Eusozialität und Zucht

  • Hallo miteinander!


    Ich hoffe, daß im Forum einige Züchter mitlesen, die mir vielleicht folgende Frage beantworten können.


    Wie wird bei der Zucht die Evolution der Eusozialität und deren Faktoren berücksichtigt? Oder wird sie überhaupt berücksichtigt?


    Mich interessiert das, weil die Haplodiploidität (Verwandschaftsgrad) direkte Auswirkungen auf die Selektion und Evolution der Eusozialität des Bien hat.


    Bernhard

  • Hallo zusammen,
    das habe bei Wikipedia gefunden:


    Eusozialität (von griech. ευ "sehr" und lat. socialis "kameradschaftlich") ist die Bezeichnung für das Verhalten der Staatenbildung im Tierreich. Sie ist besonders auffällig bei Hautflüglern, z. B. bei Ameisen, Honigbienen, Feldwespen und Echten Wespen, kommt aber auch bei anderen sozialen Insekten wie den Termiten, bei anderen Arthropoden und selbst bei seltenen Garnelen vor. Die einzigen eusozialen Säugetiere sind die Nacktmulle; den Graumullen wird Eusozialität nicht einhellig zugesprochen. Manchmal wird auch einigen Hunden (lat. Canidae) Eusozialität zugesprochen. Auch wenn hier keine biologische Sterilität von Gruppenmitgliedern vorliegt, paaren sich meist nur das Alpha-Männchen und Alpha-Weibchen.


    Für echte Eusozialität müssen vier Bedingungen erfüllt sein. Dies sind


    kooperative Brutpflege durch mehrere Tiere
    gemeinsame Nahrungsbeschaffung und auch -verteilung
    Teilung des Verbandes in fruchtbare und unfruchtbare Tiere
    Zusammenleben mehrerer Generationen
    Ist nur die erste Bedingung erfüllt, spricht man von einer quasi-sozialen Art, ist nur die letzte nicht erfüllt, handelt es sich um eine semi-soziale Art. Die Übergänge können aber fließend sein. Eusozialität umfasst eine strenge Rangordnung, die Aufgaben wie Begattung, Brutpflege, Bau, Feindabwehr und Führung für einzelne Gruppen festschreibt.


    Da Eusozialität ein hohes Maß an Altruismus bedingt, wird an ihr häufig die Theorie des egoistischen Gens aufgezeigt


    Ich bin zwar kein Züchter im eigentlichen Sinne, sondern 'nur' Königinnenvermehrer (von Völker, die mir gut erscheinen), möchte aber trotzdem meine Meinung dazu abgeben. Eusozialität ist ja nach meinem Verständnis die Voraussetzung für das Überleben eines Bienenvolkes bzw. der Honigbiene überhaupt. Warum sollte dann das bei der Zucht überhaupt berücksichtigt werden? Ohne würden die Bienen ja gar nicht überleben... Oder habe ich die Frage von Bernhard ganz falsch verstanden?


    Viele Grüße,
    Vorgebirge

    (seit 2002 Carnica, Standbegattung; Löwenzahn, Obstblüte, Sommerblüte, Robinie, Linde; Zander, Zeidlermagazin (Heroldbeute), Hohenheimer Einfachbeute; Neutralgläser, eigene Etiketten; Honig, Propolis, Met, Bärenfang)

  • Ich denke, Bernhards Frage geht in Richtung der Tochtergruppen der einzelnen Drohnen.
    Die Töchter einer Königin sind ja nicht alles Vollgeschwister, sondern haben gruppenweise andere Väter, sind also tw. nur Halbgeschwister.


    Nach der Wikidefinition sehe ich den 4. Punkt nicht erfüllt, Mutter & Töchter sind für mich noch nicht "mehrere Generationen" im obigen Sinn.


    Es wäre natürlich hochinteressant, ob die Arbeiterinnen bereits an den Pheromonen der Larven Voll- und Halbgeschwister unterscheiden könnten.
    Wenn dann Bruteinschränkung angesagt wäre, würden sie dann unterschiedslos Brut ausfressen, oder eher keine Vollgeschwister und lieber nur Halbgeschwister?


    Soziales Verhalten sehe ich da am ehesten in der Drohnenaufzucht, denn das sind ja alles nur Halbbrüder bzw. Mamas Gene pur in männlich.
    Wo liegt der Vorteil der Arbeitsbienen, die überhaupt aufzuziehen, wenn sie doch keine engen Verwandten sind? :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne! Hallo @ all!


    Ich lese gerade ein Buch über die Verhaltensbiologie der Tiere im Allgemeinen. Dort finden sich grundlegende Prinzipien allen Lebens wieder. Unter anderem finden sich dort Faktoren für die evolutionäre Fitness wieder, als auch Auswirkungen diverser Fortpflanzungsstrategien.


    Die Honigbienen werden da als ein Beispiel für Eusozialität genannt. Es gibt bestimmte Umstände und Prinzipien der Eusozialität, die sich seit Jahrmillionen bei der Honigbiene herauskristallisiert haben. Ein Umstand ist die Mehrfachverpaarung der Königin und die daraus folgende Eusozialität.


    Die weiblichen Bienen einer Kolonie geben ihre eigene Reproduktion auf zugunsten der Reproduktion der Mutter. Dies gewährleistet das Fortkommen der Gene der Mutter und hat noch weitere Vorteile gegenüber den Kosten, die aber in den Bereich der Brutpflege (Aufzucht der Jungen in der allgemeinen Verhaltensforschung) fallen.


    Für die Biene ist Eusozialität der evolutionäre Vorteil und Teil ihrer Evolutionären-Stabilen-Strategie. Eusozialität, also die Aufgabe der eigenen Reproduktion, Aufgabenteilung und Brutpflege wird bei den Bienen durch ein bestimmtes Geschlechterverhältnis gefördert. Die weiblichen Arbeiterinnen sorgen für ein Geschlechtererhältnis von 1:3. Die Königin hat aber Interesse daran, ein Drohnen-Arbeiterinnenverhältnis von 1:1 aufzubauen. Da eine Drohne nur ihre Gene trägt. Dieser gegenläufige Interessenskonflikt wird meist von den Arbeiterinnen gewonnen.


    Mich interessiert: im Forum wird oft über den hohen Drohnenanteil in den Kolonien berichtet. Wie können da Zusammenhänge zwischen Drohnenüberschuß und heutiger Zucht- oder Haltungsmethoden bestehen? Weshalb gewinnt die Königin und setzt ihre Interessen durch? Bestehen Zusammenhänge mit dem Einführen fremder Königinnen in ein Volk? Wie wirkt sich die Einfachverpaarung durch künstlicher Besamung auf die Eusozialität aus? Und damit auf das Verhalten und die weitere Evolution der Biene?


    Das Bienen eusoziale Tiere sind ist hinlänglich bekannt. Das ihr Verhalten aus der Fortpflanzungsstrategie stammt ist auch bekannt, hat man das bei der Zucht nicht beachtet? :o :o :o Wo führen wir dann die Biene hin, wenn wir ihre Evolutionäre-Stabile-Strategie wegzüchten?


    Bernhard



    PS: Das Buch "Verhaltensbiologie" gibt es hier bei => Amazon


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    Sprache: Deutsch
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    ISBN-13: 978-3540240563

  • *örks*
    Jetzt geht's aber wirklich ans Eingemachte, was? :wink: 
    Da ich das Buch über Fernleihe nicht kriegen kann, mußt du mir bitte nochmal auf die Sprünge helfen.
    Wie belegt oder errechnet sich das angeblich angestrebte Geschlechterverhältnis von 1: 3 bzw. 1:1?
    Mehr als 1:4 in Bezug auf belegte Brutfläche ist mir noch nicht untergekommen in der Realität, außerdem ist das NUR von April bis Mitte Juni max. so , also kein Dauerzustand.
    Außerdem würde ich niemals meine Hand dafür ins Feuer legen, daß sämtliche Dohnenecken tatsächlich von Big Mama gelegt wurden, sondern nach dem mehrfach verifizierten Umstand, daß durchaus auch beim Arbeiten mit Absperrgitter durch legende Arbeiterinnen sich im HR Drohnen finden lassen, die auch dort erbrütet wurden, bin ich da den gängigen Fortpflanzungstheorien gegenüber sehr skeptisch geworden.
    Den Drohnenanteil zu schätzen bei dem Gewusel im Volk kann schwer in die Hose gehen, weil sie soviel massiver wirken als die Mädels, auffälliger sind und mehr Platz einnehmen., aber in Wirklichkeit nicht halb so viele sind, wie es aussieht.


    Da werd ich doch mal im Mai Drohnenschubsen spielen und nachzählen, wie viele denn wirklich auf einer gut besetzten Wabe sind. :wink:


    Wie hoch ist denn der Drohnenanteil bei wilden Bienen im Baum?
    Sozusagen der natürliche und unbeeinflußte?
    Das wäre als Vergleich schon wichtig zu wissen.


    Kann es sein, daß dein Autor zwar insgesamt einen guten Überblick über Verhaltensbiologie hat, aber eben kein Bienenkundler speziell ist und sich deshalb mehr an gängiger Literatur bzw. neuesten Forschungsergebnissen festgebissen hat?


    Drohnenüberschuß dürfte es zumindest heutzutage angesichts der ganzen Drohnenschneiderei nicht mehr geben, und was ich davon halte aufgrund der Folgen für das ganze Volk, ist ja bekannt.
    Daß die Königin gewinnt, sehe ich nicht so, denn das wäre ein Brutverhältnis, das kaum zu schultern wäre, und evolutionär auch nciht sinnvoll.
    Wenn das primäre Ziel das eigene Überleben des Volkes ist, muß nach dem Schwarm ein vernünftiger Winteraufbau möglich sein, und auch der Schwarm muß eine ausgewogene Bienenzusammensetzung haben.
    Das wäre bei dem von dir genannten Verhältnis von 1:1 aber unmöglich, und auch bei 1:3 wäre es schon verdammt knapp.


    Was die fremden Königinnen angeht, kennst du selbst den Spruch, daß die Neue erst sicher ist, wenn das Volk aus ihren Töchtern besteht, da hast du dann schon halb die Antwort....
    Obwohl mich da stört, daß die Mädels erst die Neue abmurksen sollen und dann aus DEREN Eiern (was anderes ist ja nicht mehr da) eine Nachschaffungskönigin ziehen sollen, das ist irgendwie unlogisch.


    Echte Einfachverpaarung (Sperma eines einzigen Drohns) wird meines Wissens nach in der Besamung nicht mehr angewandt, sondern immer ein Mix.
    Den genauen Grund kenne ich nicht, könnte aber in der sehr leicht zu erodierenden Genetik zu suchen sein. Je mehr Sex-Allele, desto besser, und nicht je weniger.


    Und ich glaube einfach nicht, daß wir in der Lage sind, so ruck-zuck eine evolutionäre Strategie wegzuzüchten, beim Schwarmtrieb hat das ja auch nicht funktioniert ;-)
    Das ist für mich also nicht so das Problem.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Sabi(e)ne!


    Warum kann sich die Varroa bei von Imkern gehaltenen Völkern ausbreiten? Weshalb gelingt der konventionellen Zucht nicht das, was in der Natur innerhalb weniger Jahre zu gelingen scheint?


    Eher zufällig bin ich über die Passagen über Bienen in dem genannten Buch gestolpert - daraufhin habe ich das Buch mit der Biene im Hinterkopf durchgearbeitet. Ganz interessante Sätze fallen dort.


    Seite 500 schrieb:

    Bei eusozialen Insekten können Königinnen über Mehrfach-Verpaarungen den durchschnittlichen Verwandschaftsgrad manipulieren und so ihre Interessen besser gegenüber den Arbeiterinnen durchsetzen oder über erhöhte genetische Diversität für verbesserte Parasitenresistenz bei ihren Nachkommen sorgen (Baer u. Schmid-Hempel 1999).


    Die Interessen der Arbeiterinnen und der Königin sind teilweise gegenläufig: die Königin verpaart sich vielfach und schafft damit einen niedrigen Verwandschaftsgrad innerhalb einer Kolonie - die Folge ist, daß die Arbeiterinnen sich gegenseitig die gelegten Eier ausfressen. Das passiert deswegen, weil die Brüder der von Arbeiterinnen gelegten Eier nur weit entfernt verwandt ist (Drohne aus unbefruchteten Ei - das heißt nur ein Erbsatz der Arbeiterin!). Da die Arbeiterinnen untereinander näher zur Königin verwandt ist, als zu ihren Brüdern, berühren sie die Eier der Königin nicht. Es geht also um die Durchsetzung der Gene, oder wenigstens der am nächsten verwandten Gene. Die Strategie der möglichst hohen Paarungen ist dabei als DER Grund für Eusozialität zu sehen.


    Jetzt habe ich oben eine Stelle fett markiert: die hohe Diversität der Gene ermöglicht eine verbesserte Parasitenresistenz. Je mehr Spermien unterschiedlicher Väter in die Spermatheka gelangen, desto besser die Resistenz gegen Parasiten.


    Dann lese ich das =
    http://www2.biologie.uni-halle…Scharpenberg%20(2001).pdf


    Darin werden frühere Ergebnisse bestätigt, daß Königinnen bei der Inselbegattung sich mit weniger Drohnen paaren, als bei der Landbelegstelle. Sprich: die Diversität der Gene ist weniger hoch!


    Auch bei einem Mix bei der künstlichen Besamung ist die Diversität vermutlicherweise geringer!


    Was bedeutet das? Die Bienen sind durch die geringere Diversität weniger resistent gegen Parasiten wie die Varroa! Und der Verwandschaftsgrad der Schwestern und Halbschwestern ist höher, weshalb sie erfolgreicher Eier legen können = erhöhte Drohnenbrut???


    Die Strategie der Mehrfach-Verpaarung ist also ein, nein - der wichtigste Überlebensfaktor bei der Biene, oder? Was passiert, wenn die Bienen durch Eingriff in die Fortpflanzungsstrategie weniger eusozial sind? Wenn die Resistenz gegenüber den Parasiten abnimmt? Führt das nicht zwangsläufig in die Situation, in der wir uns gerade befinden?


    Eine weitere interessante Stelle:

    S.64 schrieb:

    Durch die enge Verknüpfung mit Fortpflanzungsparametern wird durch die grundlegenden Life-History-Merkmale auch die Dynamik von Populationen beeinflußt. Da jede Art mit ihrer Verbreitung und Abundanz mit anderen als Konkurrent, Räuber, Beute, Parasit, Wirt oder Symbiont interagiert, werden die Strukturen einzelner biologischer Gesellschaften mehr oder weniger direkt durch die life-histories der sie zusammensetzenden Arten mitbestimmt.


    Und dann steht da: Eng mit lokalen ökologischen Bedingungen verknüpft


    Da steht es schwarz auf weiß, was Manne predigt: Bien und Milb sind ko-evolutionierende Populationen! In Abhängigkeit ihrer Fortpflanzungsstrategien.


    Liegt der Umstand, daß Völker unter der Imkerhand keine Resistenz ausbilden daran, daß wir in die Fortpflanzungsstrategie der Honigbienen eingreifen?


    Dabei darf der Schwarm als zweite Strategie der Fortpflanzung ruhig mit einbezogen werden. Denn nicht allein die Königin hat ein Interesse sich fortzupflanzen - der Bien auch! Das Schwärmen ist die Fortpflanzung derer, die ihre eigene Reproduktion für die der Königin zurückstellen. Die evolutionäre Fitness aber resultiert aus aus dem Fortpflanzungserfolg - dem Gesamtfortpflanzungserfolg!


    Zitat

    Fortpflanzungserfolg (S.64): abhängig von Life-History. Wie groß ein Organismus ist, wie lange er lebt und wieviele Nachkommen er produziert. (...)
    Gesamtfortpflanzungserfolg (S. 31): Individuum muß bis zur Geschlechtsreife überleben, um überhaupt mit der Fortpflanzung beginnen zu können. Danach ist erfolgreiches Überleben weiterhin Voraussetzung für Fortpflanzung; nur wer länger überlebt, kann sich häufiger fortpflanzen.


    Daraufhin wird folgende Regel aufgestellt: 1.) Überleben sichern 2.) Fortpflanzen
    Bautz! Schwarz auf Weiß - Walter Wright's Beobachtung! Ein alter Hut der Verhaltensbiologie!


    Das Buch enthält noch weitere Überraschungen, die einiges in einem klaren Licht ausleuchten. Ich bin beruhigt, daß die Zucht wenigstens einen Drohnesperma-Mix verwendet, was darauf hindeutet, daß die Problematik bekannt ist. Die Problematik wird auch in der Diplomarbeit über die Inselbelegstelle genannt. Die genetische Verarmung kann anscheinend durch die heutigen Zuchtmethoden nicht verhindert werden.


    Interessant in dieser Diskussion sind vor allem die Seiten 39 und 40 der Diplomarbeit (Achtung, die Seitenzahl des PDF-Dokumentes orientiert sich nicht an der Seitenzahl der Diplomarbeit).


    Bernhard

  • Hallo!
    Die verschiedenen Geschwistergruppen im Volk können die Vitalität des Volkes erhöhen. Das kann man sich vielleicht so vorstellen. Die verschiedenen Gruppen haben von "ihrem" Drohn spezielle, unterschiedliche Verhaltensweisen geerbt. Wenn man das auf die Varroabekämpfung bezieht, könnte das so aussehen (meine Phantasie): eine Gruppe kann den Parasiten in der gedeckelten Zelle erkennen, eine andere Gruppe kann die Zelle öffnen, eine dritte räumt die Brut aus, eine Vierte kann zwei der vorgenannten Arbeiten ausführen, wieder eine andere Gruppe kann die Milbe durch beißen verletzen. Zusammen kann das dazu führen dass sich das Volk gegen die Milbe wehren kann. In Wirklichkeit wird sich der Unterschied zwischen den Geschwistergruppen und ihre Zusammenarbeit viel subtiler auswirken und zeigen. Wenn sich die Königin mit 20 bis 25 verschiedenen Drohnen paart, die nicht miteinander verwandt sind, dann könnten sich im Volk doch 25 "Expertengruppen" gegenseitig ergänzen. Natürlich könnten da ja auch Verteidigungsspezialisten dabei sein,die dir als Imker das Leben etwas schwerer machen :-)))).
    Mit freundlichen Grüßen
    Hans

  • Hans Herdegen : bitte schau mal hier, da hat Frieder ganz wunderbar die Vererbung der Hygiene dargestellt:
    http://www.imkerforum.de/viewtopic.php?p=52678&highlight=#52678


    @ Bernhard:
    DAS ist doch genau der Grund, warum ich soviel Wert auf eine breite genetische Basis bei mir lege!
    Ich hätte das nicht so schön ausdrücken können, aber es trifft es haargenau.
    Dein erstes Zitat von Seite 500 sagt nix anderes als Hans Willes Gedanken in dem anderen Link von M. Weiler, deswegen such ich ja grad das Original.
    Das paßt 100% dazu, als Spezies einheitlich, als Individuen (der Bien, nicht die Einzelbienen) von hoher Varianz als Grundvoraussetzung zum Überleben unter verschiedenen Bedingungen.
    Daß der Erfolg eng an die lokalen Bedingungen geknüpft ist, müßte ja wohl selbstverständlich sein, oder? Frag mal einen Großtier-Veterinär danach....

    Zitat

    Das Schwärmen ist die Fortpflanzung derer, die ihre eigene Reproduktion für die der Königin zurückstellen.


    Äh, nein, sehe ich anders. Das ist schlicht Vermehrung der Art, ohne Ansehen/Wertung der Individuen. Und letzten Endes ist es sogar REINE Vermehrung der Königin, weil sie ja mit dem Schwarm zieht und den Neuaufbau bewerkstelligt.
    Wobei ich da immer noch klare Angaben vermisse, wie oft die Alte wohl mit dem Schwarm ausziehen kann, denn die grundsätzliche Lebensdauer reicht ja wohl für 3-5 Schwarmperioden.
    Und es gibt nach wie vor keinen Grund, die Alte nach Neugründung einfach so umzuweiseln, also warum soll sie im nächsten Jahr nicht wieder schwärmen, wenn es paßt?

    Zitat

    Das Buch enthält noch weitere Überraschungen, die einiges in einem klaren Licht ausleuchten.


    Welche?
    Bitte laß mich nicht dumm sterben... :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Einen wunderschönen, verschneiten guten Morgen allerseits,


    also, gut find ich, daß wir so ein schlaues, belesenes Kerlchen,
    wie den Bernhard haben.


    Meine Anerkennung! Und Hut ab!


    Nun sollten wir daraus auch Schlüsse ziehen oder nicht?


    Eigentlich wüßten wir schon, wie es geht oder?
    Auf alle Fälle wissen wir mehr, denn je zuvor!


    Nun lass ich mal das Gelaber.
    Die Hackelei, die zwischen Sabi und Xare andernorts stattfindet, find ich wie viele anderen auch, kontraproduktiv, wenn man das so sagen kann.
    Doch sollte man beide Meinungen respektieren und nicht irgendwo Partei beziehen und auf die sachliche Ebene zurückkehren, was, so glaube ich, doch schon geschehen ist.


    Das CB betreffend, hab ich meine Meinung schon ausgedrückt, obwohl ich das script auch noch nicht gelesen habe und mich also nicht auskennen kann, hege ich nur die eine Befürchtung, wie sich die stille Umweiselung in vieleicht 5 oder 10 Jahren auswirken wird, durch unsere Manipulation.
    Daß das CB funktioniert, wie gesagt, zweifele ich nicht im Geringsten an.


    Vorerst bleib ich mal bei meiner letzten Konsequenz.
    Vorerst!


    Schönen Tag noch Ihr Forumlerinnen und Forumler!


    Gruß Simmerl

  • Hallo!
    Sabine, ich wollte doch gar nicht die Vererbung der Hygiene darstellen, sondern nur ein Beispiel geben, wie die verschiedenen Halbgeschwistergruppen von möglichst vielen , nicht verwandten Drohnen das Volk vitalisieren können.
    Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren, nämlich ob die Eusozialität bei der Zucht berücksichtigt wird. Ich glaube das kommt auf das Ziel der Zuchtarbeit an. Ich selbst bin KEIN Züchter, aber ich meine, wenn die Buckfastzüchter eine neue Eigenschaft in einer Linie verstärken wollen, dann machen sie gezielte Anpaarungen mit ausgewählten Drohnen von einer bestimmten Königin oder Linie. Wenn die gewünschte Eigenschaft befestigt ist, geht man wieder auf eine Paarung mit Drohnen mit einer größeren genetischen Variation über. Wenn auf einer Inselbelegstelle nur Geschwisterköniginnen als Drohnenspender aufgestellt werden , so engt man die genetische Breite auch ein. Wenn man dann von einer Inselkönigin Töchter auf dem eigenen Bienenstand frei begatten lässt, dann schafft man wieder voraussetzungen für eine starke genetische Variation und nimmt wieder Rücksicht auf die Eusozialität.
    Die Basiszüchter nehmen wohl auch darauf Rücksicht.
    Bernhard, berichte bitte mehr aus dem Buch, große Klasse!!
    Mit freundlichen Grüßen
    Hans

  • Hallo, Hans,
    das mit der Vitalisierung der Völker durch möglichst große genetische Streuung ist aber doch schon eher Heterosis, oder?
    Und das gilt, weil nicht erbfest, allgemein als bä.
    Bloß interessiert mich Erbfestigkeit erst in dem Moment, wenn ich ein Volk haben würde, was 100% der gewünschten Eigenschaften hätte.
    Ab da würde ich wahrscheinlich bei Bienengenetikern Hilfe suchen, weil ich von den Details keine wirkliche Ahnung habe, ich bin Dilettantin im Renaissance-Sinn.
    In Bezug auf die Ausgangsfrage denke ich, daß sich da keiner einen Kopf um Eusozialität gemacht hat, das ist Verhaltensbiologen-hardcore, und nicht mal wirklich unter Entomologen ein Thema.(ich kenn eine Dame, die über Ameisen habilitiert hat und die sagte nur, "ja, da war mal was".... :wink: )


    Aber ich würde trotzdem gern mehr wissen...Bernhard, gib uns Futter! :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo!


    Aus einen solchen Volk mit 25 Halbgeschwistergruppen setzt sich dann doch durch Zufall auch nur eine durch. Nämlich die Königin, die als erstes schlüpft nachdem die Stockmutter durch Schwarm abgegangen ist, durch alterschwäche gestorben ist oder durch ein Missgeschick des Imkers oder bewusst entfernt wurde. Auch bei der Zuchtstoffentnahme kann ich als Imker nicht beeinflussen welche Halbgeschwistergruppe sich durchsetzen wird.
    Die Vielfalt im Bienenvolk bleibt also nur dann gegeben wenn ich viele verschiedene Linien am Stand oder in der Nachbarschaft habe.


    Wie können Züchter nun gezielt einen Zuchtfortschritt bei der Biene erzielen, wenn es nicht nur Zufall sein soll? Ist da nicht die "Reinzucht" ein berechtigter Weg oder gibt es auch andere sichere Methoden?


    Als ich Reinzuchtköniginnen gekauft habe, um die Einsteigerförderung zu bekommen, haben mir die Züchter gesagt, dass es eigentlich schade ist, wenn ich nicht konkret weiterzüchte. Sie meinten, dass eine Wirtschaftskönigin (nicht Belegstellenbegattet aber von Reinzucht abstammend) in der Leistung besser sein könnte - ohne die Reinzucht schlecht darstellen zu wollen (ich meine, sie sahen auch den Preisunterschied und den dadurch höheren Schaden, der mir als Anfänger enstehen kann, wenn ich Fehler beim Einweiseln mache oder die Völker nicht über den Winter bringe).
    Ich habe dann von einer gleich noch im ersten Jahr Zuchtstoff entnommen und vermehrt (standbegattet) und glaubte im darauffolgenden Jahr eine Änderung feststellen zu können(wobei bei einer einzigen Nachzucht im ersten Jahr - nicht viel herauszulesen ist). Die Nachzuchtkönigin hatte im ersten Jahr ein stärkeres Volk aufgebaut (obwohl nur um einige Monate älter als die Reinzuchtkönigin (wobei hier auch Faktoren der Überwinterung hineinspielen können - 1 oder 2 Raum Überwinterung, und Futterknappheit im Frühjahr bei diesem einem Volk). Vom Ertrag waren sie etwa gleich, da die Tracht sehr plötzlich endete.
    Bei der Einwinterung war ich von dieser Änderung schon wieder abgekommen - da ich den oben beschriebenen Faktoren mehr Bedeutung zumesse als den Genetischen und bin zur Einsicht gelangt, dass ich noch viel lernen und beobachten muss um etwas feststellen zu können und nicht nur zu glauben. Ich bin deshalb auch für diese Artikel von Bernhard dankbar, weil sie mir zeigen, dass man gerade bei den Bienen viele Faktoren einbeziehen muss.


    Andreas