Warum können Hummeln mehr Kälte ab als Bienen?

  • Hallo Frieder,


    Du mußt es ja wissen, schließlich heißt du ja auch "Hummel" :D


    Ich bin immer wieder aufs Angenehmste überrascht über die wissenschaftlich fundierte Kompetenz deiner Beiträge.
    hartmut : Ich beantrage die Anschaffung eines "Applaus-Smilies" für Frieder.

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck

  • Hummeln und Kälte
    Grüße an die Schreiberlinge,
    die Hummeln haben einen sehr schnellen Stoffwechsel, der erzeugt mehr Wärme (im Bauch), da sie auch Pummelchens sind, ist das Verhälnis Volumen zu Körperoberfläche recht günstig. Also fliegende "Thermoskannen". Nachteil der Nummer, sie brauchen SUPER PLUS Sprit, unter Linden liegen deshalb oft tote Hummis, Linden geben nur Normalbenzin. Für Bienen langt´s, nur die Dicken verhungern mit vollem Tank. Ich hab mal eine abgestürzte Hummel mit Zuckerwasser nachgetankt - nach 5 Stunden flog sie loß, vorher war sie völlig ausgepowert.
    Gruß Knäcke

  • 5 stunden? :o
    ich mach das auch manchmal mit dem hummel betanken - aber die brauchen normal keine 10 minuten. ebenso mit bienen die ich hinterm fenster finde und die sich durch das "gegen-die-scheibe-fliegen" total verausgabt haben. die sind nach 5 minuten wieder fit :wink:

  • knaecke1959 schrieb:

    ... sie brauchen SUPER PLUS Sprit, unter Linden liegen deshalb oft tote Hummis, Linden geben nur Normalbenzin ...
    ... nur die Dicken verhungern mit vollem Tank ...


    Hallo Schreiberling,


    mit dieser ausgefallenen Theorie wirst du ziemlich allein stehen.
    Der Lindennektar ist von seinem Nährwert bzw. Energiegehalt her so gut oder schlecht wie jeder andere Honig.


    Zitat

    ... Stoffwechsel, der erzeugt mehr Wärme (im Bauch) ...

    ... kaum; wie unere Bienen erzeugen auch die Hummeln ihre Stoffwechsel-Wärme mit ihren Flugmuskeln.
    (So zB. läuft zur Erzeugung der Stockwärme der Flugmotor mit Vollgas bei ausgekuppelten Flügeln im Leerlauf.)


    Zitat

    ... Für Bienen langt´s ...

    ... ja, weil sie dank ihres Zeit-Gedächnisses (das den Hummeln fehlt) nur zu den Tageszeiten anfliegen, an denen die Linden honigen.


    Schon in unserem alten Stammtisch-Archiv am 25.06.2000 19:41 hat Ingrid Illies auf Untersuchungsergebnisse zu diesem Thema hingewiesen:
    http://www.bienen.de/interaktiv/archiv/thema_212.html


    Und hier noch ein neuerer Text:
    http://www.wildbienen.de/hbio-neo.htm

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)

  • Hallo alle miteinander,
    hallo Frieder,
    meine Info zum Th. Linde bezog sich auf eine Anfrage an unsere Tagespresse: "Warum liegen unter unserer Linde (Sommerlinde) so viele tote Hummeln, aber keine toten Bienen?"
    Die Antwort war von einem Dr.vet., ich denk der weiß worum es geht.
    Er bezog sich auf den Nährstoffgehalt des Nektars an der Blüte, nicht auf den Honig. Der ist umgebaut, entwässert.... .
    Der Verdacht des Fragenden bezog sich auf im Nektar vorhandene Giftstoffe, die die Hummis nicht abkönnen, den Summis aber nichts tun.
    Das war Fehlanzeige.
    Ich habs mit der Superdicken selbst nachgetestet, die fiel mir aus dem Baum direkt vor die Füße. Zuckerlösung, Zeit und es geht.
    Mit den Flugmuskeln i.O. die Dicken haben da etwas mehr PS als unsere Bienen, das Verhältnis Flügelfläche/Körpermasse ist bei ihnen etwas ungünstiger. Dadurch der höhere Energieumsatz und die Wärmeentwicklung und der "Vorteil" Kaltwetterflieger zu sein.
    Knäcke

  • knaecke1959 schrieb:

    Die Antwort war von einem Dr.vet., ich denk der weiß worum es geht ...


    Hallo Knäcke,


    ... natürlich,
    leider zitierst Du ihn nicht wortwörtlich, so dass ich nur rätseln kann, was er meint.


    Zitat

    ... Er bezog sich auf den Nährstoffgehalt des Nektars an der Blüte, nicht auf den Honig.
    Der ist umgebaut, entwässert ...

    ... richtig,
    das geschieht ja nicht in der Blüte, sondern bekanntlich unter Mitwirkung der Bienen- bzw. Hummel-Enzyme
    (deshalb hatte ich auch Lindennektar geschrieben, und wenn die Bienen ihn eintragen sagen die Imker, dass "die Linden [i]honigen[i]").


    Zitat

    ... Der Verdacht des Fragenden bezog sich auf im Nektar vorhandene Giftstoffe ...
    Das war Fehlanzeige.

    ... klar,
    früher hatte man den Zucker Mannose in Verdacht, aber der kommt im Lindennektar gar nicht vor.


    Zitat

    ... das Verhältnis Flügelfläche/Körpermasse ...

    ... dürfte bei den kurzen Strecken von Blüte zu Blüte nur eine untergeordnete Rolle spielen.
    Entscheidend ist wohl der größere "Flugmotor" mit größerer Wärmeerzeugung (und mit entsprechend höherem Treibstoffverbrauch), der auch während des Nektarsaugens mit ausgekoppelten Flügeln weiterläuft.
    Aber für die Bienen ist dieses Verhältnis für Langstreckenflüge von Vorteil,
    zB. wenn ein Nachschwarm mit einer "gut-geflügelten" Jungfer unterwegs ist.


    Zitat

    ... Linden geben nur Normalbenzin. Für Bienen langt´s, nur die Dicken verhungern mit vollem Tank ...

    Diesen Satz aus Deinem vorigen Beitrag habe ich immer noch nicht kapiert :( ,
    gibt es da ein Missverständnis?
    denn:

    Wildbienen<br>[url schrieb:

    http://www.wildbienen.de/hbio-neo.htm[/url]
    ]... 2. die unter Linden liegenden toten Hummeln fast keine zuckerhaltigen Energiereserven haben (nur knapp 7 µMol Zucker gegenüber ca. 17 µMol bei Hummeln, die an anderen Blüten gesammelt haben

    Das hier sind Zucker-Mengenangaben und geben keinen Hinweis auf einen vollen Tank mit minderwertiger Zuckerlösung.


    Es ist auch kaum vorstellbar, dass die Lindenblüten an Sommertagen während des mittäglichen Hummelsterbens einen besonders dünnflüssigen Nektar produzieren,
    denn:

    Dr. Werner Mühlen / Ingrid Illies<br>[url schrieb:

    http://www.uni-muenster.de/Bio…ogie/Lindenprojekt-d.html[/url]
    ]... Der Baum sezerniert zweimal tägliche Nektar (frühe Morgenstunden und später Nachmittag) ...

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


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  • salvia schrieb:

    ... wie verhält es sich eigentlich bei hornissen? ...


    Hallo Salvia,


    die Verhältnisse bei den Hornissen entsprechen denen bei den Hummeln, die ich bereits in meiner an Dich gerichteten Antwort (Hummeln und Wärme) angeführt habe:

    Zitat

    ... die wichtigste Ursache ist das bereits oben von Michael genannte günstigere Verhältnis zwischen dem Körpervolumen und der Körperoberfläche bei den Hummeln gegenüber den Bienen.
    Dazu kommt noch: je größer die Flugmuskulatur, desto besser die Wärmeerzeugung.
    ...
    Bergmanns Erklärung: Ein großer Körper (= Hummel) verliert über seine (in Bezug auf sein Volumen) relativ geringe Oberfläche weniger Wärme als ein kleiner Körper (= Biene).


    Und Knäcke hat das inzwischen ebenfalls wiederholt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


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  • ... und...


    unsere Hornissen sind -anders als unsere Bienenarten und anders als die "kleinen" Wespen- ausgesprochene Nachtjäger.
    Sie können aufgrund ihrer ausgezeichneten Augen bis tief in die Nacht noch scharf sehen, theoretisch genügt ihnen das wenige Licht in einer Vollmondnacht.
    Daher sieht man sie zu Zeiten auf der Jagd, wenn unsere Bienen schon längst in ihren Stöcken sind.

    Grüße an alle


    Michael




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  • Hallo Michael,
    ich glaub meine Hornis wissen das nicht, die ballern am TAGE um die Bienenkisten und mopsen gewaltig was weg. 100 -150 Angriffe/Stunde sind täglich normal (ich hatte Schulfrei - Lehrer ebend)und es waren nur die erfolgreichen angestrichen :cry: . Wespen kurbeln auch genug rum, die werden aber nicht gegriffen von der Großen Gelbgetiegerten.
    Naja es ist halt Natur, aber MEINE BIENEN :( .
    Gruß Knäcke