Witterungskapriolen (auch mit Bezug zum vorherigen Thema)

  • Hallo Freunde,


    Heute mittag war ich auf meinem Hauptbienenstand. Wetter: sonnig, fast Windstill, Temperatur zwischen 10 und 11 Grad C. Bienenflug: fast wie im Sommer.
    Da ich in meiner ca. 30-jährigen Praxis soetwas noch nicht erlebt habe, wende ich mich vornehmlich an die älteren, erfahrenen Imkerfreunde.
    Was glaubt ihr, wie werden unsere Bienen das verkraften?
    Natürlich kann man darüber nur spekulieren; dennoch würde mich eure Meinung hierzu sehr interessieren.

  • Hallo Kollege,
    ich betreibe nach 25-jähriger Unterbrechung zwar auch erst seit zwei Jahren wieder die Imkerei, aber erstens kann ich deine Beobachtungen bestätigen und habe zweitens folgende Überlegungen angestellt.
    Es handelt sich wahrscheinlich weniger um Sammel-, denn um Reinigungsflüge.
    Zwar blüht noch Senf allüberall auf den Ackersitzen :wink: , aber bei mir sind die wahrscheinlich zu weit weg.
    Auch habe ich den Eindruck, dass die Bienchen nur kurz rausfliegen und flugs zurückkehren.
    Wahrscheinlich ist das nur ein Klo-Flug.
    Das wiederum würde doch die Gefahr der Nosematose verringern - oder?
    Meine sieben Völker haben jetzt alle das Brüten eingestellt ("Windel"-Test).
    Und ich hoffe, sie fangen nicht wieder an.
    Daher kann sich die Varroa nicht mehr vermehren.
    Außerdem habe ich bei denjenigen Völkern, die vergleichsweise einen hohen Milbendruck hatten, festgestellt, dass tote Bienen aus dem Stock gezogen werden.
    Das zeigt doch einen schönen Pflegetrieb - oder?
    Das sind alles nur Indizien.
    Und ich würde ihnen natürlich gerne irgendwie helfen.
    Aber im Winter regiert nun mal die Natur.
    Wenn´s kälter wird, tröpfle ich noch Oxal-Säure in die Gassen.
    Und dann: Daumen drücken!
    Gruß
    Gerd

  • Hallo Gerd,
    da kann ich von ganz andere Beobachtungen berichten.
    Gestern sonnig, 15°C und windstill. Flugbetrieb fast wie im Sommer und was mich am meisten erstaunt, Eintrag von gelben, hellbraunen und blauem Pollen. Fünf von sechs Völkern trugen richtig viel Pollen ein. Um das mal zu relativieren, ich konnte auf einem Flugbrett fünf Sammlerinnen gleichzeitig mit gelben Pollenhöschen reinkrabbeln sehen. So ging das gesten über mehrere Stunden. Es blüht hier zur Zeit Phazelia, Gelbsenf und einige Rapsfelder (zumindest ein Teil davon, vielleicht ist es auch gelbblühendes Unkraut welches dazwischen blüht).
    Jedenfalls habe ich bei dieser Problematik ein lachendes und ein weinendes Auge.
    Viele Grüße
    Peter

  • Moin Imkers,


    ich kann das inzwischen bestätigen. An der A14 blüht auf großen Flächen der Raps. Keine ganzen Schläge und auch keine Vollblüte, aber mehr als paar Stengel sind das schon. Be sonders auf südlichen Kuppen. Meine Bienen haben ihn zum Glück noch nicht gefunden. Die stehen absichtlich hinter einem Hügel, damit sie keine tiefe Sonne abkriegen. Pollen fliegen sie dennoch. Und Wasser holen die ebenfalls nicht zu knapp. Beim Nachbarn staubt die Hasel und es gibt bereits Schneeglöckchen.


    Ich bin besorgt, wie sich das auf die Bienen auswirkt. Ich befürchte, da die Völker ja schon in der Traube saßen, daß die womöglich Frühlingsgefühle aufkommen lassen und große Brutnester starten. Es sieht ja draußen auch aus wie im Mai.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Nur mal so ne verrückte Idee:
    Was würde eigentlich passieren, wenn wir bei den Temperaturen die Schotten dicht machten.
    Mäusergitter weg - Lüftungsgitter davor.
    Sozusagen: Ausflugssperre!
    FRAGE: Welche Auswirkungen hat jetzt die Milbenplage im Volk?
    Ich denke, die vermehren sich jetzt ja nicht mehr.
    Und irgendwo habe ich gelesen, dass eine Milbe der Imago nur wenig anhaben kann.
    Darf ich daraus hoffnungsvolle Rückschlüsse ziehen?
    Gerd
    PS: Meine tragen definitiv (bilsang) keinen Pollen ein.

  • Zitat

    Was würde eigentlich passieren, wenn wir bei den Temperaturen die Schotten dicht machten.Mäusergitter weg - Lüftungsgitter davor.Sozusagen: Ausflugssperre!


    Panik und verbrausen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ja Sabi(e)ne,


    das denke ich auch. Wärme und laue Luft und dann Flugloch zu, das ist der sichere Tod. Beschattung allerdings ist nützlich und spart Verluste an Bienen die durch die Sonne raus gelockt werden und dann verklammen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Jetzt wirds schwierig!


    Morgen zusammen,
    die Sorgen, die sich Henry macht, plagen auch mich.


    In Kanada bauten sie Überwinterungshallen, zum Schutz vor Kälte.
    Wir werden uns überlegen müssen, ob wir nicht gekühlte Hallen bauen in naher Zukunft.


    Im Ö3 war heute Morgen zu hören, daß sich auch die Fremdenverkehrsorte in Österreich Gedanken machen, wie sie nun
    Schnee erzeugen können, der nicht mehr schmilzt.


    Schau ma mal!


    Grüße Simmerl

  • Ja, ja ich möchte in 2 Wochen in den Skiurlaub und mache mir so meine Gedanken.
    Übrigens könnte das gelbblühende in den Rapsfeldern vielleicht auch Rübsen sein (hat jedenfalls kürzere Vegetationszeit und sieht von weiten fast genauso aus).
    Gruß Peter

  • Aber Peter,


    wo sollen die herkommen? Da war vorher Weizen drauf und Weizen wird so kahl gespritzt, da gibts nicht mal ein klitzekleines Unkräutlein mehr drin im Feld. Und dann kommt Raps drauf und dann sollen Wildvögel flächenmäßig Rübsen reinscheißen. Des glab i nedda!

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry schrieb:

    Moin Imkers,


    Ich bin besorgt, wie sich das auf die Bienen auswirkt. Ich befürchte, da die Völker ja schon in der Traube saßen, daß die womöglich Frühlingsgefühle aufkommen lassen und große Brutnester starten. Es sieht ja draußen auch aus wie im Mai.


    Tja Henry, ich denke wenn auch deine Bienen das Vertrauen in die Auswirkungen der Konstellation der Gestirne verloren haben, solltest Du Dir wahrhaftig sorgen machen, bzw. den Raps mal so langsam zum Aufbauen nutzen. Anderenfalls denke ich, dass Sie wenigstens noch bis zur Wintersonnenwende warten werden; Und bis dahin steht vielleicht doch noch der Winter vor der Tür.

  • Doch Henry,
    bin gestern auf einem blühenden Rapsfeld gewesen und habe einige Beweispflanzen gepflückt. Es ist definitiv kein Raps was da blüht. Leider war es zu schnell dunkel geworden, denn ich wollte noch ein Gelbsenffeld anfahren. Also grüble ich jetzt ob Gelbsenf oder Rübsen.
    Mein Tipp: Rübsen (80%)
    Allerdings glaube ich auch nicht an großflächiges Vogelscheißen. Vielleicht unsauberes Saatgut oder es steckt im Boden. Denn beim Weizen wird sicherlich nur das gekeimte Unkraut weggespritzt.
    Viele
    Grüße
    Peter[/u]