Honig geschleudert - was dann?

  • Hallo!
    Ich bin jetzt in meinem dritten Jahr mit meinen 4 Bienenvölkern und die Arbeiten am Stand gehen mittlerweile schon mit einer gewissen Routine. Was ich aber noch nicht durchschaue ist, was ich mit dem Honig machen muss, wenn er aus der Schleuder kommt.
    Nachdem es im ersten Jahr fast keinen Honig gab, war die Ernte im zweiten Jahr sehr gut ausgefallen. Den Honig hatte ich da aus der Schleuder durch ein grobes und ein feines Sieb in einen P=Lastikeimer laufen lassen und darin täglich mit einem hölzernen Kochlöffel geschlagen. Ich hatte den Eimer nur mit einem Handtuch abgedeckt stehenlassen, weil ich dachte, dass Feuchtigkeit entweichen müsste. Das Ergebnis war sehr gut und ich hab nach 3-4 Wochen den Honig abgefüllt.
    Dieses Jahr ist die Ernte extrem gut ausgefallen und ich habe mittlerweile 6 Eimer Honig in meiner Küche stehen. Diese hatte ich jetzt aber luftdicht verschlossen, weil ich hier im Forum gelesen habe, das sei so besser. Auch diese Honige habe ich regelmäßig geschlagen. Dee Ergebnise sind extrem unterschiedlich:
    - in einem großen Eimer sind ca. 23kg Honig. Dieser ist dunkel und absolut flüssig geblieben. Ein paar ganz kleine Kristalle sind drin, die man beim puren "Schlecken" bemerkt
    - in einem kleinen Eimer ist eine kleinere Schleuderung von ca. 7 kg cremig und weiss (!) geworden. Auch hier schmeckt man Kristalle raus, sogar etwas stärker als bei dem dunklen Honig.
    - Die anderen Eimer sind hell- nis dunkelgelb, wie ich es bisher gewhnt war, ABER: die Kristalle sind ganz extrem ausgebildet. Der Honig ist in der Form meiner Meinung nach ungenießbar bzw. auch unverkäuflich.



    1.) was habe ich falsch gemacht, was hätte ich tuns ollen?
    2.) wie kann ich meinen Kristallhonig "retten" ?



    Hab die Suchfunktion bemüht, aber nix passendes gefunden. Vllt. fehlen mir auch nur die entsprechenden "Suchworte"...


    ach ja: ich hab nur 4 Völker und mach das als Hobby - ich möcht mir also keine sündhaft teuren Geräte anschaffen müssen... - die Schleuder war schon teuer genug...



    Vorab vielen Dank



    abeille

  • Hallo,
    du schreibst, du hättest deine Honige "geschlagen".
    Wie soll ich mir das vorstellen?
    Man rührt eigentlich nur, ohne Luftblasen einzuziehen.
    Und man läßt den Honig nie offenstehen, weil er durch die hohe Zuckerkonzentration Wasser aus der Luftfeuchtigkeit zieht.
    Außerdem nimmt er sehr schnell Gerüche an.
    Normalerweise rührt man 1x oder 2x täglich 5 min., bis sich im Honig ein Schimmer wie Perlmutter zeigt, danach kann man abfüllen und hat dann hinterher cremigen Honig.
    Kristallisierten Honig kannst du nur im Wasserbad ganz vorsichtig wieder auftauen, und wenn er komplett verflüssigt ist, dann täglich rühren, bis zu eben jenem Perlmutschimmer.
    Andere Möglichkeiten gibt es sonst keine.
    Dein dunkler Honig könnte ein Waldhonig sein, allerdings wird auch der irgendwann mal kristallisieren, wenn du ihn nicht vorher aufißt oder verkaufst.
    Der weiße Cremehonig könnte Raps oder Weißdorn gewesen sein, und dein dunkelgelber Löwenzahn.
    Den hast du dann zu früh abgefüllt, deshalb ist er so grob kristallisiert.
    Auftauen und nochmal von vorne....
    Ein Kochlöffel ist übrigens nicht so toll, weil du damit nicht in den Stoß Boden-Wand kommst und auch nicht genug Masse an sich bewegt bekommst.
    Dreikantleiste ist da besser. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Die Kristallisation hängt auch vom Volumen der Gefäße ab:


    kleiner Eimer: schnell,
    Hobbock: langsam.


    Bei etwa 15°C kristallisiert bei mir die Rapsernte weisser und feinkörniger als bei 25°C.


    Zitat

    Ein Kochlöffel ist übrigens nicht so toll


    :wink: es gibt auch meterlange Kochköffel...


    Ich habe noch nie vor der kristallisation gerührt, da ich gerade im Sommer Besseres zu tun habe. Bei mir werden die Eimer steinhart und erst bei Bedarf sanft im Wasserbad aufgeweicht. Jetzt schlägt die Stunde des 50cm langen Kochlöffels: der Stiel (!) wird in die weich werdende Honigmasse gedrückt und dann wird gerührt oder eben auf- und abgeschlagen. Abfüllen des cremigen Honigs geht dann auch über den Quetschhahn.


    Ich habe gehört, daß in trockenen Ländern Honiggefäße einige Tage offen stehen, eben um dem Honig Wasser zu entziehen. Das muß wohl mit der relativen Luftfeuchtigkeit zusammenhängen. Ich würde das Offen-rumstehen-lassen bei uns nicht empfehlen, aber auch nicht für absolut global unzulässig erklären.


    Gruß,


    Eden

  • ... vielen Dank schonmal für die schnellen und seeehr ausführlichen Antworten!!


    Wie kann ich mir das Auftauen im Wasserbad vorstellen?
    Stelle ich da meinen ganzen 25 KG - Eimer in ne 40 Grad warme Badewanne oder wie mach ich das?


    Eden :
    Wenn Du sagst, dass Du im Sommer besseres zu tun hast, als Honig abzufüllen, schliess ich daraus, dass Du den im Winter abfüllst. Der ist bei mir dann aber - wie Du auch schreibst - dann absolut HART!
    Wie oft und wie lange muss ich den denn dann mit dem Holzlöffel oder der Dreikantleiste rühren? Das dauert doch sicher ne ganze Weile bis die Kristalle zertrümmert sind oder stelle ich mir das grad falsch vor :roll: ?


    Was soll ich meinem Freundeskreis empfehlen, was sie tun sollen, wenn der Honig im Glas wieder kristallisiert? Sanftes Erwärmen im Wasserbad bei 40 Grad?


    Danke - ihr seid klasse!



    abeille

  • :lol: LESEN.
    Eden schreibt:

    Zitat

    Bei mir werden die Eimer steinhart und erst bei Bedarf sanft im Wasserbad aufgeweicht.


    Geht nicht anders, wenn du kein Extra-Geld ausgeben willst.
    Wenn du einen großen Einkochtopf hast, stell drei Konservendosen auf den Boden und den Eimer da drauf (wenn er denn paßt).
    Ansonsten entweder Stücke ausstemmen und umfüllen oder wirklich Badewann, dann darf es aber auch gern heißer sein, weil - bis der Honig da zu warm wird, das dauert. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ich hatte dieses Jahr Glück mein Honig stand unter dem Dach(DAchboden) hier waren exakt 36 Grad und mein Honig ist jetzt schön weich,nicht Flüssig.....hmmm lecker...


    LG


    Chrischan

    Biene-Buckfast ;Bienengiftallergiker-Rastklasse 4 ---Kann die Finger nicht von den Bienen lassen jetzt Dadant US 12 er Holz + Mini Plus

  • Okay, danke für die Infos - dann werde ich mal testen, ob mir die kleinen Kochtopf-Wasserbäder oder eher die großen Badewannen-Wasserbäder liegen.


    Noch ne Frage zur Temperatur für die Lagerung des Honigs:

    Bruennis27 schrieb:


    ...hier waren exakt 36 Grad und mein Honig ist jetzt schön weich,nicht Flüssig.....hmmm lecker...


    Demnach scheint 36 Grad die optimale Lagertemperatur zwischen Schleudern und Abfüllen zu sein (?)
    Ich könnte die Honigeimer entweder in der Waschküche im Keller bei sehr konstanten 18 Grad lagern oder im unbeheizten Gästezimmer mit schwankenden Temperaturen zwischen 15-38 Grad.
    Wo würde es dem Honig besser ergehen?



    Danke und Liebe Grüße


    abeille


    .

  • :o Konstante Temperatur, auf jeden Fall.
    Unter Zimmertemperatur sollte es schon sein.
    Waschküche - was ist da mit hoher Luftfeuchtigkeit und Gerüchen?
    Honig, der nach Keller oder Waschmittel riecht, kannst du wegschmeißen....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Also, die Waschküche wäre gut, wenn da kein Waschküchengeruch wäre. Ansonsten: Eimer luftdicht verschließen und den Rand außen mit Frischhaltefolie mehrmals umwickeln hilft auch.


    Zum Einschmelzen: Ich gehe nicht über 10L Eimer, allein wegen der Rückenbelastung (vorbeugeung! Habe im Steinbruch gearbeitet und weiß, wie kaputte Rücken aussehen).


    Der Honigeimer kommt wohlverschlossen in einen großen Kochtopf mit Wasser auf zwei (zentimeterdicke) Holzleisten (:wink::wink: @ Sabiene) zum Stehen. Die Holzleisten verhindern Überheizung des Eimerbodens, da das Wasser gut zirkulieren kann und die Wärme sich um den Eimer gleichmäßig verteilt. Da Wasser ein besserer Wärmeträger ist als Luft möchte ich mit Wärmeschränken nichts zu tun haben (nicht nur wegen den Kosten).


    Der Wasserstand im Topf ist knapp unter dem Eimerrand außen. Topf zu.


    Das Ganze handwarm erwärmen und nach wenigen Stunden ist der Honig warm, aber noch fest. Mit dem Stechen und Schlagen wird er jedoch rasch - in wenigen Minuten!- cremig und abfüllbereit. Das Schlagen beschleunigt den Prozess wesentlich. Ich würde nicht warten, bis die Wärme alle Arbeit mach, das bringt nur flüssigen Honigmantel um einen harten Kern im Eimer. Mit sehr groben Kristallen hatte ich bisher nicht zu tun.


    Nach einer solchen Behandlung wird der ins Glas abgefüllte Honig nicht wieder "sehr-sehr" hart.


    Gruß,


    Eden

  • :lol: Moin, Eden,
    ja, das mit den Holzleisten hatte man mir auch mal erzählt......
    Da war aber entweder der Abstand zu niedrig oder die Platte zu heiß oder der Eimer mindere Qualität, jedenfalls ist der Boden weich geworden und durchgesackt und das war's dann gewesen....seitdem schön viel Abstand zum Boden. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo!
    Also so werde ich es dann mal Testen:
    "Waschküche" heisst das bei uns nur noch, weil das (vllt.) irgenwann mal eine war. Da is nix feucht und auch kein Geruch oder so - is einfach en kleiner Raum im Keller in dem ausser bissl Werkzeug nix drinliegt und der nicht genutzt wird.



    Ich werd's mal testen, den diesjährigen Honig im Wasserbad langsam zu erhitzen bis er "rührbereit" ist und dann mal sehen, ob das so klappt, wie "Edeb" das schreibt. Wäre doch gelacht, wenn ich bis zum Honigschleudern komme und dann das gute Zeug nicht ordentlich in die Gläser bekomme!


    Eden : Wo kaufst Du Deine Eimer? Ich habe bisher nur 15kg- und 25kg-Eimer gesehen...



    Vielen Dank - ihr seid ncith nur schnell, sondern auch noch kompetent und nett.



    K L A S S E !!



    abeille


    .

  • Ich nehme 10L Eimer, da passen knapp 13-15 Kg Honig rein.


    Kaufen? nein danke.


    Einfach mal die nächste Großküche fragen - bei denen fallen ewig viele lebensmittelechte Eimer an: ob Quark oder Senf, Milch oder Salz. Am besten sind natürlich die Milcheimer, sie stinken nicht. Die anderen kannst Du dann für Wachs oder zum Füttern nehmen. Bloß nichts ablehnen und regelmäßig wieder auftauchen. Ein Gläschen Honig (beim 2.ten oder 3.ten Mal) schmiert gewaltig. :D


    Eden

  • Noch nen Tipp dazu: Habe mir bei Ebay welche von einem Gastronomen gekauft. So 10 kg-Ketchup- und Mayo-Eimer. Die halten echt was aus. Nur auch nach intensivem Putzen riechen sie noch leicht nach dem Zeug also bloß nicht für Honig verwenden. Habe damit grad mein Winterfutter geholt - jedes Volk hat seinen eigenen Eimer; da kann dann auch nichts schief gehen beim Einfüttern.


    Melanie

  • Eden  
    Tja was Honig doch für eine Wirkung haben kann :wink:


    ist doch echt beeindruckend *freu* aber ich gebe dir Recht sowas sollte man(n) sich warm halten....


    LG


    Chrischan

    Biene-Buckfast ;Bienengiftallergiker-Rastklasse 4 ---Kann die Finger nicht von den Bienen lassen jetzt Dadant US 12 er Holz + Mini Plus