Notfallset bei Bienengiftallergie

  • Bei der Wandervesammlung deutschsprachiger Imker in Bregenz (Österreich) hielt am 09. September der Arzt Dr. Michael Lukas einen sehr interessanten Vortrag über Insektengiftallergien. Dabei erwähnte er auch ein sog. Notfallset, das Personen die auf Insektengift allergisch sind, bei sich führen sollten. Ein Notfallset besteht, wie ich mich erinnere, aus vier Komponenten. Da ich während des Vortrags nicht mitgeschrieben habe, versuche ich auf diesem Wege heraus zu bekommen, welche Komponenten (Arzneimittel-Gruppen) bei einem Notfallset wichtig sind.


    Hat jemand Erfahrungen mit einem Notfallset?


    Ist so ein Notfallset zu empfehlen, wenn Publikum am Bienenvolk zugelassen wird, z. B. beim Tag der Imkerei oder bei einem Imkerkurs o.ä. ?


    Auf Antworten freut sich

  • Also mir sind drei Komponenten bekannt: ein schnell wirkendes Antihistaminikum in flüssiger Form, ein Cortison-haltiges Medikament zum Trinken und inhalierbares Adrenalin.
    Das Set sollte man sich vom Facharzt zusammenstellen und verschreiben lassen - in wie weit man das nun auch prophylaktisch bei Führungen o.ä. verschrieben bekommt, wage ich nicht zu bewerten.
    Problem ist ja auch die Anwendung - was, wenn da nun jemand zusammenklappt und man weiß nicht ob es nun ein Bienen- oder Sonnenstich ist...will man dem Opfer dann solche Medikamente gleich einflößen?


    Die Bienengiftallergie ist bei etwa 3 bis 5% der Bevölkerung ein Thema - doch nur ein Teil davon hat die schwere Form bei der diese Medikamente innerhalb von 30 Minuten Anwendung finden müssen.
    Zudem muß man das Ganze korrekt lagern, griffbereit halten und es darf nicht überlagert sein - macht das Vorhalten für einen sicherliche sehr seltenen Zwischenfall sehr aufwendig (wenngleich der lebenslange Dank des Opfers wohl gewiß ist).
    Verantwortungsbewußte Allergiker haben so ein Set und eine entsprechende Notfallkarte mit Anweisungen immer bei sich - aber natürlich werden solche wohl auch kaum eine Führung am Bienenstand machen; hier kann also nur der Fall des unerkannten Allergikers ein Thema werden.


    Sofern die Notfallversorgung in der Gegend gegeben ist, würde ich wohl eher zum empfangsbereiten Handy raten, in dem die Nummern der Ambulanz/Allergienotruf eingespeichert sind damit man schnell Hilfe holen kann wenn es wirklich hart auf hart kommt.


    Hier noch etwas dazu aus der Wikipedia:

  • Ich hab einen Epi-Pen, mein Atrovent (dann in dreifacher Dosis), und mein Handy (das war die ernsthafte Anweisung meines Alergologen, weil bei mir als erstes Kreislaufkollaps und Zuschwellen der Luftröhre droht), also 112 anrufen, solange ich noch reden kann... :(

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Hallo,


    ihr wißt aber schon, worüber ihr hier so locker-flockig redet?
    Ja?
    Über die potentesten und nebenwirkungsreichsten Medikamente, die die Medizin kennt.
    Ich will nicht den Fachmann raushängen lassen, aber die obigen Medikamente gehören ins Repertoire der Intensivmedizin, und ich gehe jede Wette ein, mehr als 50% unserer Feld-Wald-Wiesen-Hausärzte können ohne nachzusehen nicht die genaue Dosis ermitteln.
    Natürlich soll ein Allergiker sich als "Ultima-Ratio" sein Epinephrin (übrigens auch ein hoch potentes Adrenalin) spritzen, aber solange er noch irgend kann, ist das Handy wichtiger.
    Und sonst nix!
    Als erweiterte Maßnahme ist Kortison durchaus angeraten, allerdings nur als iV-Gabe sinnvoll, und dann kommen schon ganz schnell Plasmaexpander ins Spiel.
    Aber wer kann sich schon einen Venenzugang legen und Medikamente geben?
    Alles andere, flüssiges was-weiss-ich-denn, oder sonstiges ist vielleicht zur Beruhigung der Umstehenden gut, Wirkung wird man damit nicht erzielen.
    Also, Finger weg, nur im äußersten Notfall zur Selbsttherapie, wenn die Sterne vor den Augen schon zu flimmern beginnen.
    Ich weiß, hört sich jetzt brutal an, aber ich betreibe dieses Geschäft nunmehr seit 17 Jahren, und spassen soll man damit nicht.

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Zitat

    aber solange er noch irgend kann, ist das Handy wichtiger.
    Und sonst nix!


    Genau das sag ich doch....
    Ein Ödem ist noch lange keine Allergie.
    Und auch wenn es juckt, ist es immer noch keine Allergie. :roll:


    uUnd erstaunlicherweise hab ich letztes Jahr mehrere nicht-ganz-Stiche kassiert, und nix ist passiert, außer den normalen Ödemen.
    Mein Allergologe guckte auch verwundert, weil er die extremen ersten Reaktionen kannte.
    Und dieses Jahr hab ich nichts gehabt außer Bremsen- und Mückenstichen, weder Hornisse noch Wespe noch Biene hat mich ernsthaft attackiert.
    Anscheinend gewöhnen wir uns langsam aneinander? :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • sabi(e)ne schrieb:

    Und erstaunlicherweise hab ich letztes Jahr mehrere nicht-ganz-Stiche kassiert, und nix ist passiert, außer den normalen Ödemen.


    Schönen Sonntag Sabine,


    "Halbstiche" trotz Vollschutz habe ich auch mehrere bekommen.
    Effekt wie bei Dir.
    Noch milder verlief die Sache, wenn ich direkt nach dem Stich "Autan-akut-Spray" aufgesprüht habe.
    Das habe ich jetzt immer vorrätig...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • eine Verschreibung zur Anwendung bei Dritten gibt es nach meiner Kenntnis nur für die Hochseeschifffahrt und Expeditionen in entlegene Gebiete, ansonsten darf das verschreibungspflichtige Arzneimittel nur bei dem auf dem Rezept genannten Patienten angewandt werden. Als Sofortmaßnahme, ob Allergiker oder nicht, halte ich Eisbeutel/ Kühlspray für sehr sinnvoll, unerwünschte Wirkungen sind kaum zu erwarten, Verschreibung nicht notwendig, Verfügbarkeit überall möglich, billig, umweltfreundlich, nur muß man handeln, und zwar wirklich sofort und mindestens 1 Stunde, auch bestens bei Prellungen, Blutergüssen, Verbrennungen anzuwenden. Besser als nichts geht auch kaltes Wasser aus Bach oder Quelle.
    Franz

  • Wolfgang Manz schrieb:
    Ein Notfallset besteht, wie ich mich erinnere, aus vier Komponenten. Da ich während des Vortrags nicht mitgeschrieben habe, versuche ich auf diesem Wege heraus zu bekommen, welche Komponenten (Arzneimittel-Gruppen) bei einem Notfallset wichtig sind.


    Hallo,
    ich habe mitgeschrieben und das vorgeschlagene Notfallset besteht aus:


    1. Antihistaminikumz.B. Zyrtec - 20-30 Tropfen bzw. Aerius 2-4 Tbl.
    2. Betnesol Brausetabl. 4-6 Tbl bei Bedarf
    3. Primatene Mist Dosieraerosol 1-2 Hübe bei Bedarf
    4. Epipen Autoinjector (auch speziell für Kinder erhältlich!)


    Soweit der Anschrieb von Dr. Lukas am Ende seines Vortrages.
    Die Stufung 1-4 bedeutet die Stärke der alergischen Reaktion.


    Ich muss aber betonen, ich selbst habe keinerlei Erfahrung mit solchen Mitteln und bin auch keine Bienengiftalergiker, obwohl auch ich über die Jahre die unterschiedlichsten Stichrekation am eigenen Leib erfahren habe.


    Gruß an alle ImkerInnen

    Man tut was man kann, hieß es früher. Heute glauben alle sie müssen tun was sie nicht können. P. Sloterdijk

  • Ein Notfallset sollte man sich immer von einem Arzt, besser noch von einem Allergologen nach einem Test zusammenstellen lassen.


    Zumindest die Präparate Primatene Mist und Epipen scheinen laut den einschlägigen Parmalisten hier in Deutschland nicht mehr im Umlauf zu sein.

  • Aus aktuellem Anlass: Mein Hausarzt hat mir als Notfallset folgendes verschrieben:
    - Fastjekt (Autoinjektor mit Epinephrin, also Adrenalin)
    - Fenistil (mit dem Hinweis: "sofort ganze Flasche trinken, die 20 ml sollten kein Problem sein!")
     
    Er merkte noch an, dass oft auch Cortison/Prednisolon verschrieben würde. Er würde es nicht für sinnvoll erachten, da diese Mittel nur bei intravenöser Gabe richtig wirken. ("Und ich glaube nicht, dass Sie sich in solcher Situation einen fachgerechten Venenzugang legen können.... grins.... In die Notaufnahme müssen sie sowieso. Es geht hier mit dem Notfallset um Zeitgewinn und Abmilderung der ganz schweren Sympome").
     
    Da diese Autoinjektoren recht teuer sind (Fastjekt so 95€), unbedingt auf lange Verwendbarkeit achten! Nicht, dass schon ein halbes Jahr später die Lagerzeit rum ist.
     
    Gruss
    Hagen

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)


  • Da diese Autoinjektoren recht teuer sind (Fastjekt so 95€), unbedingt auf lange Verwendbarkeit achten! Nicht, dass schon ein halbes Jahr später die Lagerzeit rum ist.


    Hi,


    für den hohen Preis ist die Haltbarkeit generell recht kurz. Ist das Verfallsdatum vorüber, verringert sich langsam die Wirksamkeit. Schädlich o.ä. wird der Inhalt nicht.

  • Na toll.... Jetzt darf ich auch ein Notfallset mit mir rumtragen ....


    nach Stich soll ich auf jedenfall einnehmen:
    1 x Tablette Loaratadin 10mg zerkauen und mit der ganzen flasche Celastamine (Bethamethason) 30ml runterspülen.


    Wenn es dann trotzdem schlimmer wird hab ich den Autoinjektor Fastjekt + Notruf ....