Dufte

  • Hallo miteinander.


    Die Weisel erzeugt ein Pheromon, daß sie an die Arbeiterinnen verteilt. Die verteilen diesen Duft weiter an die anderen.


    Wieviel Pheromon produziert denn so eine Königin? Doch bestimmt nicht unbegrenzt.


    Wenn es aber begrenzt ist, wie wirkt sich die Volksgröße in Verbindung mit Knappheit des Pheromons aus?


    Sind große Völker weniger harmonisch als kleinere?


    Theoretisch müsste die Menge sich in einem großen Volk zu stark verteilen. Also wie der Tropfen Milch im Bodensee.



    Was sind die Folgen?


    Nur laut gegrübelt.


    Bernhard Heuvel

  • :lol: Hallo, Bernhard,
    das Problem ist für mich gelöst, seit ich letztes und auch dieses Jahr die spazierengehenden Königinnen (markiert!, keine Jungfern auf der Flucht) in den nicht durch Absperrgitter getrennten obersten und völlig leeren Honigräumen gesehen habe.
    Mama sorgt schon selbst dafür, daß sie überall Duftmarken hinterläßt.
    Und Pheromone zeichnen sich doch gerade dadurch aus, daß sie in geringsten Spuren wahrgenommen werden können, denk an die Schwärmerart, die über 20 Kilometer ihre Weibchen erschnuppern kann.
    Die haben zwar dafür auch gewaltige Antennen, aber das Volumen im hohlen Baum oder Beute ist doch relativ begrenzt, da reicht die normale Ausstattung.


    Was ich weiß, ist, daß sich die Art /Struktur des Pheromons nach der Begattung schlagartig ändert, was mit ein Grund ist, warum legende Königinnen soviel besser angenommen werden als unbegattete, und unbegattete doch noch lieber als Weiselzellen.
    ich kann an meinen "anderthalb"fachen Völkern jedenfalls keinen Harmoniemangel erkennen; ich weiß allerdings nicht, wie es bei Non-SC-Bienis aussieht. Die kleinen Zellen tragen ganz erheblich aus irgendwelchen Gründen zur Harmonie bei, desgleichen der unbegrenzte Drohnenbau. Und das sind nicht nur meine Erfahrungen :wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • BernhardHeuvel schrieb:

    ... Die Weisel erzeugt ein Pheromon, daß sie an die Arbeiterinnen verteilt ...


    Hallo Bernhard,


    statt "ein Pheromon" wäre besser "ein Pheromon-Gemisch".
    Es besteht aus einer ganzen Reihe von Substanzen, von denen nach einer 35 Jahre alten Schrift damals bereits 14 bekannt waren (H. Deißenberger, Apis mellifica - Honigbiene; G. Fischer Verlag, Stuttgart 1971, S.73).
     
    Die Bestandteile dieser auch als "Königinsubstanz" oder "Weiselstoff" bezeichneten Mischung werden in verschiedenen Drüsen hergestellt, hauptsächlich aber in den beiden Oberkiefer-(= Mandibel-)Drüsen.


    Die Hofstaat-Bienen nehmen durch den Kontakt beim Füttern, Pflegen und Putzen die Königinsubstanz auf.


    Zitat

    ... Die verteilen diesen Duft weiter an die anderen ...


    ... ja, wie bei einer Kettenreaktion in kürzester Zeit. Das Fehlen führt bekanntlich schon nach etwa einer Stunde zur "Weiselunruhe".
    Im Experiment lässt sich die Weiselunruhe mit dem künstlich hergestellten Haupt-Bestandteil verhindern (= 9-Oxo-trans-2-Decensäure, oder kürzer 9-O-D ;) ).
    Andererseits können bei operativ entfernten Oberkieferdrüsen die anderen Pheromondrüsen deren Funktion übernehmen (allerdings hatten die betroffenen Königinnen keinen Hofstaat mehr).


    Zitat

    ... Wieviel Pheromon produziert denn so eine Königin? ...


    Mengenmäßig sehr wenig, denn wie Hormone wirken auch die Pheromone in geringsten Spuren.


    Zitat

    ... Doch bestimmt nicht unbegrenzt ...


    Zeitlich unbegrenzt, also lebenslang. Mit zunehmendem Alter wird die Menge geringer.


    Zitat

    ... Wenn es aber begrenzt ist, wie wirkt sich die Volksgröße in Verbindung mit Knappheit des Pheromons aus? ...
    Theoretisch müsste die Menge sich in einem großen Volk zu stark verteilen. Also wie der Tropfen Milch im Bodensee. Was sind die Folgen? ...


    Weiselzellen anblasen und Schwärmen oder still Umweiseln.


    Zitat

    ... Sind große Völker weniger harmonisch als kleinere? ...


    Die Harmonie hängt nicht nur von den Pheromonen ab, sondern auch


    - von dem ständig fließenden Nahrungsstrom im Volk durch Futteraustausch von Biene zu Biene (= Trophallaxis; = "Schneeballprinzip", n. Ruttner, Naturgeschichte, S.34), jede hat immer einen teilweise gefüllten Honigmagen.


    - von den vorhandenen Drohnen


    - von einem ausreichenden Futter- und Pollenvorrat


    - ... usw.


    sabi(e)ne schrieb:

    ... Was ich weiß, ist, daß sich die Art /Struktur des Pheromons nach der Begattung schlagartig ändert, was mit ein Grund ist, warum legende Königinnen soviel besser angenommen werden als unbegattete ...


    ... ja, denn bei einer frisch geschlüpften Jungfer sind die Oberkieferdrüsen noch relativ klein und leer; erst nach einem Jahr sind sie voll ausgebildet.


    Jede Weisel besitzt ihre eigene von ihren Bienen "erlernte" Weiselstoff-Zusammensetzung, so dass beim Vorhandensein einer fehlbegatteten Königin die fremde "Vollweisel" nicht angenommen wird.
    Evtl. können auch Drohnenmütterchen Weiselstoff bilden ?

    Mit freundlichen Grüßen
    Frieder


    ____________________


    Der Bienenstaat gleicht einem Zauberbrunnen;
    je mehr man daraus schöpft, desto reicher fließt er (K.v.Frisch)


    Es irrt der Mensch, solang er strebt (J.W.v.G.)