Wie funktioniert Stabilbau?

  • Hallo alle miteinander,
    ich habe hier in diesem Forum einige interressante Sachen über Stabilbaubeuten gelesen, welche mich ganz neugierig gemacht haben.
    Übriggeblieben sind allerdings eine Menge Fragen zur Betriebsweise.
    Ich würde mich freuen, wenn mir jemand helfen kann.
    Am unklarsten ist mir, wie man in einer Vor-Schwarmsituation die Königin findet. Man kann zwar die Bienen mit Rauch raustreiben, das gibt aber ein mords Spektakel, und ich weiß nicht, ob man in dem Durcheinander die Königin erfolgreich suchen kann.
    Als zweite grosse Frage wäre der Wachsfluss anzusprechen, kann ich als Beispiel bei der Christ Beute jedes Jahr eine Zarge komplett wegnehmen und neu ausbauen lassen? Und wenn, an welcher Stelle kommt dann die Leerzarge hin?
    Ich meine wegen der unterschiedlichen Wabengrösse, damit die Bienen brüten und gleichzeitig bauen können, und es keine Konflikte gibt.
    Wäre klasse, wenn mir jemand antwortet. :D:D


    Beeathome

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu!

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von honig () aus folgendem Grund: alles viel zu dick geschrieben

  • :o Meine Buckis bauen jedes Jahr zwei Ganzzargen auf MWs und alle (bis zu 8 halbhohe DN) HR auf Naturbau aus. Ohne Probleme.


    Zu Stabilbau kann ich dir kaum helfen, ich hatte bislang nur massiven solchen rund um eingebaute Futtereimer. Aber warum willst du im Stabilbau die Königin suchen?
    Zum Konzept gehört doch das Schwärmenlassen?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Dann stellt sich mir doch mal die ganz einfache frage:" Warum ünerhaupt interesse daran bestehen sollte eine Stabilbaubeute zu betreiben???"


    :o :roll: 
    Ich glaube da habe ich erklär Bedarf..... :wink:



    LG


    Chrischan

    Biene-Buckfast ;Bienengiftallergiker-Rastklasse 4 ---Kann die Finger nicht von den Bienen lassen jetzt Dadant US 12 er Holz + Mini Plus

  • 8) Für mich ist artgerechte Tierhaltung auf lange Sicht sehr viel praktikabler als das zurechtbiegen der Tiere durch den Menschen.
    Seht euch mal die degenerierten Fleisch- und Milchtiere in den Massenställen an, die gleich eine Lungenentzündung bekommen, wenn das Tor aufgelassen wurde, nur als Beispiel. :(:(:( 
    Bei den Bienen wird ähnliches ja auch gemacht, sie dürfen sich die Struktur ihres Wohnsitzes nicht selbst bauen. Wenn Dir jemand vorschreiben wollte, daß Du deine Wohnung entgegengesetzt Deiner Bedürfnisse einrichten solltest, nur auf ökonomische Gesichtspunkte achtend, würdest Du Ihn nicht sehr ernst nehmen. :lol::lol: 
    Die Bienen haben diese Wahlmöglichkeit nicht. Stattdessen leidet Ihre Konstitution, etc. Die Chinesen würden, aus der Harmonielehre heraus,
    über die geraden Wabengassen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. :lol::lol::lol:


    Nochmal zu Sabiene:
    Wie, was, schwärmen lassen? Soll ich die Bienen wegfliegen lassen? :o
    Ich dachte eigentlich an Schwarmvorwegnahme.[/quote]

    Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem Andern zu!

  • meine jungvölker bauen alle in der aufsteigenden phase 3-4 waben mit jungfernbau aus. es herrscht kein allzugroßer unterschied zu waben, die aus mittelwänden entstanden sind. außer, dass die waben, die sie selber gebaut haben eine etwas andere richtung der zellenreihen haben. aber das ist für die bienen unrelevant. sie bauen halt so weiter, wie es eben passt. die konventionelle bienenhaltung mit massentierhaltung und aufgezwungenem willen zu vergleichen ist mir doch etwas weit dahergeholt. grüße klaus

  • beeathome schrieb:

    Für mich ist artgerechte Tierhaltung auf lange Sicht sehr viel praktikabler als das zurechtbiegen der Tiere durch den Menschen.
    Seht euch mal die degenerierten Fleisch- und Milchtiere in den Massenställen an, die gleich eine Lungenentzündung bekommen, wenn das Tor aufgelassen wurde, nur als Beispiel. :(:(:( 
    Bei den Bienen wird ähnliches ja auch gemacht, sie dürfen sich die Struktur ihres Wohnsitzes nicht selbst bauen. Wenn Dir jemand vorschreiben wollte, daß Du deine Wohnung entgegengesetzt Deiner Bedürfnisse einrichten solltest, nur auf ökonomische Gesichtspunkte achtend, würdest Du Ihn nicht sehr ernst nehmen. :lol::lol: 
    Die Bienen haben diese Wahlmöglichkeit nicht. Stattdessen leidet Ihre Konstitution, etc. Die Chinesen würden, aus der Harmonielehre heraus,
    über die geraden Wabengassen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.


    Naja, man sollte nicht den Fehler machen und unsere menschliche Sicht und kulturell tradierte Sichweise auf Tiere übertragen. Klar sind nicht wenige Tierarten durch den Menschen völlig degeneriert (man betrachte z.B. nur bestimmte Hunderassen...), aber die Biene ist es nun gerade nicht! Und die heutigen Behausungen für die Bienen, die wir Imker haben, sind zwar in erster Linie so konstruiert, dass wir Imker gut damit arbeiten können, aber trotzdem auch bienengerecht.
    Hast Du Dir schon mal einen Schwarm in einem Baumstamm angeschaut? Oder in einer Hecke? Und ist Dir schon mal ein Schwarm in eine Ablegerkiste oder leere Beute eingezogen? Vor 2 oder 3 Jahren ist einer meiner Schwärme in eine Ablegerkiste eingezogen (die war ohne Waben bzw. Rähmchen) und die Bienen haben akurat "Warmbau" gemacht.... die Bienen scheinen sich also nicht mit der chinesischen Harmonielehre auszukennen... :wink:
    Und wenn ich mir manche Bienenstände anschaue, so weiß ich, dass dort seit Jahren keinerlei Selektion nach imkerlichen Gesichtspunkten vorgenommen wird..... (..diese Bienen vertreiben jeden Bären und sind schneller aus der Bienenwohnung ausgezogen, als sich die Varroa vermehren kann....)

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo miteinander.


    Es gibt schon starke Parallen zwischen der Massentierhaltung und der heutigen, imkerlichen Betriebsweise. Die aufgeblähten Brutnester, die Aufstellung von über zehn Völkern an einem Standort, die Züchtung der Biene nach wirtschaftlichen Kriterien, die einseitige Ernährung etc.


    Ich bin ebenfalls der Meinung, daß die Bienen degeneriert sind, wenn sie ohne das Zutun des Imkers nicht überleben können. Und das können sie nicht - das wird landläufig zumindest behauptet :wink:


    Eine unvollständige Aufstellung der Vor- und Nachteile:


    Vorteile:


    - Imker lässt die Finger aus der Beute
    - Nestduftwärmebindung ist gewährt ( Begriff von Pfarrer Christ)
    - Keine bis kaum Drohnenbrut = weniger Varroen
    - Bienen können bauen, wie sie wollen
    - Keine Kosten durch Mittelwände und Rähmchenzubehör
    - weniger Arbeit für den Imker


    Nachteile:


    - Keine.


    Als nachteilig wird oft behauptet, daß man die Königin nicht rauskriegt, das Brutnest nicht manipulieren kann und nicht schleudern kann.


    Schleudern geht trotzdem bei Verwendung von Drahtkäfigen, in die die Waben gestellt werden. Die Waben lassen sich ohne weiteres aus der Beute schneiden, wenn man die Maße von Warré einhält. Bis heute habe ich fünf Beuten beerntet und keine der Waben wurde an die Wand angebaut. (Ich habe dieses Jahr angefangen, nach Warré zu imkern). Ein leichter Schnitt und ein Anheben der Träger - die Wabe lässt sich ohne Matschen aus der Zarge heben. Das geht wirklich wunderbar.


    Manipulation von Brutnest und Königin ist bei bienengerechter Haltung nicht unbedingt angebracht. Christ wählte die Schwarmbetriebsweise. Er bevorzugte früh schwärmende Bienen und selektierte die Bienen danach aus. Diese Bienen entwickeln sich wohl noch stark genug, um eine Ernte abzuwerfen. Er arbeitete auch mit Rückvereinigung.


    Warré arbeitet mit Teilung der Völker, wenn sie in Schwarmstimmung kommen.


    Das würde deine erste Frage beantworten, die die Schwarmverhinderung anspricht. Die Königin würde ich nicht suchen - viel zu umständlich.


    Laut Theorie von Warré werden jedes Jahr mindestens eine ganze neue Zarge ausgebaut. Man nimmt die Zarge von oben ab und setzt eine leere Zarge unter. Das mit der Wabengröße musst Du mir nochmal erläutern, da ich mir nicht sicher bin, worauf Du hinaus willst.


    Von meinem ersten Halbjahr mit Warré werde ich noch berichten.


    Viele Grüße,


    Bernhard

  • Na dann man zu,


    Zitat

    Die Bienen haben diese Wahlmöglichkeit nicht. Stattdessen leidet Ihre Konstitution, etc. Die Chinesen würden, aus der Harmonielehre heraus,
    über die geraden Wabengassen die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.


    Vorschlag:
    Such Dir im Wald ein paar hohle Bäume, setze Bienen rein und warte...
    Ansonsten kannst Du ja dann mal die Chinesen um Rat fragen...

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • BernhardHeuvel schrieb:

    Hallo miteinander.


    Es gibt schon starke Parallen zwischen der Massentierhaltung und der heutigen, imkerlichen Betriebsweise. Die aufgeblähten Brutnester, die Aufstellung von über zehn Völkern an einem Standort, die Züchtung der Biene nach wirtschaftlichen Kriterien, die einseitige Ernährung etc.



    o.k. fangen wir mal mit der Analyse mal an:


    - Die Brutnestgröße bestimmt der Bien (es sei denn, ich gebe zu wenig Raum!)
    - in früheren Zeiten haben die Bienen alle erdenklichen Nisthöhlen genutzt.... da gab es keinerlei Begrenzung ... und wenn zu wenig Nahrung angeboten wird, gehen die Völker ein.....
    - einseitige Ernährung? soll ich mal posten ,welcher Pollen in meinen beiden Trachten diese Jahr gefunden wurde? (ich glaube, ein wenig botanisch bewandert zu sein, trotzdem habe ich mächtig gestaunt!)
    - wirtschaftliche Kriterien? Meine Kriterien sind (und ich glaube, mehr als 90% aller Imker geben mir Recht): Schwarmträgheit, Fleiß, Sanftmut, .... dazu kommt noch: Sauberkeit des Beutenbodens......



    Bioromantik ist zwar theoretisch schön..... die Realität sieht allerdings anders aus.........

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo, Gerold,

    Zitat

    - einseitige Ernährung? soll ich mal posten ,welcher Pollen in meinen beiden Trachten diese Jahr gefunden wurde? (ich glaube, ein wenig botanisch bewandert zu sein, trotzdem habe ich mächtig gestaunt!)


    JA, BITTE!!!!! :wink: 
    Mich interessiert das immer mächtig, wie es bei anderen aussieht, weibliche Neugier halt... :oops::wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • sabi(e)ne schrieb:

    Hallo, Gerold,


    JA, BITTE!!!!! Mich interessiert das immer mächtig, wie es bei anderen aussieht, weibliche Neugier halt... :


    Hallo Sabine,
    Du verlangst Schwerstarbeit von mir ;-)


    Also:


    Honig mit Schleuderdatum 11.06.06:
    Leitpollen: -
    Begleitpollen: Brassica-Typ (Raps)
    Einzelpollen: Prunus-Typ (Steinobst-Typ), Acer platanoides (Spitzahorn), Raphanus-Typ (Rettich-Typ), Rubus-Typ (Himbeere-Typ), Pirus-Typ (Kernobst), Aesculus (Roßkastanie), Vicia-Typ (Wicke), Crataegus-Typ (Weißdorn-Typ), Trifolium repens (Weißklee), Crocus albiflores (Krokus), Aster-Solidao-Typ (Aster), Phaseolus (Bohne), Cornus sanguinea (Hartriegel), Ribes (Johannesbeere), Polygonum persicaria (Flohknöterich).
    Pollen naktarloser Pflanzen: Quercus (Eiche), Larix (Lärche), Papaver (Mohn-Typ), Juncacea (Binsen), Betula (Birke), Graminea (Süßgräser), Filipendula (Mädesüß).




    Honig mit Schleuderdatum 01.07.06:
    Leitpollen: -
    Begleitpollen: Vicia-Typ (Wicke)
    Einzelpollen:
    Brassica-Typ (Raps-Typ), Ailanthus (Götterbaum), Trifoluim repens (weißklee), Rubus-Typ (Himbeere-Typ), Tilia (Linde), Robinia (Scheinakazie), Prunus-Typ (Steinobst-Typ), Verbascum (Königskerze), Raphanus-Typ (Rettich), Pirus-Typ (Kernobst), Ligustrum (rainweide), Melilotus (Steinkleee), Aesculus (Roßkastanie), Sinapsis (Senf-Typ), Phacelia (Büschelschön), Symphoricarpus (Schneebeere), Trifolium pratense (Rotklee), Genista-Typ (Ginster), Anthriscus-Typ (Kerbel), Amorpha fructicosa, Parthenocissus (Wilder Wein), Cornus sanguinea (Hartriegel), Polygonum persicaria (Flohknöterich), Salix (Weide), Taraxacum-Typ (Löwenzahn).
    Pollen naktarloser Pflanzen: Graminiea (Süßgräser), Pinus (Kiefer), Artemisia (Beifuß-Typ), Ranuculus-Typ (Hahnenfuß-Typ), Rumex (Ampfer), Quercus (Eiche).





    Nun hoffe, ich, mich nicht verschrieben zu haben. Lateinische Namen gehören kursiv geschrieben (als Eigennamen) – man möge mir meine Unkorrektheit verzeihen.... und ich kann diese Arten bzw. Gattungen eigentlich ohne Probleme ansprechen.... nur aufgefallen sind sie mir nicht im Flugradius meine Bienenstandes, der etwa zu 2/4 von Feldern, ¼ von Wald und ¼ von einem Dorf umgeben ist.


    wer's nicht glaubt, dem kann ich die Honiganalysen als pdf zuschicken.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo,


    jetzt geht genau das los, wovor Henry hier dauernd warnt. Inzwischen kapiere selbst ich, daß er das nicht ganz zu Unrecht tut.


    Beeathome, mein persönlicher dringender Rat (gespeist aus diesbezüglicher Erfahrung in mehreren Richtungen): wenn Du damit schon arbeitest, dann bleib in Deinen ersten Betriebsjahren unbedingt bei Deinen Deutschnormalbeuten, und wenn sie dich nerven, bleib trotzdem dabei. Ab dem 3., besser, ab dem 4. Betriebsjahr überlegst Du Dir dann, in welcher Richtung Du mit der Betriebsweise nicht klarkommst, an welcher Stelle Dich Deine Erfahrung lehrt, daß und wie es anders besser laufen könnte. Ich habe Stabilbau gehabt, und ich kann Dir sagen, das kann auf einmal ganz schön unromantisch werden. Wenn Du zum Beispiel in der Saison merkst, daß das Volk auf einmal dreimal so aggressiv ist wie in der Saison zuvor, weil sie still umgeweiselt haben, dann hast Du ein Problem, weil Du eben nicht die Notbremse ziehen und umweiseln kannst. Dann magst Du Dir idealistischerweise sagen, daß Wehrhaftigkeit auch ein Zeichen von Vitalität ist; dieser Gedanke relativiert sich aber, wenn sie Dich trotz Vollschutz zerstechen und Du erstmals zu dem verzweifelten Gedanken findest, die ganzen Prötten hinzuschmeißen und die Bienen abzuschaffen.


    Bernhards flammende Plädoyers für Stabilbaubeuten haben das entscheidende Manko, daß er die zwar toll findet, aber gar keine Erfahrung damit hat.


    Fazit:


    Sammle Deine Erfahrungen.


    Sammle sie über mehrere Jahre.


    Sammle sie mit einer Biene und Betriebsweise, zu der Du immer jemanden fragen kannst, der sie gut kennt. Wenn Dir die Betriebsweisen Deiner Gegend über die Schmerzgrenze gegen den Strich gehen, dann suche Dir jemanden, der eine andere Betriebsweise und damit viel eigene Erfahrung hat und fahr regelmäßig hin.


    Und dann triff nach ein paar Jahren Deine Entscheidung für oder gegen Stabilbau aufgrund Deiner Erfahrungen. Wenn dafür, dann erst mal mit einem Volk.


    Viel Erfolg,


    Johannes

  • Hallo Bernhard
    Nun berichte mal, wir sind schon alle ganz gapannt. Wieviel Kilo hast Du denn gschleudert, und wie lange dauert die Ernte mit Schleuderung pro Volk. Das die Waben schon irgendwie rausgehen ist auch klar. Den Honig kann man ja auch auspressen,-- . Wenn Du nur Bienenhalter bist der Spaß an den Insekten hat, kann ich Dein System ja noch verstehen. Vieleicht brauchst Du ja auch keinen Honig über den Eigenbedarf. Wieviele Waare Kisten sind denn bei Dir in Betrieb? Du hattest ja auch versprochen zu berichten wie Du mit oder ohne die Varroa Deine Bienenhaltung betreibst. Und denk immer an den "Stuhl".
    Freundliche Grüße Peter