hoher Totenfall nach Stoßbehandlung a la Henry akzeptabel?

  • Habe heuer - eine Woche nach der ersten - eine zweite Stoßbehandlung am Laufen. Gestern abend bei rund 22°C wie beschrieben 22 ml 60% AS (kalt) pro DNM-Zarge (35 ml bei den 1 1/2er DNM-Zargen) auf dem Schwammtuch aufgebracht. Gab auch kein Aufbrausen oder Sammeln vor dem Flugloch; Schieber ist drin.


    Heute morgen ein teilweise heftiger Totenfall - bis zu einer Handvoll toter und sterbender Jungbienen/Puppen vor dem Flugloch...da bricht das Imkerinnenherz. Milben fallen natürlich auch aber das sagt ja recht wenig aus da die meisten ja noch in der verdeckelten Brut sitzen.


    Darum die Nachfrage: Ist das wirklich normal bei dieser Stoßbehandlung oder mache ich da gerade eine Exekution auf Raten?


    Das fragt sich grad
    die
    Melanie

  • Moin Melanie,


    ja ganz prinzipiell muß es Totenfall geben, wenn man sicher sein will, daß die Behandlung erfolgreich ist. Paar beißen ins Gras. Optimal ist es wenn es ungefähr ein Hühnerei voll sind. Besser natürlich weniger und das Gras wird trotzdem weiß.


    Es sterben die Bienen, die sich im Stock nicht bewegen und der höchsten Säurekonzentration ausweichen können oder die direkt mit der Säure in Berührung kommen.


    Du hast nun einfach die Säuremenge angepaßt aber Du hast die Schwammtuchfläche nicht vergrößert. Dann wirst Du wahrscheinlich das eine Schwammtuch auch genau über die Mitte der Zarge gelegt haben. Wenn dann noch nur wenig Honigkranz über dem Brutnest ist, dann werden ganz logischerweise viele Jungbienen zuviel kriegen, denn die schlüpfen ja nur wenige cm weiter unten. Außerdem fällt die säurehaltige Luft regelrecht aus dem Schwammtuch heraus und in die Wabengassen, die das Tuch überdeckt und konzentriert sich also in den wenigen Gassen in der Mitte.


    Ich lege daher immer bei zweizargiger Behandlung die Schwammtücher versetzt auf. So wie ein BMW-Zeichen. Damit erwischt es nahezu alle Gassen und in der Mitte dampfen auch nur die zwei Zipfel. Außerdem sind 2 NDM-Waben übereinander eben auch höher als 1 1/2. Und nach halbwegs brauchbarer Tracht oder Einfütterung der Honigkranz breiter.


    Sieh es positiv: Deine Behandlung wird hervorragend anschlagen. das Brutnest hat so viel bekommen, daß die Wirkung in die Brut gesichert ist und das Sterben hört sofort nach der Behandlung auch wieder auf. Die die jetzt leben, leben also milbenfrei und ohne weitere oder Dauerbelästigung.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Melanie,
    Brutschäden können vermieden werden, indem Abstand zur AS Quelle geschaffen wird. Bei Zweizargern schafft die Wabenhygiene für den ausreichenden Abstand zur Brut, durch Futter liegt das Brutnest momentan immer in der unteren Zarge. Die offene Brut wird auch in Mittleidenschaft gezogen, aber schlüpfenden Jungbienen landen nicht vor dem Flugloch. Wenn bei einer Medizinflaschenverdunsterbeh. viele (Jung)Bienen vor dem Flugloch liegen, was sellten vorkommt, war der Konzentrationsanstieg zu schnell (oft Anwenderfehler). Vermutlich sind die Brutwaben bei einer Behandlung mit sehr schnellem Anstieg der Konzentration bienenleer. Anscheinend ist selbst die härteste MoT 85% nicht so hart, wie die Schwammtuchmethode, nur mit der XXL Variante bekomme ich sowas hin. Ob nun die "Harte Nummer" mit viel geopferter Brut und gebratenem Gras besonderen Wirkungsgrad verspricht? Es kann ein Hinweis auf "eine" Wirkung sein, aber keine Garantie über Milbenfreiheit.
    Auch bei einer einmaligen "Killernummer" können durchaus beträchtliche Mengen Milben überleben, wie ich erst gestern mit erstaunen mehrfach entdeckt habe.
    Die Brut muss kein Bauernopfer sein!


    Gruß
    Simon

  • Moin Simon,


    bitte stelle die Schwammtuchmethode nicht so dar, als wäre es die "Killernummer" schlechthin und als würde die Brut geopfert. Die Brut suggeriert es handele sich um die gesamte Brut. Das ist Unsinn. Bei der Schwammtuchmethode wird niemals mehr Säure verdunsten als gegeben wird. Es ist eine Kurzzeitbehandlung ohne großes Risiko. Wer sie genauso macht, wie von Dr. Liebig beschrieben, wird auch genau die gleichen Erfolge haben. Und das auch mit Erfolgskontrolle während des Verfahrens.


    Ich gehe jede Wette ein, daß bei einem anderen AS-Verfahren mindestens der gleiche Totenfall über die gesamte Behandlungsdauer auftritt wie bei der Schwammtuchbehandlung innerhalb von 24h. Wegen mir auch innerhalb einer oder zweier Wiederholungsbehandlungen.


    Und es wird für Melanie überhaupt kein Problem sein, bei einer nächsten Anwendung mehr Schwammtuch zu nehmen und vielleicht auch nur 33ml. :wink: Sie kann jetzt mit dem Schwammtuch schon auf Erfahrungen zurückblicken und das Ganze ausnivellieren. Das ist gut und wichtig und wesentlich besser als egal was Neues auszuprobieren.


    Ja glaubst Du denn ich würde das Verfahren anwenden, wenn ich ein sichereres und bienenvolkschonenderes kennen würde? Ich rette Einzelbienen aus Wasserfässern und Honigeimern und schubbse schon mal oberdreißte Hornissen ins Gras, wenn sie den Bienen auflauern, da werd' ich doch nicht sinnlos zu Bienenopfern raten ... Mir geht das auch ans Herz :cry:

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Die Frage wäre doch, was hier sinnvoll wäre: Ich hatte die AS über das ganze Tuch verteilt. Besser wäre es vielleicht, auf ein Zargengroßes Filterpapier zu verdunsten - dann verteilt sich das besser zwischen den Wabengassen; geht aber eben auch schneller.


    Kompliziert, das...


    Allerdings hat es auch schon was gebracht - habe ein ähnliches Ergebnis wie bei fer Behandlung vor einer Woche. Die Völker, die damals schon kräftig Federn...äh, Milben ließen haben sich auch heuer nicht lumpen lassen. Das eine wie zuvor 150 Milben, das andere etwa 50 - alle anderen nur marginal.


    Werde dann in 2-3 Wochen mal wieder ein Schied zur Kontrolle reinschieben und dann gucken was da noch so zu erwarten ist.


    Melanie

  • Och Melanie,


    mach da ma keine Wissenschaft draus:


    Nimm zwei Tücher --> Einfach, das ...
    (oder wie der Japaner unter uns sagt) "Einfach des"

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Henry,
    rausgeschmissene Jungbienen, in der von Melanie beschriebenen Menge machen, mich immer nervös. Diesen Verlust habe ich zuletzt 2003 bei 35°C an Völkern beobachtet, von den zwischendurch "verunglückten" AS- Völkern mal abgesehen, wer gibt das schon gerne zu. 8) Es ist nach meiner Erfahrung aber nicht die Regel bei einer Medizinflaschenanwendung nach "Rezept". Immer dann, wenn sich die Säure zu schnell auf dem Docht verteilt, egal um welchen es sich bei den drei Varianten handelt, zeigt sich ein erhöhter Verlust an Jungbienen. Das ist aber nicht die Regel!! Erst wenn das Volk "auszieht" ist Gefahr im Verzug. Königinnenverluste traten bei mir gehäuft mit dem Verlust an (Jung)bienen auf. Die Frage bleibt, ob eine Vergrößerung der Verdunsteroberfläche zu einem noch stärkeren und schnelleren Anstieg der AS-Stockluftkonzentration führt; ist dies nun erwünscht oder nicht? Ist das Schwammtuch nun eine Schockbehandlung oder wie? Mit der Medizinflasche-Kurzzeit führt eine Vergrößerung des Dochtes zu einer schnelleren Verdunstung der Menge und dies ist unter Beachtung der Temperatur zu entscheiden. Verwendet man sowohl den großen Docht bei Temperaturen über 20°C, mit dem oberen Limit an Säure (60ml), dann ist es eine "Killermethode". In diesem Fall war es eben das Schwammtuch. Aber nicht unter allen Bedingungen passiert das. Was passiert wenn die gekühlte Säure großflächig aufgebracht wird? Je großflächiger der Verdunster, desto schneller dürfte sie die verdunstungshemmende Eigenschaft der Kälte verlieren. Nach wie vielen Minuten hat die Verdunstung das Maximum erreicht? Auch wenn die Säure stark gekühlt aufgebracht wird, bei der Ausbreitung auf das Tuch dürfte sie sich binnen Minuten der Umgebung angeglichen haben (10 Minuten?). Bei der Medizinflasche dauert das etwa 1 Std. bis der Docht vollgesaugt ist, erst nach 2 Stunden dürfte das Maximum erreicht werden, in dieser Zeit verdrückt sich auch die letzte alte Tante langsam.


    Die AS muss man flexibel anwenden können, besser (und vor allem unabhängiger!) gelingt mir dies mit der Flasche.


    Gruß
    Simon

  • Hallo Simon,
    gut das AS nicht AlkoholSucht heißt :lol: 
    Deinem letzten Satz würde das eine ganz andere Bedeutung geben :lol::lol: 
    So hat das ein lieber "Über-die Schulter-Gucker" gerade herausgelesen!
    Nach dieser Lach-Attacke und nachfolgender Richtigstellung wollte ich den anderen Teilnehmern diesen Gack nicht vorenthalten.
    Nehm´s mir bitte nicht krumm!
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Ich häng halt an der Flasche...
    ich kann nicht anders!


    Mit der AS ist es eben wie mit den Säufern.
    Der eine ist ein Stresstrinker, Pegeltrinker (immer was drinnen), heimlicher Trinker (die ganz üble Sorte, bei den Imkern wäre es der Perizinverstecker), Quartalssäufer (kurz aber kräftig)....

  • Hallo Henry


    du schreibst


    Dr. Liebig beschrieben, wird auch genau die gleichen Erfolge haben. Und das auch mit Erfolgskontrolle während des Verfahrens.


    meine Frage was für Bücher gibt es von Dr. Liebig,und welches sollte man sich kaufen.


    Besten Dank für die Antworten


    Grüße Arnold

  • Dr. Liebig: Einfach imkern
    neue Ausgabe

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
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