Sensorische Prüfung Honig

  • Guten Morgen.
    An anderer Stelle kocht schon wieder das Thema Honigpreise hoch und ich finde sowohl die Preiswertfraktion als auch die "mein Honig ist seinen hohen Preis wert"-Fraktion hat gute Gründe, warum für den Preis verkauft wird, der aktuell gerade genommen wird.


    Das ist bei anderen Lebens- und Genussmitteln nicht anders.


    Ich denke auch, dass wir einen ordentlichen Preis erzielen sollten und habe zum Bsp. in Österreich erlebt, wie man mit einem Alltagsprodukt wie Essig einen hohen Gewinn erzielen kann, wenn Qualität, Produktpräsentation und Verkäufer(Produzenten-)wissen und -auftreten miteinander im Einklang stehen.


    Das was bei der Vermarktung im höheren Preissegment unbedingt dazugehört, ist ein ordentliches Produktwissen des Erzeugers. Wer sonst kann denn Konsumenten besser erklären, warum das erzeugte Produkt ein absolut hochwertiges ist.


    Wobei ich schon der Meinung bin, dass die Imker, die z.Bsp. bei der Varroabehandlung wahllos ein Bekämfungsmittel mit dem nächsten abwechseln (AS/OS hat nicht gewirkt, jetzt Per**in oder Bay*** oder noch ältere Chemie aus der Mottenkiste der Schädlingsbekämfer! :evil: ) , nur weil sie sich unsicher sind, ob das vorhergehende richtig gewirkt hat, ohne Ursachenforschung zu betreiben, sollten ruhig bei ihrem "Schleuderpreis" bleiben und nicht das hochpreisige Segment versauen.


    Aber zurück zum Thema.


    Ein wichtiger Aspekt ist gerade auch beim Honig die sensorische Prüfung und die fachlich korrekte "Ansprache" dazu.
    Jeder Weinkenner kann ein Weinseminar mit entsprechender Schulung besuchen, die Verbände bieten den Sommelier entsprechende sensorische Schulungen an, damit diese vor dem Kunden das Produkt mit gutem fachlichen Wissen und blumigen Worten anbieten können.


    1. Gibt es solche Schulungen auf dem Gebiet der Honigkunde? Wenn ja wo bzw., wer kann aus eigener Erfahrung eine Organisation / Institut oder Verein empfehlen.


    2. Es gibt als Hilfsmittel bei der Weinverkostung zur "Normung" ein Aromarad, gibt es soetwas für das Produkt Honig? Oder wer kann mir wieder einen Ansprechpartner empfehlen, der mit einem ähnliche Hilfsmittel sensorische Prüfungen, Verkosteungen und Bewertungen durchführt?


    3. Unsere Bieneninstitute bieten für den DIB-Glas-Benutzer Untersuchungen im Rahmen von Prämierungen an. Meines Wissens gehört dazu eine sensorische Prüfung. Ist diese detailliert, oder nur oberflächlich?


    4. Es gibt in den vielen Verbänden und Vereinen bestimmt gutes Material auf dem Markt, was in Deutschland erhältliche Sortenhonige beschreibt. Wo finde ich so etwas, wer kann mir Adressen nennen?
    Ich möchte so etwas in der Art, wie Schweizer Imker von der Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld-Posieux ALP zum Thema "Schweizerische Sortenhonige: Ernte und sensorische Eigenschaften" erhalten können.


    5. Am liebsten wäre mir natürlich ein Link auf eine Stelle im Internet, die mir all meine Fragen beantworten kann! :D Aber bitte keine Vereinsmeier, die mauern und deren Responsezeiten bei über einem Monat liegen... :wink:


    Also, wer etwas zum Thema weiß, und zu meiner Erhellung beitragen kann, oder mich bei meiner Suche unterstützen möcht - ich feue mich darauf!


    Gruß
    Ralph


    PS: Soetwas, stelle ich mir zum IF-Treffen vor, keine Bewertung á la DIB-Prämierung.

  • Hallo Zusammen, Hallo Ralph,
    zu Punkt 3 :
    Das klingt ja so, als ob die Bieneninstitute nur Gläser des DIB für Untersuchungen akzeptieren.
    Das ist bestimmt nicht der Fall.
    Die Untersuchungen kosten Gebühren.
    Diese zahlt man bei der Einreichung seiner Lose.
    Da der Veranstalter nur seine Gläser akzeptiert, kann so der Eindruck entstehen, das die Institute nur dessen Gläser untersucht.
    Man kann allerdings auch seinen Honig im Neutralglas dortuntersuchen lassen.
    Die Institute sind neutral, da staatlich.
    Sie sind auch für nicht organisierte Imker da.
    Ansonsten stimme ich Dir zu.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Lothar,
    du hat natürlich recht. :oops:



    Allerdings sind die "kostenlosen" Untersuchungen von Land zu Land unterschiedlich geregelt. Wenn ich es zu Mitteldeutschen Imkertreffen in Glauchau richtig verstanden habe, kann in Sachsen jeder Imker seinen Honig untersuchen lassen. Bezahlt wird das ganze aus staatlichen Zuschüssen, die der LV dann für diesen Zweck an Hohen Neuendorf weiterleitet.
    In Thüringen kann man auch seinen Honig kostenfrei untersuchen lassen: Wenn man Honig zur Prämierung einreicht - Natürlich nur im DIB-Honigglas!
    Damit behandelt der Thüringer Imkerverband seine Mitglieder unterschiedlich. Die treuen, braven DIB-Glasabfüller bekommen ihre Untersuchung gratis, die renitenten Eigenglasabfüller können weder am Wettbewerb teilnehmen, noch ihren Honig in diesem Zusammehang untersuchen lassen.


    Nachdem Frau Dr. Birgit Lichtenberg-Kraag vom Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf auf meine Nachfrage bestätigt hat, dass nach den Richtlinien des DIB untersuchte Honigproben, die diesen nicht entsprechen weiter im DIB-Glas in den Verkauf gelangen können, weil es nicht die Aufgabe des Institutes sei dem negativ beprobten Imker deutlich mitzuteilen, dass der diese Charge nicht weiter im DIB-Glas vertreiben darf, werde ich nicht auf die Idee kommen, meinen Honig in ein solches Glas zu füllen.


    Solange jedenfalls nicht, wie es nicht den Ablauf gibt, dass nur beprobter Honig in die so für Qualität stehenden Gläser abgefüllt werden dürfen.


    Ein echtes Qualitätssiegel also dieses jetzige ablöst.


    Was kostet eigentlich eine neutrale Beprobung?


    Gruß
    Ralph

  • Hallo Ralph,
    keine Ahnung,
    sicherlich unterschiedlich von Institut zu Institut.
    Kürzlich las ich, das pro Los 20 € bezahlt wrden sollen.
    Keine Ahnung, was die Ortsvereine, Landesverbände usw. noch dazu zahlen.
    Eine einseitige Bevorzugung von Gläsern eines Vereins bei einer kostenlosen staatlichen Untersuchung halte ich für eine Neutralitätsverletzung des Staates!
    Gleichheitsprinzip!
    Würde ich als Betroffener mal durch eine Pedition an den Landtag klären lassen (ist kostenlos, aus eben diesem Grund!).
    Wenn Untersuchungsergebnisse, nicht mit den Richtliniendes DIB übereinstimmen, können Institute auch nichts machen,solange die Honigverordnung eingehalten ist.
    Dann müßte eigentlich der DIB handeln.
    Es sind ja seine Richtlinien,die nicht erfüllt wurden.
    Wenn der DIB den Verkauf dann noch dultet...
    Viele GRüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Hallo Ralph,


    du machst gute Vorschläge für unserem "Imkerforums-Treffen-Honig-Wettbewerb". Berücksichtige aber bitte, dass wir zwar alles besser WISSEN, aber nicht alles besser MACHEN können :wink:


    Zu den Preisen für eine Analyse:
    http://www.uni-hohenheim.de/bienenkunde/honigpreise.htm


    Hussst! Dass gönnen wier unns bei denn Honnigpreissn nichtt leissden (wie M**.s** sagen würde).


    Wassergehalt könnten wir per Refraktometer testen. Sensorik wird IMMER subjektiv beurteilt. Zum Ausschluss/Abwertung führt nur ein Nebengeschmack wie z.B. von unsachgemäßer Lagerung im Kartoffelkeller. Ein Aromrad ist ja nur in sachkundigen Händen ein sinnvolles Hilfsmittel (siehe Weinproben vom Önologen). Ausserdem wie soll Geschmack beurteilt werden? Bleiben die "Geschmäcker" aussen vor. Honiggeschmack nach DIN?


    Honigkurse werden z.B. von obigem Institut von Dr. Dr. Horn angeboten.

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    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Preis oder nicht Preis....


    Hi Leute,
    alle Jahre das gleiche Th.
    Nur wo keine Kaufkraft (25% Arbeitslose, der Rest Rentner, viele Zuckerkrank...) sind 3,5€ je 500g, egal welche Sorte, - die Schmerzgrenze!
    Einen kleinen Luxus gönnen sich schon noch einige. Aber auf dem Wochenmarkt (3* die Woche) in 5 Stunden 7-8 Gläser zu verkaufen, Haustürgeschäft nahe "0", da kann einem schon die Lust vergehen.
    Die Lösung: Imker an Imker für 3-4€ je kg oder an Großabfüller für 2,5€( die dann auch noch rummäkeln), ist auch nicht die Welle des Glücks.
    Und wir wundern uns, dass im OSTEN nur noch 20% Imker mit 15% Summis rumexistieren????
    Ich will um gotteswillen nicht die DDR zurück, aber ein bissel MARKTSCHUTZ gegen Billigimporte wär recht nett.
    Honig kann man importieren - Bestäubungsleistung n i c h t!!!!
    Gruß Knäcke

  • Hallo,
    ist ja schön, dass mittlerweile einige wach sind. 8)


    @Knaecke
    Du bist der Richtige wenn´s um "Besonderen Geschmack" geht, bist du beim IF-Treffen dabei? Dann versuch doch mal einen Forster Buchweizenhonig (meist ist da ja wohl noch Sonnenblume drin? aufzutreiben und mitzubringen.
    Dieses Geschmackserlebnis sollte e ht jeder Imker einmal im Leben kennlernen, egal ob er´s mag oder nicht.
    Die Diskussion Kaufkraft lasse ich so nicht gelten, hier gibt es Imker, die ihren Honig für mindestens 4,50 + EUR pro 500g verkaufen, und das besser, als der 1,50-Imker nebenan. Ursache: siehe mein Ausgansposting.


    reiner


    Das hst du richtig hübsch gesagt! :lol: 
    Ich will damit nur sagen, dass wir das Verkosten und Philosophieren über den Geschmack in den Vordergrund stellen sollten.
    Ich würde mich gern anbieten, etwas zu organisieren, wenn ich denn Erfahrungen mit gerade diesem Thema Honigverkostung hätte.
    So eine Prüfung für alle Sinne hätte ich mir zum Beispiel von einem guten Honigkurs gewünscht.


    @alle
    Hat schon jemand von einem solchen Honigkurs(lehrgang) gehört, der genau diese "Schärfung der Honigsinne" vermittelt?


    Gruß
    Ralph

  • na, Sabine, ers einmal Danke. :lol: 
    Aber ob die Summen dessen was man untersuchen lassen möchte wirklich "preiswert" sind, möchte ich dahingestellt lassen.
    Da ist die Vollanalyse aus Reiners Empfehlung doch wesentlich günstiger, nur scheint dort die sensorische Prüfung zu fehlen. Oder hab ich da einfach falsch geschaut und gerechnet?


    Gruß
    Ralph

  • Keine deklarierten Sorten.
    Ich hab hier nicht genug Tracht von einer Sorte, und Raps will ich ja nicht.
    Nach Analyse war die frühe Sorte Weißdorn-Akazie-Löwenzahn, und die spätere Linde-Himbeere-Kornblume-Phacaelia mit viel Rosenpollen.
    (ich bin ja neugierig wie sonstwas, was es hier so alles gibt)
    Da ich wegen des Naturbaus ziemlich aufpassen muß, habe ich öfters Gelegenheit zum Naschen aus krummen Waben, und kann sagen, daß es im Jahresverlauf mindestens 14 verschiedene Geschmäcker gab, die der Kunde natürlich so niemals bekommen kann.
    Die Rückstandsuntersuchung mache ich, weil ich noch viel MWs im BR benutze, und sicher sein will, daß davon nichts oben ist, weil da auch noch alte Bestände normaler MWs mit allem Kram dabei sind. Zum Wegschmeißen waren es zu viele, ich neige nunmal wegen der Rabatte zu Großeinkäufen :oops: Aber auch da ist das Ende absehbar, ab Frühjahr 08 sind davon auch die letzten raus, dann bin ich sauber und porentief rein. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • @ rst !!!
    Ich komm leider nicht, anderweitig verplant.
    Aber - schmeiß mal bitte deine Adresse in meine Mehltüte (e-mail postfach), ich hab noch ein Glasel von dem guten schwarzen BW gefunden. Die Madels standen direkt am BW-Acker, da war nicht viel Anderes was blühte, e bissel Wald evtl. ist mit bei. Ich schick Dir das Ding zu.
    Gruß Knäcke

  • Hallo Knäcke,
    das Angebot nehme ich gerne an!
    Dieses Geschmackserlebnis muss einfach sein! :wink:


    Gruß
    Ralph


    PS: An die anderen Imkers mit jahrelanger Erfahrung: Kann mir keiner die Frage nach Lehrgängen oder einem Verkostungsspezialisten beantworten?
    Macht ihr Verkostungen bzw, lasst ihr eure Kunden die Honige probieren?