich glaube, daß man am unauffälligsten im Spätsommer abgreifen könnte.
    Im Idealfall sogar erst nach der Erzeugung der Winterbienen, weil m.M. nach sich die Volksstärke ja nach verfügbarem Raum und Vorräten richtet, sprich, ein noch nicht geerntetes Volk müßte wesentlich mehr Winterbienen im zweiten Bruthöhepunkt erzeugen als eins, das schon lange wenig Vorrat hat und womöglich auch noch eingeengt wurde.
    Was meinst du? :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo,


    für sammeln bis zum Frühjahr bräuchte man aber relativ hohe Räume (Sturm).
    Und oben sammelt sich die Wärme und die Feuchte.
    Das gäbe als Folge doch Schimmel?

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Aus Sicht der Bienen gibt es nie eine verträgliche Zeit für die Entnahme des Honig durch den Imker.
    Die Bienen sammeln den Honig nur für die sozialen Gemeinschaft, der Bien. Jede Entnahme des Honig, egal welchen Zeitpunkt man wählt, bedeutet einen gewaltigen Eingriff ins Bienenvolk.
    Der Bien braucht den Vorrat fürs Überleben und zwar soviel, dass der Honig auch nach einem schlechten Trachtjahr noch bis in den nächsten Frühling hineinreicht. Der Überschuss nach der Frühlingstracht gehört dem Schwarm (oder Schwärme), dem Kinde des Muttervolkes, als Starthilfe zu einem neuen vollwertigen Volk.
    Aus imkerlichen Sicht ist die gängige Imker-Praxis auch für die Biene akzeptabel. Der Imker tauscht einfach, solange viele kurzlebige Sommerbienen noch leben, den entnommenen Honig als Wintervorrat durch Zucker aus. Den Überschuss welcher für Schwärme und Notlagen gedacht ist, behält der Imker als Lohn für die gute Pflege zurück. Bei schlechten Frühjahrestrachten gibt der Imker den Überschuss dem Bienenvolk meistens in Form von Zucker wieder retour.
    Eigentlich wäre, wie schon erwähnt, die Ernte im Frühling vor der ersten grösseren Tracht die bienengerechteste Kompromiss.

  • BernhardHeuvel schrieb:

    (...)Gibt es so ein Signal oder Zeichen auch für die Ernte des Honigs?(...)


    Ich habe gestern einen Strohkorb abgeräumt, ein Specht hat die Bienen herausgetrommelt. Der Korb war randvoll mit gutem Honig und neuem Wachs. Der Bien hatte seinen Körper verlassen. Es herrschte Ruhe, ich nahm nichts Lebendigem etwas weg. Das war harmonisch, allen Umstand zum Trotz.


    Die Lösung mit dem Zuckerersatz für Honig - wird der Bien da nicht zu stark mechanisiert? Selbst in einer Maschine macht es Unterschiede, welcher Brennstoff verwendet wird. Ein Super-Fahrzeug fährt sich nicht mit Diesel!


    Honig und Wachs sind Körperteile des Bien und jeder Ersatz (Mittelwand, Rähmchen, Zucker) bleibt eben nur Ersatz, eine Prothese.


    Als Imker darauf zu warten, bis der Bien seine Beute verläßt, ist vielleicht auch keine Lösung, da wenig imkergerecht. Die alte Lösung unserer bäuerlichen Ahnen war, die schwächsten und stärksten im Frühjahr und Herbst aufzulösen.


    Das hatte zum einen den Effekt, daß eine Art Selektion stattfand (die Schwachen auflösen), zum anderen ein Produktionsmaximum gegeben war (die Stärksten auflösen).


    Wird diese Auflösung im Frühjahr vorgenommen, so lassen sich die herausgetrommelten Bienen wie ein Schwarm in eine neue Beute schlagen.


    Das Auflösen der Schwächsten im Herbst hat eine sanierende Wirkung auf Pathogene?


    Bernhard

  • Hallo Bernhard,
    der Zeitpunkt der Honigernte lag auch an der Betriebsweise.
    Es gab Gegenden, da wurde schon im Herbst abgeerntet,
    weil ein mehrfaches an Bienenvölker vorhanden war, als für die Frühjahrsentwicklung der Völker gut war.
    Bis zur Spättracht war dank der Schwärme dieser Überschuss an Völkern wieder erreicht.
    Wichtig war, das man wusste, welche Völker man überwintert.
    In anderen Gegenden wurde erst im Frühjahr geerntet.
    Nicht nur in Klotzbeuten, auch in Strohkörben.
    Man schnitt einen Teil des Wabenbaues heraus und drehte den dann leeren Teil nach vorne.
    Bei diesen Körben war das Flugloch nicht im Korb, sondern auf den Bodenbrett angebracht.
    Anscheinend liegt der Erntezeitpunkt auch damit zusammen, ob man Schwarmbienenzucht macht; und damit den Völkerüberschuss verwertet; oder nicht.
    Was könnten wir daraus lernen?
     

    Honigernte v o r der Überwinterung bedingt eine Auslese der Völker zu diesem Zeitpunkt.
    Dazu müssen wir stark vermehren.
    Oder wer seine Völker nicht vermehrt muss diese auf Honig überwintern lassen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Zur Ernte im Herbst aus Strohkörben habe ich einen Videofilm beim Aufräumen meiner Festplatte wiederentdeckt. Da geht es um Imkerei in Strohkörben und wie da die Herbstarbeiten sind. Ernten, Auflösen und Einfüttern in Strohkörben.


    Wer mag, kann das Video per Email bekommen. Einfach kurze Info per PM.


    Bernhard

  • BernhardHeuvel schrieb:

    Der Bien hatte seinen Körper verlassen. Es herrschte Ruhe, ich nahm nichts Lebendigem etwas weg. Das war harmonisch, allen Umstand zum Trotz.


    So unterschiedlich können die Auffassungen und Empfindungen von "Harmonie" sein. Ein Kommentar vom Kollegen Jungels ist hier finde ich sehr passend:


    Glauben Sie die Bienen verspüren irgend eine Harmonie wenn ihnen im Spätwinter fast die Kotblase platzt? -Wenn sie wenig später von räubernden Ameisen belästigt werden? -Beim Wasserholen in der Frühjahrskälte erstarren? -Und die Jungköniginnen die sich um Leben oder Tod zerbeißen? -Die Drohnen die im Sommer von den Bienen ausgehungert werden? Denken Sie an Harmonie wenn Ihre Bienen im Spätsommer von der Varroa dezimiert werden, von Wespen belästigt und die Bienenvölker sich dann schlußendlich im Überlebenskampf noch selbst beräubern?

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    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Treffen sich zwei Männer auf der Straße.
    Fragt der erste: "Entschuldigung, können Sie mir sagen, wie spät es ist?"
    "Nein, tut mir leid", die Antwort seines Gegenübers:
    Darauf wieder Ersterer: "Macht ja nichts, aber es war doch schön, mal ausgiebig darüber gesprochen zu haben."


    Und genau so, Bernhard, muss ich die Mehrzahl deiner Beiträge verstehen.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Michael, dein Ton ist mir erheblich zu persönlich! Ich bin gerne bereit ernst gemeinte Kritik anzuhören, doch Du führst deine Kritik nicht aus.


    Daraus schließe ich, daß Du nicht kritisieren sondern pöbeln willst? Wenn Du mich nicht leiden kannst, dann muß das nicht in diesem Forum durch deine Beiträge zum Ausdruck kommen. Pöbeln ist noch sinnloser.


    Ich bin in der Annahme, daß ich hier höflich bin und daß ich mich hier ordentlich verhalte. Im Rahmen des Anstands darf ich das auch von Dir erwarten.


    reiner : Ich beschrieb eine gefühlsmäßige Momentaufnahme. Nicht falsch verstehen. Diese Beschreibung ist nicht mit meiner Ethik gleichzusetzen. Die bildet sich gerade und das dauert eben seine Zeit. Die genannte Aufzählung der Disharmonie läßt sich übrigens fortsetzen mit den Taten des Imkers, die ebenfalls zur Disharmonie führen können.


    Weiter ist zu betrachten, daß die "Güte" des Imkers sich auf die Bienen beschränkt, die Milben werden als Lebewesen nicht mit dieser Güte bedacht. Nun gut, Henry hat das Imkersein auf die Bienen per Definition beschränkt. Meine persönliche Ethik sagt aber: achte alles Lebendige! Alle Lebewesen, egal ob Pilze, Pflanzen, Tiere oder Menschen. Achte das Leben.


    Mit dieser Ethik ist es aber schwerer, gut und böse abzustecken. Dafür schult es den ganzheitlichen Blick. Meine Ethik in Bezug zur Begegnung Mensch und Biene bildet sich noch. Wächst.


    Ich bin weder antroposophisch (da steckt mir zuviel Theosophie dahinter), noch esoterisch, noch wissenschaftlich, noch sonstwas. Ich bin einfach interessiert und stelle Fragen. Denke nach. Ich bediene mich der oben genannten Elemente/Strömungen, aber ich vergöttere sie nicht. Ich halte es eben für unkreativ, immer mit denselben Methoden zu arbeiten.


    Bernhard

  • [quote='BernhardHeuvel']
    Daraus schließe ich, daß Du nicht kritisieren sondern pöbeln willst? Wenn Du mich nicht leiden kannst, dann muß das nicht in diesem Forum durch deine Beiträge zum Ausdruck kommen. Pöbeln ist noch sinnloser.
    /quote]
    Hi Bernhard,


    da ich Dich nicht persönlich kenne, sondern nur deine Beiträge: Ich kann den größten Teil Deiner Beiträge nicht leiden. Du bist gelinde gesagt ogozentrisch: Der Bien des Bernhards, des Bernhards Bien. Wenn mal was Interessantes kommt (Zellenmaße Korb Naturbau), gibst Du auf Nachfrage zu, daß Du mangels Kenntnis des Verfahrens ungenau gemessen hast.
    Höflichkeit: allgegenwärtige ununterbrochene dezente Fahrstuhlmusik kann einen auf die Dauer auch zur Raserei bringen.


    Gute Besserung
    Jörg

    Konfuzius sprach:
    Worte sollen den Menschen etwas sagen - das ist alles.