Wachsreste

  • Hallo,


    als noch-Neuling habe ich mich die letzten 2 Seasons bisher ausschliesslich um die Völkerführung und Honiggewinnung gekümmert. Nun häufen sich aber einige Eimer mit Entdeckelungswachs und Wabenresten (keine Brutwaben), dicht verschlossen in Eimern und kalt gelagert im Keller. Einen Sonnenwachsschmelzer besitze ich (noch) nicht.


    Ich stelle mir nun die Frage, was ich mit dem ganzen Wachs anfange. Gerne würde ich Kerzen daraus giessen, denn ich liebe diesen Duft. Aber ich habe das halt noch nie gemacht. Wie reinige ich zunächst das ganze Wachs, in dem natürlich auch noch Honigreste sind? Kann man das ganze vielleicht im Backofen einschmelzen und erstarren lassen in der Hoffnung, dass sich Wachs und Honig vielleicht voneinander trennt (spez. Gewicht oder sowas). Oder mit warmem Wasser waschen und dann schmelzen und durch ein Tuch sieben?


    Kann mir hier jemand ein gutes Rezept verraten, wie man das ohne Sonnenwachsschmelzer nur mit Hausmitteln hinbekommt? Ich habe das schon gegoogelt, aber nichts gescheites gefunden.


    Vielen Dank und Gruss,


    Holger

  • Entdeckelungswachs und brutfreie Waben lassen sich sehr gut in einem Topf mit kochendem Wasser auflösen.
    Aber vorsicht - wenn man Waben ins heisse Wasser gibt, sprudelt es gewaltig (die Luft aus den Zellen entweicht beim schmelzen der Zellen).
    Das Wachs sammelt sich an der Oberfläche, und kann nach dem Abkühlen einfach abgehoben werden.


    Sind im Wachs viele Fremdkörper enthalten (z.B. Jungfernhäute bei Brutwaben), kann man zuerst einen Jute-Sack o.Ä. im Topf versenken, mit dem man die Fremdkörper nach dem Schmelzen einfach entfernen kann.
    (Sack rausziehen, abtropfen lassen, evtl. auswringen)


    An der Unterseite des Wachskuchens werden sich Fremdkörper sammeln, die man am besten abschabt.


    Mehrfaches Aufschmelzen, und möglichst langsames Abkühlen (damit die Fremdörper Zeit haben sich abzusetzen), erhöht die Reinheit des Wachses.


    Die Methode eignet sich hervorragend für Entdeckelungswachs / Jungfernwachs.

  • :lol: Warnung: der Topf ist danach zum Kochen nicht mehr brauchbar, bzw. nur sehr schwer wieder wachsfrei zu kriegen, also nicht grad den Partysuppentopf aus der Küche nehmen.
    Man kann auch das Wasser mit dem Wachs durch ein altes T-Shirt filtern, macht bumblebee so, und ich nehm Nylonstrümpfe.... :wink: 
    Wenn man die Waben vorher in einer Plastiktüte platttrampelt, geht a) mehr in den Topf und b) schmelzen sie dann auch schneller.
    Hast du viel Honigreste, wäre Einweichen in warmen Wasser vorher nicht verkehrt, das Honigwasser macht sich, wie der Trester aus dem Wachs, gut auf dem Komposthaufen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Holger,


    ich nehme einen alten elektrischen Einkocher (mein neuer hat einen Zeitschalter :D ), gebe etwas Wasser hinein und da hinein die Wachsreste.


    Wenn alles geschmolzen ist, schütte ich die Pampe in einen konischen
    Eimer (mit etwas Wasser drin) um und lasse es hart werden.
    Konisch muß, sonst kriegste das Wachs nicht mehr raus... :o


    Den erkalteten Block rausholen und unten den Dreck abkratzen.


    Den ganzen Vorgang kann man wiederholen, bis das Wachs sauber ist.


    Leg Dir bei allem aber eine Folie drunter - sonst haut Dich deine Frau - falls Du eine hast (vorsicht, die Freundin haut auch)... :wink:

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Hallo,


    und vielen Dank soweit für die Tips. Ja, meine Frau hat mir schon Haue angedroht, sollte ein guter Topf von ihr dabei drauf gehen :wink: Was ich noch nicht ganz verstehe ist: wenn ich das alles mit Wasser im Topf einschmelze... was gschieht dabei mit dem Honig? Löst der sich dabei vollständig im heissen Wasser?


    Wie oft muss man den Vorgang des Einschmelzens ca. wiederholen, um kerzenfähigen Wachs zu erhalten?


    Viele Grüsse,


    Holger

  • Kommt drauf an, wieviel Honig noch drin ist, deswegen ja evt. vorher mit warmen Wasser einweichen und spülen.
    Zum Klären mindestens zweimal einschmelzen inkl. Filterung, wahrscheinlich aber eher dreimal, weil dir sonst die ganz feinen Schwebeteilchen den Docht verstopfen.
    Und nochmal, je langsamer das alles abkühlt, desto mehr klärt sich das.
    Eine Segeberger Zarge mit Deckel unten und Deckel oben ist ein prima Thermo-Behälter :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Holgi,


    der Honig und die löslichen Teile gibt braunes Wasser zum Entsorgen. Beim ersten Aufschmelzen ist das Wasser manchmal sehr sehr zuckerig. Es klebt überall. Einweichen hilft da. man muß aber Geduld haben, die braunsche Molekularbewegung ist kein D-Zug!


    Ich schmelze immer alles Wachs und sogar den Bienenhauskehricht trocken im Sonnenwachsschmelzer und gieße den dort dickflüssig anfallenden Futter- und Drohnefuttersaftsirup in eine Futterzarge und füttere damit die Ableger. (Wollte nur mal sehen ob noch wer mitliest. :wink: ) Nö, die Pampe kommt ins Klo oder in den Kompost. Die Wachsbrocken kommen über Nacht in die Regentonne. Schwimmen sie oben sind sie futterfrei. Sonnenwachs und MW-Reste schmelze ich dann in einem alten doppelwandigen Milchtopf unter Zugabe von einem Schnapsglas Wasser oder wenn es direkt aus der Regentonne kommt ohne extra Zugabe. Anschließend gieße ich in eckige Kartoffelsalatbecher oder 1000g-Joghurt-Becher ab und lasse mindestens 24h in Handtücher und Styroporkisten verpackt abkühlen. Dabei reicht einmal schmelzen, weil bei der extrem langen Abkühlzeit sich die Zankschicht sehr deutlich abgrenzt.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo,
    nur noch zur Verstärkung des Vorhergesagten - ausgenommen der ersten Antwort - zwei Tipps von mir.


    Wachs im Backofen und Wachs in kochendes Wasser >> Feuerwehr freut sich über einen Auftrag. Also Finger weg.


    Heißes Wachs darf nur mit hintzebeständigem Kunstoff, Edelstahl oder emaillerten Gefäßen in Berührung kommen. Stahl, Alu etc. färbt das Wachs grau.
    Möglichst zum aufheizen des Wachses kalkarmes Wasser ( auf der schwäbischen Alb eher selten wie ich vermute) oder sauberes Regenwasser.
    Temperatur nicht über 85 grd C - Brandgefahr !!!
    Viel Erfolg.
    Gruß an alle ImkerInnen

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Eisvogel schrieb:


    Temperatur nicht über 85 grd C - Brandgefahr !!!
    Viel Erfolg.
    Gruß an alle ImkerInnen


    Hallo,


    Vorsicht ist schon wichtig, aber Wachs brennt erst bei über 230 Grad! Davor raucht es aber schon gewaltig, weil "Zusatzstoffe" verbrennen. Ein Erhitzen bis 130 Grad muss ja sein, wenn man Faulbrutsporen vernichten möchte. Das geht unter Zuhilfenahme eines Backofen-Thermometers ganz gut. Nur über 100 Grad verdampft erst mal das H2O - also reichlich grossen Topf nehmen.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo zusammen,
    hier muss ich ein Veto einlegen. Keimfreiheit erreicht man nur wenn das Wachs min. 48 h bei 120 grd C im Autoklaven erhitzt wird.


    Ich warne ausdrücklich davor einen Wachskessel soweit zu erhitzen, dass Bestandteile „verbrennen“ oder „verdunsten“. Dieser „Rauch“ enthält immer auch entflammbare Substanzen. Eine Verpuffung solcher Rauchgase ist höchst gefährlich.
    Wenn schon solche Experimente, dann bitte im Freien weitab von allem Brennbarem.


    Ich verwende für alle Ausschmelzarbeiten deshalb einen Dampfwachsschmelzer, da werden immerhin 100 grd C erreicht. Und zum Klären wird dann das Wachs im elektrischen, Thermostat gesteuerten Einkochkessel erhitzt und über einen Nylonstrumpf gesiebt und langsam gut wärmegedämmt abgekühlt. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt.


    Noch kurz meine Erfahrungen zum Kerzenmachen. Das Wachs ist auch nach mehrmaligem klären nur sehr bedingt zum Kerzenmachen geeignet. Der Grund ist hierfür, dass auch nach dem beschriebenen Verfahren wachsfremde Schwebstoffe enthalten sind, die dann Verbrennen aber sehr bald die Kerze zum erlöschen bringen.


    Vielleicht weiß einer im Forum ein handhabbares Verfahren der Filterung von Wachs zur Kerzenherstellung.
    Gruß an alle ImkerInnen

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Hallo Eisvogel,


    nix gegen deine Erfahrung, aber dann leg' dein Veto mal bei so manchen Bieneninstituten (da hebe ich das so gelernt, und es funzt) ein, bei Imkermeistern und bei Praktikern, die das so handhaben. Bei 130 Grad brauchst übrigens keinen Autoklaven mehr 8) - Und was heiß und flüssig ist, ist gefährlich, dass sollte jedem Erwachsenen klar sein ...


    Das brauchbare Filterverfahren wurde auch bereits beschrieben: doppelter Nylonstrumpf oder T-Shirts. Funktioniert bestens, am besten im einen großen Trichter eingelegt. Da ist es am sichersten. Beste Temperatur zum Kerzengiessen ist meiner Erfahrung nach übrigens 75 Grad.

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Hallo Holgi und nub


    Bitte nie, nie, nie im Haus Wachsverarbeitung machen!!!
    Riesensauerei, Brandgefahr, Ärger mit Herrin des Hauses ...
    Der kluge Imker weiss: gar nie nicht!!!
    Ich machs in der Garage, da kann ich alles mit nassen Zeitungen auslegen und die Reinigung ist ein Kinderspiel.


    Gruß
    Wolfgang

    Selber denken ist durch nichts zu ersetzen.

  • :o :o :o
    ich mache das in meiner Küche, und richte keine große Sauerei dabei an.....
    Wie gesagt, kleine Mengen in Plastikschüssel mit etwas Wasser in der Mikrowelle (aber dabeibleiben, es kocht gern über! :wink: ), große Mengen im alten Einkochkessel mit viel Wasser, aber alles platt, da gibt es keine Sprudels.
    Okay, :lol: , ich hab Plastikfußboden in der Küche und keine Cotto-Fliesen, da würden Spritzer schon Ärger geben, aber grundsätzlich ist es keine Sauerei.
    Beim dritten Schmelzen gieße ich durch einen Kaffeefilter, danach brennen auch die Kerzen gut :wink: Geht nur nicht so ganz schnell durch.
    Und die Kunden sind übrigens zufriedener, wenn die Kerzen schon länger gelagert waren.
    Frische Kerzen wuuuuuuschen so weg, nach einem halben Jahr ist bei mir die Brennzeit fast doppelt so lange.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen