Vorbild fuer oekologisch-orientierte Imker

  • Hallo miteinander!


    Folgender Artikel im Spiegel sollte ein Vorbild fuer oekologisches Imkern sein:


    http://www.spiegel.de/wissensc…sch/0,1518,430568,00.html


    Die Parallelen sind deutlich: der Vorwurf der Verwahrlosung, die Behoerden, die Aktionen (Vergiften!) anderer Landwirte und die wissenschaftlichen Aeusserungen, die wie immer sagen: geht garnicht.


    Also durchhalten!


    Viele Gruesse,


    Bernhard Heuvel

  • da sind einige Ungereimtheiten drin, die ohne Kenntnis des Einzelfalles nicht beurteilt werden können. Prinzipiell bekommen Mastrinder keine Hormone und Antibiotika nur, wenn sie entsprechend erkrankt sind. Der vorbeugende Einsatz ist, außer bei Milchkühen zum Trockenstellen, verboten. Ich habe vor 35 Jahren einige reine Mastbullenherden gehabt, es ist wie im Zirkus, wer nicht damit umgehen kann, sollte die Finger davon lassen. Um auf eigener Weide die eigenen Tiere per Gewehr zu betäuben, braucht man keine Jägerprüfung sondern die Erlaubnis zum Erwerb und Besitz von Gewehr und Munition, dazu muß erfolgreich ein Ballistikkurs besucht werden, oder eben Jägerprüfung. Einen Jäger damit zu beauftragen, ist nicht erlaubt, es müßte für den Einzelfall die Erlaubnis eingeholt werden, weil das ja keine Jagdausübung ist. Leider wird nicht verlangt, daß die Leute auch treffen können. Ich habe hier das Problem, ein Bauer und Jäger schießt regelmäßig nicht gut, um es gelinde auszudrücken, auch aus sehr kurzer Entfernung. Das interessiert keine Behörde, es sei denn, es erstattet jemand Anzeige und legt Beweise vor. Zuständig ist das Landratsamt, untere Jagdbehörde. Auf Anfrage wurde mir mitgeteilt, daß auch bei der nach 1 oder 2 Jahren regelmäßig zu erneuernden Jagderlaubnis keine Schießbewertung erfolgt, es geht nur um die zu zahlende Gebühr. Wenn das Stammhirn getroffen wird, was bei älteren Tieren (bislang 24 Monate, seit 1.7.2006 30 Monate ) zur BSE-Untersuchung benötigt wird, geht alles zur Tierkörperbeseitigung. Bei meinem Bauern hat die Probe mal sein Hund geklaut, hatte den gleichen Effekt.
    Ich habe erlebt, wie Tiere aus solchen Herden verhungert sind und wie schön die Zeitungsberichte über die gleichen Herden zu lesen waren. ich habe auch erlebt, wie viel zu junge Rinder gedeckt und tragend wurden und Schwergeburten erlitten, weil keine rechtzeitige Trennung erfolgt war. Papier ist geduldig.

  • Axel schrieb:

    Sollen wir jetzt die Bienen mit Schalldämpfer auf offener Weide erschiessen oder was ?????

    Das war irgendwie auch mein erster Gedanke, aber dann hab' ich mir den geklemmt, weil ich ja sonst noch in die Bernhard-Oppositions-Schublade gesteckt werde und da nieeeeeeeee wieder raus komme und das so kurz vorm Imkerforumstreffen.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo miteinander,
    Hallo Problembär!


    Es ist gut, von deinen Erfahrungen zu hören. Sie stehen im Gegensatz zu den sicherlich beschönenden Texten der Medien.


    Der Japaner Fukuoka, der eine Autorität zum Thema Permakultur ist, hat mich durch seine Bücher auf etwas aufmerksam gemacht. Und zwar, daß eine vernachlässigte ungleich der wilden Bewirtschaftung ist.


    Fukuoka hat das an Obstbäumen beobachtet. Er hat gesehen, daß einmal bearbeitete Bäume in Folge des Verwildern-Lassens Probleme bekamen. Diese Bäume hatten es eine lange Zeit schwer und wurden nie so gesund, wie Bäume, die von Anfang an unbehandelt blieben.


    Man muß also unterscheiden zwischen behandelten und gänzlich unbehandelten Tieren und Pflanzen. Der Natur überlassen, bedeutet nicht grundsätzlich verwahrlosen. Erst wenn die Tiere / Pflanzen schon einmal gepflegt wurden, kommt die Verwahrlosung, die Probleme. Diese Probleme gibt es bei diesen Rindern, wie von Dir treffend beschrieben und diese Probleme gibt es bei den Bienen.


    Nach einer Zeit aber harmonisiert sich das Ganze wieder und der natürliche, nicht-verwahrloste Zustand stellt sich wieder ein.


    Der natürliche Zustand aber ist anstrebenswert. Weil dieser Zustand das Optimum für die Pflanze / das Tier ist. Bitte nicht Optimum gleich Ertrag setzen.
    Dieses Optimum garantiert Gesundheit, ein glückliches Leben und den Fortbestand der Art. Und das sollte man jedem Lebewesen wünschen.


    Der Mensch kann natürliche Zustände für sich nutzen - vorausgesetzt, er ist willens und geschickt genug dazu. Bescheidenheit ist ebenfalls Voraussetzung.


    Ich finde den Mut des erwähnten Bauern vorbildsmäßig: an die richtige Richtung glaubend, das Richtige empirisch ermittelnd. Anfängliche Probleme und Rückschläge hinnehmend.


    Viele Grüße,


    Bernhard Heuvel


    PS: Ich habe in meiner Zeit in Australien halbwilde Pferde- und Rinderherden beobachten können, die keine Probleme draußen hatten. Wie gesagt, mit der Zeit spielt sich das ein, aber die gilt es zu überbrücken!

  • BernhardHeuvel schrieb:


    Fukuoka hat das an Obstbäumen beobachtet. Er hat gesehen, daß einmal bearbeitete Bäume in Folge des Verwildern-Lassens Probleme bekamen. Diese Bäume hatten es eine lange Zeit schwer und wurden nie so gesund, wie Bäume, die von Anfang an unbehandelt blieben.


    Hallo Berhard,
    neben der Imkerei, die ich vollständig hinterfrage und auch alles ausprobiere, ist mein Obstgarten auch soetwas zum Ausprobieren. Was ich bisher an meinen über 70 Obstbäumen festgestellt habe, ist der Umstand, dass hier, eine der Natur abgeschaute Behandlungsweise das Optimum ist.
    Bestes Beispiel ist das Thema "Schneiden der Obstbäume". Obstbäume muss man Pflegen, weil man ansonsten keine schönen, großen und vor allem vitaminhaltige Äpfel ernten kann.
    Ich habe es mir schon lange abgewohnt mit einer Schere die Bäume zu Malträtieren. Bei mir werden die Äste abgerissen, schon beim sogenannten Erziehungsschnitt genügen meine Hände. Wasserschosse wachsen beim "Reißen nicht mehr so nach, im Gegensatz dazu mit der Schere wachsen an der Schnittstelle mehrere Reiser nach dem Schnitt nach. Auch heilt ein mit der Hand abgerissener Ast, viel besser und schneller als ob man die Schere verwendet, denn das Reissen ist der Baum von Sturm gewohnt und seine ganze Natur ist hier auf volles Optimum bei der Heilung eingestellt.
    So habe ich im Einklang mit der Natur viele gute Erfahreungen im Obstgarten machen können.

  • interessante theorie. nur stell ich mir das eher arg vor, wenn man viele obstbäume hat und wenn man dickere äste loswerden will. was macht man dann? auf den ast stellen und hüpfen? ich hätte da nicht die muckis für so eine betriebsweise. :wink:

  • salvia schrieb:

    nur stell ich mir das eher arg vor, wenn man viele obstbäume hat und wenn man dickere äste loswerden will. was macht man dann? auf den ast stellen und hüpfen? ich hätte da nicht die muckis für so eine betriebsweise. :wink:


    Man macht das von Anfang an beim Erziehungsschnitt, das hält dann vor! Man muss eben immer wieder beobachten und nachwachsende Äste, die nicht passen früh genug abreißen!!! Ich komme sehr gut damit klar, man darf aber nichts übersehen!

  • ich hatte einen Jungochsen, der hat sich bei mehreren jungen Obstbäumen im Erziehungsreißen bzw. beißen beübt, den habe ich ohne zu zögern der Fleichsverwertung zugeführt, weil ich meine Bäume lieber schneide. Wenn Äste mit starkem Besatz bei Sturm abreißen, taugt der ganze Baum nicht mehr viel.

  • problembär schrieb:

    ich hatte einen Jungochsen, der hat sich bei mehreren jungen Obstbäumen im Erziehungsreißen bzw. beißen beübt, den habe ich ohne zu zögern der Fleichsverwertung zugeführt, weil ich meine Bäume lieber schneide. Wenn Äste mit starkem Besatz bei Sturm abreißen, taugt der ganze Baum nicht mehr viel.


    Ich habe diese Methode in der Niederbay. Lehranstalt für Gartenbau gelernt.
    Leider hast du aber auch gar nicht verstanden, siehe

    problembär schrieb:

    Wenn Äste mit starkem Besatz bei Sturm abreißen, taugt der ganze Baum nicht mehr viel.

    , was ich damit meinte.


    Aber warum solltest du von deiner Meinung abkommen ?

  • :lol: Ihr redet aber nett aneinander vorbei.


    Sogar ICH hab verstanden, was Franz meinte, nämlich, daß "auch beim aufs Abreißen durch Sturm eingestellten Baum" der Baum ziemlich hin ist, wenn der Sturm einen starken Ast mit Früchten dran abreißt, zu Salvias Frage nach dicken Ästen.
    Das dürfte dann wie Arm- oder Beinamputation sein, da ist der Mensch de facto auch nicht mehr voll einsatzfähig. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo zusammen,
    ähnlich wie bei den Rindern hab ich auf einem Pferdeschutzhof erleben können, das durch Stallhaltung kranke und alte Pferde einfach ganzjährig auf die Weide gestellt wurden, nur mit einem Unterstand. Egal, ob´s regnete oder schneite. Ohne Hufeisen. Die Pferde waren fit. Selbst eine 28jährige Haflingerstute, die wegen Asthma auf dem letzten Loch pfeifend ankam, erholte sich unter dieser Haltung. Das der Bauer versucht, seine Rinder unter möglichst naturnahen Umständen zu halten, find ich gut.
    Und meine Obstbäume wurden seit zig Jahren nicht beschnitten (hab sie vor drei Jahren so übernommen). Ein Hochstammapfel ist völlig aus der Form und so hoch wie breit (ca 8m). Alle tragen wie doof, und Verjüngung findet statt, wenn fruchtschwere Äste im Wind abreissen...Da werd ich auch nicht tätig werden...

    LG
    Elke


    Bienen seit April 06, Carnica in Heroldbeute auf DNM , Gartenbienen

  • Oh, Elke,
    das hab ich selbst 7 Jahre erlebt, Offenstallhaltung, Stall 16x 8 Meter, ein Teil ganz offen, ein Teil mit Windschutz, im Schnitt 7 Zossen, alle barfuß.
    Freiwillig reingegangen sind die nur bei längerem Regen, sogar bei Schneesturm standen sie lieber draußen, mit Bobbes im Wind und 10cm Schnee auf dem zugegebnermaßen sehr dicken Winterfell.
    Krankheiten gab es keine, außer einmal bei einem 23j. Halb-Fjordi eine Rückenmarksentzündung (ich hätte gesagt Schlaganfall), und sogar der hat sich wieder erstaunlich schnell erholt. Sein bester Kumpel hat übrigens die ganze Woche, wo der Kranke abgetrennt liegen mußte, davor gestanden und aufgepaßt und fast nix gefressen. Fehlte nur noch Händchenhalten. :wink: 
    Klar sehen die Pferde mit dem Winterfell nicht so elegant aus, wie die geschniegelten und rasierten Viechers aus den normalen Ställen, aber glücklicher und vor allem entspannter und angstfreier waren sie mit Sicherheit. Und gesünder auch.
    Tierärztin hat an uns nicht viel verdient, nur Impfen und Entwurmen. :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Morgen, Ihr Nichtschneider,
    schön, daß dem Bernhard die Themen nicht ausgehen.
    Schön, daß Franz mit Bernhard konform geht, schön daß die Sabine sogar den Franz versteht.
    Oh Du heile Welt!
    Schön, daß ausnahmsweise nicht gerangelt wird und schon gehts mir ab.
    Aber bleiben wir doch wieder beim Thema.
    Ich hab auch eine Streuobstwiese mit 100 Bäumen und lernte auch Bäumeschneiden und Veredelung usw.
    Aber was ist das Thema?
    Ist es nicht die Hinterfragung unserer Bienenzucht?
    Unserer Betriebsweisen?
    Unseres ständigen Einmischens?
    Ich persönlich bewundere Bernhard dahingehend, daß er kompromisslos
    versucht, ohne viele Eingriffe seine Bienen zu unterhalten.
    Er probiert und studiert und entweder wird er in der nichtssagenden Unendlichkeit der Immenseelen untergehen oder er wird als ein neuer Stern am Immenhimmel aufglühen.
    Warten wirs ab und spekulieren wir nicht.
    Fragen wir lieber: Wo stünden wir ohne die Zuchtauslese?
    Meinungen dazu, bitte meine Damen und Herren!
    Grüssle unterm eis-blauen Himmel
    Simmerl